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Erneuter Vorstoß

Mehrheit im Bundestagspräsidium für Gedenken an homosexuelle Nazi-Opfer

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble hatte es vergangenes Jahr abgelehnt, im Rahmen der jährlichen Gedenkstunde an homosexuelle NS-Opfer zu erinnern. Im Bundestagspräsidium ist er damit aber in der Minderheit.


Auch die dienstälteste Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Die Linke) unterstützt die Erinnerung an homosexuelle Nazi-Opfer (Bild: Deutscher Bundestag / Achim Melde)

Der LGBTI-Aktivist, Historiker und Schriftsteller Dr. Lutz van Dijk startet einen weiteren Anlauf, damit im Bundestag erstmals ausdrücklich während des jährlichen Gedenkens an die Opfer der Nationalsozialisten erinnert wird, die wegen ihrer sexuellen Orientierung verfolgt worden waren. Einen entsprechenden Antrag hatte Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) vergangenes Jahr für 2019 abgelehnt (queer.de berichtete). Das Thema werde aber bei "zukünftigen Abwägungs- und Entscheidungsprozessen einen prominenten Platz einnehmen", versprach Schäuble damals. Die Gedenkveranstaltung für NS-Opfer findet jedes Jahr am 27. Januar statt.

Van Dijk kündigte an, am Dienstag (15. Januar) erneut eine Petition an Schäuble zu übermitteln, in der das Bundestagspräsidium gebeten wird, ab 2021 die Erinnerung an homosexuelle Opfer und andere sexuelle Minderheiten zum Thema der Erinnerung zu machen. In diesem und im nächsten Jahr steht das Programm bereits fest: Dieses Jahr wird in der Gedenkstunde im Bundestag der renommierte israelisch-amerikanische Historiker und Holocaust-Überlebende Prof. Dr. Saul Friedländer reden (ausnahmsweise am 31. Januar), am 27. Januar 2020 wird es Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) sein.

Die Petition ist bereits von über 100 prominenten Forschern, Fachleuten und Interessenvertretern unterschrieben worden (Liste siehe unten). Darunter befinden sich auch die Sprecher ehemaliger Opfergruppen wie vom Internationalen Auschwitz-Komitee oder dem Landesverband deutscher Sinti und Roma.

Vier von fünf Bundestagsvizepräsidenten unterstützen Forderung

Vier der fünf Bundestagsvizepräsidenten hätten gegenüber van Dijk Zustimmung für diesen Schritt signalisiert. Dabei handelt es sich um Thomas Oppermann (SPD), Wolfgang Kubicki (FDP), Petra Pau (Linke) und Claudia Roth (Grüne). Einzig Hans-Peter Friedrich (CSU) habe bislang nicht auf die Anfrage reagiert, obgleich sein Büro den Eingang bestätigt hatte. "Es wäre fraglos spannend zu erfahren, warum Bundestagspräsident Dr. Schäuble trotzdem weiter eine Entscheidung verschieben möchte", so van Dijk.

Seit 1996 gilt der Tag der Befreiung von Auschwitz durch die Rote Armee am 27. Januar 1945 als offizieller Gedenktag in Deutschland. 2005 erklärten die Vereinten Nationen diesen Tag weltweit zum "International Holocaust Remembrance Day". Bereits am ersten Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus 1996 sprach der damalige Bundespräsident Roman Herzog sowohl von den jüdischen Opfern als auch von lange öffentlich nicht anerkannten anderen Opfergruppen wie Sinti und Roma, Behinderten und Homosexuellen. (cw)

Wir dokumentieren die Aussagen einiger Unterzeichner der Petition. Sie erklären, warum homosexuelle Opfer beim Gedenktag am 27. Januar 2021 berücksichtigt werden sollen

Christoph Heubner (Geschäftsführender Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees, Berlin):

Im Internationalen Auschwitz Komitee sind seit Jahrzehnten jüdische und nicht-jüdische Überlebende von Auschwitz im gemeinsamen Engagement als Zeitzeugen in vielen Ländern versammelt: Sie berichten über ihr eigenes Schicksal, über das Schicksal ihrer Familien und über das Leiden aller Opfergruppen, die von den deutschen Nationalsozialisten ausgegrenzt, gedemütigt und ermordet wurden. Sie würden es außerordentlich begrüßen, wenn am 27. Januar des Jahres 2021 in der Gedenkveranstaltung des Deutschen Bundestages die homosexuellen Opfer dieses menschenverachtenden Systems geehrt und vor neuer Ausgrenzung von Minderheiten und neuem Hass gewarnt werden würde. Wir wären dem Präsidenten des Deutschen Bundestages dankbar, wenn er sich hierfür mit seiner Autorität einsetzen würde.

