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Vor 50 Jahren

Die schwulen Mörder von Lebach

Am 20. Januar 1969 wurden mehrere Bundeswehrsoldaten ermordet. Mehrere Gerichte, Filme und Bücher beschäftigten sich mit der Homosexualität der Täter – Karlsruhe fällte sogar ein Grundsatzurteil.


Der Angeklagte W., Abbildung aus Jürgen Neven-du Monts Buch "Kleinstadtmörder. Spur 1081. Hintergründe zum Fall Lebach" aus dem Jahr 1971

Sie kommen morgens um kurz vor drei Uhr: Zwei bewaffnete schwule Männer dringen in der Nacht zum 20. Januar 1969 in ein Munitionslager der Bundeswehr ein, töten drei der fünf Wachsoldaten und verletzen zwei schwer. Einer der schwerverletzten Soldaten stirbt kurz danach, nur einer überlebt den Angriff. Die Täter entkommen mit Waffen und Munition.

Nach der "Saarbrücker Zeitung" vom 19. Januar 2009 sind die Lebach-Morde das "bislang schwerste Gewaltverbrechen in der Geschichte des Saarlandes und der erste bewaffnete Angriff auf die Bundeswehr überhaupt". Oberstaatsanwalt Siegfried Buback leitet die Ermittlungen. Nach der Aufklärung der Lebach-Morde wird er mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet, bevor er 1977 selbst Opfer eines Mordattentats wird.


Das Munitionslager. Aus: "Der Soldatenmord. Die Schüsse von Lebach" (2001)

In der damals schon beliebten ZDF-Serie "Aktenzeichen XY … ungelöst" vom 11. April 1969 wird der genaue Tatverlauf anhand nachgestellter Szenen geschildert (s.a. 1. Teil; und 2. Teil). Der homosexuelle Hintergrund ist zu diesem Zeitpunkt noch unbekannt. Die Sendung (s. Nachtrag am Ende des 2. Teils) wird von 25 Millionen Zuschauer gesehen und führt zum Erfolg: Die Täter werden am 25. April 1969 festgenommen und legen ein Geständnis ab.

Die Täter

Das Buch "Kleinstadtmörder. Spur 1081. Hintergründe zum Fall Lebach" (1971) geht ausführlich auch auf die schwulen Hintergründe der Täter ein. Vom Autor, Jürgen Neven-du Mont, wird später noch zu sprechen sein.

Der ehemalige Soldat F. wird als intelligenter Kopf des Trios beschrieben. Er hätte gerne Psychologie studiert und philosophiert "viel über die Frage des Strafanspruchs des Staates" hinsichtlich des Paragrafen 175. Bei Nietzsche ist er fasziniert von dessen Idee eines Übermenschen. Nach seiner Vorstellung leben Schwule in einem "Feindschaftsverhältnis zu ihrer Umwelt". Später überzeugt er seine Freunde von der Notwendigkeit des Kampfes gegen die Gesellschaft.

Im Jahr 1959 lernt er D. kennen und freundet sich mit ihm an. D. arbeitete als Justizsekretär beim Amtsgericht und wird im Gegensatz zu F. als "weichlich" und wenig durchsetzungsfähig beschrieben. Die Feststellung schwul zu sein, trifft ihn hart. "Ich glaube, daß ich im Alter von achtzehn Jahren eindeutig begriff, daß ich homosexuell veranlagt bin". Wegen seiner Korpulenz und seiner sexuellen Veranlagung fühlt er sich unglücklich bzw. isoliert und sucht daher die Nähe zu F. – es entwickelt sich ein platonisches Verhältnis, dass jedoch von Über- und Unterordnung geprägt ist. F. wird zu einer Art "Psychotherapeuten" für D., übt jedoch auch psychische und physische Gewalt über ihn aus. Später sagt D.: F. "war mein Ich!" Aus dem Asservatenraum seiner Arbeitsstelle besorgt D. die Waffe für den Überfall.

1963 lernen sie den Zahntechniker W. kennen. Über dessen Homosexualität gab es im Dorf schon Gerüchte, an die sich ein Kommissar erinnert: "Da hießt es: Mutter, halte deine Jungen von dem weg, der Kerl ist ein bisschen warm". F. und W. beginnen eine homosexuelle Beziehung, die aber – wie auch schon vorher bei D. – nicht auf Augenhöhe stattfindet, sondern von Dominanz geprägt ist. W. hat von jüngeren Männern gehört, die sich von älteren Homosexuellen aushalten lassen, und erzählt seinen Freunden, wie er sich Erpressungen und Ermordungen reicher Homosexueller vorstellt. Vor Gericht wird er gefragt, warum er sich nicht bei der Polizei gemeldet hat, und antwortet: "Das ging nicht, denn dann hätte ich bekennen müssen, dass ich homosexuell bin". Es ist eine Äußerung, die die Dynamik dieser schwulen Beziehung verdeutlicht. Nach den Verurteilungen bleiben W. und F. im Briefkontakt. Aus der Gefängniszelle heraus schreibt F. an W.: "Für mich ist wohl das Körperliche nicht das Wichtigste. Dazu ist es mir zu selbstverständlich. Für mich ist die Gemeinschaft das Wichtigste. […] Erinnerungen an Deine Musik, an Deinen Körper; Verständnis und vergangene Liebkosungen."

