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Jahresrückblick, Teil 2

Tiefpunkte des Jahres 2018

Homo- und Transphobie sind auch in Deutschland noch immer weit verbreitet: Wir stellen die zehn Lowlights des Jahres 2018 aus LGBTI-Sicht vor.


Bundesbildungsministerin Anja Karliczek deutet an, dass gleichgeschlechtliche Paare pauschal eine Gefahr für Kinder darstellen könnten – und verbreitet damit eine wissenschaftlich längst widerlegte homophobe Legende (Bild: Screenshot n-tv)

AfD jetzt immer offener homophob
Wir erhielten einen kuriosen Anruf aus dem Büro eines AfD-Abgeordneten: Warum, so die Frage, würden wir immer so negativ über den Politiker berichten, er habe doch gar nichts "gegen Schwule". Der Parlamentarier hatte kurz zuvor auf seiner Facebookseite die gleichgeschlechtliche Ehe als "abartig" bezeichnet und mit einer Ehe zwischen Kindern und Tieren verglichen. Der Mitarbeiter konnte nicht erkennen, warum sich gleichgeschlechtliche Paare von diesem Vergleich angegriffen fühlen.

Mit diesem Spielchen setzen sich AfD-Politiker immer wieder in Szene. Erst wird etwas maximal Beleidigendes über eine Gruppe – meistens Ausländer, Homosexuelle oder "Linke" – gesagt, dann wird so getan, als ob man es nicht so gemeint habe oder die Medien wieder Fake News verbreiten. In diesem Jahr haben AfD-Politiker rücksichtslos wie selten auf Homosexuelle, die vermeintlichen Produkte des "Gender-Wahnsinns", eingeschlagen.

AfD-Politiker bezeichneten 2018 Diskriminierungsschutz für Homo- und Transsexuelle als "dekadent", Aufklärung über LGBTI in Schulen als "Gehirnwäsche" oder warnen vor heiratenden Homosexuellen als "unbiblisch" oder gar als Weg in den "Volkstod". Aids-Kranke wurden außerdem als Preis "für ein dekadentes Gesellschaftsmodell" beschimpft.


Der AfD-Politiker Thomas Ehrhorn geht rhetorisch gegen Schwule und Lesben mit Nazi-Begriffen wie "Volkstod" vor

Ein Problem mit dieser diabolischen Argumentation ist, dass auch Politiker aus anderen Parteien offen ihre Abneigung gegen sexuelle und geschlechtliche Minderheiten zur Schau stellen: So ist etwa in Sachsen der Unterschied zwischen CDU- und AfD-Rhetorik nur mehr marginal. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek beteiligte sich sogar aktiv an der Dämonisierung von Regenbogenfamilien – die AfD zeigte sich über so viel gemeinsamen Hass erfreut. Auch die neue CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer profilierte sich bereits seit längerem mit abwertenden Kommentaren über heiratende Schwule und Lesben.

Die schrecklich nette Homophobie von Linken und Grünen
"Sahra Wagenknecht schürt Homophobie" – das war 2018 der meistgelesene Artikel auf queer.de. In dem Text wird kritisiert, wie die Fraktionschefin der Linken im Bundestag in einem "Welt"-Gastbeitrag Minderheitenschutz als "Wohlfühl-Label" der Kapitalisten diffamierte. Die Aussage führte nicht nur zu Kritik des Lesben- und Schwulenverbandes, sondern auch in der parteieigenen Queerorganisation. Der Karriere der Politikerin, die immer wieder auch mit umstrittenen populistischen Aussagen um AfD-Stimmen wirbt, nahm allerdings keinen Schaden, eher im Gegenteil.

Homophobe Äußerungen von Politikern der Linken und Grünen sind eigentlich ungewöhnlich, weil sich beide Parteien in ihren Wahl- und Parteiprogrammen der LGBTI-Emanzipation verschrieben haben. Bei der Ökopartei übernimmt der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer schon länger den Job des populistischen Rebells. Auch in diesem Jahr machte er wieder fragwürdige Schlagzeilen oder verteidigt eine homophobe Politikerin.