Petra Rosenberg (Vorsitzende des Landesverbandes deutscher Sinti und Roma Berlin-Brandenburg e.V. ):

Auch Sinti und Roma haben die leidvolle Erfahrung machen müssen, noch lange nach 1945 zu den sogenannten 'vergessenen Opfergruppen' zu gehören. Es erforderte ein jahrelanges Engagement der direkt Betroffenen wie auch der sogenannten zweiten Generation, bis es zu einem gesellschaftlichen Interesse und Verständnis in der Bevölkerung unseres Landes dafür kam. Daher war es für Sinti und Roma in Deutschland, aber auch auf internationaler Ebene, von außerordentlicher Bedeutung, als 2011 anlässlich des Tages des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus mit dem Niederländer Zoni Weisz erstmals ein Vertreter unserer Opfergruppe die Geschichte unserer Verfolgung in der NS-Zeit im Plenarsaal des Deutschen Bundestages thematisieren konnte. Ein derartiger öffentlicher Akt der Anerkennung sollte fraglos auch den Menschen, die als Homosexuelle im Nationalsozialismus verfolgt wurden, nicht vorenthalten werden. Ich unterstütze deshalb ausdrücklich die Petition, am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus 2021 im Deutschen Bundestag endlich auch einem Vertreter dieser Opfergruppe das Wort zu erteilen.

Dr. Joanna Ostrowska (Historikerin, Judaistische Studien an der Jagiellonian Unversität Krakau, Gender Studies an der Universität von Warschau, Polnisch-Jüdische Studien am Literatur Forschungsinstitut, Mitglied der Jury des Film Festivals in Krakau, Polen):

Mit meiner Unterzeichnung der Petition für eine Gedenkstunde im deutschen Bundestag für die homosexuellen Opfer der NS-Zeit am 27. Januar 2021 will ich sehen lassen, dass es auch in Polen viele Menschen gibt, die sich zu Europa gehörig fühlen – einem Europa der Menschenrechte für alle, in dem auch Minderheiten geachtet werden. In Polen gibt es bis heute kein Erinnern an homosexuelle Opfer, nicht einmal in unserer staatlichen Gedenkstätte Auschwitz. Eine Gedenkstunde für die Männer mit den Rosa Winkel und andere wegen sexueller Orientierung Verfolgte im deutschen Parlament am Tag der Befreiung von Auschwitz, dem 27. Januar, würde auch in Polen aufmerksam wahrgenommen. Es würde nicht zuletzt auch die Anerkennung von homo- und transsexuellen Menschen in Polen stärken.

Esther Bejarano (Holocaust-Überlebende, Ehrenpräsidentin des Auschwitz Komitees Deutschland, Musikerin und Zeitzeugin in Schulen, Hamburg):

Es waren die Nazis, die Menschen in "unterschiedlich wertvolle" Kinder, Frauen und Männer klassifizierten. Das ist nirgendwo auf der Welt akzeptabel ! Nach der Befreiung 1945 riefen wir Überlebenden alle "Nie wieder!". Für unsere Kameraden mit dem Rosa Winkel galt das aber nicht: Sie wurden in den meisten Ländern, auch in Deutschland, weiterverfolgt. In Deutschland ist das zwar endlich vorbei. Aber ein aufrichtiges und umfassendes Erinnern fehlt noch immer und ist ebenso nötig. Eine Gedenkstunde im Bundestag am 27. Januar 2021 ist überfällig.


Alle Unterzeichner*innen (Stand 14. Januar 2019):

Dr. Zsófia Bán (Schriftstellerin, Dozentin für Gender- und Memory Studies, Budapest / Ungarn)

Esther Bejarano (Holocaust Überlebende und Ehrenpräsidentin des Auschwitz Komitees der Bundesrepublik Deutschland, Hamburg)

Prof. Dr. Wolfgang Benz (ehem. Direktor des Zentrums für Antisemitismusforschung, Berlin)

Michel Bergmann (Schriftsteller und Drehbuchautor, Berlin)

Ralf Bogen (Projekt "Der Liebe wegen", LSBTTIQ-Aktivist, Stuttgart)

Ulf Bollmann (Historiker, Initiative "Gemeinsam gegen das Vergessen – Stolpersteine für homosexuelle NS-Opfer", Hamburg)

Dr. Birgit Bosold (Vorstand Schwules Museum, Berlin)

Michael Brems (Pastor, Hamburg)

Manfred Bruns (ehem. Bundesanwalt, Karlsruhe)

Ilona Bubeck / Jim Baker (Querverlag, Berlin)

Eva Bujny (frauenberatungsstelle düsseldorf e.V.)