Die Congresshalle wird zum Gerichtssaal bzw. zur Arena

Journalisten, die ab Mitte 1970 vom Mordprozess berichten, werden von der Stadt Saarbrücken zu einer Stadtrundfahrt mit anschließendem Umtrunk eingeladen. Das wirkt auf mich befremdend. Bei der Gerichtsverhandlung wollte man dem großen öffentlichen Interesse gerecht werden und lässt nicht nur die Presse, sondern auch die Öffentlichkeit zu.


Ein Gerichtsprozess als Massenspektakel

Die Saarbrücker Congresshalle wird zum Gerichtssaal, in den man zunächst rund tausend Zuschauer einlässt. Vor allen auf den Rängen ist es ausgelassen, es wird gegessen und viel gelacht. Selbst als der Zugang danach beschränkt wird, ändert dies nur wenig an der Situation. Zwei Journalisten berichten, dass die Atmosphäre auch von Lynchjustiz geprägt ist. Der aufgestellte Käfig, in den die Angeklagten in den Verhandlungspausen gesteckt wurden, hat möglicherweise einen Anteil daran. Gerhard Mauz schreibt im "Spiegel" (Heft 29, 1970): "In Saarbrücken sitzen immer noch drei- bis vierhundert Menschen in der Halle, und nicht wenige von ihnen sind bereits von Opern- zu schweren Jagdgläsern übergegangen, um die Erledigung der drei Angeklagten besser verfolgen zu können."


Der Käfig für die Angeklagten. Aus: "Der Soldatenmord. Die Schüsse von Lebach" (2001)

Jürgen Neven-du Mont schreibt in seinem Buch über Lebach, dass viele Zuschauer den Gerichtssaal "mit einer Gier betreten wollen, als wäre darin ein Schafott aufgestellt und als böte man ihnen das Schauspiel, die abgeschlagenen Köpfe der Lebach-Täter in einen Korb rollen zu sehen".

Aufgrund der Stimmung im Saal wird der Prozess auch als "Schauprozess" bezeichnet. Mit dem Gerichtsprozess werden nicht nur sexuelle Einzelheiten deutlich, sondern auch die Motive der drei jungen Männer: Sie wollten mit den durch die Waffen erreichten Erpressungen finanziell unabhängig sein und sich so zu dritt ein sorgenfreies Leben in der Südsee finanzieren.

Schwule Aktivisten und schwule Mörder gemeinsam im "Spiegel"


Wichtiges schwules Zeitdokument: "Der Spiegel" vom 12. Mai 1969 mit einer Titelstory über die Legalisierung männlicher Homosexualität

Für die Presse ist diese Mischung aus Sex und Gewalt ein gefundenes Fressen. Die Homosexualität der Täter wird im "Spiegel" (Heft 19, 1969) zunächst nur zaghaft chiffriert: Beide Haupttäter sind ein "unzertrennliches Herren-Duo mit dem Spitznamen 'das Pärchen'".

Viel spannender ist das Heft in der nächsten Woche, denn schließlich prangt bei diesem "Spiegel" (Heft 20, 1969) mit großen Lettern "Paragraf 175. Das Gesetz fällt – bleibt die Ächtung?" auf der Titelseite. Der Staat ist dabei, schwulen Sex unter Erwachsenen nicht mehr zu kriminalisieren, und die Gesellschaft ist dabei, umzudenken. Mit dem Mord wird das Heft zu einem (gelungenen) Drahtseilakt: Ohne fühlbaren Widerspruch wird zunächst die homosexuelle Emanzipationsbewegung breit porträtiert (S. 55-82) und einige Seiten später die Frage nach der Dynamik einer schwulen Liebesbeziehung für die Morde von Lebach gestellt (S. 99-103).

Für viele "Spiegel"-Leser dieser Zeit waren Schwule zunächst einmal nur Kriminelle. Die Worte des Frankfurter Prof. Dr. Geerds über die Lebach-Mörder in diesem Heft sind nicht selbstverständlich: "Unter Homosexuellen gibt es ebenso viele Gewalttäter wie unter normal Veranlagten aus dem Angler- oder Kleingarten-Verein." Vermutlich haben sich viele Angler und Kleingärtner durch diese Äußerung beleidigt gefühlt.