Dabei nutzt er gerne die AfD-Methode, dass er alle Medien, die nicht seiner Linie entsprechen, als Fake News abwertet. Über uns schrieb er etwa: "Queer.de hat schon viel dummes Zeug über mich geschrieben, einen Großteil frei erfunden und ideologisch gequirlt. Das ist nun wirklich keine Quelle." Auch Wagenknecht nutzte die pauschale Fake-News-Keule gegenüber queer.de.

Ein Unterschied zwischen zwischen Linken und Grünen gibt es aber: Während Palmer den meisten Grünen peinlich ist und er offen kritisiert wird, hat Wagenknecht als Fraktionsvorsitzende ihre Bundestagsfraktion hinter sich und ist das wichtigste Gesicht der Partei.


Boris Palmer hat ein Herz für Homo-Hasser

Katholische Kirche: Homophobie soll vom Missbrauchsskandal ablenken
Die Ablehnung von Homo- oder Transsexuellen gehört zur DNA der katholischen Kirche – besonders in der Führungsetage. Dieses Jahr erwiesen sich die Angriffe als besonders aggressiv, da viele Bischöfe mit Homophobie vom Missbrauchsskandal ihres Arbeitgebers ablenken wollen. Der schweizerische Weihbischof Marian Eleganti sieht Schwule etwa zu "90 Prozent" in der Verantwortung für innerkirchlichen Missbrauch und bescheinigt ihnen gleichzeitig, keine "ebenso wertvolle Variante der Schöpfung" zu sein. Sogar Gerhard Ludwig Kardinal Müller, der jahrelang die mächtige Glaubenskongregation anführte, machte ein "homosexuelles Netzwerk", das "mafiaartig" agiere, für den Missbrauch verantwortlich. Der amerikanische Kardinal Raymond Leo Burke behauptete, dass ein "sehr schwerwiegendes Problem der homosexuelle Kultur" in der Kirche existiere, das für die Übergriffe verantwortlich sei.

Auch der Fall des Rektors der katholischen Hochschule Sankt Georgen, Ansgar Wucherpfennig, zeigt, wie sehr der Vatikan mit Homophobie Politik macht: So wurde der Jesuitenpater im Frühherbst gefeuert, weil er sich positiv über Schwule und Lesben geäußert hatte. Hier zeigte sich aber auch, dass nicht die ganze Kirche der Homophobie aus dem Vatikan folgen wollte. Nach erheblichen Protesten zog der Papst schließlich im November seine Entlassung zurück.

Dass man Papst Franziskus in Richtung LGBTI-Akzeptanz nichts erwarten kann, zeigten einige Äußerungen des Pontifex in diesem Jahr: So bezeichnete der 82-Jährige Homosexualität als "Mode", attestierte schwulen und lesbischen Kindern, dass sie wegen ihrer sexuellen Orientierung ein Fall für den Psychiater seien, und bekräftigte gleichzeitig, dass er nur heterosexuelle Priesterschüler akzeptieren werde. Gleichzeitig sprach er Schwulen und Lesben grundsätzlich ab, eine Familie sein zu können.

Homophobie in der evangelischen Kirche noch immer virulent
Insgesamt gibt sich die evangelische Kirche zwar LGBTI-freundlicher, duldet aber regelrechte Homo-Hasser in ihren Reihen. Verbreitet ist die Homophobie insbesondere in Württemberg, der einzigen Landeskirche, die ihren Pfarrern immer noch verbietet, homosexuelle Paare öffentlich zu segnen.

In Sachsen wird sogar das unter Katholiken gerade populäre Narrativ verbreitet, dass Schwule generell eine Gefahr für Kinder sind. Ein Jugendwart, dem aus diesem Grund jeglicher Kontakt zu Jugendlichen verweigert wurde, schmiss deshalb im Frühjahr hin und ging in einer anderen Landeskirche ins Exil.

