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Tänzer und Putin-Fan

Pariser Oper sagt Auftritt von Ballett-Star nach homophobem Ausbruch ab

Sergei Polunin, der am Wochenende auch in München auf der Bühne stehen soll, hatte sich in sozialen Netzwerken homophob und sexistisch geäußert.


Polunin, hier noch ohne Putin-Tattoo, am Set eines viralen Videos zu einem Hozier-Song. Der Dreh wurde auch im Dokumentarfilm "Dancer – Bad Boy of Ballet" über ihn thematisiert (Bild: Univerum Film)

Das Ballettensemble der Pariser Oper hat am Montag angekündigt, dass es bei einer anstehenden "Schwanensee"-Produktion auf die Dienste des Star-Tänzers Sergei Polunin verzichtet. Der 29-Jährige sollte die Hauptrolle des Prinzen übernehmen, in der Produktion dargestellt als unterdrückter Schwuler.

Polunin hatte Ende Dezember vor allem in seinem Geburtsland Ukraine für Empörung gesorgt, als er in einem länglichen empörten Eintrag auf Instagram forderte, dass sich Balletttänzer männlicher geben sollten: Es gebe bereits eine Ballerina auf der Bühne und keinen Grund für eine zweite. "Männer sollten Männer sein und Frauen sollten Frauen sein. Maskuline und feminine Energien erzeugen eine Balance. Das ist der Grund, warum Du Eier hast."

An einen fiktiven – und offenbar schwulen – Balletttänzer schrieb Polunin weiter, dass Frauen nun Männerrollen übernehmen, "weil du sie nicht fickst und du eine Peinlichkeit bist". Männer sollten Wölfe und die Anführer einer Familie sein. "Höre auf, ein schwacher Mann zu sein, sei ein Kämpfer! Was läuft nur schief bei dir?" Der wirre Eintrag endete mit der Aussage, dass Polunin keinen Respekt vor solchen Künstlern habe. "Das Leben wird dich niederwerfen, dich auf die Knie zwingen und dich auswaschen. Du brauchst einen guten Schlag (er nutzte das englische Wort "slap"), um dich aufzuwecken."

Den Eintrag vom 29. Dezember hatte Polunin auf Englisch und Russisch verfasst und war in dem Netzwerk von vielen als homophober Ausbruch kritisiert worden. Ohne direkt auf die Kritik einzugehen, schrieb er am 3. Januar auf Instagram, jeder solle den Mut finden, seine Sexualität auszuleben, egal, ob hetero, schwul oder bisexuell. Eltern und Anführer sollten das unterstützen. Der Eintrag kritisierte zugleich Anführer, die mit "Angst" herrschten, und Künstler und Sportler, die ihre wahre sexuelle Orientierung verstecken: "Warum schätzt ihr Geld mehr als die Wahrheit? (…) Kein Respekt für eure Lügen".

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Von Engagement ausgeladen

Die künstlerische Leiterin der Pariser Oper, Aurelie Dupont, betonte am Sonntag laut Medienberichten in einem Schreiben an ihre Angestellten, Polunin sei ein "talentierter Künstler", dessen Werte aber nicht mit denen der Oper in Verbindung zu bringen seien. Zuvor hatten sich offenbar mehrere Tänzer bei ihr beschwert. Tänzer Adrien Couvez hatte Polunin gar bei Twitter öffentlich als "peinlich" kritisiert und betont, dass die Pariser Oper für Respekt und Toleranz stehe.

Polunin gilt als "Bad Boy" des Balletts, der mit einer Alkohol- und Drogensucht und zuletzt mit seinen Einträgen in sozialen Netzwerken Schlagzeilen machte. Erst vor wenigen Tagen hatte er in einem inzwischen gelöschten Eintrag Personen mit Übergewicht angegriffen: "Lasst uns fette Menschen schlagen, wenn wir sie treffen. Das hilft ihnen und ermutigt sie, abzunehmen. Kein Respekt für Faulheit."

Im letzten November nahm Polunin die russische Staatsbürgerschaft an und postete mehrfach Einträge, in denen er den russischen Präsidenten Wladimir Putin lobte. Auf Instagram zeigt er sich sogar mit einem großen Tattoo unter seinem Hals mit dem Konterfei Putins. In Einträgen kritisierte er Russland-Sanktionen und betonte, Putin sei ein "Engel" und "voller Licht und Liebe": Ein Weltanführer Putin sei der "ultimative Sieg über das Böse". Außerdem lobte er Donald Trump, der "die Wahrheit verkündet" oder zurecht "Fake News" der Massenmedien beklage.

