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Medienkritik

Wie berichte ich über die "Dritte Option"?

Eine polemische Anleitung für Journalist*innen.


Lockte nur wenige Journalist*innen zur Berichterstattung an: Demonstration für eine umfassende Neuregelung des Personenstandrechts im Juli 2018 vor dem Berliner Reichstagsgebäude (Bild: BVT* / tim-lueddemann.de (CC BY-NC-SA 2.0))

Intersex-Detox

Oberste Regel: Berichten Sie niemals über das Thema "Intersexualität"!

Wer wüsste besser als Sie, dass etwas, worüber nicht berichtet wird, auch nicht existiert? Tun Sie in Ihrer Berichterstattung grundsätzlich so, als gäbe es nur Männer und Frauen und als wäre jeder Zweifel an der Zweigeschlechtlichkeit inexistent. Das intersex erasure hat ja bisher auch gut funktioniert, oder? Zudem soll man nicht jeden hippen Trend, der gerade angesagt ist, mitmachen.

Erst wenn auch andere Medien über das Thema berichten, können Sie sich dazu herablassen, auch einen Beitrag zu bringen. Für diesen seltenen, speziellen Fall im Folgenden ein paar Tipps für die Berichterstattung.

Sex sells!

Schreiben Sie nicht von "Intergeschlechtlichkeit", sondern verwenden Sie durchweg das medizinische "Intersexualität". Das mit dem "Sex" steigert auch das Erregungspotenzial. Werfen Sie dann munter Intersexualität mit Transsexualität durcheinander, besser noch: mit Homosexuellen, irgendwie geht's ja um Sex und um Minderheiten – oder so. Wenn Sie sich einen Anstrich der Toleranz und Weltaufgeschlossenheit geben wollen, schreiben Sie grundsätzlich wohlwollend von "sexueller Vielfalt", nicht aber von "geschlechtlicher Vielfalt". Ist ja auch kompliziert – wer soll denn da noch durchblicken?! Recherche wird ohnehin maßlos überbewertet.

Think positive!

Verhandeln Sie das Ganze in erster Linie als eine schwierige, aber auch verdammt interessante Identitätsfrage in einer bunten Welt. Genitalverstümmelungen, heimliche Sterilisationen, Zwangs-Hormontherapien und pränatale Abtreibungen intergeschlechtlicher Föten machen den Beitrag viel zu negativ, über Diskriminierung und Menschenrechtsverletzungen an Kleinkindern zu berichten, hat einfach keinen Swag.

Illustration

Illustrieren Sie Ihren Beitrag mit nicht-binären Menschen und verlinken Sie Artikel und Clips zu Transsexualität. Das ist insbesondere jetzt nach der Einführung des Geschlechtseintrags "divers" wichtig. Wen schert es, dass die meisten Inter*-Menschen als Mann oder Frau leben und dass nicht-binäre Menschen von der dritten Option explizit ausgenommen sind? Eben, niemanden. Sie können übrigens auch Bilder von David Bowie oder Lady Gaga nehmen, Hauptsache schrill.

Freakonomics

Tauchen Sie ein ins Reich der Chimären und Monster, zelebrieren sie die Freak-Show: XYY, Klinefelter, Turner, Adrenogenitales Syndrom etc. Machen Sie deutlich, dass es sich um abgefahrene Diagnosen handelt, nicht um Menschen. Malen Sie sich die medizinischen Beschreibungen lebhaft aus und schrecken Sie nicht davor zurück, auf sagenumwobene antike Bilder zurückzugreifen. Sie wissen schon: oben Frau, unten Mann oder links männlich, rechts weiblich.

Pluspunkte gibt's, wer aus Ovids "Metamorphosen" zitiert und die Geschichte von Hermes, Aphroditos und der Nymphe Salmakis wiederkäut. Hat zwar nichts mit der Realität zu tun, aber macht sich immer gut und beweist, dass Sie aus dem Bildungsbürger*innentum kommen. Alternativ können Sie sich auch auf die Suche nach einem "dritten Geschlecht" in "fremden" Kulturen machen. Zeichnen Sie von diesen das schillernde Bild verstoßener und zugleich bewunderter, mystischer Gestalten.

