Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?32672

Zurück in die Vergangenheit

Brasilien: Neue Regierung sieht LGBTI-Rechte nicht als Menschenrechte an

Nur wenige Stunden nach seinem Amtsantritt geht Präsident Bolsonaro gegen die Rechte sexueller und geschlechtlicher Minderheiten vor.


Die neue Menschenrechtsministerin Damares Alves machte bisher als evangelikale Pfarrerin Stimmung gegen queere Menschen

Die neue brasilianische Regierung unter dem rechtsextremen Präsidenten Jair Bolsonaro hat kurz nach seinem Amtsantritt am Neujahrstag LGBTI-Rechte beschnitten: Das Menschenrechtsministerium wurde umbenannt in Ministerium für Frauen, Familien und Menschenrechte und soll künftig nicht mehr für die Rechte von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transpersonen verantwortlich sein. Auch keine andere Stelle soll sich künftig ausdrücklich um den Schutz von LGBTI kümmern.

Neue Menschenrechtsministerin des 210 Millionen Einwohner zählenden Landes wurde zudem eine erklärte Homo-Hasserin: Die 54-jährige Damares Alves ist eine evangelikale Pfarrerin und hat in der Vergangenheit behauptet, dass niemand schwul oder lesbisch geboren werde, sondern dass Homosexualität "angelernt" sei – ein typisches Argument von Homo-"Heilern". Seit Jahren macht sie gegen LGBTI-Rechte als "Gender-Ideologie" Stimmung.

Bei ihrem Amtsantritt spielte Alves die Konsequenzen für sexuelle und geschlechtliche Minderheiten herunter: "Wir werden offene Gespräche mit der LGBT-Gemeinschaft führen. Die LGBT-Gemeinschaft wird keine der von ihr erkämpften Rechte verlieren", so Alves. Die Regierung werde weiter die Rechte dieser Minderheiten achten und wertschätzen.

LGBTI-Aktivisten glauben der neuen Ministerin allerdings nicht: Die Dachorganisation Associação Brasileira de Gays, Lésbicas e Transgêneros (ABGLT) erklärte, die versöhnlichen Töne von Alves seien ein Ablenkungsmanöver. Es sei schlicht eine "Lüge", dass die neue Regierung die Rechte von queeren Menschen schützen wolle. Die "faschistische" Regierung habe keinerlei Interesse an diesem Thema – deshalb riefen die Aktivisten zum Widerstand auf.

Minderheiten sind besorgt, Konzerne feiern

Die neue Regierung geht auch gegen andere Minderheitenrechte vor: So beschränkte Präsident Bolsonaro an seinem ersten Arbeitstag per Dekret die Rechte indigener Völker und von Nachkommen früherer afrobrasilianischer Sklaven. Dagegen hofiert er die Agrarwirtschaft, die von der Entrechtung indigener Einwohner profitieren könnte, sowie Großunternehmen, denen etwa die Lockerung von Umweltauflagen zugute kommen. Die Börse in São Paulo schoss daher am Donnerstag nach oben. Größter Gewinner war der Waffenhersteller Forjas Taurus, dessen Aktie um 50 Prozent anstieg. Grund ist, dass Bolsonaro den privaten Waffenbesitz erheblich erleichtern will.

Bolsonaro hatte die Präsidentenwahl in Brasilien im Oktober gewonnen
(queer.de berichtete). Der 63-Jährige war umstritten, weil er das Land spaltete, indem er immer wieder Frauen, Schwarze und Homosexuelle beleidigte und Sympathie für die frühere Militärdiktatur zeigte. Im Wahlkampf sprach er davon, die 2013 eingeführte Ehe für alle wieder abschaffen zu wollen. Außerdem wollte er die Erwähnung von Homo- und Transsexualität an Schulen beenden. International bekannt wurde er durch sein Interview mit Stephen Fry in dessen Dokumentation "Out There", in dem er die Existenz von homophober Gewalt in Brasilien leugnete und verkündete, dass kein brasilianischer Vater jemals Stolz auf einen schwulen Sohn wäre.

