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Österreich

Bundespräsident grüßt Tuntenball

Der Grazer Tuntenball findet im Februar zum 30. Mal statt. Das queere Event habe die Gesellschaft "gleicher, offener, freier und menschlicher gemacht", erklärte Österreichs Staatsoberhaupt Alexander Van der Bellen.


Screenshot aus der Grußbotschaft: Alexander Van der Bellen wurde im Dezember 2016 zum neunten Staatsoberhaupt der Zweiten Republik gewählt

Der österreichische Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat das 30. Jubiläum des Grazer Tuntenballs mit einer Grußbotschaft gewürdigt. "Alles hat mit einer kleinen Revolution vor dreißig Jahren begonnen", erklärte der ehemalige Grünen-Chef in einem 75-Sekunden-Video. "Ein Fest für Schwule. Nicht versteckt, nicht geheim, nein, ganz im Gegenteil: offen, öffentlich, in der Uni-Mensa."

Dies sei in den Augen sehr vieler damals ein unfassbarer Skandal gewesen, so Van der Bellen. "Und heute: Schwul, lesbisch, bisexuell, transgender zu sein, ist normal, normal wie alles andere auch." Der Grazer Tuntenball sei ein "großer anerkannter Charity-Event mit fantasievoller Lust am Anderssein, mitunter auch schrill, glamourös."

Direktlink | Die Grußbotschaft des Bundespräsidenten

Der 74-Jährige dankte den Organisatoren der letzten drei Jahrzehnte für ihr Engagement: "Unsere Gesellschaft wurde damit gleicher, offener, freier und menschlicher gemacht." Am Ende der Grußbotschaft wünschte der Bundespräsident allen Gästen viel Spaß: "Es wird gewiss ein rauschender, bunter, unvergesslicher Abend."

Präsident auch der Schwulen und Lesben


Das Plakat zum Tuntenball 2019

Van der Bellen hatte die österreichische Präsidentenwahl im Dezember 2016 nach einer für die Alpenrepublik peinlichen Pannenserie bei der Durchführung von Wahlen letztlich mit 53,3 Prozent gegen Norbert Hofer von der rechtspopulistischen FPÖ gewonnen (queer.de berichtete). In seiner ersten Rede als neuntes Staatsoberhaupt der Zweiten Republik hatte er angekündigt, auch Präsident der Schwulen und Lesben sein zu wollen (queer.de berichtete).

Der Grazer Tuntenball feierte am 17. Februar 1990 Premiere in der Uni-Mensa mit 200 Gästen, seitdem wuchs er stetig. Im vergangenen Jahr kamen rund 2.000 Besucher in den Congress.

In diesem Jahr findet das Charity-Event am 23. Februar unter dem Motto "Skandal" statt. "Vieles, was früher, vor 30 Jahren als Skandal empfunden wurde, wird meist zur Normalität und trägt zur Vielfalt einer Gesellschaft bei", erklärte Organisator Joe Niedermayer zum Motto. Eröffnet wird der Tuntenball vor Stargast und Eurovision-Siegerin Conchita. (cw)

Direktlink | Zehn-Minuten-Doku über die Geschichte des Grazer Tuntenballs



#1 Patroklos
#2 Ralph
#3 BewegungsschwesterAnonym
  • 12.01.2019, 13:38h
  • Antwort auf #2 von Ralph
  • Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am 03. Juni 2018 am Denkmal für die verfolgten Homosexuellen in Berlin:
    "Als Bundespräsident ist mir heute eines wichtig: Ihr Land hat Sie zu lange warten lassen. Wir sind spät dran. Was gegenüber anderen gesagt wurde, ist Ihnen bisher versagt geblieben. Deshalb bitte ich heute um Vergebung für all das geschehene Leid und Unrecht, und für das lange Schweigen, das darauf folgte."

    Die ganze Rede hier:

    www.queer.de/detail.php?article_id=31281
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#4 Ralph
  • 12.01.2019, 17:31h
  • Antwort auf #3 von Bewegungsschwester
  • Ja, ich kenne diese Rede. Mir geht es hier aber darum, darauf hinzuweisen, dass Herr Steinmeier zu aktuellen rechtlichen Verbesserungen und Angleichungen geschwiegen hat. Die Gelegenheit, die Eheöffnung in ähnlicher Weise zu begrüßen wie z.B. Barak Obama, hat er leider versäumt. Sie war das lange überfällige historische Signal, dass Schwule und Lesben rechtlich völlig gleichgestellt sind, egal ob einzelne Paare wirklich heiraten wollen oder nicht. Damit endeten Jahrtausende der Ausgrenzung. Wenn einem Staatsoberhaupt in solch historischer Stunde nichts einfällt als Schweigen, versagt es.
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#5 BewegungsschwesterAnonym
  • 12.01.2019, 19:37h
  • Antwort auf #4 von Ralph
  • Du hast bemängelt, dass Steinmeier nie etwas zur Verfolgung gesagt habe. Aber das hat er.

