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Einschüchterung

Niederlande: LGBTI-Verband stellt Anzeige gegen "Identitäre Bewegung"

Ein Protest von rechtsextremen Aktivisten hatte zur Absage einer Kinder-Lesestunde von Dragqueens in der Bibliothek von Nimwegen geführt.


Mehrere rechtsextreme Aktivisten hatten am 22. November eine "bunte" Vorlesung verhindert (Bild: Screenshots aus Video von Omroep Gelderland)

Der Verband COC Nederland hat Anzeigen gegen Aktivisten der rechtsextremen Gruppe "Identitair Verzet" gestellt, berichten niederländische Medien am Samstag. Die Staatsanwaltschaft muss nun prüfen, ob diese bei einem Protest am 22. Dezember in Nimwegen Menschen einschüchterten und wegen sexueller Orientierung oder Geschlechtsidentität diskriminierten.

In der Bibliothek der Stadt (niederländisch: Nijmegen) in der Grenzregion zu Deutschland sollte eine von Dragqueens und Kings abgehaltene Lesung für Kinder ("Bunte Geschichten") stattfinden. Rund eine Stunde vor Beginn der Lesung seien mehrere junge Menschen in die Bücherei eingedrungen und seien "als bedrohend aufgefasst" worden und hätten für ein "Gefühl der Unsicherheit" gesorgt, so ein Mitarbeiter damals gegenüber lokalen Medien. Die "Bibliotheek Gelderland Zuid" entschloss sich daher zur Sicherheit der Kinder "schweren Herzens" für eine Absage der Veranstaltung – sie soll nachgeholt werden.

Direktlink | Videobericht von Omroep Gelderland vom 22. Dezember 2018

Die gleiche Lesung hatte am gleichen Ort zwei Monate zuvor erfolgreich stattgefunden, obwohl vor der Bücherei ein Protest der katholischen Stiftung Civita Christiana stattgefunden hatte. Dieser sei allerdings angemeldet gewesen und habe zwar zu erhitzten Debatten mit Passanten geführt, die Lesung im Innern aber nicht gefährdet. Auf den nicht angemeldeten Besuch der "Identitären" sei man aber nicht vorbereitet gewesen, so die Bibliothek.

Medien hatten später den Protest der "Identitären" vor dem Gebäude festgehalten. Erschienen war ein Aktivist mit Kreuz und der Flagge der Bewegung, gegen den sich die COC-Anzeige nun zunächst richtet, sowie mehrere Mitstreiter. Sie verteilten einen Flyer mit dem Aufdruck "Wir sind hier, um die traditionelle Familie als Eckpfeiler der Gesellschaft zu fördern". Gegenüber der Zeitung "De Gelderlander" hatte der Aktivist gesagt: "Wenn Transgender Kindern ab 4 Jahren vorlesen, werden traditionelle Werte und Normen beiseite geschoben. Das wird uns aufgezwungen."


Eintrag der "Identitären" nach dem Protest bei Facebook

Ap Willems, der Vorsitzende von COC Nijmegen, betonte: "Wir können und wollen nicht zulassen, dass dieser Vorfall einfach so vorübergeht." Man habe eine Transgendergruppe innerhalb des COC, mit der man unter anderem eine örtliche Fotoausstellung organisiert habe, die den Stolz und die Würde der Menschen zeige. Abwertende Äußerungen über Transpersonen dürften keinen Platz haben, auch wenn diese hier mit Dragqueens verwechselt oder vermischt wurden. Ob das zu unterschiedlichen rechtlichen Bewertungen führe und wie diese das Gesamtgeschehen bewerte, müsse nun die Staatsanwaltschaft entscheiden.

Europaweit gegen Einwanderung und "Genderterror"

Die regionale Gruppe von "Identitair Verzet" ("Identitärer Widerstand") hatte Medienberichte zurückgewiesen, man sei Rechtsradikale. So sei einer der Aktivisten, Tom van Lier, schlicht Katholik und zudem Mitglied der Christdemokraten. Man habe "nichts schlechtes" über Transpersonen gesagt, sondern nur betont, dass es "nicht normal" sei, wenn diese Kindern vorlesen würden.

Die in vielen Teilen der Niederlande aktive Gruppe ist eingebunden in ein europäisches Netzwerk ähnlicher Gruppierungen, so erklommen Aktivisten von "Identitair Verzet" gemeinsam mit deutschen Partnern der "Identitären Bewegung" 2016 den Kölner Hauptbahnhof, um ein Banner "Nie wieder Schande von Köln! #Remigration" zu entrollen (Quelle: Bundesregierung). Die jeweiligen Organisationen setzen teilweise auf das gleiche Logo – ein eingekreistes Lambda in schwarz-gelber Kombination, das Ähnlichkeiten zum Emblem der SA aufweist.