Vor Gericht behandelt: Platte Homo-Witze und sexuelle Details

Auch die späteren Artikel im "Spiegel" geben nur wenig Anlass zur Kritik – im Gegensatz zur Form der Gerichtsverhandlung. Gerhard Mauz wird dabei seinem Ruf als fairer Gerichtsreporter gerecht, der sich gut auszudrücken vermag. Im "Spiegel" (Heft 28, 1970) beschreibt Mauz die Situation im Gerichtssaal: "Der Vorsitzende, der W[…] zu einer Erklärung bewegen möchte, fügt hinzu: 'Sie kennen ja sonst wohl Ihren Freund von innen und außen'. Und so wird nun in der Schwurgerichtssitzung gelacht, in der es um vierfachen Mord geht. Denn zwischen W[…] und F[….] hat ein homosexuelles Verhältnis bestanden. [Der] Landgerichtsdirektor […] reagiert auf das Gelächter nicht. Er ruft nicht zur Ordnung. Er sucht keine Geste, um [den] homosexuellen Angeklagten, zu bedeuten, daß er die Anspielung nicht beabsichtigt hat, die herausgehört worden ist."


Eindrücke aus dem Gerichtssaal

Auch sexuelle Details werden im Verlaufe des Prozesses ausgepackt: "Schläge auf das Gesäß hat W[…] von F[…] erhalten – auf das nackte Gesäß, nachdem er seine Hose auf Geheiß […] ausgezogen hatte. [Eine Strafe] für 'Sünden', die eine Chiffre für anderes waren: für qualvolles Ringen um Verständnis, Verständigung, um Ineinanderaufgehen. […] von der Homosexualität müßte gesprochen werden, denn keiner von ihnen […] wäre für sich allein fähig gewesen, das zu planen und zu tun, wofür sie miteinander angeklagt sind."

Nicht vor Gericht behandelt: Die Dynamik schwuler Beziehungen

Eine Woche später formuliert Mauz im "Spiegel" (Nr. 29, 1970) in Bezug auf Richter Tholl die fairen Positionierungen zum Schwulsein aus, die in der Verhandlung leider unterbleiben: "Herr F[…], könnte Herr Tholl sagen, mit [den anderen] haben Sie Neigungen verbunden, die man homosexuell zu nennen pflegt. Gegen diese Neigungen besteht ein Vorurteil. 'Abartig' nennt man sie, auch heute noch. Erst kürzlich sind unsere Gesetze […] angepaßt worden, daß Homosexualität ein Schicksal oder eine Lebenslösung sein kann, wie jedes andere Schicksal oder jede andere Lebenslösung. Wir, das Gericht, es wäre denkbar, daß sich Herr Tholl so äußert, könnten uns vielleicht sogar vorstellen, daß junge Menschen in einer kleinen [Gemeinde in] Panik geraten, wenn sie Gefühle für das eigene Geschlecht in sich entdecken. Wir könnten den Weg erkennen, auf dem sie miteinander dazu gekommen sind, sich gegen eine Welt zusammenzuschließen, von der sie sich barbarisch ausgeschlossen und unwiderruflich verurteilt fühlten. Es könnte uns gelingen, davon zu sprechen, daß die unmenschliche Verurteilung der Homosexualität die schuldlos Abgeurteilten […] ausliefert […]. Ich beschwöre Sie, Herr F[…], könnte Herr Tholl sagen, helfen Sie mir, […] damit nicht ein unmenschliches Vorurteil für die Unbelehrbaren scheinbar erhärtet wird, wo sein Wahnsinn und seine möglichen Folgen zu überführen und vorzuführen wären. Das könnte Herr Tholl […] sagen. [Aber er tat es nicht]. Niemand weiß, ob Herr Tholl die Worte gefunden hätte, die zu finden waren." Angesichts der gesellschaftlichen Stimmung zu schwulen Männern und zu einem mehrfachen Mord sind dies erstaunlich verständnisvolle Äußerungen.

"Die Zeit" (1970)

Für das Wochenmagazin "Die Zeit" (Heft 28, 1970) berichtet der Journalist Hans-Joachim Noack über diesen Prozess. Er kritisiert zwar ebenfalls die homophoben Witze und das Gekicher im Gerichtssaal, ist aber offenbar ebenfalls nicht frei von homophoben Ressentiments: "Das Trio der mutmaßlichen Killer lebte auch ansonsten nach einem Gesetz zusammen, das in der diesseitigen Welt von jeher Abscheu und Ekel erregte. [Die beiden] hatten ihre homosexuellen Neigungen und Abhängigkeiten zugestanden. Sie hatten einen Blick in Abgründe gestattet und angedeutet, was verirrte Menschen alles vermögen. […]. Eine gängige Formel war bestätigt worden: Die Sucht der Jugend nach der totalen Individualität, […] hatte exemplarisch gezeigt, wohin das alles führen kann. Das Publikum hatte zu begreifen begonnen, daß Chaos unvermeidlich ist, wenn zu diesem Drang auch noch die sexuelle Ausschweifung tritt."


Hans-Joachim Noack. Aus: "Der Soldatenmord. Die Schüsse von Lebach" (2001)

Ich bin irritiert, dass in der "Zeit" ein Artikel mit einer solchen Meinung erscheinen konnte. Wie nah die "Zeit" hier an den Boulevardjournalismus heranreicht, kann ich nicht beurteilen. Für diesen queer.de-Artikel habe ich mich bei der Recherche auf die online verfügbaren Medien beschränkt, wodurch typische Boulevardmedien wie "Bild-Zeitung" oder "Hamburger Morgenpost" wegfielen.

