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TV-Talk des Grauens
Ungarischer Staatssender bewirbt Homo-"Heilung"
Aus Anlass einer Konferenz von Homo-"Heilern" in Budapest diskutierten "Experten" in einer TV-Sendung 45 Minuten lang, wie man Menschen trotz des Drucks der "Homo-Lobby" helfen könne, ihr Leben zu ändern.

Auch Christl Vonholdt wurde bei dem Homo-"Heiler"-Kongress in Budapest für die Sendung befragt
- Von Norbert Blech
18. Januar 2019, 20:28h 4 Min.
Wer dachte, eine Sendung unter dem Titel "Papa, Papa, Kind: Homo-Ehe ohne Grenzen?" ("Hart aber fair", 2012) sei schon unfassbar für einen öffentlich-rechtlichen TV-Sender in Europa, hat die Rechnung ohne das ungarische Staatsfernsehen gemacht: Das widmete am Mittwoch ganze 45 Minuten der Frage, wie man Homosexuelle "heilen" könne.
Anlass der Sendung der Reihe "Das ist die Frage" des Bildungs- und Kultursenders M5 war ein internationaler Kongress von Homo-"Heilern" im letzten Oktober in Budapest, bei dem das Fernsehen mehrere Statements von "Experten" einholte, die während der Sendung eingespielt wurden. Die Kamera des EBU-Mitglieds fing bei der Veranstaltung unter anderem ausgelegte Materialien des christlichen Schulaufklärungsprojekts "TeenStar" ein – das sich in Österreich gegen Berichte wehrt, es befürworte Homo-"Heilung" (queer.de berichtete), und das auch in Deutschland aktiv ist.

Die Veranstaltung wurde offenbar von der "Internationalen Vereinigung für Beratungs- und Therapiefreiheit" organisiert. Vizepräsidentin ist die berüchtigte deutsche Homo-"Heilerin" Christl Ruth Vonholdt vom "Deutschen Institut für Jugend und Gesellschaft" (DIJG), die in Budapest einen Vortrag über "Transgender-Fallstudien" hielt. Andere Redner thematisierten unter anderem "Therapien" bei "unerwünschter gleichgeschlechtlicher Anziehung" bei Männern und Frauen.
Sender: Viele Homosexuelle suchen Hilfe
"Status? Kranheit? Störung? Oder handelt es sich schlicht um das oft erwähnte Anderssein?" – Mit diesen Worten leitete die Sendung (Youtube) laut Berichten von 44.hu und von kurier.at das Thema des "sozialen Phänomens" der Homosexualität ein, das nun aus dem Geheimen und den eigenen vier Wänden in die Öffentlichkeit dränge. Diese wisse oft nicht, damit umzugehen, was zum "Stigma" der Homophobie führe. Akzeptiere man Homosexualität, könne man sich hingegen beglückwünschen, als tolerant und gut zu gelten.

Motiv beim Budapest Pride – die Sendungs-Einleitung beschreibt Teilnehmer als "aggressive Selbst-Aktivisten". Bild: Budapest Pride / facebook
Doch am wenigsten werde über die Personen nachgedacht, die damit leben müssten, so der Anfangs-Einspieler. Man ermögliche es ihnen, offen und frei zu leben. Doch es gebe viele, "vielleicht mehr, als man denkt", die diese Situation gerne hinter sich ließen. "Sie wissen nicht, an wen sie sich wenden sollen. Denn jede Organisation und Community, die ihre Interessen vertritt, sagt: 'Akzeptiere Dein Anderssein'". Dabei gebe es auf der ganzen Welt Ärzte und Psychologen, die "aufgrund ernsthafter Forschung" helfen könnten, Homosexualität in Heterosexualität zu verwandeln – auch wenn sie dafür angefeindet würden und ihe Arbeit als gefährlich und unwissenschaftlich gebrandmarkt werde.
Die Wissenschaftler seien ängstlich, über ihre Arbeit zu reden. In einer ruhigen Atmosphäre statt im Lärm von CSD-Paraden wolle man daher der Frage nachgehen, was man tun könne, wenn man seine sexuelle Orientierung verändern wolle, so der Sendungseinstieg weiter.
Homo-"Heilung" statt Homo-"Propaganda"
Moderator Kristóf Trombitás hatte dazu einen katholischen Pfarrer, András Hodász, und einen ehemaligen Journalisten der rechtskonservativen Wochenzeitung "Heti Válasz", Szilárd Szönyi, eingeladen. Dieser hat ein Buch zum Thema "Gender" veröffentlicht und ist in etwa die Birgit Kelle des Landes. In der Sendung meinte er, Homosexualität werde im Westen als "zu begrüßende, positive, fast gewünschte Verhaltensweise" dargestellt.

V.l.n.r.: Szönyi, Hodász und Trombitás
Der Priester betonte, dass die Kirche nur das Ausleben der Homosexualität als Problem ansehe, und dass der Glaube an Gott Betroffenen helfen könne. Unterstützung zu suchen, könne bei einem Heilungsprozess helfen – der Moderator betonte, dafür habe man die Sendung gemacht. Trombitás beklagte, aufgrund der "Hexenjagd" habe kein ungarischer Wissenschaftler Stellung nehmen wollen, sprach von der "Propaganda" der Homosexuellen und vermutete, dass "bestimmte Organisationen Interesse daran hätten, dass jene zumeist jungen, in ihrer Sexualität verunsicherten Menschen, die nicht wissen, wie es weitergehen soll, eher auf die Seite der Homosexualität kippen als auf die der Heterosexualität."
In den Einspielern sprachen mehrere Homo-"Heiler" über ihren Verband und ihre Angebote. Die britische homo- und transfeindliche Aktivistin Andrea Williams beklagte, dass Menschen, die ihrem "christlichen Glauben" folgten, vom Staat unter dem Einfluss der Homo-Lobby verfolgt würden: So würden Lehrer entlassen, die betonten, dass die Ehe eine Verbindung aus Mann und Frau sei. Anders als Ungarn sei Großbritannien daher ein unterdrückendes und totalitäres System.

Auch Christl Ruth Vonholdt wurde eingespielt, berichtete von der "plötzlichen" Einführung der Ehe für alle in Deutschland und betonte, dass sie aus 40 Jahren Wissenschaft wisse, dass Kinder am erfolgreichsten und begabtesten werden, wenn sie bei Vater und Mutter aufwachsen. Homosexuelle Gefühle oder Unsicherheiten über das eigene Geschlecht ließen sich oft auf eine unstabile Beziehung zum jeweiligen Elternteil des eigenen Geschlechts zurückführen.
Die Kollegen des ungarischen queeren Magazins "Humen" haben sich die Mühe gemacht, aufzuschreiben, was an der Sendung alles falsch und gefährlich war. Es ist ein sehr langer Artikel geworden, der aufklären soll. Das scheint nicht nur aufgrund der Sendung nötig: Die Orbán-Regierung hat kürzlich Studienfächer rund um "Gender Studies" von der Förderliste gestrichen (queer.de berichtete).















Wenn bei diesem Thema die katholischen Prediger auch mal nicht ihren Senf dazugeben würden, so wäre das höchst erfreulich.