Zwar gibt es ermutigende Entwicklungen in anderen Bereichen der Kirche – so erlaubte die Landeskirche Hessen-Nassau erst im November die Trauung gleichgeschlechtlicher Paare. Dennoch ist es schändlich, dass die EKD keine Probleme damit zu haben scheint, dass ihre Pfarrer öffentlich zur Ächtung von Schwulen und Lesben aufrufen und für die "Heilung" Homosexueller werben.

Koalition verschläft LGBTI-Rechte
Die neue Bundesregierung will bei LGBTI-Rechten nur wenig unternehmen: Im Koalitionsvertrag, der im Februar vorgestellt wurde, ist sehr wenig Engagement in diesem Bereich zu erkennen – zudem ist der Text unverbindlich. Dabei gibt es beispielsweise noch immer keinen bundesweiten Aktionsplan gegen Homophobie, der diesen Namen auch verdient – obgleich bereits die Vorgängerregierung diesen 2013 im Koalitionsvertrag versprochen hatte.

Stattdessen setzt die Regierung auf Klein-klein: Nachdem das Bundesverfassungsgericht im vergangenen Jahr das Recht auf einen dritten Geschlechtseintrag feststellte, hätte eine neue Bundesregierung eigentlich das völlig überaltete und in großen Teilen verfassungswidrige Transsexuellengesetz angehen können. Stattdessen setzte sie auf eine Minimallösung für Intersexuelle, die von allen Seiten kritisiert wurde.


LGBTI-Aktivisten fordern mehr Entgegenkommen von der Großen Koalition

Dabei gebe es noch viel zu tun: Laut der Rainbow-Europe-Liste, die den rechtlichen Fortschritt von LGBTI auf dem Kontinent misst, schafft es Deutschland trotz der Ehe-Öffnung nicht in die Top-10. Mängel gibt es laut ILGA Europe inbesondere im Kampf gegen Hassverbrechen, beim Antidiskriminierungsrecht und bei der Anerkennung von Regenbogenfamilien.

Auch der deutsche Lesben- und Schwulenverband beklagte vor den Vereinten Nationen den mangelnden Kampf gegen Homo- und Transphobie in Deutschland.

Russlands offener Kampf gegen Schwule und Lesben
Homo- und transfeindliche Regierung, die auf autoritären Führungsstil wert legen, erlebten in den letzten Jahren einen Aufschwung – man denke an die USA, Ungarn und zuletzt Brasilien. Mögliche Folgen einer solchen Entwicklung lassen sich in Russland beobachten: Die Regierung in Moskau kann sich nämlich auch an der Macht halten, weil Wladimir Putin seinem Volk einen oder mehrere gemeinsame Feinde auftischen kann – wie es fast alle Diktatoren tun. Ansonsten würde das Kartenhaus seines Regimes zusammenbrechen. Neben dem Westen hat Putin die Homosexuellen zu Feinden von innen aufgebaut – mit schlimmen Folgen für die Betroffenen.

Eine Studie kam dieses Jahr zu dem Ergebnis, dass das Gesetz gegen Homo-"Propaganda" zu mehr Hass und Gewalt geführt habe. Tatsächlich glauben fast zwei Drittel der Russen, Homosexuelle würden russische Werte zerstören. Wegen dieser Politik ist die Homophobie – anders als in anderen europäischen Ländern – in den letzten 20 Jahren in der russischen Bevölkerung noch angestiegen. Zudem versucht Russland, andere Länder zu destabilisieren, indem es homofeindliche Bewegungen unterstützt.

Die schlimmsten Auswirkungen hat diese Politik in der instabilen Teilrepublik Tschetschenien: Dort werden LGBTI offen von der Regierung verfolgt und sogar ermordet, wie die OSZE erst kurz vor Weihnachten in einem Bericht feststellte.

Hassbus reiste durch Deutschland
Auch in diesem Jahr verbreitete die "Demo für alle" wieder ihren Hass gegen LGBTI: Anlässlich der Landtagswahlen im Herbst kutschierte sie mit ihrem orangenen Bus durch deutsche Großstädte und verbreitete die Mär, dass die Erwähnung von Schwulen und Lesben an Schulen zu "Frühsexualisierung" führe. Dabei wurden die Homo-Hasser von der AfD und Teilen der CDU unterstützt.