Die Verurteilung der Täter

Die Angeklagten müssen sich nicht nur in den Medien, sondern auch im Gerichtssaal einiges gefallen lassen. Rechtsanwalt Dr. Rapräger sagt im Rahmen seines Plädoyers als Nebenkläger: "Man sage mir nicht, aber das hier sei etwas ganz anderes, das seien doch Homosexuelle! Wir leben in einer pluralistischen Gesellschaft, die jeden nach seiner Fasson selig werden läßt, die den Homosexuellen als gleichwertige Spielart der Gattung Mensch, auch strafrechtlich, anerkennt. Wir sollten es jedem sagen, der es hören will, und auch dem, der es nicht begreifen mag: Gleiche Rechte erzeugen gleiche Pflichten."

Im Jahr 1970 von gleichen Rechten für Schwule zu sprechen ist nicht nur falsch – sondern zynisch. Zur Tatzeit war Homosexualität noch strafbar und selbst durch die Reform im September 1969 wurde der Paragraf 175 StGB nicht abgeschafft, sondern nur reformiert – von den vielen anderen Rechten wie Ehe- oder Adoptionsrecht einmal ganz abgesehen.

Alle drei Männer werden verurteilt. W. war beim Überfall nicht dabei und wird wegen Beihilfe zu sechs Jahren verurteilt. D. und F. werden zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt. D. kommt in den Neunzigerjahren nach 23 Jahren Haft frei.

Das ZDF und das erste Verfassungsurteil (1973)

Das ZDF hatte 1972 den Fernsehfilm "Der Soldatenmord von Lebach" produziert und dabei, wie zu dieser Zeit üblich, auch die Namen der Täter genannt und Aufnahmen aus der Gerichtsverhandlung verwendet. Der zu dieser Zeit auf Bewährung hoffende Mittäter W. ging gerichtlich gegen diese Ausstrahlung vor und hatte damit letztinstanzlich Erfolg.

In seinem Urteil vom 5. Juni 1973 ging das Bundesverfassungsgericht auch ausführlich auf die Frage der Homosexualität ein – in den folgenden Zitaten werden Prozessbeteiligte, Vorinstanzen, Gutachter und Stellungnahmen vom Gericht zusammenfassend zitiert: "Die Sicht des Films, das gesamte Geschehen aus […] der homosexuellen Veranlagung der Täter, zu erklären, verfälsche die komplexe Tat, putsche bestehende Vorurteile auf und zeige zugleich, daß es dem Film in erster Linie auf die Befriedigung der Sensationslust ankomme. […] Insgesamt würde die Ausstrahlung des Spiels die Resozialisierung des Beschwerdeführers zumindest wesentlich erschweren und eine lang andauernde Prangerwirkung […] nach sich ziehen. […] Aber auch das erklärte Ziel einer Meinungsbildung – hier etwa die zudem anfechtbare psychologische Deutung der Tat aus der homosexuellen Veranlagung des Täterkreises – widerspreche der Resozialisierung […] Die Sendung würde den heterosexuellen Beschwerdeführer eindeutiger als bisher mit der Homosexualität assoziieren […] sein Anschluß an Frauen [wäre] in Frage gestellt."

Das Gericht stellt fest: "Die Darstellung von kriminellen oder homosexuellen Personen in einem Dokumentarspiel [kann die] Ablehnung solcher sozialen Außenseiter verstärken." Das ZDF hatte vor Gericht geltend gemacht, mit dem Film für Toleranz gegenüber Homosexuellen werben zu wollen. Für das Gericht war "keine derartige Tendenz" erkennbar.

Dieses Urteil gilt als Grundsatzurteil zum Verhältnis von Medienfreiheit und Persönlichkeitsrecht. Es stellt eine Zäsur dar, denn nie zuvor und nie danach musste Informationsfreiheit in diesem Ausmaß hinter dem Persönlichkeitsrecht zurückstehen. Erst seit diesem Urteil werden in den deutschen Medien die Namen von Strafgefangenen anonymisiert.

Autor der Sendung ist der ZDF-Hauptabteilungsleiter Jürgen Neven-du Mont, der auch moderierend durch die Sendung führt. Es ist davon auszugehen, dass sein Buch "Kleinstadtmörder. Hintergründe zum Fall Lebach" (1971) dem Stil seines Films ähnelt. Das Buch wird vom "Spiegel" als pseudodokumentarisch kritisiert; der hier enthaltene Hinweis auf "deftige Meinungen" bezieht sich offenbar auf (als Zitate gekennzeichnete) Ausdrücke wie "Arschficker" (S. 65). Nach dem Urteil verliert Jürgen Neven-du Mont seinen Posten beim ZDF.


