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Neue Richtlinien

US-Psychologen: "Traditionelle Männlichkeit" ist gefährlich

Erstmals hat der amerikanische Psychologenverband davor gewarnt, dass machohaftes Verhalten von Männern viele Probleme mit sich bringe – beispielsweise Gewalt gegen Homosexuelle. Konservative sind über die Richtlinien empört.


"Toxic Masculinity" ist verantwortlich für den Hass vieler heterosexueller Männer auf Schwule – und führt oft zu einer Gewaltexplosion (Bild: Omaha PD)

Die American Psychological Association (APA), der größte Psychologenverband der Welt, hat "Richtlinien für die psychologische Arbeit mit Knaben und Männern" (PDF) erlassen, in denen vor der "Ideologie der traditionellen Männlichkeit" gewarnt wird. Dieses Phänomen, das oft als "toxic masculinity" (schädliche Männlichkeit) bezeichnet wird, basiere laut der APA auf der der Überhöhung der eigenen Stärke und der Abwertung von Frauen und denjenigen Männern, die nicht den Rollenklischees entsprechen.

Wenn dieses traditionell männliche Verhalten Knaben beigebracht werde, führe das zu einer eingeschränkten Entwicklung des Selbstbilds und könne die psychische Gesundheit schädigen, heißt es in dem Bericht. Der Männlichkeitswahn sei für Schüler unter anderem deswegen gefährlich, weil Lerneifer oft als unmännlich gelte und Jungen dadurch an Schulen gegenüber Mädchen zurückfallen würden.

Außerdem sei Gewalt eine Gefahr dieser Ideologie: "Verengte Vorstellungen von Männlichkeit, die Aggressivität, Homophobie und Frauenfeindlichkeit betonen, könnten Knaben dazu veranlassen, viel Energie in störendes Verhalten zu stecken, z.B. in Mobbing, gegen Homosexuelle gerichteten Spott sowie sexuelle Belästigung – und nicht in gesunde schulische und außerschulische Aktivitäten." Dieses Verhalten habe auch schädliche Auswirkungen auf die eigene Psyche – es sei etwa mitverantwortlich dafür, dass die Selbstmordrate unter Männern vier Mal höher ist als unter Frauen.

Männliche Privilegierung hat einen Preis

Zwar würden Männer in der augenblicklichen Gesellschaft noch immer gegenüber Frauen bevorzugt, etwa beim Einkommen – diese Privilegierung ("male privilege") habe aber einen Preis: So müssten Männer "sexuelle Ideologien anerkennen, um ihre Macht zu festigen".

Die Richtlinien sollen Psychologen und anderen Ärzten dabei helfen, ihre Patienten zu behandeln und mögliche Probleme zu erkennen. Man müsse sich vor Augen führen, dass "Männlichkeit auf sozialen, kulturellen und kontextbezogenen Normen" beruhe, heißt es in dem 32-seitigen Schreiben.

Konservative Medien haben die Richtlinien kurz nach ihrer Veröffentlichung als "liberale Propaganda" verteufelt. So wurde im US-Meinungskanal Fox News Channel behauptet, dass Menschen ohne traditionelle Männlichkeit noch in Höhlen leben würden. Das russische Portal RT, das im Westen insbesondere unter Rechtspopulisten populär ist, schrieb in seiner englischen Ausgabe: "Die American Psychological Association behauptet, dass es schlecht ist, ein Mann zu sein". Den Bericht bebilderte die staatliche "Nachrichten"-Seite mit lächelnden Bodybuildern. (dk)


Das Putin-Portal RT, das oft die Diskriminierung Homosexueller herunterspielt, kritisiert die APA-Richtlinien



#1 dellbronx51069Anonym
#2 LenorgewissenAnonym
  • 10.01.2019, 17:27h
  • Bravo!