Ziel der Exotisierung ist immer, dem Publikum zu verdeutlichen, dass das Thema weit weg ist und mit ihnen selbst nichts zu tun hat.

Kleines Wörterbuch

Schreiben Sie viel von "Störung", "Fehlentwicklung", "Anomalie", "Syndrom" und dass hier und da etwas bei den "Betroffenen" "fehlt" und "nicht ausgebildet" wurde. Streuen Sie hier und da mal eine Pathologisierung wie "Pseudohermaphrodit" ein und verwenden Sie in jedem Satz einen dieser drei Begriffe: "falsch", "normal", "typisch". Orientieren Sie sich eng an medizinischen Kriterien und Normen: Zu viele oder zu wenige Chromosomen, zu lang oder zu kurz, "zu große Klitoris", "zu kleiner Penis"…

Kein guter Beitrag über Intergeschlechtlichkeit kommt ohne die Reproduktion der Zweigeschlechternorm aus; Begriffe wie "uneindeutig"/"nicht eindeutig", "zwischen den Geschlechtern", "Variante", "besonders", "Phänomen", "Laune der Natur" und viele weitere sind hier gute Begleiter.

Tabu sind: "Intergeschlechtlichkeit", "Inter*", "Variation", "Menschenrechte", "geschlechtliche Selbstbestimmung", "geschlechtliche Vielfalt", "Diskriminierung".

Authentizität

Sie haben es geschafft, ganz nah dran zu sein und liefern dem Publikum einen exklusiven Inside-Report. Authentische Stimmen von Inter* sind in erster Linie wichtig für die eigene journalistische Credibility. Falls sich niemand Intergeschlechtliches findet, der mit Ihnen sprechen möchte – halb so wild. Sooo wichtig ist es auch nicht, intergeschlechtliche Menschen zu Wort kommen zu lassen. Im Kern geht's um eine gute Story, die ihr Publikum mitnimmt und Klicks generiert.

Beziehungsanbahnung

Wenn Sie sich auf die Suche nach intergeschlechtlichen Menschen begeben und sich an intergeschlechtliche Selbstorganisationen wenden, stellen Sie sicher, dass Ihr Anschreiben mit "Sehr geehrte Damen und Herren" anfängt. Lassen Sie sich im Nachhinein auf gar keinen Fall in Ihren Bericht reinreden, dass irgendwem jetzt dieses oder jenes Zitat nicht gefällt – ist ja schließlich Ihr Beitrag. Betroffenenkontrolle war schon immer ein Zeitkiller und hat noch nie einen Beitrag besser gemacht.

Inter*-Menschen sind nicht nur unfassbar reich, sondern haben auch viel Zeit und große Lust, die ganze Welt aufzuklären und geduldig zu erklären, was es mit Intergeschlechtlichkeit so alles auf sich hat. Die meisten Inter*-Personen warten nur auf ihre Anfrage und sind dankbar dafür. Kommen Sie von daher nicht auf die abstruse Idee, so etwas wie Geld oder eine andere Form der Anerkennung anzubieten.

Vertrauensaufbau dauert lange und Zeit ist Geld – kommen Sie möglichst schnell zu den Fakten.

Fakten, Fakten, Fakten

Ihr Publikum hat ein Recht darauf zu erfahren, mit wem oder was es hier zu tun hat. Beschreiben Sie detailliert die Körper ihrer Interviewpartner*innen. Scheuen Sie sich nicht, die Lupe anzulegen, das ist schließlich investigativer Journalismus. Gehen Sie mit großer Passion ganz genau auf die Genitalien ein.

Human Touch

Ein Porträt einer intergeschlechtlichen Person muss in erster Line eine Leidens- und Opfergeschichte sein und beim Publikum Mitleid erzeugen. Sie können beispielsweise in dramatischen Worten die Qual ausmalen, sich nicht zwischen dem einen oder dem anderen Geschlecht entscheiden zu können.