Standbild aus dem nie gezeigten ZDF-Film

Diese ZDF-Doku wurde bis heute nicht ausgestrahlt; einzelne Standbilder sind im Buch "Sendefertig abgesetzt" publiziert. Als Mitglied des ZDF-Verwaltungsrates fragte [der spätere Bundeskanzler] Helmut Kohl nach, was "dieses Experiment" gekostet hat, und bekam "1.247.997,34" Mark als Antwort. Über die schwierige Abgrenzung zwischen legitimer Finanz- und illegitimer Programmkontrolle durch die Politik wird bis heute diskutiert.

Sat.1 und das zweite Verfassungsurteil (1999)

Im Jahre 1996 hatte Sat.1 als Pilotfilm zur siebenteiligen Reihe "Verbrechen, die Geschichte machten" den Film "Der Fall Lebach" gedreht. Auch dieses Mal wurde gegen eine Veröffentlichung geklagt, sodass sich – nach den üblichen Vorinstanzen – das Bundesverfassungsgericht am 25. November 1999 noch einmal mit einem Lebach-Film beschäftigte. Das Gericht berücksichtigte zwar auch hier wieder die Darstellung der Homosexualität, gelangte nun aber zu einem anderen Urteil. Ausschlaggebend dafür war wohl auch die nun erfolgte Anonymisierung der Täter: "Die homosexuelle Komponente in der Verbindung der Täter werde allenfalls angedeutet und schon gar nicht für sich genommen als verwerflich dargestellt", fasst das Gericht die bestätigte Vorinstanz zusammen. "Eine Prangerwirkung, die Zuschauern Anlaß zu näherer Befassung mit den Tätern geben könne, gehe von dem Film nicht aus."


Standbild aus der Sat1-Produktion "Der Fall Lebach" mit Rufus Beck (links) als D. mit seinem Liebhaber. Aus: Lilienthal: "Sendefertig abgesetzt" (2001)

Mit einer Verzögerung von fast zehn Jahren wurde die Sat.1-Produktion am 13. Januar 2005 erstmals im TV gezeigt (queer.de berichtete). Einer der schwulen Täter wird im Film durch Rufus Beck verkörpert – auch bekannt durch seine Rolle als Schwuler Waltraud in "Der bewegte Mann" (1994).

Die ARD und "Soldatenmord – Die Schüsse von Lebach" (2001)


Intro zur ARD-Doku

Die ARD-Doku "Soldatenmord – Die Schüsse von Lebach" (2001) im Rahmen der Serie "Die großen Kriminalfälle" (Staffel 2, Folge 5) stellte juristisch offensichtlich kein Problem mehr dar. An zwei Stellen wird in fairer Weise versucht, die Tat auch durch die Homosexualität der Täter zu erklären. Zum einen ist dies ein Kommentar aus dem Off: "Tarnen müssen sie sich allerdings, denn Homosexualität wird Ende der Sechzigerjahre noch strafrechtlich verfolgt. So entwickelt sich das Trio zu einer abgeschotteten Gruppe. Die Beziehungen der drei untereinander sind kompliziert. Der Dritte [W.] ist mit Täter zwei [F.] liiert, hat Täter Eins [D.] aus dessen Gunst verdrängt. Täter Eins wiederum tut alles, um die Zuneigung und Aufmerksamkeit von Täter zwei zurück zu gewinnen. Täter Zwei hegt einen Groll gegen die Gesellschaft, weil sein Vater ihn nicht studieren lässt. Er wäre gern Psychologe geworden. Er beansprucht das Recht Gewalt anzuwenden, bis hin zum Mord, denn die Gesellschaft tue dies schließlich auch. Täter Eins wäre lieber Modezeichner statt Justizsekretär im Amtsgericht. […] Die erste kriminelle Übung des Trios [im Frühjahr 1965 ist] ein Überfall auf die Sparkasse – in Frauenkleidern." (27:40-28:50 Min.).

Zum anderen kommt der Presse-Berichterstatter Hans-Joachim Noack zu Wort, der sich auch schon 30 Jahre zuvor im oben zitierten "Zeit"-Artikel zur Homosexualität äußerte, sich nun aber in nicht mehr angreifbarer Form ausdrückt: "Homosexualität galt […] als nicht nur anstößig, sondern anrüchig. Das auf der anderen Seite, homosexuelle Verstrickung unter den Tätern eine ganz bestimmte Dynamik [hatte,] wurde meines Erachtens nicht in ausreichendem Maße betrachtet. Ich kann mich erinnern, dass der Richter die eine oder andere anzügliche Bemerkung in dieser Richtung gemacht hat mit dem Effekt, dass lauthals gelacht worden ist" (40:15-41:05 Min.).