In Deutschland hatte die Gruppe mehrfach öffentlichkeitswirksame Aktionen wie das Entrollen von Plakaten vom Brandenburger Tor oder dem WDR-Gebäude durchgeführt und mehrfach Veranstaltungen erstürmt und gestört. Mit einem Plakat "Genderterror raus aus den Köpfen!" hatten sich Aktivisten der "Identitären Bewegung Deutschland" auch mehrfach an Kundgebungen des homo- und transfeindlichen Bündnisses "Demo für alle" in Stuttgart und Wiesbaden beteiligt, laut der "Identitären"-Webseite aus Protest gegen "Perversion" und die "Agenda" der "Homo-, Gender- und Pädophilenlobby".


"Identitäre" auf einer "Demo für alle" im Oktober 2015 in Stuttgart

Die Bewegung ist teilweise eng mit der AfD und neurechten Aktivisten und Medien verbunden, so wird sie auch häufig vom schwulen Rechtsaußen-Publizisten David Berger beworben. Während die Gruppe vor allem in sozialen Netzwerken um ein jugendliches Auftreten bemüht ist, waren einige führende Köpfe zuvor in rechtsextremen Organisationen aktiv. Inzwischen sehen Verfassungsschützer teilweise einen Anlass zur Beobachtung und Indizien für verfassungsfeindliche Bestrebungen.

AfD-Politiker hatten sich zugleich schon homo- und transfeindlicher geäußert als etwa "Identitair Verzet". So hatte 2016 der damalige Fraktionschef in Sachsen-Anhalt, André Poggenburg, gemeint, ein Kinderbuch von Dragqueen Olivia Jones sei wie ein Aktionsplan zur LGBTI-Akzeptanz "eine Schändung von Kinderseelen" (queer.de berichtete).

Die Webseite zur Lesung in den Niederlanden betont übrigens, die Reihe mit Vorlesern aus unterschiedlichen Hintergründen soll das Interesse an Menschen und ihren diversen Geschichten wecken, vor allem aber das tägliche Lesen fördern: "Wussten Sie, dass eine Viertelstunde Vorlesen pro Tag das Vokabular von Kindern erweitert? In der Bibliothek gehen wir regelmäßig mit gutem Beispiel voran."



#1 goddamn liberalAnonym
  • 05.01.2019, 13:17h
  • "so erklommen Aktivisten von "Identitair Verzet" gemeinsam mit deutschen Partnern der "Identitären Bewegung" 2016 den Kölner Hauptbahnhof, um ein Banner "Nie wieder Schande von Köln! #Remigration" zu entrollen"

    Hm, vielleicht hätten die 'Identitären' ja auch bei den sozial auffälligen Migranten vom Kölner Hauptbahnhof Unterstützer für ihre Demo gegen die Bücherlesung suchen können.

    Denn: Ob katholisches Getue ausgerechnet in den Niederlanden so identitätsstiftend ist, darf ja angesichts der Entstehung dieses Staates aus dem Widerstandskrieg gegen das erzkatholische Spanien sehr bezweifelt werden.

    Andererseits gibt es gute Gründe, LGTBI-Rechte als in Bezug auf die Niederlande als sehr identitätsstiftend anzusehen.

    Fazit: 'Identitäre' haben ein gewaltiges Identitätsproblem, das leicht in Gewalt ausarten kann!
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#2 Identioten-WatchAnonym
  • 05.01.2019, 15:08h
  • Immer wieder interessant wie diese Identitären meinen, mit ihren Aktionen das westliche Abendland retten zu wollen, aber letztendlich mit ihr Homo- und Transphobie mehr mit ihren Feinden gemeinsam haben, vor denen Sie doch das Abendland beschützen wollen.
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#3 qwertzuiopüAnonym
  • 05.01.2019, 15:56h
  • "Man habe "nichts schlechtes" über Transpersonen gesagt, sondern nur betont, dass es "nicht normal" sei, wenn diese Kindern vorlesen würden."

    Zuerst als "nicht normal" labeln und dann ausschließen, das ist eine typische Vorgehensweise von Faschisten. Denn was dann normal ist, bestimmen letztendlich die, die am lautesten und bedrohlichsten sind.
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#4 ElfolfProfil
  • 05.01.2019, 17:18hHamburg
  • Mit Identitären kann man nicht diskutieren. Das einzige was hilft ist, man muss sie mit Feenstaub berieseln und alle schwul machen. Da haben sie am meisten Angst vor. Echten Argumenten gegenüber sind sie nicht zugänglich. Biologie, Psychologie, Soziologie sind für sie keine Themen, solange "Gott" und ihre Führer was anderes predigen.
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#5 Katzenmutti LydiaAnonym
  • 05.01.2019, 17:59h
  • Antwort auf #4 von Elfolf
  • "Mit Identitären kann man nicht diskutieren."