Direktlink | Ausschnitt aus der Dokumentation von Stephen Fry, um Bolsonaro geht es ab 6:05

LGBTI-Aktivisten befürchten, dass die seit Jahren grassierende homo- und transphobe Gewalt in Brasilien erheblich zunehmen wird und Diskriminierung von LGBTI zur neuen Normalität werden könnte. (dk)

Twitter / danielamercury | Die Aktivistin Daniela Mercury beklagt sich darüber, dass man gegen die "Auslöschung" von LGBTI-freundlicher Politik auf die Straße gehen müsse



#1 Religiotenfascho-WatchAnonym
  • 03.01.2019, 15:37h
  • "Die 54-jährige Damares Alves ist eine evangelikale Pfarrerin"

    Also nichts Neues an der Front der Menschrechtsbrecher*innen:
    schon wieder diese Christen.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 ElfolfProfil
  • 03.01.2019, 16:17hHamburg
  • Brasilien ist ein schönes Land. Für reiche, weiße, heterosexuelle Männer. Und nur für diese. Wer arm, dunkelhäutig, LGBT oder auch nur Frau ist, ist in Brasilien ein Mensch zweiter Klasse. Die Welt sieht gerade zu, wie ein Land seine Menschen und sein Ökosystem dem Mammon opfert. Minderheitenrechte stören nur.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 gastAnonym
#4 Gerlinde24Ehemaliges Profil
  • 03.01.2019, 16:42h
  • Damit wird Hass und Gewalt gegen uns politisch legitimiert. Die Mordzahlen gegen uns werden in den nächsten Monaten und Jahren immens steigen!
  • Antworten » | Direktlink »
#5 Gerlinde24Ehemaliges Profil
  • 03.01.2019, 16:43h
  • Antwort auf #3 von gast
  • Man sollte darüber nachdenken, ob man aus ihnen nicht farbige, transsexuelle Frauen machen kann. Vielleicht begreifen die dann, wenn sie ihre Pille selbst schlucken müssen, dass die Medizin nur schadet?
  • Antworten » | Direktlink »
#6 daVinci6667
  • 03.01.2019, 17:21h
  • Antwort auf #3 von gast
  • Es kann niemand etwas dafür ob er oder sie privilegiert geboren wurde oder eben nicht. Doch sollte man schon über den Tellerrand blicken können und erkennen dass andere eben nicht so ein Glück respektive Pech bei ihrer Geburt hatten wie man selbst.

    Wer hier mitlesen kann, gehört schon mal ganz sicher zu den eher privilegierten. Er/sie hat schon mal Zugang zu Strom und Internet, kann zudem lesen und schreiben und von seinem/ihrem Recht auf freie Meinungsäusserung Gebrauch machen. Global gesehen wirklich keine Selbstverständlichkeit!

    Wer wie oft diskriminiert und gemobbt wird lese man aus der Suizidstatistik. Klingt brutal ist aber nichts als die nackte Wahrheit. Wir LGBTI stehen da leider immer ganz weit oben, die einzelnen Buchstaben sind zudem unterschiedlich betroffen. Dann z.B.noch keine weisse Hautfarbe zu haben erschwert es zusätzlich. Oder mit wenig Geld auskommen zu müssen usw. usf.

    Dass trotzdem auch heterosexuelle weisse Männer diskriminiert werden KÖNNEN ist ein Punkt der trotzdem nicht vergessen werden darf. Das Ausmass ist jedoch statistisch ein ganz anderes.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 Religiotenfascho-WatchAnonym
#8 stephan
  • 03.01.2019, 17:32h
  • Fürchterliche Aussichten für Brasilien! Es ist eben wohl tatsächlich so, dass der Präsident in LGBTIs keine Menschen sieht und uns deshalb nach seiner Meinung auch Menschenrechte zustehen. Ich bin sicher, dass dieser widerliche Typ das genauso sieht! - Man schaue nur das verlinkte Interview an, das Stephen Fry mit ihm geführt hat!
    Was kann man für die LGBTIs in Brasilien tun? Wo kann man helfen und wie schlimmsten Menschenrechtsverstößen vorbeugen?
  • Antworten » | Direktlink »
#9 SarahEhemaliges Profil
#10 Patroklos