Direktlink | Zwei Filmsequenzen zum schwulen Hintergrund: 27:40-28:50 sowie 40:15-41:05

Vergleiche: Andere Lesben und Schwule, die morden

In Bezug auf die Siebzigerjahre und den Aspekt von Sensationsprozess bzw. -journalismus erinnert Lebach an den Prozess um Judy Andersen und Marion Ihns, die am 21. Oktober 1972 den Ehemann von Marion Ihns ermorden ließen. Mit Artikeln wie "Die Verbrechen der lesbischen Frauen" bedienten die Medien homophobe Ressentiments. Für einen Teil der feministischen Bewegung war die Ermordung durch die Gewalterfahrungen der Frauen legitimiert (Flugblatt: "Tatmotiv Notwehr"). Eine mit mir befreundete Lesbe verstand sogar den im Jahrbuch "Invertito" (2006, 8. Jg.) abgedruckten Artikel zum Mordfall als eine Legitimierung der Ermordung. Ich war schockiert, dass dieser Artikel in dieser Form verstanden werden kann.

Lebach erinnert auch an die beiden ungleichen Freunde Nathan Leopold und Richard Loeb, die 1924 den 14-jährigen Bobby Franks ermordeten. Wie bei den Lebach-Mördern hatten auch sie Nietzsches Idee vom Übermenschen verinnerlicht und waren unauffällige Söhne gutbürgerlicher Familien, die ihre schwule Beziehung geheim halten mussten. In beiden Fällen wurden die Morde mehrfach verfilmt; auf Alfred "Hitchcocks schwules Mörderpaar" bin ich vor kurzem auf queer.de eingegangen.

Bei der Frage nach der Rolle des deutschen Fernsehens in den Siebzigerjahren können auch Parallelen mit Wolfgang Petersens Gefängnisdrama "Die Konsequenz" (1977) gesehen werden. Als erster deutscher schwuler Fernsehfilm hatte auch dieser zu Kontroversen u.a. mit dem Bayerischen Rundfunk geführt und war richtungsweisend für die Darstellung von Homosexualität im deutschen Fernsehen.

Vergleiche mit Lebach lassen sich auch zum schwulen Massenmörder Jürgen Bartsch ziehen, der in den Sechzigerjahren vier Jungen sexuell missbrauchte und ermordete. Im Lebach-Prozess äußerte ein Rechtsanwalt, dass der Fall Bartsch sich nicht als Parallele eignet, weil in Lebach Täter und Opfer keine sexuellen Beziehungen hatten und die Tat nicht der Verschleierung eines Sexualverbrechens diente. Wie bei anderen Tätern stellt sich aber auch bei Bartsch die Frage, ob die Morde auch passiert wären, wenn der Täter in einer Gesellschaft gelebt hätte, die Homosexualität akzeptiert.

Der Haupttäter heute

Aus der "Bild-Zeitung" vom 10. April 2016 habe ich erfahren, dass der mittlerweile 75-jährige Haupttäter F. seit 1985 nicht von seinem Recht Gebrauch gemacht hat, einen Prüfantrag auf Haftentlassung zu stellen und im Gefängnis von Saarbrücken sterben will. Er wolle keine Tat bereuen, die er nicht begangen habe. Damit soll er der zur Zeit am längsten inhaftierte Gefangene in Deutschland sein.

Ich bat den inhaftierten F. um ein Interview und bekam am 6. Januar 2019 eine Postkarte von ihm, auf der er mich zunächst darum bat, bei einem Artikel für queer.de seine Persönlichkeitsrechte zu beachten. Obwohl er sich eigentlich nicht mehr äußern wollte, schrieb er mir dann doch einige Zeilen, dass W. nicht schwul sei und D. laut dem Gericht seine Homosexualität nie ausgelebt habe. Er erinnere sich zwar, dass im Prozess die homosexuellen Hintergründe "einen Nerv" der frühen Bundesrepublik trafen, aber "lediglich die Verteidigungsstrategie der Täter gewesen" sei. In dem Schreiben bestreitet F. "nach wie vor eine Tatbeteiligung" und beendet seine Postkarte mit den Worten "Wäre ich schuldig, wäre ich entlassen".


Postkarte vom Haupttäter F. vom 6.1.2019 (Auszug)

Was kann man aus Lebach lernen?

Die Opfer einer Gewalttat dürfen nicht vergessen werden und die ermordeten Soldaten Dieter Horn, Ewald Marx, Arno Bales und Erwin Poh haben ein Recht auf Erinnerung. Es ist gut, dass eine Gedenktafel an diese Männer erinnert.

Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 1973 erinnert aber auch daran, dass in Deutschland jeder Mörder das Recht auf Resozialisierung und fairen Journalismus hat. Dieser Gedanke ist richtig, wenn er auch oft unerträglich erscheint – unabhängig davon, ob Schwule und Lesben Opfer oder Täter sind. Aus diesem Grund habe auch ich die Namen der Angeklagten abgekürzt. Dies ist bei diesem Artikel nicht mehr als eine symbolische Geste, denn jeder, der diesen Online-Artikel liest, ist bei den verlinkten zeitgenössischen Zeitungsberichten nur einen Mausklick davon entfernt, die Vor- und Nachnamen der Mörder zu erfahren.

Die zwei Lebach-Urteile des Bundesverfassungsgerichts (1973, 1999) lassen erkennen, wie sich die Rechtsprechung im Laufe einiger Jahre verändern kann. Anhand anderer Urteile dieses Gerichtes lässt sich noch besser dokumentieren, wie sich der schnell veränderte Zeitgeist über Homosexualität in deren Rechtsprechung niederschlägt.

