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Ab 3. Januar im Kino

Darum gehört "Colette" zu den wichtigen historischen Queerfilmen

Der schwule Regisseur Wash Westmoreland hat ein sinnlich-authentisches Porträt der bisexuellen Schriftstellerin Colette geschaffen, die als Ghostwriterin für ihren Mann tätig war.


Lesbische Affäre: Colette (Keira Knightley, re.) zusammen mit ihrer Geliebten Missy (Denise Gough) im Wald (Bild: dcm)

Fast ein bisschen jung, könnte man meinen, wenn sich Sidonie-Gabrielle Claudine Colette (Keira Knightley) und Henry Gauthier-Villars – besser bekannt als Willy – (Dominic West) zum ersten Mal in der Scheune näherkommen. Sie 16, er 30, aber so war das eben im Frankreich Ende des 19. Jahrhunderts. Drei Jahre später heiraten sie, und Gabrielle entdeckt durch ihren Mann die pulsierende Metropole Paris.

Der ist ein gefeierter Schriftsteller, den Ruhm hat er aber vor allem seinen Ghostwritern zu verdanken. Das Geld steckt er in Partys und Prostituierte, ständig ist er pleite. Da kommt ihm die Idee: Gabrielle soll für ihn schreiben. Die kann das erstaunlich gut, schreibt einen ersten autobiografischen "Claudine"-Roman. Ein Bestseller.

Regisseur mit schwuler Porno-Erfahrung


Poster zum Film: "Colette" startet am 3. Januar 2019 im Kino

Die Leser reißen sich um das Werk, den Ruhm erntet Willy. Gabrielle, mittlerweile nennt sie sich Colette, tritt brav zurück. Sie genießt den Lebensstil der Schriftsteller-Gattin und die Persönlichkeiten, die sie so kennenlernt. Angetan haben es ihr mehr und mehr die Frauen: Georgie Raoul-Duval (Eleanor Tomlinson) lädt sie unmissverständlich nach einem Fest zu sich ein. Colette fragt Willy sogar, ob er damit einverstanden sei – der sagt zu, wohl auch aus dem Kalkül, so mehr Stoff für weitere "Claudine"-Geschichten zu haben. Das Spiel geht auf.

Diese wie auch die späteren Liebes- und Sexszenen gewinnen dadurch, dass Regisseur Wash Westmoreland seine Filmkarriere zunächst mit preisgekrönten schwulen Pornofilmen begonnen hat: Er versteht es, Sinnlichkeit, Erotik und Lust zu inszenieren, ohne plump oder schaustellerisch zu wirken. Im Zusammenspiel mit einer prächtigen Belle-Époque-Kulisse, der wohl unterstreichenden orchestralen Musik und einem Licht, das die Szenen wie durch einen weich-samtenen Filter zeigt, wird "Colette" so zu einer wahrhaft ästhetisch-sinnlichen Erfahrung.

Doch nicht nur das. Das Drehbuch, das Westmoreland gemeinsam mit seinem 2015 an der Nervenkrankheit ALS verstorbenen Ehemann Richard Glatzer geschrieben hat, verhallt nie zu lange in dieser Stimmung. Stattdessen gibt es der auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte von Colette genug Dynamik und Abwechslung, um weniger eine Liebes-, als vielmehr eine Emanzipationsgeschichte zu sein. Wenn auch keine leichte. Ihr Film "Colette" gehört damit zu den wichtigen historischen Filmporträts queeren Lebens, ohne dass Colettes Bisexualität überhaupt im Mittelpunkt steht.

Ein lesbischer Kuss im Moulin Rouge – ein Skandal


Colette emanzipiert sich mehr und mehr von ihrem Mann

Keira Knightley ist die Ambivalenz deutlich anzumerken, die ihre Figur Colette tief in sich trägt: Die Freiheit, die ihr Willy zugesteht, ist größer als die ohne ihn – oder zumindest komfortabler. Es ist eine lange Leine, doch es ist eine Leine, bemerkt ihre unangepasste Affäre Mathilde "Missy" de Morny (Denise Gough in einer bemerkenswerten Nebenrolle) zurecht. Die ist Willy nämlich durchaus bereit, fester zu zurren, etwa wenn er Colette in einem Zimmer einschließt, damit sie weitere Bücher schreibt.

Denise Gough ist es auch, die Colette ans Theater holt – und die den Kampf gegen ihren Ehemann vorantreibt. Beide küssen sich am Schluss einer Pantomime im Moulin Rouge – ein Skandal. Es fliegen Nüsse, Gläser, Stühle. Colettes eindeutige Antwort, ob sie trotzdem weitermachen will: ja. Denn mittlerweile weiß sie, was sie will. Die Zuschauer konnten Colette in diesem großartigen, sehr queeren Porträt bis an diesen Punkt begleiten.

Direktlink | Offizieller deutscher Trailer

Infos zum Film

Colette. Spielfilm. Ungarn, USA, Vereinigtes Königreich 2018. Regie: Wash Westmoreland. Darsteller: Keira Knightley, Dominic West, Eleanor Tomlinson. Laufzeit: 112 Minuten. Sprache: deutsche Synchronfassung. FSK 6. Verleih: dcm. Kinostart: 3. Januar 2019


#1 fathers footstepsAnonym
  • 30.12.2018, 21:49h
  • Auf dem Foto wirkt Denise Gough ein wenig wie die schöne Keeley Hawes in der BBC-Verfilmung von "Tipping The Velvet".

    Sehr nett.
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#2 LillyComptonAnonym
  • 31.12.2018, 02:09h
  • Antwort auf #1 von fathers footsteps
  • Das Foto hat auf jedenfall etwas. Eine Femme eben, nicht die Masse sondern Klasse.

    Trotzdem hab ich mich doch eher in Kira verschaut, ne schnike Butch mit Zylinder usw. da klopft auch schon mal mein Butchherz höher.

    Ich fühl mich gerade so jung auf einmal.... :D
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#3 fathers footstepsAnonym
#4 LillyComptonAnonym
#5 GayofcultureAnonym
  • 31.12.2018, 15:19h
  • Der Ehemann von Colette ist heute vergessen, sie selbst hat dann eine eigene Karriere als Autorin hingelegt und ihren Mann in den Schatten gestellt. H.M. Enzensberger porträtiert sie wunderbar in seinem Werk 99 Überlebenskünstler der Literatur, zu denen auch für ihn Colette zählt.

    Das eine Person aus der Pornoindustrie im Mainstream Erfolg hat, dürfte außergewöhnlich sein sein.
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