Markus Chmielorz (Dipl. Pädagoge bei der Rosa Strippe, Bochum)

Stephan Cooper / Naana Lorbeer (Queeramnesty bei amnesty international, Berlin)

Prof. Dr. Martin Dannecker (Sexualwissenschaftler, Berlin)

Prof. Dr. Nina Degele (Soziologin, Gender Studies an der Universität Freiburg)

Dr. Lutz van Dijk (Historiker und Schriftsteller, Amsterdam / Kapstadt)

Dr. Jens Dobler (Historiker, Berlin)

Ralf Dose (Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft, Berlin)

Lothar Dönitz (Stolpersteine-Projekt der bisher bekannten Homosexuellen des KZ Sachsenhausen und KZ Ravensbrück, Berlin)

Barry van Driel (Mitarbeiter für Internationales im Anne Frank Haus, Amsterdam)

Günter Dworek (Bundesvorstand LSVD – Lesben- und Schwulenverband, Berlin)

Albert Eckert (Mitinitiator des Denkmals für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen, Berlin)

Jan Feddersen (Journalist, Initiative Queer Nations e.V., Berlin)

Alois Finke (Supervisor, Leitungsgruppe Katholische Jugendakademie Walberberg, Bonn)

Daniel Gaede (pädagogischer Leiter i.R. der Gedenkstätte Buchenwald, Weimar)

Dr. Benno Gammerl (Historiker, DAAD-Fachlektor für Queer History am Goldsmiths College, London)

Dr. Detlef Garbe (Direktor der KZ-Gedenkstätte Neuengamme)

Prof. Dr.-Ing. Dieter D. Genske (FB Ingenieurwissenschaften, Hochschule Nordhausen)

Bernd-Hans Göhrig (Geschäftsführer der "Initiative Kirche von unten", Frankfurt/Main)

Heinz Gottberg und Dieter Allers (Architekten, Schriftsteller, Phaidros-Jugendstiftung, München)

Prof. Dr. Maciej Górny (Historiker, Polnische Akademie der Wissenschaften /Deutsches Historisches Institut, Warschau)

Dr. Günter Grau (Medizinhistoriker und Sexualwissenschaftler, Berlin)

Dalia Grinfeld (Präsidentin der Jüdischen Studierendenunion in Deutschland, Berlin)

Detlef Grumbach / Joachim Bartholomae (Männerschwarm Verlag, Hamburg)

Dr. Anna Hájková (Historikerin, University of Warwick / Großbritannien)

Prof. Dr. Georg Hansen (Soziologe und Bildungswissenschaftler, Bremen)

Prof. Dr. Sabine Hark (Direktorin des Zentrum für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung, Technische Universität Berlin)

Georg Härpfer (Vorstand, Bundesinteressenvertretung schwuler Senioren / BISS, Berlin)

Hans Hengelein (Diplom-Psychologe, Hannover)

Lutz Hermanns (Dipl.-Sozialarbeiter, Düsseldorf)

Manfred Herzer (Gründungsmitglied des Schwulen Museums, Berlin)

Christoph Heubner (Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees, Berlin)
Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Ernest W.B. Hess-Lüttich (Germanist und Linguist, Universität Bern und TU Berlin)

Dr. Matthias Heyl (Historiker und Erziehungswissenschaftler, Neustrelitz)

Gerd Hoffmann (Studiendirektor, Fachlehrer für Physik und Mathematik, LGBTIQ-Aktivist, Unterschleißheim / Landkreis München)

Rainer Hoffschildt (Historiker, Hannover)

Rabbiner Prof. Walter Homolka (School of Jewish Theology, Universität Potsdam)

Stefan Hüsgen (Goethe Institut, München)

Klaus Jetz (Geschäftsführer Hirschfeld-Eddy-Stiftung, Köln)

