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Profi-Basketball

NBA: Wurde deutscher Spieler von Gegner als schwul "beleidigt"?

Andrew Wiggins soll sich nach einem Spiel in der Basketball-Liga NBA homophob über seinen Gegenspieler Dennis Schröder geäußert haben – er bestreitet das.


Hat sich Andrew Wiggins (r.) homopob zu Dennis Schröder geäußert? (Bild: ds17_fg / instagram sowie andrew wiggins / twitter)

In den USA – sowie nach einer Meldung der Agentur SID in einigen deutschen Medien – gibt es Aufregung um eine Interview-Äußerung des Basketballspielers Andrew Wiggins. Dieser soll am Donnerstag nach einem Spiel über einen Gegenspieler, den deutschen Dennis Schröder, gesagt haben: "Ich habe keine Ahnung, was mit ihm nicht stimmt. Er hat sich einfach schwul verhalten" (so die Übersetzung vom Sport-Informations-Dienst).

Wiggins hatte mit seinem Team Minnesota Timberwolves das Spiel am Dienstagabend gegen Oklahoma City gewonnen. Anlass für die Interviewäußerung nach dem Spiel waren eine Auseinandersetzung während des Spiels von Schröder mit dem Timberbolves-Spieler Jeff Teague, der danach disqualifiziert wurde, sowie eine spätere Konfrontation, bei der Schröder offenbar glaubte, dass sich Gegenspieler über ihn lustig machten.

Auf Twitter schrieb Wiggins nach einer erstem Empörung, er habe "den größten Respekt für die LGBTQIA-Community" und würde "niemals einen Begriff nutzen", um in irgendeiner Form Respeklosigkeit ihnen gegenüber auszudrücken.

Twitter / 22wiggins

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Sagte Wiggins überhaupt "gay"?

Was der SID-Bericht und Medien wie "Bild" (unter der Überschrift "Gegenspieler nennt unseren NBA-Star 'schwul'") nicht vermelden: In einem vorherigen Tweet hatte Wiggins zudem abgestritten, überhaupt "schwul" bzw. "gay" gesagt zu haben. Vielmehr habe er (ein verschlucktes) "getting" gesagt, den Gedanken und Satz dann aber anders fortgesetzt.

Twitter / EyeAmTruth | "He was just getting… acting crazy for no reason", will der Sportler gesagt haben. Oder war es "He was just gay, acting crazy for no reason?" Der Satz fällt bei 0:30.

In sozialen Medien wird nun diskutiert, ob das eine Schutzbehauptung sei – das vermuten viele US-Sportseiten und auch die Kollegen von Outsports. Andere verteidigen den Sportler: Der Satzzusammenhang und die entspannte Sprechweise des Spielers ließen seine Version glaubhaft erscheinen. Letztlich wird wohl der Verband entscheiden müssen: Im letzten November hatte die NBA den serbischen Basketball-Nationalspieler Nikola Jokić zu einer Geldstrafe von 25.000 US-Dollar (22.000 Euro) verurteilt, nachdem er in einem Interview nach einem Spiel "No homo" gesagt hatte (queer.de berichtete).

Twitter / 22wiggins

Wiggins wäre nicht der erste Fall, bei dem Audio-Mitschnitte nur begrenzte Beweiskraft haben. Vor allem in den USA sorgte vor wenigen Wochen ein kurzer Clip aus einer aktuellen Folge der "Sesamstraße" für Empörung und Erheiterung: Fiel darin das Tabu-Wort "fucking", wie viele Nutzer glaubten? Mit dem Gedanken im Hinterkopf glaubt man tatsächlich, von Grover bzw. Grobi "Move the camera! Yes, yes, that's a fucking excellent idea!" zu hören.

Liest man hingegen "That sounds like an excellent idea", die offizielle Version, so scheint auch das plausibel. (cw)



#1 KetzerEhemaliges Profil
  • 09.01.2019, 20:08h
  • Danke für die Anführungszeichen in der Schlagzeile. Wir müssen endlich davon wegkommen, dass "schwul" eine "Beleidigung" darstellt.

