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Jugendschutz

Chinesische Dating-App wegen minderjähriger Nutzer in der Kritik

Die größte Dating-App der Welt ist in Schwierigkeiten, weil angeblich minderjährige Internetnutzer Zugriff erhielten – deshalb hat die App die Reißleine gezogen und einen Aufnahmestopp verkündet.


Die englischsprachige Homepage von Blued.com

Blued, die weltweit größte Dating-App für schwule Männer, hat am Sonntag angekündigt, eine Woche lang keine neuen Nutzer mehr in China aufzunehmen. Die chinesische App für iOS und Android hat eigenen Angaben zufolge mehr als 40 Millionen Nutzer, die meisten davon in der Volksrepublik.

Grund für den Aufnahmestopp seien Vorwürfe, dass sich Minderjährige Zugang auf die Seite verschafften und so Zugang zu freizügigen Darstellungen erhielten. Man wolle daher die Anschuldigungen überprüfen und die App gegebenenfalls ändern. Rechtlich dürfen nur Erwachsene über 18 Jahre in China die App nutzen. Außerhalb Chinas können sich Nutzer Berichten zufolge offenbar weiterhin anmelden.

Die Ankündigung folgte auf einen Bericht in der Wirtschafspublikation "Caixin" vom Samstag, laut dem sich viele Minderjährige angemeldet hätten, indem sie ihr Geburtsdatum falsch angaben. Manche Schüler hätten sich dann mit älteren Männern verabredet, von denen sie teilweise zum Sex überredet worden seien, behauptete Zhang Beichuan, ein prominenster Sexologe von der Universität der Millionenstadt Qingdao. Laut einem ungenannten LGBTI-Aktivisten hätten sich einige der Jugendlichen bei sexuellen Kontakten, die über Blued zustande gekommen seien, mit HIV infiziert.

Blued-Chef Ma Baoli versicherte am Montag gegenüber CNN, dass man die HIV-Problematik sehr ernst nehme und auf der Seite Aids-Prävention betreibe. Niemand anderes habe seine Nutzer so sehr über HIV-Ansteckungswege aufgeklärt.

Homophobie in China weit verbreitet

Homosexualität gilt trotz mancher Liberalisierungstendenzen im China der letzten Jahrzehnte noch immer als Tabu. Geschlechtsverkehr zwischen Männern wurde zwar 1997 legalisiert, 2001 wurde Homosexualität außerdem von der Liste der Geisteskrankheiten gestrichen. Allerdings trauen sich die meisten Schwulen und Lesben nicht, sich zu outen. Laut einer an der Universität Peking vor gut zwei Jahren durchgeführten Studie halten mehr als 85 Prozent der Homosexuellen ihre sexuelle Orientierung vor ihren eigenen Familien geheim. Mehr als die Hälfte derjenigen, die sich geoutet haben, berichten von Diskriminierungen als Folge des Coming-outs.

Außerdem greift die Regierung in den letzten Jahren vermehrt gegen homosexuelle Inhalte im Internet durch: 2017 hat sie etwa homosexuelle Inhalte in Online-Videos verboten (queer.de berichtete). Erst vor wenigen Wochen wurde eine Romanautorin zu über zehn Jahren Haft verurteilt, weil sie in einem E-Buch "männliches homosexuelles Verhalten" beschrieben habe (queer.de berichtete). Noch hat sich Peking allerdings nicht zu den angeblichen Verstößen von Blued geäußert. (dk)