Stellen Sie niemals empowerte und selbstbewusste Inter*-Personen dar. Und kommen Sie ja nicht auf die Idee, dass auch intergeschlechtliche Menschen Ihren Beitrag lesen/ansehen könnten.

Finde den Fehler!

Suchen Sie "Fehler" in der Gender-Performance der porträtierten Person und walzen Sie diese aus. Ob das der Bartwuchs bei einer als Frau lebenden Person ist oder die Brüste bei einer als männlich lebenden Person. Suchen Sie diese Abweichungen und schreiben Sie ausführlich darüber mit einer Mischung aus Sensationslust und Mitleid. Wenn Sie Bilder zeigen, sollten Sie unbedingt auf diese Abweichungen fokussieren. Close-ups von Haaren an der "falschen" Stelle, Kamera auf die Brust halten – aber, höhö, damit haben Sie ja eh' Erfahrung. Sie können hier auch auf Ihre Erfahrungen in Porträts über Trans*-Menschen zurückgreifen.

Neutral, objektiv und ausgewogen

Seien Sie stolz auf Ihre Ausgewogenheit und Unabhängigkeit und bemühen Sie sich um die Fiktion größtmöglicher Neutralität und Objektivität. Lassen Sie gleichberechtigt Ärzt*innen und Mediziner*innen zu Wort kommen, insbesondere die aus diesen Kreisen mittlerweile seit mehreren Jahrzehnten schamlos kolportierte Behauptung, dass die Operationstechniken mittlerweile sooo viel besser sind als früher, dass sie dazu gelernt hätten und sich so unglaublich viel verändert habe.

Wichtig: Mediziner*innen sind stets "Experten", Inter*-Personen sind stets "Betroffene".

Noch wichtiger: Schreiben Sie niemals über den eklatanten Machtunterschied, dass hier ein ganzer medizinischer Apparat, flankiert durch die Justiz, die Körper wehrloser Kinder nach eigenem Gusto formt, medikalisiert, beobachtet, testet, kontrolliert, analysiert, psychiatrisiert, zuschneidet und quält.

Dass der Beitrag ins Ressort "Medizin/Gesundheit" gehört, versteht sich von selbst.

Wichtig ist, was hinten rauskommt

Rechnen Sie möglichst dramatisiert vor, was Unisex-Toiletten den*die Steuerzahler*in kosten. Suggerieren Sie, es ginge um Toiletten nur für Inter*, auf die niiiieeemand sonst darf. Wie gemein! Der Kollege Harald Martenstein macht das seit Jahren in brillanter Weise vor. Sie brauchen nur von ihm abzuschreiben und das Ganze ein bisschen umzuformulieren, damit es nicht allzu plump wirkt.

Ignorieren Sie konsequent, dass wir a) an vielen öffentlichen Orten (Züge, Flugzeuge…) ohnehin schon immer Unisex-Toiletten hatten, b) Inter* bisher systematisch in unserer binären Welt diskriminiert werden, auch in der Toilettenfrage, c) es aus Inter*-Perspektive um sehr viele Themen geht und Toiletten bei weitem weder das wichtigste noch drängendste Thema sind, d) die Kosten für OPs, Hormone und andere medizinisch aufgezwungene Eingriffe wie auch die Folgekosten für zerstörte Biografien viel teurer sind als ein paar Unisex-Toiletten und dass es e) um Toiletten für alle Menschen geht. Ja, wirklich, alle! Crazy idea, wa?

Verfahren Sie in ähnlicher Weise, wenn es um das Verändern von Verwaltungs-Software geht, die mehr als nur Mann und Frau kennt.

Hintergrundinformationen

Absolut tabu: Wenn Sie anfangen, über die tatsächliche Vielfalt von Vulven und Penissen und weitere Variationen von Genitalien, sich verändernde Chromosomensätze im Laufe eines menschlichen Lebens, Frauen mit Bartwuchs etc. zu berichten, öffnen Sie die Box der Pandora. Damit verunsichern Sie nur Ihre Leser*innen und Zuhörer*innen in ihrer eigenen Geschlechtsidentität und die Blickregime der "Normalen" auf "abnorm" konstruierte Körper. Halten Sie sich nicht mit Erklärungen komplexer Zusammenhänge auf – okay?!

