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Erste trans Abgeordnete

"Ich will das Leben als Mann nicht weiterführen"

Coming-out als trans vollendet: Die bayerische Grünen-Landtagsabgeordnete Tessa Ganserer will künftig auch in der Politik nur noch als Frau wahrgenommen werden.


Tessa Ganserer ist seit 2013 Mitglied des Bayerischen Landtags (Bild: Markus Ganserer / facebook)

Erneutes Coming-out nach nur zwei Monaten: Im November hatte sich die bayerische Grünen-Landtagsabgeordnete Tessa Ganserer, die im Oktober als Markus wiedergewählt worden war, als transgender geoutet. Sie wolle sich nicht zwischen den Geschlechtern entscheiden, sondern als Mann und Frau leben, erklärte sie vor acht Wochen (queer.de berichtete).

Nun hat sich die 41-Jährige doch für ein Geschlecht entschieden: "Mir war schon im Sommer klar, dass ich eine Frau bin und so leben will", sagte Ganserer der "Bild"-Zeitung. Die Reaktionen auf das erste Coming-out hätten ihr Mut gemacht: "Ich will das Leben als Mann nicht weiterführen, auch nicht in der Politik." Ganserer ist die erste offen lebende trans Abgeordnete in einem deutschen Landtag.

Ein FDP-Abgeordneter bezeichnete sie als "Dragqueen"

Am Mittwoch habe sie einen Termin mit Landtagspräsidentin Ilse Aigner, und zur Parlamentssitzung am 22. Januar werde sie als Tessa kommen, erklärte die Grünen-Politikerin: "Ich habe keine weiche Knie." Den Abgeordnetenkolleg*innen will sie Zeit geben, sich an ihren Transition zu gewöhnen: "Versehentlich der alte Vorname oder die Anrede 'Herr', das kann passieren", so Ganserer. Sehr geärgert habe sie sich allerdings über FDP-Fraktionschef Martin Hagen, der sie bei einem Fototermin im Landtag als "Dragqueen" bezeichnet habe.

Tessa Ganserer will auch die sogenannte "Personenstandsänderung" durchführen, um rechtlich als Frau anerkannt zu werden. Das sei "jede Menge Bürokratie", kritisierte sie die bestehende Gutachten-Regelung. "Ich muss alles selber zahlen, und Transidentität wird wie eine Krankheit gesehen." Ob sie auch geschlechtsanpassende Operationen plane, will die Abgeordnete nicht verraten. "Das ist meine Privatsache", sagte sie gegenüber der "Süddeutschen Zeitung": "Für die Akzeptanz als Frau ist es vollkommen irrelevant, was ich in der Hose habe."

Ganserer sitzt seit 2013 im Landtag und war bei der Wahl im Oktober über die Landesliste erneut gewählt worden – bei den Erststimmen lag sie im Wahlkreis Nürnberg-Nord mit 25,9 Prozent nur 1,9 Prozent hinter der erstplatzierten CSU-Kandidatin. Die frühere mobilitäts- und forstpolitische Sprecherin der Grünen ist nun Sprecherin für Queerpolitik und Fragen des Öffentlichen Dienstes. Sie lebt mit ihrer Frau, die positiv auf das Coming-out reagiert habe, und ihren beiden sechs und elf Jahre alten Söhnen in Nürnberg. (cw)



#1 KetzerEhemaliges Profil
#2 CRLVAnonym
  • 09.01.2019, 07:39h
  • Starker Schritt.
    Bin sehr gespannt, was die Personen, deren Kommentare unter dem letzten Artikel von Misgendern und nicht trans genug strotzten, jetzt beizutragen haben.
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#3 LotiAnonym
  • 09.01.2019, 09:41h
  • Antwort auf #2 von CRLV
  • Bitte ruhig mehr solch starker Persönlichkeiten. Letztes Jahr kam mir am Ernst Reuter Platz eine große Person selbstbewusst entgegen mit Bartwuchs, Brüsten und im Schottenrock. Am liebsten hätte ich sie umarmt. Traute mich dann aber leider nicht.
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#4 SarahEhemaliges Profil
#5 Ith_Anonym
  • 09.01.2019, 15:43h
  • Antwort auf #2 von CRLV
  • Meinst du jetzt Leute, die das tatsächlich taten, oder mich, dem das im Wesentlichen unterstellt wurde, von Leuten übrigens, die ich hier noch nicht in einer einzigen Diskussion mit Menschen gesehen habe, in der sie sich offener Transfeindlichkeit der üblichen Verdächtigen entgegengestellt hätten, und beruhend darauf, mehr als die Hälfte des von mir differenziert Geschriebenen für nicht existent erklärt zu haben? Und unter anderem auch ohne Recht meinerseits, mich zu diesen Unterstellungen im Anschluss nochmals zu äußern?

    Ich find's schön, dass die Ansage jetzt ehrlicher ausfällt. Die Nicht-Anerkennung und Pathologisierung ist nunmal einfach etwas, womit man als Transgender im Alltag klarkommen und leben muss.
    Die Bürokratie ist übrigens ärgerlich, aber de facto gar nicht unbedingt notwendig. Ohne hat man halt deutlich weniger Rechte und mehr Ärger. Aber machbar ist ein Leben auch ohne Akzeptanz der Schikane von gesetzlicher Seite.

