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Buchtipp

Unter linken "Homoheilern"

In seiner Autobiografie beschreibt der schwule Künstler Karl Iro Goldblat, wie er als Mitglied der 1970 gegründeten Kommune von Otto Muehl von seiner Homosexualität "geheilt" wurde.


Der Künstler und Autor Karl Iro Goldblat, geboren 1948 in Wien, lebte von 1972 bis 1990 in der vom linken Aktionisten Otto Muehl initiierten Kommune Friedrichshof (Bild: privat)

Der Wiener Künstler Karl Iro Goldblat war nicht nur langjähriges, führendes Mitglied der legendären Kommune des Malers und Aktionisten Otto Muehl, sondern auch schwul. In einem Text von 1976 beschrieb Goldblat, wie er durch die Kommune von seiner Homosexualität "geheilt" wurde. Denn in der streng nach Prinzipien kommunistischen Gemeinschaftseigentums und der angeblich freien Liebe aufgebauten Gruppe galt Homosexualität als Krankheit, die es zu überwinden galt.

Längst geheilt von der "Heilung", veröffentlichte Goldblat Ende des letzten Jahres seine Autobiografie unter dem Titel "Als ich von Otto Muehl geheilt werden wollte" im Klagenfurter Ritter Verlag.

Freie Liebe nur für Heteros


Goldblats Autobiografie ist Ende 2018 im Ritter Verlag erschienen

Die von Muehl 1970 gegründete Kommune auf dem Friedrichshof, 60 Kilometer südöstlich von Wien gelegen, war eines der radikalsten gesellschaftlichen und künstlerischen Experimente, die es in Österreich je gab: freie Heterosexualität, Gemeinschaftseigentum, Förderung der Kreativität, gemeinsame Kindererziehung usw. Auf dem Höhepunkt der auch ökonomisch erfolgreichen Bewegung nahmen 700 Menschen daran teil – mit Ablegern in Berlin, Düsseldorf, München, Zürich, Paris und La Gomera.

Karl Iro Goldblat war als bildender Künstler und Pädagoge fast von Anfang an und bis zum bitteren Ende mit dabei, er gehörte zum engeren Kreis um Otto Muehl und hatte wichtige Funktionen in der Kommune inne, die von Josef Beuys bis Bruno Kreisky zahlreiche prominente Unterstützer fand. In seinem Buch beschreibt Goldblat das Scheitern der Bewegung aus der Sicht eines Beteiligten und – als Jude und Homosexueller – doppelten Außenseiters.

Seine Darstellung ist spannende Erzählung und schonungslose Selbsterforschung in einem. Goldblat versucht nicht nur die Verführungskraft der Kommune zu begreifen, sondern – und vor allem – die Mechanismen zu beschreiben, die zu ihrem grauenhaften Scheitern führten: Otto Muehl wurde 1991 "wegen Sittlichkeitsdelikten, Unzucht mit Minderjährigen bis hin zur Vergewaltigung, Verstößen gegen das Suchtgiftgesetz und Zeugenbeeinflussung" zu sieben Jahren Haft verurteilt, die er vollständig verbüßte. (cw/pm)

Infos zum Buch

Karl Iro Goldblat: Als ich von Otto Muehl geheilt werden wollte. Autobiografie. 218 Seiten. Ritter Verlag. Klagenfurt 2018. 18,90 €. ISBN: 978-3-85415-584-3


#1 Alexander_FAnonym
  • 16.01.2019, 13:36h
  • Das ist mal wirklich eine Geschichte, die in Detlev Grumbachs "Die Linke und das Laster" noch gefehlt hätte. Dass die Linke sich mit unsereinem manchmal etwas schwertat, ist ja nichts Neues, aber dass es tatsächlich "linke" (so viele Anführungszeichen kann man gar nicht schreiben...) Homoheiler gab, setzt nun wirklich allem die Krone auf.
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#2 goddamn liberalAnonym
  • 16.01.2019, 15:04h
  • Antwort auf #1 von Alexander_F
  • Herr Muehl, der als Jüngling unter Hitler brav mitlief (taten auch nicht alle jungen Leute in Österreich), ist wohl eher eine dunkeldeutsch-subkulturelle Weaner Sumpfblüte als ein vom Licht der Aufklärung erhellter Linker gewesen.

    Tragisch ist sicher der Fall (im Doppelsinn) von Karl Goldblat, die merkwürdige Faszination der Opfer für ihre Auslöscher.

    Seine Selbstkritik ist dann wieder ein gutes Beispiel für linke Aufklärung.
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#3 PfuiAnonym
  • 16.01.2019, 15:14h
  • Gruppenzwang ist sowieso widerlich.
    Ob von Links oder von Rechts.
    Kommune und Kommunismus klingt für mich ähnlich eklig wie Hitler-(oder auch Putin)Jugend.
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#4 qwertzuiopüAnonym
  • 16.01.2019, 16:25h
  • naja, nur weil Leute gerecht zusammenleben wollen heißt das nicht, dass sie alle Ansichten ihrer Zeit auf einmal los sind.
    Für Frauen war die Kommune oft auch nich wirklich geil.
    Der Begriff "Freiheit" wird eh von so vielen Menschen in den Mund genommen, dass man nicht erwarten sollte, dass alle das selbe darunter verstehen.
    Soviele tiefgreifende Erkenntnisse, bin von mir selbst überrascht :D
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#5 Simon HAnonym
#6 stromboliProfil
  • 16.01.2019, 20:51hberlin
  • Antwort auf #2 von goddamn liberal
  • danke für den beitrag!
    Zusätzlich bemerkt, war muehl in linken kreisen durchaus als reaktionär verschrien.
    Man durchschaute nach anfänglichen wohlwollen ob der propagierten "sexuellen befreiung", sehr schnell den reaktionären charakter des muehl'chen gruppentheorien.

    Auch der begriff "kommune" wirkt hier fehl am platze.
    Die kommune linken inhaltes basierte auf tatsächlicher gleichheit, bei muehl war schon zu anfang der autoritäre und damit reaktionäre ansatz sichtbar.
    Hierüber wurde auch in linken publikationen heftigst gestritten.
    Gerade aus den frauenfraktionen gab es da heftigsten protest.
    Siehe frankfurter weiberrat.
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