Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?32657

Im Januar in der Queerfilmnacht

Sieben Tage Freiheit für Kenia

Wanuri Kahius Film "Rafiki" erzählt von einer lesbischen Liebe in Kenia. Dort wurde er verboten, weil er "Werbung" für Homosexualität mache, und durfte erst nach einer Klage für eine Woche aufgeführt werden.


Kena and Ziki müssen sich zwischen ihrer Liebe und ihrer Sicherheit entscheiden (Bild: Edition Salzgeber)
  • Von Marie Lange
    1. Januar 2019, 11:56h, noch kein Kommentar

Von Wanuri Kahiu hat in Deutschland bislang kaum jemand gehört – selbst für Filmkenner in Cannes zählte sie im letzten Jahr als eine Neuentdeckung. Doch in ihrer Heimat Kenia ist sie seit ihrem Debüt "From A Whisper" eine treibende Kraft in der Afro-Bubblegum-Bewegung, die bunte und optimistische Geschichten erzählt, um die Opfer-Rolle und die leidvollen Klischees des Kontinents zu beenden.

Inspiriert von der preisgekrönten Novelle "Jambula Tree" von Monica Arac de Nyeko, war Kahius Film "Rafiki" ("Freund/in" auf Suaheli) über eine lesbische Liebe nicht nur der erste ostafrikanische Beitrag in Cannes, sondern direkt auch Zündstoff für eine riesige politische Debatte. Denn was im eigenen Land (unter Männern) mit bis zu 14 Jahren Gefängnis bestraft wird, habe auf den Leinwänden nichts zu suchen.

Der große Wunsch nach Individualität


Poster zum Fil,m: "Rafiki" startet am 31. Januar in deutschen Kinos, zuvor laufen Previews im Rahmen der Queerfilmnacht

"Gute kenianische Mädchen werden gute kenianische Ehefrauen" – das wird in Nairobi schon früh vermittelt, aber die Politiker-Töchter Kena (Samantha Mugatsia, DJane und Mitglied der Band Yellow Bright Machine) und Ziki (Sheila Munyyiva) sind auf der Suche nach mehr, auf der Suche nach etwas Echtem, und sie finden dabei sich und ihre Liebe zueinander.

Doch während sie das erste Mal von Freiheit und einer selbstbestimmten Zukunft träumen, zieht sich die Schlinge um sie immer enger zusammen. Die beiden heranwachsenden Frauen müssen sich am Ende zwischen ihrer Liebe und Sicherheit entscheiden.

Rafiki ist auch ein feministischer Film

Filmemacherin Wanuri Kahiu hat in "Rafiki" keine Minenfelder gemieden. In ihrem 83-Minuten-Drama knüpft sie sich nicht nur die festverankerte Homophobie Afrikas, sondern in detailliert gezeichneten Nebenrollen auch viele andere Streitthemen wie die berufliche Gleichberechtigung von Frauen oder die gesellschaftliche Ächtung nach einer Trennung vor. Schon allein deshalb ist "Rafiki" ein mutiger und absolut nötiger Film.

"Ich hoffe, dass unser Film als eine Ode an die Liebe verstanden wird, deren Verlauf nie leichtgängig ist, und als eine Botschaft der Liebe und der Unterstützung an all jene, die sich zwischen Liebe und Sicherheit entscheiden müssen", sagt Regisseurin Wanuri Kahiu über die Botschaft ihres Dramas. "Dieser Film soll dort schreien, wo andere Stimmen zum Schweigen gebracht worden sind."

Für die die westliche Welt ist "Rafiki" augenöffnend, Afrika gibt er Hoffnung: Denn während der Film dank seiner selbstbewussten Haltung in Cannes die Gäste begeisterte, erreichte er in Kenia noch viel mehr. Dort wurde das Drama von der Filmaufsichtsbehörde zunächst verboten, weil es "Werbung" für Homosexualität mache (queer.de berichtete). Daraufhin entbrannte im ganzen Land allerdings eine Diskussion über die Kunstfreiheit.

Twitter / InfoKfcb | Kenias Filmaufsichtsbehörde teilte die Zensur auf "Twitter" mit

Kenias Umgang mit Rafiki zeigt, wie nötig der Film ist


Regisseurin Wanuri Kahiu (Bild: privat)

Die mutige Filmemacherin Kahiu ließ das Verbot nicht auf sich sitzen, sondern schaltete ihre Anwälte ein. Zum einen, weil der Film nur nach einer Ausstrahlung im eigenen Land bei den Academy Awards eingereicht werden kann, aber vor allem auch für die LGBTI-Community und alle Frauen in Kenia.

Vor Gericht warfen Kahius Anwälte der Filmaufsichtsbehörde vor, dass das Verbot nicht nur der Karriere der jungen Künstlerin schade, sondern auch ihr verfassungsmäßiges Recht auf freie Meinungsäußerung und künstlerische Freiheit verletze. Die Überraschung: Das Gericht stimmte zumindest teilweise zu und hob das Verbot für sieben Tage auf (queer.de berichtete).

Nachdem der Film also schon vor seiner Veröffentlichung in Kenia für Schlagzeilen sorgte, erzielte er in der einen Woche einen unglaublichen Erfolg: Laut Kahiu spielte das Drama knapp 29.000 Euro ein. Das klingt für unsere Verhältnisse wenig, macht "Rafiki" aber zum zweit erfolgreichsten Films Kenias.

Wanuri Kahius Drama macht Lust auf mehr: mehr Optimismus, mehr Freude, mehr selbstbestimmtes Leben und mehr Farbe auf der Leinwand. Den Oscar in der Kategorie bester fremdsprachiger Film 2019 hätte "Rafiki" auf jeden Fall verdient!

Direktlink | Offizieller deutscher Trailer

Infos zum Film

Rafiki. Drama. Kenia 2018. Regie: Wanuri Kahiu. Darsteller: Samantha Mugatsia, Sheila Munyiva, Jimmi Gathu: Laufzeit 83 Minuten. Sprache: Originalfassung in Englisch und Suaheli mit deutschen Untertiteln. FSK 12. Verleih: Edition Salzgeber. Kinostart: 31. Januar 2019, zuvor bereits in der Queerfilmnacht zu sehen.