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Niederlande

Homophobe "Nashville-Erklärung" beschäftigt Staatsanwaltschaft

Eine christliche Partei im niederländischen Parlament unterstützt ein von Evangelikalen aus den USA erstelltes Pamphlet, das Homo- und Transsexuelle attackiert. Jetzt könnten rechtliche Konsequenzen drohen.


Die "Nashville-Erklärung" wurde vor anderthalb Jahren von christlichen Fundamentalisten in den USA verfasst

In den Niederlanden hat die sogenannte "Nashville-Erklärung" eine öffentliche Debatte über die Grenzen der Hetze gegen sexuelle und geschlechtliche Minderheiten ausgelöst. Bei der Erklärung handelt es sich um ein im Sommer 2017 von der evangelikalen US-Lobbygruppe "Rat der biblischen Männlichkeit und Weiblichkeit" veröffentlichtes Papier, in dem sexuell aktive Homo- und Bisexuelle sowie Transpersonen pauschal als Widersacher Gottes dargestellt werden.

Die Erklärung war am Freitag auch auf Niederländisch erschienen und wurde unter anderem vom Abgeordneten Kees van der Staaij, dem Partei- und Fraktionschef der "Staatkundig Gereformeerde Partij" (SGP, deutsch: Reformierte Politische Partei), unterzeichnet. Nach Eingang mehrerer Strafanzeigen wegen Volksverhetzung ermittelt nun die Polizei gegen Unterzeichner der Erklärung. Die Beamten prüfen, ob die Erklärung einzelne Gruppen in der Gesellschaft gezielt verunglimpft.


Parteichef Kees van der Staaij unterstützt die LGBTI-feindliche Erklärung (Bild: Vera de Kok / wikipedia)

Im Parlament hat die SGP als kleine Oppositionspartei nur wenig Einfluss: Bei den letzten Wahlen 2017 konnte sie gerade einmal 2,1 Prozent der Stimmen erzielen und stellt damit drei von 150 Abgeordneten in Den Haag. Ihre Wähler findet die SGP hauptsächlich im niederländischen Bijbelgordel (Bibelgürtel), in dem besonders viele orthodoxe Calvinisten leben – in manchen Gegenden erreicht die Partei zweistellige Werte.

Parteichef van der Staaij hat am Montag laut der Zeitung "Volkskrant" die Unterzeichnung der "Nashville-Erklärung" verteidigt: "Die SGP hat nie ein Geheimnis aus ihrer biblischen Ausrichtung über Fragen von Ehe, Familie und Sexualität gemacht", sagte der 50-Jährige.

Erklärung: Unterstützung von LGBTI-Rechten ist "schwerwiegende Abkehr von christlicher Treue"

In der aus 14 Artikeln bestehenden Erklärung, die in den USA bereits von 22.000 Evangelikalen unterzeichnet und auch ins Deutsche übersetzt wurde, heißt es unter anderem: "Wir bekräftigen, dass es sündhaft ist, homosexuelle Unmoral oder Transgenderismus zu befürworten und dass eine solche Befürwortung eine schwerwiegende Abkehr von christlicher Treue und christlichem Zeugnis darstellt." Ein "homosexuelles oder transgender-basiertes Selbst-Konzept" sei nicht mit "Gottes heiligen Intentionen" vereinbar. In der Erklärung heißt es auch, dass es keine Zivilehe gibt, sondern nur die vom christlichen Gott angelegte heterosexuelle Ehe. In der niederländischen Version des Textes wurde außerdem ein "pastorales Nachwort" angefügt, in dem die Sexualität als nicht essenziell für die menschliche Identität bezeichnet wird.

Politiker anderer Parteien, auch der christdemokratischen ChristenUnie, distanzieren sich von dem Papier. Viele zeigen in Online-Netzwerken ihre Empörung. Bildungsministerin Ingrid van Engelshoven von der linksliberalen Partei Democraten 66 erklärte etwa auf Twitter: "Das sind Rückschritte. Wir haben noch einen langen Weg vor uns. Die Emanzipation ist noch lange nicht abgeschlossen."

