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Umfrage bis 15. Februar

Erste Studie über LGBTI-feindliche Gewalt in Sachsen

Noch bis Mitte Februar läuft eine Umfrage von LGBTI-Aktivisten, die den Umfang der homo- oder transphoben Hassgewalt im Freistaat ergründen soll.


LGBTI-Aktivisten wollen belastbare Zahlen, wie groß das Problem von homo- oder transphoben Attacken im Freistaat ist

  • 9. Januar 2019, 14:56h, noch kein Kommentar

Seit Anfang des Jahres setzt die Landesarbeitsgemeinschaft Queeres Netzwerk Sachsen die erste wissenschaftliche Studie zu Gewalterfahrungen von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transsexuellen, trans- und inter-geschlechtlichen Menschen in Sachsen um. In Kooperation mit der Fakultät Soziale Arbeit der Hochschule Mittweida wird bis zum 15. Februar eine umfragebasierte Erhebung durchgeführt. Das gesamte Projekt ist dank Crowdfunding eigenständig finanziert worden und unabhängig.

An der Studie können Bürger des Freistaates online teilnehmen. Außerdem liegen die Fragebögen in gedruckter Form in ganz Sachsen an ausgewählten und geschützten Standorten aus (hier die Standortsliste als PDF-Datei).

Nur 55 Fälle LGBTI-feindlicher Gewalt in 17 Jahren erfasst

Der Hintergrund der Studie: Bisher gibt es keine wissenschaftlichen Studien, die sich mit vorurteilsbezogener Gewalt bzw. Hasskriminalität gegen queere Menschen und deren polizeilicher Erfassung in Sachsen beschäftigen. Derartige Straftaten werden in dem Bundesland über den Kriminalpolizeilichen Meldedienst in Fällen Politisch motivierter Kriminalität (KPMD-PMK) unter der Kategorie "sexuelle Orientierung" erfasst. Zwischen 2001 und 2017 wurden insgesamt lediglich 55 Fälle registriert. Wegen dieser geringen Fallzahlen erklärte die schwarz-rote Staatsregierung vor rund zwei Jahren in ihrem Landesaktionsplan zur Akzeptanz der Vielfalt von Lebensentwürfen, dass man "derzeit keinen Anlass für besondere Maßnahmen zur Sensibilisierung und Qualifikation von Polizeibeamten" sehe.

Aus der Beratungstätigkeit ihrer Mitgliedervereine heraus geht die LAG Queeres Netzwerk Sachsen allerdings davon aus, dass das Dunkelfeld erheblich größer ist und die Mehrzahl der Straftaten gegen LGBTI nicht zur Anzeige gebracht wird. Nach unterschiedlichen Schätzungen betrifft dies bis zu 90 Prozent der Delikte vorurteilsbezogener Gewalt bzw. Hasskriminalität gegen queere Menschen. Das bestätigen auch Studien für andere Bundesländer.

Mit den Ergebnissen der Studie will die LAG Queeres Netzwerk Sachsen eine wissenschaftliche Diskussionsgrundlage über Hasskriminalität, geeignete Hilfen und einen angemessenen Opferschutz in Sachsen starten. Dies bietet der Landesarbeitsgemeinschaft die Möglichkeit, sowohl mit der sächsischen Politik als auch der sächsischen Polizei über das Thema ins Gespräch kommen zu können. (pm/cw)