    Mir ist natürlich klar, dass wir davon immer noch meilenweit entfernt sind. Jedoch ist es umso wichtiger, dass das wenigstens innerhalb der Community richtig eingeordnet wird: jemanden als "schwul" zu bezeichnen, IST de facto keine Beleidigung, selbst wenn er es nicht ist - denn schwul zu sein, ist nichts Ehrenrühriges, sondern lediglich eine von mehreren möglichen Varianten der sexuellen Orientierung.
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#2 Homonklin44Profil
  • 10.01.2019, 11:20hTauroa Point
  • Wenn er nun "gay" im Zusammenhang mit "ausgelassen" gesagt hat ( vergleiche - crazy) - oder "gettin'" Slang-verschludert, was schon wie "gain" oder "gey'n" mal klingen kann - frage ich mich, was es bringen soll, jeden Versprecher, ob gewollt oder nicht gewollt, sprachpolizeilich zu ahnden, und ob sich das nicht in eine Art Zensurdrang hinein entwickelt, wenn man Leuten vorschreiben will, wie sie Sprache zu verwenden hätten.

    Würde die Sprachpolizei mal durch Kiel Gaarden patrouillieren, gäbe es bis zum Mittag bestimmt 200 Festnahmen.
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#3 Ralph
  • 10.01.2019, 12:33h
  • Antwort auf #1 von Ketzer
  • Das ist richtig - wenn aber dieses Wort ganz bewusst als Beleidigung gemeint ist, weil es in der Gedenkenwelt desjenigen, der es ausspricht, eine solche sein soll, dann sieht es anders aus. Hier wird z.B. unterstellt, es sei gesagt worden, es stimme was nicht mit dem Mann, er verhalte sich schwul. Was stimmt mit jemandem nicht, bloß weil er sich schwul verhält? Die Verwendung des Wortes in diesem Zusammenhang ergibt nur einen Sinn, wenn es negativ gemeint ist. (Dabei mag im konkreten Falle dahinstehen, was tatsächlich gesagt wurde. Mir geht es nur darum, dass entscheidend die Sichtweise desjenigen ist, der das Wort benutzt. Mir gegenüber wurde "schwul" (für mich selbst die gängige Selbstbezeichnung) schon als "taugt nichts" definiert. Dann ist es als Beleidigung gemeint und lässt sich nicht uminterpretieren. Es ist dann sogar eine doppelte Beleidigung: einerseits durch die bezweckte Herabsetzung aller Schwulen oder zumindest desjenigen, der angesprochen oder über den geredet wird, andererseits durch die Herabwürdigung des Wortes selbst. Ähnlich verhält es sich, wenn das Wort "Jude" ganz bewusst abfällig verwendet wird.
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#4 KetzerEhemaliges Profil
#5 TheDadProfil
  • 10.01.2019, 22:55hHannover
  • Antwort auf #4 von Ketzer
  • ""Wir müssen endlich davon wegkommen, dass "schwul" eine "Beleidigung" darstellt.""..

    Kontext..
    Intention spielt also keine Rolle wenn man sich dazu entschieden hat Homophobie zu bekämpfen indem man es negiert ?

    Die Absicht war es zu beleidigen..
    Ob derjenige der beleidigen wollte dazu einen Begriff nutzt, den man als SELBTSBESCHREIBUNG nutzend den beleidigenden Charakter entziehen kann, ist irrelevant..

    Denn die Absicht zu beleidigen bleibt auch dann immer noch bestehen..
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#6 KetzerEhemaliges Profil
  • 11.01.2019, 01:23h
  • Antwort auf #5 von TheDad
  • Und jetzt bitte nochmal DAS hier lesen, das ich bereits geschrieben hatte:

    "Jedoch ist es umso wichtiger, dass das wenigstens innerhalb der Community richtig eingeordnet wird: jemanden als "schwul" zu bezeichnen, IST de facto keine Beleidigung, selbst wenn er es nicht ist - denn schwul zu sein, ist nichts Ehrenrühriges, sondern lediglich eine von mehreren möglichen Varianten der sexuellen Orientierung."