In einem Skandalurteil hatte das Gericht noch am 10. Mai 1957 entschieden, dass die Strafbarkeit von (nur männlicher) Homosexualität weder gegen das Grundgesetz noch gegen das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit verstößt. Im Gegensatz dazu unterstützt es heute die Forderungen nach gleichen Rechten, hat am 17. Juli 2002 das Lebenspartnerschaftsgesetz als verfassungsgemäß erklärt und seitdem in mehreren Urteilen die rechtliche Gleichstellung von Ehe- und Lebenspartnern vorangetrieben.


Gedenktafel an die Ermordeten

Mit diesem Artikel möchte ich die Hintergründe zu den Morden nur erklären. Auch bei strafrechtlicher Verfolgung, einer zutiefst homophoben Gesellschaft und auswegloser Situation lassen sie sich nicht rechtfertigen. Erklärung und Rechtfertigung liegen nah beieinander – ähnlich nah wie ein legitimes Interesse an einer Straftat und ein illegitimer Voyeurismus.

Worauf es bei einem Fall wie diesem ankommt, fassen zwei Sätze in einem Lebach-Artikel aus dem "Spiegel" (Heft 28, 1970) gut zusammen: "Es geht nicht darum, die Angeklagten zu entlasten und irgendwem psychologischen Brei ins auf Recht und Ordnung bedachte Auge zu schmieren. Es geht um einen Gewinn an Kenntnis vom Verbrechen, um Feststellungen, die Verbrechen verhüten helfen."



#1 Homonklin44Profil
  • 19.01.2019, 12:11hTauroa Point
  • Danke für den interessanten Artikel. Ich glaube, er ist vor allem deswegen wichtig, weil die Art Verknüpfungen zwischen Schwulsein und Kriminalität ja längst nicht an tatsächlichen Kriminalfällen fest gemacht blieben, sondeern auf Homosexuelle allenthalben angeliehen und ausgedehnt wurden. A'la = wer sexuell anders empfindet, ist eher kriminell, eher affin dazu, einem verruchten oder irgendwie abwegigen Lebensstil zu frönen, oder gleichzeitig sonstwie nicht koscher zu ticken.
    Solche Kriminalfälle und wie mit ihnen öffentlich umgegangen wurde, mögen diese Idee propagiert haben. Sie brachten wahrscheinlich gleichsam die ganze Abneigung der seinerzeit so genannten "Normalen" hervor, welche sich daran erheiterten und in ihrer Sensationsgier besabberten.

    ""Wir könnten den Weg erkennen, auf dem sie miteinander dazu gekommen sind, sich gegen eine Welt zusammenzuschließen, von der sie sich barbarisch ausgeschlossen und unwiderruflich verurteilt fühlten.""

    So eine Welt gibt es nun wirklich. Heute verdünnen sich ehestens die Schwellen. Wenn auch daran viel mit erfahren und mit gefühlt Wahres sein kann, diese Welt zu kennen, so ist sie in keinem Fall ein Anlass dafür, solche Verbrechen zu begehen.

    Jürgen Bartsch war aber kein Schwuler. Sondern ein pädosexueller Sadist. Man sollte das nicht vermischen. Wo bereits der selbsterklärte Feind sowohl auf politischer als auch insbesondere von religioter Seite das schon zur Genüge und wohl unaufhörlich bestrebt, hier Zusammenhänge herzustellen und beizubehalten.
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#2 TheDadProfil
  • 19.01.2019, 12:35hHannover
  • ""Vergleiche mit Lebach lassen sich auch zum schwulen Massenmörder Jürgen Bartsch ziehen, der in den Sechzigerjahren vier Jungen sexuell missbrauchte und ermordete. Im Lebach-Prozess äußerte ein Rechtsanwalt, dass der Fall Bartsch sich nicht als Parallele eignet, weil in Lebach Täter und Opfer keine sexuellen Beziehungen hatten und die Tat nicht der Verschleierung eines Sexualverbrechens diente. Wie bei anderen Tätern stellt sich aber auch bei Bartsch die Frage, ob die Morde auch passiert wären, wenn der Täter in einer Gesellschaft gelebt hätte, die Homosexualität akzeptiert.""..

    Ich finde den Begriff "Massenmörder" in Bezug auf Jürgen Bartsch einfach unpassend, denn "Massenmörder" bezeichenen dann doch Täter wie Hitler, Stalin, Mao, Mussolini, Pinochet, Franko, und andere Diktatoren..

    Bartsch war ein Serien-Mörder dessen Taten ausschließlich zur Verdeckung begangen, die abschließende Frage sehr deutlich mit "Nein" beantwortet, denn in einer Gesellschaft ohne Kriminalisierung und Diskriminierung von "Homosexualität" wäre Bartsch nicht zu einem solchem Täter geworden..

