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Literatur

Authentische Figuren in der Dating-Hölle

Daniel Zomparellis erster Erzählband "Die Welt ist schlecht und du bist echt unausstehlich" vereint 32 Geschichten aus dem schwulen Leben, die irgendwie zusammenhängen – und irgendwie doch nicht.


Der kanadische Autor Daniel Zomparelli ist Gründer der Zeitschrift "Poetry Is Dead" und Co-Moderator des Podcasts "Can't Lit". Er lebt in Vancouver (Bild: Luke Fontana)

"Ich mag Obstkuchen", "Date: Muskelmann" oder "Smiley mit rausgestreckter Zunge" heißen die Storys, die Daniel Zomparelli in "Die Welt ist schlecht und du bist echt unausstehlich" gesammelt hat. Einige sind nur wenige Sätze lang, eher Vignetten, ganz kurze Eindrücke, andere sind länger.

Ob kurz oder lang, die 32 Geschichten sind, oder könnten, irgendwie zusammenhängend sein. Zumindest tauchen immer wieder dieselben Namen auf – Ryan, Jacob, Dave, manche haben nur Buchstaben, R und C. Es geht um schwules Online-Dating, Freundschaft, Trennung und Verlust. Manche Geschichten bauen aufeinander auf, andere wirken völlig losgelöst vom Rest, fügen sich auch thematisch überhaupt nicht in den Erzählband.

Blasse Figuren, glaubhafte Dialoge


Für "Die Welt ist schlecht und du bist echt unausstehlich" wurde Daniel Zomparelli für den kanadischen Ethel-Wilson-Literaturpreis nominiert

Dass die Geschichten so unzusammenhängend wirken, liegt daran, dass Daniel Zomparellis Figuren völlig blass bleiben. Es entsteht kein Bild von diesem Ryan, von Jacob oder Dave, erst recht keine Empathie, sie haben keine besonderen Eigenschaften, sie haben nur ihre Handlungen und ihre Worte. Die Dialoge sind einfach, und gerade deshalb ungemein authentisch, sie sind die Stärke des Buches. Doch der Rest ist flach, sprachlich monoton, verworren – und frustrierend.

Denn, und vielleicht ist das die falsche Herangehensweise an dieses Buch, die Faust'sche Suche nach dem, was die Geschichten im Innersten zusammenhält, ist frustrierend, und es wird wohl keine Antwort geben. Mit jeder einzelnen Seite steigt die Hoffnung, doch noch im Zusammenhang das große Ganze zu erkennen – vergebens.

Einige der Geschichten, für sich betrachtet, bringen zum Schmunzeln, etwa wenn es um die klischeehaften, aber wahren "Hi wie geht's was suchst du wann kommst du vorbei"-Chats geht, wenn Zomparelli erste und zugleich letzte Dates beschreibt, wie sie direkt aus der Dating-Hölle zu stammen scheinen, wenn die eigenen Freunde einen zu Sexdates überreden wollen. Auch die Form, kurze Episoden, einzelne Gespräche und lange Geschichten aneinanderzureihen, dabei zwischen Personen und Perspektiven zu wechseln, ist für sich genommen eine interessante Erzählform, die aber in diesem Fall nur leider überhaupt nicht aufgeht.

Eine Dreierbeziehung mit Geistern

Dazu kommen immer wieder fantastische Elemente, eine Dreierbeziehung mit Geistern, die Grenzen zwischen Traum, Wirklichkeit und Träumerei verwischen immer mehr. Auch das hat irgendwie seinen Reiz, aber, wie so vieles in diesem Werk, nur irgendwie – denn insgesamt bleiben auch diese Episoden zu flach, wirr und reihen sich nicht wirklich in den Rest ein.

Das alles ist schade, denn die Geschichten könnten so aus dem Leben gegriffen sein, so viel Empathie erzeugen, Platz für Identifikation bieten – doch am Ende lässt "Die Welt ist schlecht und du bist echt unausstehlich" einen vor allem ratlos zurück.

Infos zum Buch

Daniel Zomparelli: Die Welt ist schlecht und du bist echt unausstehlich. Storys. Übersetzt aus dem Englischen von Nicola Heine und Timm Strafe. 240 Seiten. Albino Verlag. Berlin 2018. Taschenbuch: 18 @ (ISBN 978-3-86300-260-2). Ebook: 11,99 €


#1 Homonklin44Profil
  • 30.12.2018, 10:02hTauroa Point
  • Die Beschreibung klingt ja schon danach, als hätte er seine Geschichten direkt aus dem Online-Dating gesammelt. Verwirrend, frustrierend, flach oder monoton und bildlos, auch wenn viele sich da mit Fotogallerien präsentieren. Lieblos, hätte man vielleicht addieren können - dort interessiert niemanden Liebe.
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#2 ClaudiaAnonym
  • 30.12.2018, 13:21h
  • Ich habe mir das Buch schon vor einiger Zeit aufgrund der eigentlich interessanten Beschreibung gekauft. Allerdings habe ich es ungefähr nach der Hälfte beiseite gelegt. Ich wusste teilweise gar nicht, worum es eigentlich ging und wer wer ist. Das ist mir zu hoch.
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#3 Alexander_FAnonym
  • 30.12.2018, 14:22h
  • Klingt so, als habe jemand Gayromeo in Prosaform fassen wollen. Eigentlich ein löbliches Unterfangen, da ich selbst immer wieder daran verzweifle, Heten begreiflich zu machen, was es damit auf sich hat. Die andere Frage ist dann aber wohl, wie gelungen dieser Versuch ist.
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#4 Andy2Anonym
  • 31.12.2018, 08:57h
  • Danke, dass ihr regelmäßig auch über queere Literatur berichtet. Meinetwegen könnte das viel häufiger sein, weil ich Bücher kulturell wirklich wichtig finde.

    Das Buch hier hatte ich schon ein paar Mal in Gedanken auf meiner Kaufliste, bin aber nach wie vor unentschlossen. Allerdings hat der Albino Verlag generell wirklich gute Sachen im Programm! Vor allem die beiden Bücher von Julian Mars sind sehr empfehlenswert.
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