Dr. Daniela Kalscheuer (Studienleiterin an der Katholischen Akademie "Haus am Dom", Referat Zeitgeschichte, Frankfurt/Main)

Dr. Dobrochna Kalwa, (Historikerin, Universität Warschau)

Rozette Kats (Holocaust Überlebende, Zeitzeugin vor Schulklassen in Deutschland und den Niederlanden, Amsterdam)

Dr. Uri-Robert Kaufmann (Historiker und Leiter der Alten Synagoge, Essen)

Dr. Ben und Ubbo Khumalo-Seegelken (Pastoren, Afrikanisten und Historiker, Oldenburg)

Ulli Klaum ( Leiter, Akademie Waldschlößchen, Göttingen)

Albert Knoll (Archivar der Gedenkstätte Dachau, München)

Dr. Friedhelm Krey (Supervisor, Berlin)

Gottfried Kößler (Pädagogisches Zentrum am Fritz Bauer Institut, Frankfurt/M.)

Prof. Dr. Marcin Kula (Historiker, Institut für Geschichte, Universität von Warschau)

Prof. Dr. Rüdiger Lautmann (Soziologe, Bremen / Berlin)

Prof. Dr. Stephan Lehnstaedt (Historiker, Holocaust- und Jüdische Studien, Touro College / Berlin)

Dr. Franz Markus Löw (Aktionsbündnis gegen Homophobie, Bundesvorstand, Berlin)

Dr. Gottfried Lorenz (Historiker, Hamburg)

Prof. Dr. Martin Lücke (Historiker, Organisator des jährlichen Queer History Month, Freie Universität Berlin)

Dr. Rainer Marbach (Vorstandsvorsitzender, Akademie Waldschlößchen, Göttingen)

Dr. Meron Mendel (Bildungsstätte Anne Frank, Frankfurt/M.)

Dr. Stefan Micheler (Historiker, Mit-Herausgeber von Invertito, Jahrbuch für die Geschichte der Homosexualitäten, Hamburg)

Detlef Mücke (Schwule Lehrer, Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft/GEW, Berlin)

Dr. Klaus Mueller (Gründer und Leiter, Global LGBT Forum, Salzburg)

Dr. Julia Noah Munier (Historisches Institut, Universität Stuttgart)

Prof. Dr. Rainer Nicolaysen (Historiker, Mitherausgeber des Jahrbuchs der Sexualitäten, Universität Hamburg)

Dr. Joanna Ostrowska (Historikerin und LGBTIQ-Aktivistin, Warschau)

Ishraff Ouhtit (Senlima: LSBTI*- Jugendliche Geflüchtete bei der Rosa Strippe, Bochum)

Bernd Plöger (Theaterregisseur, Düsseldorf)

Frank G. Pohl (Pädagoge, Landeskoordinator Schule der Vielfalt in Nordrhein-Westfalen)

Dr. Dagmar Pruin (Geschäftsführerin von Aktion Sühnezeichen / Friedensdienste, Berlin)

Dr. Thomas Rahe (Stellv. Leiter der Gedenkstätte Bergen-Belsen, Hannover)

Babette Reicherdt (Historiker_in, Initiative Queer Nations e.V., Berlin / Kassel)

Stefan Reiß (erster parteiloser schwuler Abgeordneter Deutschlands, Berlin)

Petra Rosenberg (Vorsitzende des Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma Berlin-Brandenburg e.V., Berlin)

Ashraff Salem (Dolmester aus dem Arabischen für geflüchtete Menschen, Siegen)

William Schaefer (Projekt "Der Liebe wegen", Freiburg)

Prof. Dr. Axel Schildt (ehem. Direktor der Forschungsstelle für Zeitgeschichte, Hamburg)

Axel Schock (Journalist, Berlin)

Hartmut Schönknecht / Torsten Schrodt (Vorstand Homosexuelle Selbsthilfe Deutschland)

Dr. Claudia Schoppmann (Historikerin, Berlin)

Prof. Dr. Stefanie Schüler-Springorum (Direktorin des Zentrums für Antisemitismusforschung, Berlin)

Prof. Dr. Michael Schwartz (Institut für Zeitgeschichte, Vorsitzender des Fachbeirats der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, Berlin / München)

Marion Schweizer (Lektorin und Übersetzerin / Hamburg)

Prof. Dr. Roma Sendyka (Historikerin, Jagiellonian Universität, Mitglied der "Europäischen Holocaust Forschungs-Infrastruktur", Krakau / Polen)