    Deshalb hatte ich mich für die Anführungszeichen in der Schlagzeile bedankt.

    Manchmal würde es echt durchaus helfen, einfach mal genau nachzulesen, was man kritisiert, bevor man es kritisiert.

    MEINE Intention war es, deutlich zu machen, dass die Gesellschaft insgesamt davon wegkommen muss, "schwul" noch als beleidigend einzustufen. Ganz unabhängig davon, was in diesem einem konkreten Fall (und vielen anderen) die Intention war.

    MIR ging und geht es darum, darauf hinzuarbeiten, dass "schwul" irgendwann genauso wenig Beleidigungspotential hat wie "Linkshänder_in" oder "Rotschopf".

    Ich weiß nicht, wie ich mich NOCH klarer ausdrücken könnte. Hätte nicht gedacht, dass so ein kurzer Kommentar von mir ein so großes Potential für Missverständnisse haben könnte.
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#7 TheDadProfil
  • 11.01.2019, 11:27hHannover
  • Antwort auf #6 von Ketzer
  • ""Manchmal würde es echt durchaus helfen, einfach mal genau nachzulesen, was man kritisiert, bevor man es kritisiert.""..

    Jepp..
    Machen wir das doch mal..

    ""Mir ist natürlich klar, dass wir davon immer noch meilenweit entfernt sind. Jedoch ist es umso wichtiger, dass das wenigstens innerhalb der Community richtig eingeordnet wird: jemanden als "schwul" zu bezeichnen, IST de facto keine Beleidigung, selbst wenn er es nicht ist - denn schwul zu sein, ist nichts Ehrenrühriges, sondern lediglich eine von mehreren möglichen Varianten der sexuellen Orientierung.""..

    Hier geht es ja eben nicht um den Umgang innerhalb der Community..
    Und auch innerhalb dieser herrscht genügend Streit, denn
    ""selbst wenn er es nicht ist""
    ist am Ende nichts anderes als Jemanden zu "missgendern"..

    Die entsprechenden Reaktionen kann man hier dann auch lesen, zuletzt erst Gestern im Artikel-Thread zu Frau Ganserer..

    Wie kann es also "OK" sein Jemanden als Schwul zu bezeichnen, der nicht Schwul ist, und dann noch die Intention der Beleidigung, die sich darin verbirgt, versuchen damit zu "umgehen", indem man anführt, es sollte aber einfach mal so "ok sein" ?

    Also egal ob man Jemandem hinterher brüllt
    "du schwuchtel" oder "schwule sau" oder "du dumme Hete", die Intention jemanden damit abzuwerten indem man seine Sexuelle Identität plakativ nutzt um auf vermeintliche oder wirkliche Eigenschaften zu verweisen, es dient dazu zu beleidigen..
    Und das innerhalb wie außerhalb der Community..

    Denn der "beleidigende Charakter" einer Aussage befindet sich hier IMMER in der Nutzung durch Andere, während die selbe aussage als Eigenbeschreibung den dann wirklichen Unterschied macht..

    Ist es nun deutlicher worauf ich hinaus will ?

    Denn die Funktion finden wir nicht nur in Begriffen wie "Schwuler" oder "Transe", wir finden sie auch in Beschreibungen wie "Araber", "Türke", "Kurde", Afrikaner", und vielen weiteren..
    Wie etwa "Fettsack", "Schlampe", "Jude" oder "Schwarzfuß"..

    Mit derlei Fremdbeschreibungen versucht man Wertungen über die Personen vorzunehmen, und die Intentionen dieser Wertungen sind zumeist negativ konnotiert..

    Das bleibt auch dann negativ, wenn die Beschreibung gar nicht zutrifft, oder wenn die Person diese Beschreibung für sich selbst nutzt..
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