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Einzelkommentar zu:
Paragraf 175: Noch immer kaum Anträge auf Entschädigung


#2 BewegungsschwesterAnonym
  • 12.01.2019, 13:24h
  • Antwort auf #1 von Ralph
  • Heinemann-Paragraf? Gustav Heinemann war es, der den Nazi-Paragrafen abschaffte. Das war ein großer Fortschritt. Ja, er blieb in einer Jugendschutzversion bis 1994 bestehen und stellte homosexuelle Kontakte mit Minderjährigen unter Strafe. Aber Schwulsein wurde nicht mehr per se strafrechtlich verfolgt. Ganz nebenbei räumte er mit seiner Justizreform auch noch den sog. Kuppelparagrafen ab, das Verbot von vorehelichem Geschlechtsverkehr, den Ehebruch als Straftatbestand, das Verbot von Pornografie und die generelle Strafbarkeit des Schwangerschaftsabbruchs. Er sorgte dafür, dass das Strafrecht nicht länger ein Moralrecht war und führte die Bundesrepublik juristisch aus der verklemmten Adenauer-Ära.

    Ich finde es nicht nur unfair, sondern auch geschichtsklittend, ihn heute als "Schwulenverfolger" darzustellen. Das Gegenteil ist der Fall. Heinemann führte das Land in ein modernes Strafrecht. Sicherlich war es scheiße, dass beim Jugendschutz ein unterschiedliches Schutzalter für hetero- und homosexuelle Kontakte erhalten blieb, aber man muss auch immer den zeitlichen Kontext berücksichtigen. Heinemann hat rausgeholt, was gegen den erbitterten Widerstand der Kirchen und erzkonservativer Kreise beim Sexualstrafrecht machbar war.

    Ich stimme Dir aber zu, dass es traurig ist, wenn die strafrechtliche Verfolgung ältere Schwule bis heute derart beschämt, dass sie sich nicht trauen, eine Entschädigung zu beantragen. Es sagt viel darüber aus, wie diese Zeit die ältere Generation geprägt hat und der Paragraf 175 bis heute wirkt. Um so wichtiger war es, alle Urteile pauschal aufzuheben und die Männer zu rehabilitieren. Ich hätte mir gewünscht, dass viel mehr von ihnen auch die Entschädigung beantragen, selbst wenn die Summen nur symbolischen Wert haben und das Leid bei weitem nicht aufwiegen können.
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