Der mehrfach ausgezeichnete Künstler, der zuletzt auch in den Spielfilmen "Mord im Orient Express" und "Red Sparrow" zu sehen war, wurde außerhalb der Bühnenwelt vor allem durch ein virales Video des Künstlers David LaChapelle bekannt, das ihn bei einer Performance zum Song "Take Me to Church" von Hozier zeigt. Das Video wurde allein auf Youtube bislang über 26 Millionen mal aufgerufen. Das Original-Musikvideo des irischen Sängers aus dem Jahr 2014 zeigt Gewalt gegen ein schwules Paar; das Lied kritisiert die homofeindliche Haltung der katholischen Kirche.

Die nächsten geplanten Auftritte hat Polunin am Wochenende am Nationaltheater München, in der Rolle des Graf Jean de Brienne in "Raymonda". (cw)



#1 Alexander_FAnonym
  • 14.01.2019, 20:47h
  • Von jemandem, der sich einen Kolovorot tätowiert hat, also ein Symbol, das im russischen Rechtsradikalismus einen ähnlichen Stellenwert hat wie hier das Hakenkreuz, sind solche Äußerungen eigentlich nicht unbedingt überraschend. Soll er eben lieber vor seinem Herrchen tanzen, dann wird er schon den gebührenden Suppenknochen bekommen. Für Paris ist so eine Gestalt wahrlich kein Schmuck.
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#2 TomDarkProfil
  • 14.01.2019, 21:01hHamburg
  • Wenn er jede Form der Schwäche so hasst, so wird er sich selbst wohl insgeheim am meisten hassen.

    Alkohol- und Drogenprobleme, Arroganz, Intoleranz und Respektlosigkeit sind jedenfalls kein Zeichen von Stärke!

    Manchmal braucht es nicht viel, dass aus dem Starken der Schwache hervor kommt, der sich im Grunde nur selbst bemitleidet.
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#3 Paula7711Anonym
  • 14.01.2019, 22:37h
  • Zum Glück sind wir Homosexuelle mit femininen, alten oder gar unattraktiven Männern generell solidarisch und somit den Aussagen eines Sergei Polunin absolut überlegen. Was für ein Glück, man stelle sich vor, wenn es anders wäre.
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#4 niccinicciAnonym
  • 14.01.2019, 23:12h
  • ach gottchen, da versucht einer, den unvergessenen nurejev zu kopieren, nur als hete. peinlich! gut das die pariser auf sowas verzichten!
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#5 JadugharProfil
  • 15.01.2019, 00:04hHamburg
  • Antwort auf #2 von TomDark
  • Sie haben es sehr genau erfaßt. Ein derartiges Verhalten ist schon lange als Minderwertigkeitskomplex bekannt, wo nach außen hin an einer starken Lügenfassade gebastelt wird, um die Schwächen zu übertünchen.
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#6 goddamn liberalAnonym
  • 15.01.2019, 00:09h
  • Antwort auf #1 von Alexander_F
  • "Von jemandem, der sich einen Kolovorot tätowiert hat, also ein Symbol, das im russischen Rechtsradikalismus einen ähnlichen Stellenwert hat wie hier das Hakenkreuz..."

    Ist mir auch gleich aufgefallen.

    Der Mann hat wohl massive Identitätsprobleme zwischen nationalen und sexuellen Orientierungen...

    Da muss der Heilige Wladimir von Russland den Weg aus der Finsternis kosmopolitischer Dekadenz weisen.

    Gähnn...
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#7 ErdbeerkucheAnonym
#8 TommmiAnonym
  • 15.01.2019, 09:03h
  • Wieder einmal ein sehr gutes Beispiel wenn man mit seiner eigenen Sexualität Probleme hat. Da kann er ja Putin die Hand geben. ;-)
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#9 LinusAnonym
  • 15.01.2019, 09:56h
  • Richtig so.

    Ich kann nur hoffen, dass man das in München ähnlich macht wie in Paris.
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#10 goddamn liberalAnonym
  • 15.01.2019, 10:52h
  • Antwort auf #9 von Linus
  • "Ich kann nur hoffen, dass man das in München ähnlich macht wie in Paris."

    In der Hauptstadt der Bewegung und im Land des rosa Winkels ist Homophobie ein Kavaliersdelikt.

    Nebenbei:

    Der Mann ist ein interessantes Musterbeispiel für das, was die amerikanischen Psychologen unter 'toxischer Männlichkeit' verstehen.

    Wenn man die Drogen einbezieht, kann man das sogar wörtlich nehmen.
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