    Ist zwar beileibe nichts Neues, aber für den amerikanische Psychologenverband schon sehr erstaunlich. Die Kämpfe im Vorfeld der Veröffentlichung innerhalb des Verbandes, müssen immens gewesen sein.
    Das weinerliche Gekreische, oder in diesem Fall besser: das Gegrunze, der üblichen Höhlenbewohner (sic!), wie Fox oder RT, unterstreicht die Treffsicherheit der Thesen.
    Eine Überwindung der in vor-zivilisatorischen Zeiten festgelegten "Geschlechterrollen", wäre ein echter Schritt in Richtung einer humanen und friedlichen Gesellschaft.

    (Dass die Selbstmordrate bei Männern 4 x höher liegt als bei Frauen, ist eine atemberaubende Tatsache, die so gut wie nie in der Öffentlichkeit diskutiert wird. Ein Zusammenhang dieser Ausblendung, mit den angesprochen Punkten in der Kritik des Verbandes, scheint mir offensichtlich.)
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#3 JohannbAnonym
  • 10.01.2019, 17:27h
  • Das kam mir bei Reisen innerhalb Russlands auch so vor; das Matchogejabe dort ist gefährlich! Es produziert Gewalt gegenüber Minderheiten und auch den dortigen Frauen.... Gewalt, die ganz subtil anfängt in Form von phsychischer bis zur Gewalt über den Willen anderer. Die Männer machen das, um nicht als unmännlich oder "gar" schwul zu gelten...
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#4 ElfolfProfil
  • 10.01.2019, 20:18hHamburg
  • Irgendwie hatte ich diese Erkenntnis schon vor 30 Jahren. Es war schon immer zu beobachten, dass die überbetont männlichen Geschöpfe zwar meist als Sieger aus einer zünftigen Keilerei hervorgingen, im Alltag aber eher gescheitert sind. Soft Skills sind gerade bei denen, die sie am nötigsten erlernen sollten, bis heute Mangelware.
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#5 thorium222Profil
  • 10.01.2019, 23:00hMr
  • Genau so ist es. Dass Konservative Probleme mit Fakten haben, ist ja leider nichts Neues.
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#6 Gerlinde24Ehemaliges Profil
  • 11.01.2019, 01:38h
  • Das, was man "traditionelle Männlichkeit" nennt, hat viel Unglück über die Menschheit gebracht. Typen wie Hitler, Stalin und Mao in der Vergangenheit, und Erdowahn, Putin und Trump in der Gegenwart, beweisen das jeden Tag aufs Neue!
    Was aber ist "traditionelle Männlichkeit"?
    Doch nichts weiter als die nette Umschreibung für Gewalt und Unterdrückung. Männer schlagen und vergewaltigen Frauen, um sie gefügig zu machen. Sie schlagen, vergewaltigen und töten Homosexuelle und Transsexuelle, weil diese von ihnen als Verräter an der traditionellen Rolle wahrgenommen werden, und sie Angst vor ihren eigenen homosexuellen und transidentischen Anteilen in sich haben, oder, von anderen Männern für homosexuell oder transsexuell gehalten werden könnten.
    Dadurch fühlen sich diese "traditionellen Männer" groß, sehen ihren Pimmel als mächtig an, obwohl er, bildlich gesprochen, mikroskopisch klein ist. In meinen Augen sind diese Männer nur arme Würstchen, die dieses Bild von sich brauchen, weil sie sonst nichts haben.
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#7 LotiAnonym
  • 11.01.2019, 08:15h
  • Antwort auf #6 von Gerlinde24
  • Frau Dr.Allwissend: nur mal so nebenbei bemerkt gibt es eine Menge an Schwulen Männern die sich ebenso machomäßig verhalten. Könnte schon wieder ein Beispiel aus meinem Umfeld benennen, doch sicherlich interessiert es hier kaum jemand.
    Nach außen hin den harten Kerl vorgeben und hinter vorgehaltener Hand offen gegen Tunten und schwächere zu sein. All das habe ich schon im Leben mitbekommen.
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#8 Homonklin44Profil
  • 11.01.2019, 09:37hTauroa Point
  • Irgendwie musste ich schon beim Lesen an abfällig lachende Russen denken, und siehe da, von denen fühlen sich genügend angemacht. Getroffene Hunde bellen.
    Bei den "traditionell Konservativen" muss einen das eh nicht wundern, denn genau da trifft diese Feststellung ins Schwarze.
    Allerdings ist das ein allgemeines, großflächig verbreitetes Problem, dass Männlichkeit gerade über so beschriebene Eigenschaften interpretiert und auch gern so gelesen wird. Schaut man sich Filme an, werden die meisten Männerrollen in eben dieser machohaften und alldominanten Art präsentiert.
    Von der Schule weiß man es noch - ein richtiger Kerl schlägt sich durch - im wahrsten Sinne des Wortes.