Diskriminierung in der Szene
Die Szene ist seit Jahrzehnten für viele ein sicherer Hafen, in dem man einfach sich selbst sein kann. Allerdings gibt es auch hier Diskriminierung, wie zwei krasse Fälle in Deutschland und Österreich zeigten: So sorgten Anfang des Jahres Berichte aus Wien für Aufregung, dass Türsteher einige Gäste abgewiesen haben, weil sie zwar schwul, aber ausländische Flüchtlinge waren.

Im Oktober machte dann ein Fall von Altersdiskriminierung in Berlin Schlagzeilen: Eine Pension im Berliner Regenbogenkiez lehnte Gäste mit Verweis auf ihr fortgeschrittenes Alter ab.

Schwuler Pornoproduzent trickste Heteros aus
Das ist besonders fies: Ein schwuler Pornoproduzent lockt dutzende Heten in ein Haus und verspricht ihnen Sex mit einer gelangweilten Ehefrau. Weil diese nicht erkannt werden möchte, müssten die Männer aber eine Augenbinde aufziehen. Danach legt der Produzent selbst Hand an und filmt das ganze Geschehen – die Videos veröffentlicht er auf einer einschlägigen Seite gegen Bezahlung.

Das ganze hört sich nach einem wenig glaubwürdigen Plot für einen Low-Budget-Porno an – ist aber wirklich so passiert. In Florida muss deshalb ein Mann für drei Jahre ins Gefängnis. Auch wenn man sich leicht über die leichtgläubigen Hetero-Männer lustig machen kann, sollte man im Zeitalter der MeToo-Bewegung eigentlich dafür sensibilisiert sein, dass beim Sex die Einwilligung des Partners Voraussetzung sein muss.

Alte schwule Infrakstruktur geht verloren
Während Ü40-Schwule gerne darüber berichten, in welcher Kneipe oder Disco sie zu welchem Song ihren Partner irgendwann nach Mitternacht kennen- und lieben gelernt haben, trifft man sich heutzutage lieber über Grindr und Co. Auch wenn man Fortschritt natürlich nicht aufhalten kann – mit dieser Entwicklung geht auch einiges an Traditionen verloren.

Leider wird das Sterben der alten Infrakstruktur teilweise von der Politik beschleunigt, wie dieses Jahr in Berlin zu sehen ist: Bereits im Frühjahr schloss das Ordnungsamt Darkrooms – auch die Politik wurde für die Schließungen mitverantwortlich gemacht.

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#1 TiefpunktAnonym
  • 28.12.2018, 14:48h
  • Oh ja, das mit der "Bildungsministerin" war definitiv ein Tiefpunkt - der absolute Tiefflug. Und dass die alte Infrastruktur allmählich verloren geht, finde ich schade. Es gibt sowieso wenig Lokale und die sollten eher geschützt als wegrationalisiert werden.
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#2 Julian SAnonym
  • 28.12.2018, 15:48h
  • "Die schrecklich nette Homophobie von Linken und Grünen"

    Der Unterschied ist nur:
    bei Linken und Grünen sind das einzelne Politiker (oft solche, die eh ziemlich umstritten sind), die sich aber in der Gesamtpartei nicht durchsetzen und nicht entsprechende Wahlprogramme und entsprechende Initiativen verhindern können.

    Bei der SPD ist es genau umgekehrt:
    da erzählt uns vom Spitzenpolitiker bis zum Hinterbänkler jedes Mitglied jeden Tag ungefragt, wie sehr sie auf unserer Seite stehen. Aber dann handelt die SPD doch genau entgegengesetzt und gibt ihre Versprechen auf oder unterstützt die Union sogar bei weiterer Diskriminierung.
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#3 Julian SAnonym
  • 28.12.2018, 15:51h
  • Antwort auf #1 von Tiefpunkt
  • Ja, dass die SPD so eine "Bildungs"- und "Forschungs"-Ministerin mitträgt, die wissenschaftliche Fakten ignoriert um uns zu diffamieren, sagt alles über den Zustand der SPD aus.