    Du schimpfst, dass Steinmeier nie etwas zur Eheöffnung gesagt habe. Aber das hat er - in der gleichen Rede.

    Du willst sie angeblich gelesen haben. Dann frage ich mich, wie Du zu deinen Behauptungen kommst? Diese Rede beweist das Gegenteil.

    Ja, er hat nicht direkt nach der Verabschiedung der Eheöffnung öffentlich die Sektkorken knallen lassen. Aber das tut ein Bundespräsident nie, egal um welches Gesetz es sich handelt. Sein Amt und das Amtsverständnis kann man mit dem des amerik. Präsidenten nun wirklich nicht vergleichen.
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#6 Ralph
  • 13.01.2019, 10:23h
  • Antwort auf #5 von Bewegungsschwester
  • Du hast meinen ersten Beitrag nicht richtig gelesen. Ich bemängele darin unter anderem, dass Herr Steinmeier zur Aufhebung der Unrechtsurteile nach 1945 geschwiegen hat. Wenn es nicht zu seinem Amtsverständnis gehört, öffentlich zu würdigen, dass die Bundesrepublik endlich ihre Verantwortung für fortdauernde NS-Verfolgungsmaßnahmen anerkannt hat, dann hat er ein trauriges Amtsverständnis. Nicht anders sieht es in Bezug auf die Eheöffnung aus. Es wäre zu erwarten gewesen, dass er ein paar positive Worte verliert darüber, dass eine vom deutschen Recht immer ausgegrenzte Bevölkerungsgruppe endlich gleichgestellt wird. Seine Rede am Mahnmal enthält zwar Passagen, denen Bedauern über die Verfolgung zu entnehmen ist. Er behauptet dort aber wahrheitswidrig, dass das deutsche Recht auch Schwule schütze. Wir alle wissen, dass der deutsche Gesetzgeber sich strikt weigert, die sexuelle Orientierung in Art. 3 GG aufzunehmen, und dass das den Grund hat, dass er sich vorbehält, den NS-Paragraphen 175 jederzeit wiedereinführen zu können, von dem wir ebenfalls wissen, dass er nach nie aufgehobener Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts mit dem Grundgedsetz vereinbar ist. Gegenwärtig hätte dieser Paragraph vor dem Verfassungsgericht zwar keine Chance auf erneute Bestätigung, das kann sich aber schnell ändern, sobald der zuständige Senat hinreichend anders besetzt ist.
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#7 TheDadProfil
  • 13.01.2019, 16:19hHannover
  • Antwort auf #6 von Ralph
  • ""Du hast meinen ersten Beitrag nicht richtig gelesen. Ich bemängele darin unter anderem, dass Herr Steinmeier zur Aufhebung der Unrechtsurteile nach 1945 geschwiegen hat.""..

    Äh ?
    So wird da aber kein Schuh draus, denn die Steinmeier-Rede geht explizit darauf ein..

    Man kann sich natürlich darüber "beschweren" das Steinmeier sich nicht "ständig" wiederholt, und zwar immer dann, wenn sich ein Update irgendwelcher Gesetze durch die Exekutive gedrängelt hat..

    Oder man missachtet das sich auch schon andere Bundespräsidenten zu verschiedenen Anlässen entsprechend geäußert hätten, etwa von Weizsäcker in der berühmten Rede zum 8.Mai 1945, oder Gauck anlässlich seines Besuches in Auschwitz, oder dem Berliner Jüdischem Museum..

    Und man kann auch mal Butter bei de Fisch erklären, was man eigentlich erwartet ?

    Eine Art "General-Entschuldigung" ?

    Die will ich persönlich gar nicht haben, denn ich finde solche Entschuldigungen als unangemessen..

    Aber eine spannende Diskussion über die Signalwirkungen solcher Entschuldigungen, die können wir hier sicher auch ohne persönlich zu werden, gerne mal führen..