Margit Siebner (Holocaust Überlebende, Zeitzeugin in Schulen und Universitäten, Berlin)

Patrick Siegele (Direktor des Anne Frank Zentrums, Berlin)

Prof. Dr. Detlef Siegfried (Historiker, Universität Kopenhagen)

Dr. Robert Sommer (Historiker, Humboldt Universität Berlin, freier Mitarbeiter der Gedenkstätte Ravensbrück)

Karl-Heinz Steinle (Historiker, Berlin/Stuttgart)

Dr. Andreas Sternweiler (Mitbegründer Schwules Museum, Berlin)

Stefanie Sycholt (Filmregisseurin, München)

Jerzy Szczesny (Vorstand Schwulenberatung, Berlin)

Prof. Dr. Joanna Talewicz-Kwiatkowska (Historikerin, Jagiellonian Universität Krakau / Polen, wissenschaftliche Beratung in der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau, Mitglied des europäischen wissenschaftlichen Netzwerkes zu Roma und Sinti Studien, derzeit an der Columbia Universität New York / USA)

Thomas Tillmann (Studiendirektor am Gymnasium Fabritianum und Schul-Ansprechpartner für LGBTIQ*-Fragen, Krefeld)

Prof. Dr. Stefan Timmermanns (Sexualpädagoge, Frankfurt/M.)

Wolfgang Theis (Mitbegründer Schwules Museum, Berlin)

Dr. Piotr Trojanski (Pädagogische Universität Krakau / Polen)

Ulrich Wagner (Jurist, Frankfurt/M. und Kassel)

Matthias Weber (Vorstandsvorsitzender des Völklinger Kreis e. V., Berufsverband schwuler Führungskräfte und Selbständiger, Berlin)

Claudia Weinschenk (Historikerin, Projekt "Der Liebe wegen", Stuttgart)

Ruth Weiss (Holocaust Überlebende, Schriftstellerin, Skipsted / Dänemark)

Jürgen Wenke (Dipl.-Psych. Dipl. -Ing., Mitbegründer der Schwulenberatung Rosa Strippe, Initiator von Stolpersteinen für verfolgte schwule Männer, Bochum)

Prof. Dr. Götz Wienold (Linguist, Semiotiker und Schriftsteller, Tokyo)

Prof. Dr. Michael Wildt (Historiker, Humboldt Universität Berlin)

Karl-Heinz Wilhelmi (Dipl.-Ing., Mitbegründer und langjähriger Vorsitzender der Schwulenberatung Rosa Strippe, Bochum)

Raimund Wolfert (Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft, Berlin)

Prof. Dr. Marcin Zaremba (Historiker, Universität Warschau)

Prof. Dr. Jürgen Zimmer (Erziehungswissenschaftler em., Freie Universität Berlin)

Dr. Alexander Zinn (Soziologe und Historiker, Berlin)


#1 LinusAnonym
  • 15.01.2019, 09:54h
  • Homosexuelle waren nun mal auch eine Opfergruppe der Nazis.

    Dieses historische Faktum aufgrund persönlicher Vorurteile zu verschweigen, ist Geschichtsklitterung und Relativierung der NS-Verbrechen.

    Deshalb MUSS es endlich auch im Rahmen der offiziellen Gedenkstunde ein Erinnern an ALLE Opfergruppen geben.

    Jeder, der das ablehnt oder verhindert, zeigt damit nur, welch Geistes Kind er ist und in welcher Tradition er steht.
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#2 Nicht mehr tragbarAnonym
  • 15.01.2019, 10:03h
  • Wenn Wolfgang Schäuble weiterhin das Erinnern an alle NS-Opfer blockiert, ist er als Bundestagspräsident nicht mehr tragbar.

    Wer NS-Verbrechen relativiert oder beschönigt, ist für dieses Amt nicht mehr geeignet. Und genau das macht er, wenn er das Erinnern an manche Opfergruppen blockiert, also vertuscht, dass es auch diese Opfergruppe gab.

    Und viel Ahnung von Geschichte hat er wohl auch nicht.
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#3 Ith__Ehemaliges Profil
  • 15.01.2019, 11:23h
  • Da es nunmal im letzten Jahr Diskussionen zum Thema gab: Meint das "homosexuell" jetzt nur Männer, oder können die Lesben damit rechnen, dass auch auf ihr Leid hingewiesen werden soll?