    Kriechen muss man sowohl bei den Krankenkassen als auch vor dem Gericht nur, wenn etwas will: Recht auf offizielle Anerkennung von Name und Personenstand im korrekten Geschlecht, Recht auf Nicht-Offenlegung durch Dritte, Recht auf OPs, Hormone und sonstige Schritte. Wenn man tatsächlich als Transgender lebt, muss man sich nunmal entscheiden, welcher Teil der eigenen Menschenwürde und Menschrechte einem da jeweils wichtiger ist. Entweder als gesunder Mensch gelten oder Vornamensänderung; entweder sich dem Therapiezwang unterwerfen oder auf medizinische Maßnahmen verzichten.
    Was davon einem wichtiger ist, und auf welcher Seite davon mehr an Leidensdruck entsteht, muss jede*r für sich selbst entscheiden. Aber entscheiden muss man sich nunmal, so, wie unsere Gesellschaft diesbezüglich funktioniert.

    Ich für meinen Teil würde mir übrigens ehrlich wünschen, das wäre anders.

    Insofern: Willkommen im Klub der Menschen mit eingeschränkter Würde. Und den ehrlichen Wunsch zu genug Support, das durchzuhalten. Ich fürchte, dringend nötig sein wird das wohl.
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#6 Homonklin44Profil
  • 09.01.2019, 17:49hTauroa Point
  • ""Für die Akzeptanz als Frau ist es vollkommen irrelevant, was ich in der Hose habe.""

    Ich wünschte mir ja, das wäre allgemeinhin sch...egal. aber auch als Mann wird man daran gern gemessen, was in der Hose ist. Besonders unter Schwulen. Leider...

    den Kerl, der sie als Dragqueen vezeichnete, würde ich beim nächsten mal einfach "Wurzelzwerg" nennen. Ja, wiesu denn bluß, kann man ja mal verwechseln. :o)
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#7 Gerlinde24Ehemaliges Profil
  • 10.01.2019, 04:25h
  • Wenn man(n)/frau in der Öffentlichkeit steht, ist so ein Schritt alles andere als einfach. Da muss man sich neben positiven Kommentaren und Glückwünschen, leider auch unqualifizierte Kommentare transphober Menschen anhören. Aber dadurch wird frau nur stärker!
    Congrat, sista!
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#8 Gerlinde24Ehemaliges Profil
  • 10.01.2019, 04:27h
  • Antwort auf #6 von Homonklin44
  • Es ist aber für einen selbst wichtig, bzw. kann es sein. Ich jedenfalls brauchte die GA-OP, um mich in mir selbst ganz zu fühlen. Aber das ist bei jedem anders. Manche brauchen es, andere (noch) nicht, andere nie.
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#9 TheDadProfil
  • 10.01.2019, 22:46hHannover
  • Antwort auf #5 von Ith_
  • ""Insofern: Willkommen im Klub der Menschen mit eingeschränkter Würde. Und den ehrlichen Wunsch zu genug Support, das durchzuhalten. Ich fürchte, dringend nötig sein wird das wohl.""..

    Ich denke mal, Frau Ganserer wird über die verschlungenen Wege der Öffentlichkeitsarbeit, die sie ja mit ihrem erneutem Coming-Out beschritten hat, mehr Supporting für Menschen wie Dich betreiben und erreichen, als umgekehrt..
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#10 KarinaAnonym
  • 27.02.2019, 09:35h
  • Wenn du dich als Queer, Femme, Demigirl bezeichnen willst, drücke diese Identität aus, wie du willst. Viel Spaß dabei. Das Problem entsteht, wenn man anfängt, politische Forderungen auf der Grundlage dieser Labels zu stellen - wenn man anfängt zu verlangen, dass sich andere als Cisgender bezeichnen, weil man viele konventionelle binäre cis-Leute braucht, damit man sich selbst definieren kann; und wenn man darauf besteht, dass diese cis-Leute strukturelle Vorteile und politische Privilegien gegenüber einem haben, weil sie sozial als konforme binäre Menschen gelesen werden, während niemand wirklich versteht, wie komplex und leuchtend und vielfältig und einzigartig seine Geschlechtsidentität ist. Sich als Non-Binary oder Gender Fluid zu bezeichnen, und gleichzeitig verlangen, dass sich andere als Cisgender bezeichnen, bedeutet, dass die überwiegende Mehrheit der Menschen nur deshalb in ihren Kisten bleiben muss, damit wenige sich als außerhalb der Kisten identifizieren können.

    Die Lösung besteht nicht darin, das Gender zu verewigen, indem man darauf besteht, dass es immer mehr Genderkategorien gibt, die versuchen, die Komplexität der menschlichen Persönlichkeit auf starre und grundlegende Weise zu definieren. Die Lösung besteht darin, das Gender vollständig abzuschaffen. Wir brauchen kein Gender. Ohne sie wären wir besser dran. Gender als Hierarchie mit zwei Positionen dient der Einbürgerung und Aufrechterhaltung der Unterordnung von Frauen unter Männer und schränkt die Entwicklung von Individuen beiderlei Geschlechts ein. Die Anerkennung des Genders als Spektrum stellt keine Verbesserung dar.

    Du brauchst keine tiefe innere Gender Identität, um dich so anzuziehen, wie du willst, dich so zu verhalten, wie du willst, so zu arbeiten, wie du willst, so zu lieben, wie du willst. Du müsst nicht zeigen, dass deine Persönlichkeit "weiblich" ist, damit du Kosmetik, Küche und Kunsthandwerk genießen kannst. Man muss kein Queer sein, um das Gender zu "queeren"."

    Via Nuestros Derechos
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