    Dennoch einmal mehr ein ebenso ausführlicher wie herausragender Artikel..
    Danke dafür..
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#3 TheDadProfil
  • 19.01.2019, 12:39hHannover
  • Antwort auf #1 von Homonklin44
  • ""Jürgen Bartsch war aber kein Schwuler. Sondern ein pädosexueller Sadist. Man sollte das nicht vermischen.""..

    Man sollte auch keine "erlesenen" Vorurteile verbreiten..

    Jürgen Bartsch war bei seiner 1.Tat im März 1962 selbst erst 15 (!) Jahre alt..

    Hier von einem "Pädosexuellem" zu sprechen geht an den Fakten einfach vorbei..
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#4 LorenProfil
  • 19.01.2019, 14:28hGreifswald
  • Ein für mich sehr interessanter und informativer Artikel über ein Verbrechen, das mir nicht bekannt war. Allerdings hätte ich auf den inhaltlich unpassenden Absatz über J. Bartsch (siehe #1) verzichten können.
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#5 LorenProfil
  • 19.01.2019, 14:43hGreifswald
  • Antwort auf #3 von TheDad
  • In seiner Korrespondenz mit Paul Moor schrieb er:
    "Ab vierzehn Jahren etwa war es, glaube ich, schon so, daß mich die Acht- bis Zehnjährigen interessierten, und die Gleichaltrigen überhaupt nicht." (In: Moor, Paul, "Das Selbstporträt des Jürgen Bartsch").
    In seiner Korrespondenz mit seinen Eltern schrieb er, dass sich an seiner Fixierung auf "Jungen" auch im Erwachsenenalter nichts geändert habe.

    www.taz.de/!1719495/
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#6 LenorAnonym
  • 19.01.2019, 17:01h
  • "Ich bin irritiert, dass in der "Zeit" ein Artikel mit einer solchen Meinung erscheinen konnte."

    Hat der Autor anlässlich dieser Recherche zum ersten Mal ein Holtzbrinck-Druckerzeugnis in der Hand gehalten? Anders ist seine Irritation nicht zu verstehen.
    Als Paradebeispiel aus jüngster Vergangenheit hier eine Titel-Schlagzeile der ZEIT zu dem Massaker in Orlando:
    Homophobie ist nicht zuletzt eine Reaktion auf die enormen Emanzipationsgewinne der Schwulen und Lesben.
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#7 TheDadProfil
  • 19.01.2019, 23:08hHannover
  • Antwort auf #5 von Loren
  • ""In seiner Korrespondenz mit seinen Eltern schrieb er, dass sich an seiner Fixierung auf "Jungen" auch im Erwachsenenalter nichts geändert habe.""..

    aus Wikipedia :
    Opfer

    31. März 1962: Klaus Jung, 8 Jahre
    6. August 1965: Peter Fuchs, 13 Jahre
    14. August 1965: Ulrich Kahlweiß, 12 Jahre
    6. Mai 1966: Manfred Graßmann, 11 Jahre

    Die "Variationen" im Alter der Opfer sind hier wohl eher einer Vorgabe geschuldet, die sich unter "Gelegenheiten" verbuchen läßt..
    Der große Abstand zwischen der 1. Tat und der 2. Tat ist wahrscheinlich auch mit einer "Entwicklung" verbunden..
    Insofern ist der Begriff "Massenmörder" unbedingt falsch, denn ein Serientäter hat ja immer andere Motivlagen als solches..

    Insgesamt kann man aber mMn nicht grundsätzlich davon ausgehen, es hätte sich rein gar nichts verändert, denn der Tod von Bartsch hat dann auch auch die Möglichkeit einer weiteren Beobachtung verhindert..

    In der Korrespondenz mit den "Eltern", die sich ja an die Adoptiv-Mutter richtete, geht es vordringlich darum Verständnis zu erlangen, und den "Eltern" zu erklären was er selbst falsch gemacht hat, und gar nicht so sehr um eine Art Aufarbeitung dessen, was alles falsch gelaufen wäre..

    Ich sehe das wie Du es schon beschrieben hast; man hätte den Absatz weglassen sollen, nicht nur weil er mehr Fragen aufwirft, als er zum Verständnis der Umstände der Täter von Lebach beitragen könnte..
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#8 Patroklos
#9 LorenProfil
#10 Gerlinde24Profil
  • 20.01.2019, 05:29hBerlin
  • Kann mich noch gut an diese Zeit erinnern. Lebte zwar in den USA, aber auch dort berichteten die Medien darüber. Auch dort wurde ihre Homosexualität erwähnt. Allerdings war das in den USA nicht ein Thema, der Vietnamkrieg war wichtiger (und die Proteste dagegen, denen man eine "Hilfe Moskaus" unterstellte).
    Es waren Täter, es waren Mörder! Ihre Homosexualität hätte nur dann eine Rolle spielen dürfen in der Berichterstattung, wenn das Motiv der Tat damit zusammenhängen würde. Heute würde darüber anders berichtet werden! War hal eine andere, eine piefigere Zeit gewesen!
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