    Die SPD hat sich als eigenständige Partei längst aufgegeben und versteht sich nur noch als Anhängsel der Union, um sich in deren Fahrwasser noch ein paar Pöstchen (Minister, Staatssekretäre, etc.) zu sichern. Und dafür machen die brav Männchen...
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#4 Katzenmutti LydiaAnonym
#5 Ralph
  • 28.12.2018, 16:13h
  • Antwort auf #3 von Julian S
  • Aus meiner Sicht ist die SPD die eigentliche Merkel-Partei. Ihr einziges politisches Ziel ist die Aufrechterhaltung der Kanzlerschaft Merkel. Ich halte es für möglich, wenn nicht für wahrscheinlich, dass die SPD mit dem Abtritt der Frau Merkel aus der Bundespolitik verschwinden wird. Der kurzzeitige Versuch, sich aus der totalen Abhängigkeit von Frau Merkel zu befreien, ist ja nach der vorigen Wahl grandios gescheitert, und ausgerechnet diejenigen, die laut die Befreiung ihrer Partei von der Kanzlerin bejubelt hatten, ließen sich danach mit Ministergehältern zurückkaufen. Der einzige, der das büßen musste, war der Buchhändler aus Würselen. Die anderen alle warfen ihn, der ja eh immer nur als Depp vom Dienst gedacht war und gar nicht zur Truppe gehörte, über Bord, um selbst im Boot bleiben zu können.
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#6 SPD-MitgliedAnonym
  • 28.12.2018, 16:20h
  • Antwort auf #3 von Julian S
  • und wieder die gleiche alte Anti-SPD-Leier, die mich so verdammt annervt....

    Erstens hatte die Union in diesem Ressort das Vorschlagsrecht und hat es dementsprechend wahrgenommen. Zweitens werden Minister_innen im Bundestag nicht gewählt, sondern lediglich vereidigt und erhalten ihre Amtsurkunden durch den Bundespräsidenten....ich denke, dass viele Unionler_innen gespuckt haben, als sie erfahren haben, dass Olaf Scholz Finanzminister würde oder Hubertus Heil Arbeitsminister....

    Meine Partei hat sich diese Regierungsbeteiligung nicht leicht gemacht (66 % ja zu 34 % nein) und die Koalition wird Mitte-Ende 2019 auch ausführlich evaluiert und danach bestimmt, ob es bei diesem Arrangement bleibt oder nicht. Ich sehe einige Lichtblicke wie das "Gute-Kita-Gesetz" (Giffay) oder "Rückkehrrecht Teilzeit-auf-Vollzeit" (Heil), die das wiederspiegeln, was ich unter sozialdemokratischer Politik verstehe, gerade weil auch viele gleichgeschlechtliche Ehepaare Kinder haben und ein Teil auf Teilzeit geht und dann später wieder auf Vollzeit und dementsprechende Kita-Plätze dringend gebraucht werden.

    Ich finde diese Anti-SPD-Haltung übrigens äußerst kontraproduktiv gerade im anstehenden Superwahljahr 2019, in welchem in drei ostdeutschen Bundesländern Landtagswahlen anstehen und ich keinen Bock auf AfD-Ministerpräsidenten vom Schlage Kalbitz, Höcke oder ähnliche habe, weil die dann aus den Bundesländern kleine Demokraturen machen werden und die LSBTTIQ*-Rechte mit Springerstiefeln treten werden. Wer darauf Bock haben sollte, darf ruhig gerne weiter gegen die SPD hetzen....alle anderen sind herzlichst dazu eingeladen, für sozial-demokratische Werte und die Demokratie an sich zu kämpfen!
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#7 FaktenAnonym
  • 28.12.2018, 17:18h
  • Antwort auf #6 von SPD-Mitglied
  • "und wieder die gleiche alte Anti-SPD-Leier, die mich so verdammt annervt...."