Twitter / ivanengelshoven

Auch der niederländische EU-Kommissar Frans Timmermans kritisierte in einem langem Facebook-Statement die "Nashville-Erklärung": "Warum wird Liebe, das zentrale Thema des christlichen Glaubens und ein Grundpfeiler jedes menschlichen Normensystems, plötzlich 'sündhaft', wenn sie zwischen zwei Personen des gleichen Geschlechts existiert?", fragte der Politiker, der im Dezember letzten Jahres zum Spitzenkandidaten der Sozialdemokraten bei der im Mai stattfindenden Europawahlen gewählt worden ist.

Waarom zouden Nederlandse christenen behoefte hebben aan een vaderlandse versie van de Nashville Verklaring? Past het…

Gepostet von Frans Timmermans am Montag, 7. Januar 2019
Facebook / Frans Timmermans

Die Stadt Arnheim hat als Reaktion auf die Erklärung am Montagnachmittag eine Regenbogenfahne am Rathaus aufgehängt und auf ihrer offiziellen Twitter-Seite verkündet, dass alle Menschen in der Stadt sicher und frei leben könnten, egal wer sie sind. Der sozialdemokratische Bürgermeister Ahmed Marcouch ergänzte, dass Arnheim eine Regenbogenstadt sei.

Twitter / gemeentearnhem

Twitter / ahmedmarcouch

Auch die Stadtverwaltung von Amsterdam ließ als Reaktion auf die "Nashville-Erklärung" eine Regenbogenfahne hissen. Auf Twitter verkündete die offizielle Seite der Hauptstadt: "In unserer Stadt kannst du sein, wie du willst, und lieben, wen du willst."

Twitter / AmsterdamNL



#1 Simon HAnonym
  • 08.01.2019, 14:42h
  • "Erklärung: Unterstützung von LGBTI-Rechten ist "schwerwiegende Abkehr von christlicher Treue" "

    1. Es gibt auch genug sehr treue LGBTI. Und umgekehrt auch viele untreue Heteros (sogar in Ehen).

    2. Und selbst wenn nicht: Die Niederlande sind nun mal glücklicherweise kein "Gottesstaat", sondern ein demokratischer Rechtsstaat.

    Und da kann sich jeder frei entfalten, solange er andere damit nicht schädigt. Und genau wie denen niemand vorschreibt, was sie glauben oder nicht, dürfen die das anderen auch nicht vorschreiben.
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#2 gastAnonym
  • 08.01.2019, 14:59h
  • Steve Bannon lässt grüßen. Er war doch im vergangenen Jahr auf Eurotour um ein rechtskonservatives Netz in Europa aufzubauen.
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#3 Sven100Anonym
  • 08.01.2019, 15:05h
  • "SGP hauptsächlich im niederländischen Bijbelgordel (Bibelgürtel), in dem besonders viele orthodoxe Calvinisten leben"

    Die kleine Kirche der Remonstranten hat sich ausdrücklich von der Nashville-Erklärung distanziert. Die Remonstranten sind der liberale Teil des niederländischen Calvinismus. Diese Kirche war schon vor Jahrzehnten die weltweit erste, in der Schwule und Lesben heiraten konnten.
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#4 MandalorianAnonym
  • 08.01.2019, 15:44h
  • Das interessante ist, dass die auch wieder schreiben, dass man Gottes Willen der Bibel und der Natur entnehmen könne. In alten Gesetzestexten kann man auch immer wieder von widernatürlicher Lieber, Unzucht wider der Natur und gegen die Naturgesetze lesen. Mal davon abgesehen, dass die Bibel nur eine Sammlung verschiedener menschgemachter Texte und erdachter Geschichten ist und sich die Christen selbst nicht an das meiste halten was darin steht. Sollten die sich doch mal die Natur ansehen, in welcher sie die Ordnung Gottes zu erkennen glauben.
    Homosexualität ist im Tierreich weit verbreitet, für ca. 1.500 Arten wurde sie dokumentiert. Häufig trägt dieses Verhalten wesentlich zum Arterhalt bei, denn die von den homosexuellen Pärchen aufgezogenen Nachkommen haben teilweise erheblich höhere Überlebenserwartungen. Man kann solche Erkenntnisse ignorieren aber nur aus Angst davor, dass die eigene Weltanschauung ins Wanken gerät

    zur deutschen Übersetzung der Nashville Erklärung:
    www.evangelium21.net/downloads/pdf/Nashville_03_einseitig.pd
    f
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#5 FaktencheckAnonym
  • 08.01.2019, 15:59h
  • "Die Beamten prüfen, ob die Erklärung einzelne Gruppen in der Gesellschaft gezielt verunglimpft."