Wichtige Hinweise

Ignorieren Sie die Forderungen intergeschlechtlicher Menschen und ihrer Organisationen, allen voran die nach einem Verbot von irreversiblen ärztlichen Eingriffen, die die Veränderung der angeborenen geschlechtlichen Merkmale oder der Fortpflanzungsfunktion des Kindes zur Folge haben.

Für Queers: Benutzen Sie Inter*-Menschen immer für die Dekonstruktion von Zweigeschlechtlichkeit und ignorieren sie konsequent, dass nicht alle Inter* queer sind und sich ihre Forderungen in bestimmten Punkten dezidiert von queeren Anliegen unterscheiden.

Für Antideutsche: Vergleichen Sie Intersex-Genitalverstümmelung in der westlichen Welt mit der so viel schlimmeren weiblichen Genitalverstümmelung in modernisierungsresistenten failed states, um Ihre Kernthese aufrecht zu erhalten, dass über allem, wo "queer" und "Antirassismus" draufsteht, Vernichtungsantisemitismus drin ist.

Für Wirtschaftsjournalist*innen: Halten Sie mit Ihrer Kritik am "d" in Stellenanzeigen nicht hinterm Berg und verwahren Sie sich gegen diese neueste Ausgeburt des grassierenden "Genderwahns".

Wenn Sie die Ratschläge dieser Anleitung beherzigen, steht ihrer journalistischen Karriere bei einem großen Medienkonzern nichts im Weg und Sie werden sich stilsicher in die Herzen ihres Publikums schreiben.

Unser Gastautor Andreas Hechler ist Mitarbeiter bei Dissens – Institut für Bildung und Forschung e.V. in Berlin; Intergeschlechtlichkeit ist eines seiner Schwerpunktthemen.



#1 rolleyesAnonym
  • 19.01.2019, 15:29h
  • Toll! Und so konstruktiv!

    Sarkasmus und Überheblichkeit waren bekanntlich schon immer super-hilfreich, um bisher Indifferente als Verbündete zu gewinnen.
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#2 MarcAnonym
  • 19.01.2019, 15:53h
  • Antwort auf #1 von rolleyes
  • Das Unbehagen teile ich.
    Die Reaktion wird vermutlich nicht sein: "Oh, da habe ich aber noch viel Klärungsbedarf! Ich verwende trotz guter Absicht nach wie vor viele Begriffe oder Stereotype, die verletzend wirken - daran muss ich arbeiten und mich gründlich(er) informieren!" ,
    sondern eher:
    "Au verdammt, total vermintes Gelände! Besser berichte ich gar nicht zu diesem Thema, kann nur nach hinten losgehen."
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#3 HyenadykeProfil
  • 19.01.2019, 16:28hKöln
  • Ich fand diesen Artikel gut!

    Dass sich einige Journalist*innen jetzt nicht mehr trauen, über dieses Thema zu schreiben, glaube ich nicht wirklich. Ich hoffe im Gegenteil, dass ein paar mal darüber nachdenken, wie ärgerlich, nervtötend und ja, auch wie verletzend das ständige Wiederkäuen von Klischees, die Exotisierung, die demonstrative Ignoranz für die "Betroffenen" ;) sein kann.
    Es ist noch nicht mal so lange her - Quatsch, es ist immer noch so, nur nicht mehr überall, dass Lesben und Schwule in Zeitungen lesen können, was es denn mit ihnen auf sich hat, wie sie so sind und überhaupt.
    Und dann sollen wir das so hinnehmen, weil irgendwer verschreckt werden könnte?