    Soll heißen, geht's nur um die Homosexualität von Menschen erster Klasse, die mit rosa Winkel als solche gekennzeichnet war, oder auch um die Homosexualität derer, die einen zu geringen Wert als Menschen hatten, als dass solche Feinheiten damals überhaupt anerkannt worden wären?
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#4 SarkastikerAnonym
  • 15.01.2019, 11:46h
  • Antwort auf #3 von Ith__
  • Ich möchte annehmen, dass viele "Menschen erster Klasse, die mit rosa Winkel als solche gekennzeichnet war" damals gerne zu denjenigen gehört hätten die " einen zu geringen Wert als Menschen hatten" um der physischen Verfolgung anheim zu fallen.
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#5 Ith__Ehemaliges Profil
  • 15.01.2019, 11:49h
  • Übrigens, mal ganz am Rande, da ich neulich zufällig bei Recherche zu dem Jahr drauf gestoßen bin:

    "Auch Sinti und Roma haben die leidvolle Erfahrung machen müssen, noch lange nach 1945 zu den sogenannten 'vergessenen Opfergruppen' zu gehören."

    "Vergessen" ist eine massive Untertreibung.
    1956 gab es ein BGH-Urteil vom damals noch mehrheitlich mit Alt-Nazis besetzten Justizapparat, der Entschädigung nicht bloß ablehnte, sondern mit diffamierender Wortwahl noch so einiges draufsetzte.
    Hier z.B. nachzulesen:
    www.tagesschau.de/inland/faq-sinti-roma-101.html

    Dass das vom BGH aufgearbeitet wurde, und eine Anerkennung stattfand, ist gerade mal knappe drei Jahre her.
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#6 Simon HAnonym
  • 15.01.2019, 12:20h
  • Gerade angesichts der deutschen Geschichte finde ich es nicht nur skandalös, sondern geradezu pervers, wenn einzelne Opfergruppen verschwiegen werden, also wieder erneut zu Opfern gemacht werden.

    Das wirkt auch so, als hätten manche NS-Opfer es zu Recht verdient und würden deshalb heute nicht als Opfer gelten.

    Angesichts dieses untragbaren Zustands erwarte ich auch von den entsprechenden Parteien, dass sie darauf bestehen.
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#7 Ith_Anonym
  • 15.01.2019, 18:22h
  • Antwort auf #4 von Sarkastiker
  • Geeh, bei den Frauen, von denen ich schreibe, hat dieser Stellenwert ja nun nicht davor geschützt, verschleppt und ermordet zu werden. Sondern mangels Anerkennung von Sexualität, die Frauen nicht zustand, bloß dazu geführt, dass sie eben zu Asozialen und Aufwieglerinnen erklärt und als solche verfolgt wurden.

    Frage mich auch ein wenig, wie du auf das mit dem Tauschen kommst. Natürlich würde auch ich kein Gedenken für Frauen fordern, die überhaupt keine Gewalt erlebt haben. Sondern schon auch für die, die in KZs misshandelt wurden und/oder gestorben sind. Sollte logisch sein. Und ob in dieser Kategorie ausgeliefert zu sein da wirklich zu so viel weniger Vergewaltigungen und so viel besseren Lebensbedingungen geführt hat, würde ich auch mal arg dahingestellt lassen.
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#8 Homonklin44Profil
  • 16.01.2019, 02:00hTauroa Point
  • Heute werden Menschen als "weniger Wert" eingestuft, wenn sie sozial schwach oder behindert sind, und unter dem Sozialhilfen- und Bedürftigkeitssystem einen Teil ihrer Grundrechte abzutreten gezwungen werden. Oder Heimzwang erfolgt ect. Das Bewerten geht also leider schon länger wieder von vorn los.
    Menschen mit unbeliebten Eigenschaften werden oft als Kinder schon an ihrer Entfaltungsfreiheit verhindert. Wer nicht in proklamierte Normen fällt, wird entsprechend zurecht verbogen oder -medikamentiert.

    Auch deswegen dürfte der Druck zu erhöhen sein, an die Opfer des NS-Systems lebhaft zu erinnern. Dieses Thema sollte auch in den Medien, in Kunst und Literatur, und im Schulunterricht auf der Erinnerungsschwelle gehalten werden, sodass sich heutige Generationen, gerade in der Politik, daran erinnern, und daran orientieren mögen.
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#9 KlassenprimusAnonym
#10 LotiAnonym