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Erste trans Abgeordnete
"Ich will das Leben als Mann nicht weiterführen"
Coming-out als trans vollendet: Die bayerische Grünen-Landtagsabgeordnete Tessa Ganserer will künftig auch in der Politik nur noch als Frau wahrgenommen werden.
- 9. Januar 2019, 05:36h 2 Min.
Erneutes Coming-out nach nur zwei Monaten: Im November hatte sich die bayerische Grünen-Landtagsabgeordnete Tessa Ganserer, die im Oktober als Markus wiedergewählt worden war, als transgender geoutet. Sie wolle sich nicht zwischen den Geschlechtern entscheiden, sondern als Mann und Frau leben, erklärte sie vor acht Wochen (queer.de berichtete).
Nun hat sich die 41-Jährige doch für ein Geschlecht entschieden: "Mir war schon im Sommer klar, dass ich eine Frau bin und so leben will", sagte Ganserer der "Bild"-Zeitung. Die Reaktionen auf das erste Coming-out hätten ihr Mut gemacht: "Ich will das Leben als Mann nicht weiterführen, auch nicht in der Politik." Ganserer ist die erste offen lebende trans Abgeordnete in einem deutschen Landtag.
Ein FDP-Abgeordneter bezeichnete sie als "Dragqueen"
Am Mittwoch habe sie einen Termin mit Landtagspräsidentin Ilse Aigner, und zur Parlamentssitzung am 22. Januar werde sie als Tessa kommen, erklärte die Grünen-Politikerin: "Ich habe keine weiche Knie." Den Abgeordnetenkolleg*innen will sie Zeit geben, sich an ihren Transition zu gewöhnen: "Versehentlich der alte Vorname oder die Anrede 'Herr', das kann passieren", so Ganserer. Sehr geärgert habe sie sich allerdings über FDP-Fraktionschef Martin Hagen, der sie bei einem Fototermin im Landtag als "Dragqueen" bezeichnet habe.
Tessa Ganserer will auch die sogenannte "Personenstandsänderung" durchführen, um rechtlich als Frau anerkannt zu werden. Das sei "jede Menge Bürokratie", kritisierte sie die bestehende Gutachten-Regelung. "Ich muss alles selber zahlen, und Transidentität wird wie eine Krankheit gesehen." Ob sie auch geschlechtsanpassende Operationen plane, will die Abgeordnete nicht verraten. "Das ist meine Privatsache", sagte sie gegenüber der "Süddeutschen Zeitung": "Für die Akzeptanz als Frau ist es vollkommen irrelevant, was ich in der Hose habe."
Ganserer sitzt seit 2013 im Landtag und war bei der Wahl im Oktober über die Landesliste erneut gewählt worden – bei den Erststimmen lag sie im Wahlkreis Nürnberg-Nord mit 25,9 Prozent nur 1,9 Prozent hinter der erstplatzierten CSU-Kandidatin. Die frühere mobilitäts- und forstpolitische Sprecherin der Grünen ist nun Sprecherin für Queerpolitik und Fragen des Öffentlichen Dienstes. Sie lebt mit ihrer Frau, die positiv auf das Coming-out reagiert habe, und ihren beiden sechs und elf Jahre alten Söhnen in Nürnberg. (cw)
















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