    Ob es die Art Erziehung ausmacht, dass Liebe und Zärtlichkeit unter Männern so ein Schattendasein führt? Selbst unter den Schwulen gilt ja der potente Mann anscheinend weit mehr als einer, der besser kuscheln als ficken kann.
    In bestimmten schwulen Subs ist eine fast überbetonte Machohaftigkeit allerdings auch so etwas wie ein Fetisch, oder aufgetragenes Verhalten, scheint es.
    Verrohtheit und Gewalt als erotischer Reiz - auch wenn es ziemlich beängstigend wirkt, scheinen da für viele ansprechend.
    Such einer mal Lederfetisch und Romantik in Liebsamkeit - da taucht man auf verlorenem Posten. Überrohes Mannestum allenthalben verbietet schon die Idee.
    Man kann also gleich Selbstanalyse betreiben, und schauen, wo man mit derart Erziehungsfolgen konfrontiert wird.
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#9 Brünhild-SchantalleAnonym
  • 11.01.2019, 10:18h
  • Antwort auf #6 von Gerlinde24
  • Allerdings ist "traditionelle Weiblichkeit" genauso gefährlich und ausgrenzend, nur meistens versteckter.

    Auch Frauen üben Gewalt und Unterdrückung gegen ihre Kinder aus, Jungs wie Mädchen, und gegen andere Menschen generell, aber halt öfter durch psychische Gewalt als durch physische mit weniger auf den ersten Blick sichtbaren Narben. Besser ist das definitiv nicht.

    Ich warne eindringlich vor einer verklärten Romantisierung von "traditioneller Weiblichkeit" die genauso übel und schädlich ist wie ihr männliches Gegenstück!

    Vermutlich ist alles, was als "traditionell" hochstilisiert wird und letztlich nur übersteigerte Stereotypen sind, schädlich für das Individuum und die Menschheit. Diese Art von "traditionellem" Verhalten ist m.E. nichts weiter als rückständig unzivilisierte Gewaltausübung auf physischer und psychischer Ebene. Oder anders gesagt: Diese "männlichen" und "weiblichen" Verfechter*innen "traditioneller Werte" sind offenbar näher dran am Neandertaler als am Homo sapiens.

    Dass durchlässige, freiheitliche, weniger stereotype Konzepte von religionsfaschistisch-orthodoxen Ländern wie Russland und nationalfaschistisch-politischen Parteien wie der AfD samt "besorgten Eltern" bekämpft und lächerlich gemacht werden, ist eigentlich nur logisch. In einer freien Welt würden sie nämlich sehr schnell den Kürzeren ziehen, weil sie nicht mithalten können.
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#10 LotiAnonym
  • 11.01.2019, 10:21h
  • Antwort auf #8 von Homonklin44
  • Sehr gut zusammengefasster Beitrag.
    Was die Russen betrifft stimmt aber. Ebenso auf viele Nordamerikaner und Lateinamerikaner.
    In den 80er Jahren lernte ich einen jungen Mann aus Novosibirsk kennen über eine Anzeige. Als wir uns trafen, war ich zuerst über sein doch sehr männliches Verhalten erstaunt. Doch wie sich herausstellte, war dies nur seine Fassade, denn wie ich erfuhr geht das gar nicht ohne in diesem homophoben Land.
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