    Was muss man da denn noch prüfen?

    Übrigens steht im römisch-katholischen Katechismus auch nichts anderes als in dieser Erklärung. Jede einzelne Aussage findet man auch im katholischen Dogma und in Aussagen höchster katholischer Funktionäre (und es ist ja kein Zufall, dass das hier kein generisches Maskulinum ist).

    Es geht da nicht um einen "extremen" Einzelfall. Homophobie, Transphobie und Sexismus gehören immer noch zur DNA der meisten religiösen Gemeinschaften.

    Deshalb glaube ich auch nicht, dass da wirklich geprüft wird, "ob", sondern eher, welche Konsequenzen eine eventuelle Verurteilung für weitere Gemeinschaften und ihre Veröffentlichungen haben würde und ob man diese riskieren möchte.
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#6 TimonAnonym
  • 08.01.2019, 16:31h
  • Irgendwelche frustrierten Verklemmten versuchen wieder mal, anderen vorzuschreiben, wie sie zu leben haben. Damit andere genauso ein frustriertes Leben haben. Die können einfach nicht ertragen, dass andere glücklich sind.
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#7 goddamn liberalAnonym
  • 08.01.2019, 18:29h
  • Es ist gut, dass man sich in den Niederlanden mit dem Problem jetzt ernsthaft auseinandersetzt und auch vorbildlich für Deutschland.

    Die homophoben reformierten Reaktionäre wurden lange Zeit als harmlose Folklortetruppe behandelt, weil sie im Gegensatz zu homophoben arabischen Migranten nun mal so urniederländisch sind wie Holzschuhe.

    Das tat und tut ihrer Gefährlichkeit aber keinen Abbruch.

    Ich möchte nicht als Schwuler im Bibelgürtel aufwachsen.
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#8 Homonklin44Profil
  • 08.01.2019, 18:46hTauroa Point
  • ""." Ein "homosexuelles oder transgender-basiertes Selbst-Konzept" sei nicht mit "Gottes heiligen Intentionen" vereinbar. In der Erklärung heißt es auch, dass es keine Zivilehe gibt, sondern nur die vom christlichen Gott angelegte heterosexuelle Ehe. In der niederländischen Version des Textes wurde außerdem ein "pastorales Nachwort" angefügt, in dem die Sexualität als nicht essenziell für die menschliche Identität bezeichnet wird.""

    Vielleicht ist es wirklich einmal an der Zeit, diesen Leuten schonend, aber bestimmt beizubringen, wie sehr sie sich mit solchen Aussagen doch irren.
    Sich als Gruppe davor stellen, und sagen, hier sind wird doch, Beweise dafür, dass ihr euch irrt und einer verdrehten Ideologie aufsitzt.
    Okay, ich denke zwar auch nicht, dass die das wirklich checken, selbst wenn es ein massenhaftes Kiss-In gäbe, aber dann sehen die zumindest mal, was es alles tatsächlich doch gibt. Muss ja nicht gleich Livesex auf deren Kirchenaltar und so sein, deswegen - schonend zeigen. Und dann fragen, was ihr Gott dazu so sagt. Dem auch echt mal 3 Tage Zeit dazu geben, und in den Himmel hinein horchen.

    Nach 3 Tagen Stille sollen die dann aber auch mal akzeptieren, dass ihre Deutungen über "Gotteswillen" Quatsch mit Sauce sind! Herrje!
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#9 Sven100Anonym
#10 ElvenpathAnonym
  • 08.01.2019, 19:21h
  • Was die SGP sagt und was in der Nashville-Erklärung drin steht, ist vollkommen korrekt.

    Das Christentum ist nun mal eine homophobe Religion. Und das ist nicht nur im Alten Testament so. Da hilft all das Gerede vom "lieben und gütigen Gott" und seiner "Liebe" nichts.

    Ich habe auch noch nie verstanden, warum sich Homosexuelle zu einer Ideologie hingezogen fühlen, die sie als minderwertig und schlecht abstempelt.
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