    Muss ich, aus eigener Erfahrung heraus, zustimmen.

    Zum Glück gibt es innerhalb der queeren Community hier keine rechten Denkmuster, die auf Identitätskonstruktionen beruhen.

    ;)
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#6 Patroklos
  • 05.01.2019, 20:16h
  • Die Niederlande suchen ja noch ihren Teilnehmer für den ESC 2019. Vielleicht wäre eine Dragqueen mal eine Abwechslung?
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#7 Gerlinde24Profil
  • 06.01.2019, 07:31hBerlin
  • Ich frage mich, warum Deutschland es nicht schafft, faschistische Gruppen wie diese zu verbieten, die gegen den Staat und diese Gesellschaft sind. Mit "freier Meinungsäußerung" kann man so etwas nicht rechtfertigen!
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#8 alter schwedeAnonym
  • 06.01.2019, 09:55h
  • Da stellt sich dann doch die Frage was für ein Protest das gewesen sein soll und weshalb nicht schon bei der Veranstaltung vom Hausrecht Gebrauch gemacht und die Herrschaften auf die Straße befördert wurden. Nun denn, es wurde zum Glück dann doch noch nachträglich Anzeige erstattet.

    Anders als Verfassungsschutz und Polizei (ein Schelm der Böses dabei denkt und auf tiefer gehende Ermittluingen hofft), dürfte den LGBTI eigentlich schön länger durch direkte Konfrontationen bekannt sein, daß wir es hier mit einer kriminellen Vereinigung zu tun haben. Das Recht sich gegen Schicklgrubers HauSStaubmilben zu wehren müssen wir uns allmählich eben selbst herausnehmen.

    Ich greife hier die Idee von der selbst organisierten Security für die von der Szene organisierten Veranstaltungen mal wieder auf. Für körperliche Angreife, sowie Situationen in denen verbal oder psychologisch Druck auf die Besucher ausgeübt wird empfiehlt es sich durchaus einen Schutz durch entsprechend körperlich wehrhaftes Personal sicher zu stellen.

    Auch diejenigen, die sich körperlichen Konfontationen nicht gewachsen fühlen, könnten z. B. durch Mithilfe bei der Dokumentierung der Straftat sowie Gegenprovokationen wie die datenschutzrechtlich nicht abgedeckte Observation durch Video oder fotografische Dokumentation via Smartphone sicher zu stellen. (Ich würde mich dann schon mal auf die Anzeigen aus Schicklgrubers Müllhalden-HighSociety freuen).

    Mit der Zeit dürfte hier sicherlich ein interessantes Personenregister entstehen, daß den LGBTI entsprechende Vernetzung vorausgesetzt, helfen könnte Angriffe wie diese deutlicher zuzuordnen.

    Auch das gezielte Setzen von honeypots könnte hier für die szeneinterne Datenermittlungen immens hilfreich sein. Die Idiotitären Ziele sind bekannt und wir kuschen vor ihnen. Wir haben heutzutage viele Möglichkeiten uns gegen kriminelle Angriffe zu wehren und auch selbst zu schützen. Warum tun wir es nicht?
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#9 TimonAnonym
  • 06.01.2019, 10:40h
  • Gegner der Vielfalt und der Freiheit versuchen es immer mit Einschüchterung.

    Umso wichtiger ist es, sich diesen Versuchen zu widersetzen und dem nicht nach zu geben. Sonst nehmen die sich auch immer mehr raus...
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#10 qwertzuiopüAnonym
  • 06.01.2019, 12:20h
  • Antwort auf #7 von Gerlinde24
  • Es gibt dafür genaue Definitionen, also bspw muss eine Organisation in ihren Grundzielen die Abschaffung des Staates festgelegt haben, oder so.
    Finde ich auch richtig so, mit Verboten löst man das Problem nicht, und mit Verboten könnte man genausogut LGBT-Vereine verbieten. (Nicht umsonst geht die Polemik in Richtung "LGBT wollen die Gesellschaft kaputtmachen")

    Wir sollten den Kampf für die richtigen Werte schon gesellschaftlich austragen, und da sind wir doch in Deutschland eigentlich auf nem guten Weg. Auch wenn sie laut sind, von ihrer Anzahl her ist die IB in Deutschland nichts krasses, und selbst die AfD will mit ihnen zum Teil nicht gesehen werden.
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