    Dann sorg dafür, dass Deine Partei sich anders verhält und z.B. mal ihre Versprechen hält, statt den Überbringer der Nachricht dafür verantwortlich zu machen.

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    "Erstens hatte die Union in diesem Ressort das Vorschlagsrecht und hat es dementsprechend wahrgenommen."

    Ja, aber genauso hat der Koalitionspartner das Recht, auf eine Koalition zu verzichten, wenn die Minister so sehr gegen angebliche eigene Überzeugungen stehen. Und so verzweifelt wie Merkel war, hättest Du mal sehen können, wie schnell da eine andere Person für das Amt gefunden gewesen wäre.

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    "Meine Partei hat sich diese Regierungsbeteiligung nicht leicht gemacht (66 % ja zu 34 % nein)"

    Jetzt fehlt nur noch das SPD-Standardspruch "Mit Bauchschmerzen".

    Im übrigen: bei vielen anderen Dingen würde man sich eine Zwei-Drittel-Mehrheit wünschen.

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    "und die Koalition wird Mitte-Ende 2019 auch ausführlich evaluiert"

    Ja, evaluiert Ihr mal schön das, was jeder andere mit gesundem Menschenverstand schon jetzt weiß.

    Im übrigen glaubst Du doch wohl nicht, dass diese Evaluierung scheitert...

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    "Ich finde diese Anti-SPD-Haltung übrigens äußerst kontraproduktiv "

    Dass SPD-Mitglieder Kritik kontraproduktiv finden, ist mir klar. Aber dennoch lässt sich hier niemand den Mund verbieten, erst recht nicht von irgendwelchen SPD-lern, die die homophobe Linie ihrer Partei mittragen.

    Im übrigen ist das keine "Anti-SPD-Haltung". Wenn die SPD ihre LGBTI-Versprechen komplett aufgibt und der Union sogar die Mehrheiten verschafft, das genaue Gegenteil zu tun, darf man das kritisieren. Würde die SPD es anders machen, wäre ich der erste, der die SPD loben würde. Aber wir können halt nur das kommentieren, was die SPD tut.

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    "und ich keinen Bock auf AfD-Ministerpräsidenten"

    Ich auch nicht. Aber dazu hat ja die SPD sehr stark beigetragen. Wenn Parteien immer weniger unterscheidbar werden und eine ehemalige Volkspartei wie die SPD nach der Wahl das Gegenteil dessen tut, was sie vor der Wahl versprochen hatte (obwohl sie vor der Wahl selbst betont hatte, dass Grokos die AfD stark machen), dann hat die SPD nicht unerheblichen Beitrag am Aufstieg der AfD.

    Von den Inhalten mal ganz zu schweigen, denn die soziale Ungerechtigkeit, wie sie im Moment herrscht, ist der beste Nährboden für Populisten.

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    "Wer darauf Bock haben sollte, darf ruhig gerne weiter gegen die SPD hetzen....alle anderen sind herzlichst dazu eingeladen, für sozial-demokratische Werte und die Demokratie an sich zu kämpfen!"

    Jetzt kommt wieder die Angstmacher-Strategie. Aber keine Sorge: wer sozialdemokratische Werte will, wählt garantiert nicht mehr die SPD. Denn die hat mit Sozialdemokratie ungefähr soviel zu tun wie die Kirche mit Nächstenliebe. Beide reden viel darüber, aber handeln dann doch genau umgekehrt.
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#8 FaktenAnonym
  • 28.12.2018, 17:27h
  • Antwort auf #5 von Ralph
  • Wundert Dich das?

    Die Leute mit Rückgrat und Anstand haben die SPD doch spätestens unter ihrem Bundeskanzler Gerhard Schröder verlassen.

    Wenn man sich nochmal erinnert, was damals die SPD (ganz ohne Druck der Union, als Koalitionsführer unter einem SPD-Bundeskanzler) so alles verbrochen hat:

    - Einführung von Hartz IV und Riester-Rente, um gleichzeitig die Vermögenssteuer abzuschaffen und den Spitzensteuersatz um 9 Prozentpunkte zu senken.