    Und so stellt sich hier dann die Frage ob die Person Bundespräsident überhaupt die richtige Adresse für eine solche "Entschuldigung" wäre, oder dann doch die Justizminister der Länder und des Bundes, denn die haben die Verfolgung dann ja auch federführend zu verantworten..
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#8 Ralph
  • 13.01.2019, 23:41h
  • Antwort auf #7 von TheDad
  • Tut mir leid, The Dad, dass wir schon wieder aneinander vorbeireden.

    Erwartet hätte ich eine jeweils zeitnahe Würdigung der beiden historischen Entscheidungen zur Aufhebung der 175er Urteile und zur Eheöffnung. Das, meine ich, wäre Sache des Staatoberhauptes gewesen - immerhin ging es im einen Fall um die Anerkennung jahrzehntelanger Menschenrechtsverletzung (davon lange Zeit als ungebrochene Fortsetzung des Dritten Reiches) und im anderen um die Beendigung der ewigen benachteiligten Sonderstellung im Zivilrecht. Weder das eine noch das andere hatte es vorher in der bundesrepublikanischen Geschichte gegeben - so wenig wie die systematische Verfolgung und Schlechterstellung einer ganzen Bevölkerungsgruppe. Die Bundesrepublik Deutschland hat mit beiden Entscheidungen immerhin einen wesentlichen Teil ihrer Staatsräson aufgegeben: die felsenfeste Überzeugung, dass Schwule und Lesben minderwertig seien und auch als minderwertig behandelt werden müssen; dass sie nicht gleiche Rechte haben, sondern bestenfalls Gnaden empfangen dürfen.
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#9 TheDadProfil
  • 14.01.2019, 10:55hHannover
  • Antwort auf #8 von Ralph
  • ""Tut mir leid, The Dad, dass wir schon wieder aneinander vorbeireden.""..

    Das denke ich nicht einmal..
    Ich respektiere hier vor allem erstmal Deine "restriktive" Einstellung gegenüber dem Staat, denn einzufordern auch über eine solche "Entschuldigungs-Kultur" der Gesellschaft aufzutragen sich mit ihrer Geschichte zu befassen, kann man gar nicht oft genug..

    Die Rede von von Weizsäcker war ja beinahe ein Skandal, denn wie konnte ein Bundespräsident der Bevölkerung erklären vom Faschismus befreit worden zu sein, wenn doch diese Bevölkerung in großen Teilen genau diese Erkenntnis immer wieder weit von sich gewiesen hat, und die Administration sich über die Restauration der Strukturen anschickte ein frühes "weiter so" als Politik im Lande zu etablieren ?

    ""Erwartet hätte ich eine jeweils zeitnahe Würdigung der beiden historischen Entscheidungen zur Aufhebung der 175er Urteile und zur Eheöffnung. Das, meine ich, wäre Sache des Staatoberhauptes gewesen - immerhin ging es im einen Fall um die Anerkennung jahrzehntelanger Menschenrechtsverletzung (davon lange Zeit als ungebrochene Fortsetzung des Dritten Reiches) und im anderen um die Beendigung der ewigen benachteiligten Sonderstellung im Zivilrecht.""..

    Ich weiß jetzt nicht ad Hoc ob das in den Reden des Bundespräsidenten zu Weihnachten nicht doch passiert ist ?
    Das muß ich noch nachlesen..

    Doch die "skandalisierenden" Aussagen verschiedener Bundespräsidenten wie von Weizsäcker über die Faschismus-Befreiung, oder in neuerer Zeit von Wulff über den Islam, der zu Deutschland gehöre, entfalten mehr "Empörungs-Potential" in der Bevölkerung, als solche Entschuldigungen bei Teilen der Bevölkerung..
    Ich denke man nimmt das gar nicht wirklich wahr..
    Und nimmt das mit einem Schulterzucken hin, ohne sich wirkliche Gedanken darüber zu machen, was damit eigentlich passiert, denn dem Gros der Bevölkerung fehlt das Bewußtsein über die Sache, und weiß einfach nicht die Entrechtung von Minderheiten dementsprechend einzuordnen..

    Damit "verpufft" die Wirkung, und es bleibt nur die "persönliche Genugtuung für die ehemals entrechteten Menschen übrig..

    Mir persönlich ist das zu wenig..
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#10 ErdbeerkucheAnonym
  • 14.01.2019, 11:04h
  • Antwort auf #6 von Ralph
  • OK, ganz kurz, in Art 3 GG steht deutlich lesbar "Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich" und damit sind ALLE gemeint das darunter ist nur Förmlichkeit wenn du deswegen beleidigt bist kann ich auch nichts machen
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