    - Ausstieg aus der solidarischen Renten- und Gesundheitsfinanzierung.

    - Öffnung des Wohnungsmarkts für Heuschrecken-Investoren und Hedge-Fonds-Spekulanten.

    - Ruinierung eines funktionierenden und weltweit vorbildlichen Arbeitsmarkts durch Zeitarbeit, Leiharbeit, Minijobs, Aufstocker, Scheinselbständige, Schein-Praktikanten, etc.

    - Einführung der (glücklicherweise mittlerweile wieder verschwundenen) Praxisgebühr, die gerade untere und mittlere Einkommen und gerade Alte und Kranke belastet hat

    - etc. etc. etc.

    Was hat das alles mit dem "S" im Namen der SPD zu tun?

    In den letzten 20 Jahren war die SPD (mit Ausnahme von 4 Jahren) immer Teil der Bundesregierung. U.a. dank der oben beschriebenen Maßnahmen haben wir in dieser Zeit eine Explosion der Mieten erlebt, die Schere zwischen Arm und Reich ist immer größer geworden, in einem der reichsten Länder der Welt (wovon aber nur die Oberschicht profitiert) sind Altersarmut und Kinderarmut auf Rekordniveau, etc. etc. etc.

    Nein, echte Sozialdemokraten haben die SPD längst verlassen und können heute gar nicht mehr anders als nur noch angewidert auf diese Partei zu sehen und was aus der ehemals stolzen SPD geworden.
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#9 GerritAnonym
  • 28.12.2018, 18:26h
  • Antwort auf #6 von SPD-Mitglied
  • Mimimi...

    Wenn Du willst, dass Deine Partei weniger kritisiert wird, sorge dafür, dass Deine Partei weniger Anlass dazu bietet.

    Aber schon Kurt Tucholsky wusste, dass derjenige, der auf den Schmutz hinweist, mehr verachtet wird als derjenige, der den Schmutz verursacht.

    Dass man in Koalitionen Kompromisse eingehen muss, ist jedem klar. Und wenn die SPD wenigstens einen Teil der Versprechen umsetzen würde, hätte jeder dafür Verständnis. Aber einfach 0 Prozent umzusetzen ist kein Kompromiss, sondern Einknicken auf ganzer Linie!!

    Bzw. macht man das, wozu man vom Bundesverfassungsgericht gezwungen wird (was also so oder so und unter jeder Regierung gekommen wäre) und keinen Deut mehr und versucht dann auch noch, das als eigenen Erfolg zu verkaufen.

    Die SPD setzt sich also nicht nur viel zu wenig für ihre LGBTI-Versprechen ein, sondern versucht dann auch noch, uns zu verarschen und für dumm zu verkaufen.
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#10 GerritAnonym
  • 28.12.2018, 18:41h
  • Antwort auf #8 von Fakten
  • Ein weiteres gutes Beispiel ist der angebliche Mindestlohn. Einer der wenigen (scheinbaren) Erfolge der SPD, womit die dementsprechend auch landauf landab hausieren gehen.

    Aber jeder, der das Märchen vom Mindestlohn glaubt, soll z.B. mal Frisöre, Brief- und Paketzusteller, Zeitungsausträger, etc. fragen, ob sie Mindestlohn bekommen. Ja, auf dem Papier ist das so. Aber dann müssen z.B. Friseure ihr eigenes Material mitbringen. Oder bei Brief- und Paketzustellern und Zeitungsausträgern werden die Reviere so groß gemacht, dass man das selbst im Laufschritt nicht in der Zeit schaffen kann und dann halt überbezahlte Überstunden macht. Wer dafür Geld will bekommt vorgehalten, dass er halt zu langsam arbeite, obwohl es beim besten Willen nicht zu schaffen ist.

    Und wenn man dann mal den Verdienst auf die reale Arbeitszeit umrechnet, arbeiten die alle weit unter Mindestlohn.

    Aber Hauptsache, die sPD verbreitet weiterhin die Mär vom angeblichen Mindestlohn...
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