    Und bei einigen Artikeln wäre es aber tatsächlich besser, wenn diese nicht zu lesen wären. Besonders die von denen, die auf solche Artikel mit "Na gut, dann schreib' ich halt nichts mehr!" reagieren.
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#4 rolleyesAnonym
  • 19.01.2019, 16:52h
  • Antwort auf #3 von Hyenadyke
  • Rein inhaltlich fand ich den Artikel schon auch in Ordnung.

    Aber der Ton macht halt die Musik. Und angesichts des Tonfalls dieses Artikels muss man als Adressat schon äußerst gutwillig sein, um sich mit dem Inhalt aufgeschlossen auseinanderzusetzen. Ansonsten wirkt er halt einfach abschreckend - oder ruft gar Abneigung grade gegen die Gruppe hervor, für die er ja Verständnis und Empathie erreichen will.
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#5 JaMiAnonym
  • 19.01.2019, 16:58h
  • Ich schließe mich Hyenadyke an. Der Artikel von Andreas Hechler ist sehr gut! Sein Sarkasmus ist völlig angemessen angesichts des Breis von Ignoranz und Klischeehaftigkeit, der über Inter*- und Trans*-Menschen weiterhin alltäglich verbreitet wird. Dabei ist der Text sehr wohl konstruktiv, denn er enthält zahlreiche Hinweise, wie es besser gemacht werden kann. Es ist doch wohl verständlich, dass es mit der Zeit ermüdet und anätzt, immer wieder dasselbe erklären zu müssen, weil die sich binärgeschlechtlich einordnende Mehrheit eine echte Auseinandersetzung mit dem Thema verweigert und es lieber von sich fernhält (z. B. durch Verbesonderung und Medikalisierung) - es könnten sonst ja eigene Identitäten ins Schwimmen geraten. Das gilt leider auch für sehr viele schwule Männer (als solcher verorte ich mich übrigens selbst). Dabei müssten gerade Schwule verdammt gut wissen, was unreflektierte Klischees anrichten und wie verletzend sie sein können. Hier ist Solidarität gefragt!
    Von Journalist*innen kann verlangt werden, dass sie sich anständig informieren und den Menschen, über die sie berichten, mit Respekt und auf Augenhöhe begegnen - wie bei allen anderen Themen auch. Mögliche Reaktionen à la "dann schreibe ich gar nichts darüber" sind einfach dumm, ersparen uns aber vielleicht auch Artikel, die ohnehin nicht der Aufklärung gedient hätten.
    Parallel - zum weiteren Nachdenken - möchte ich die Seite www.leidmedien.de empfehlen. Dort geht es um mediale Klischees über Menschen mit Behinderung und wie sie vermieden werden können.
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#6 rolleyesAnonym
  • 19.01.2019, 17:11h
  • Antwort auf #5 von JaMi
  • "Von Journalist*innen kann verlangt werden, dass sie sich anständig informieren und den Menschen, über die sie berichten, mit Respekt und auf Augenhöhe begegnen - wie bei allen anderen Themen auch. "

    Da hast du aber einen hohen Anspruch an (bzw. eine hohe Meinung von) Journalisten. Würde das Gros der heutigen (Online-)Journalisten so sorgfältig arbeiten: Wo sollte dann der ganze Content herkommen, der 24/7 geschwätzig auf uns niederprasselt ...
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#7 rolleyesAnonym
#8 SarahEhemaliges Profil
  • 19.01.2019, 17:34h
  • Antwort auf #5 von JaMi
  • "Ich schließe mich Hyenadyke an. Der Artikel von Andreas Hechler ist sehr gut! Sein Sarkasmus ist völlig angemessen angesichts des Breis von Ignoranz und Klischeehaftigkeit, der über Inter*- und Trans*-Menschen weiterhin alltäglich verbreitet wird. Dabei ist der Text sehr wohl konstruktiv, denn er enthält zahlreiche Hinweise, wie es besser gemacht werden kann. Es ist doch wohl verständlich, dass es mit der Zeit ermüdet und anätzt, immer wieder dasselbe erklären zu müssen, weil die sich binärgeschlechtlich einordnende Mehrheit eine echte Auseinandersetzung mit dem Thema verweigert und es lieber von sich fernhält (z. B. durch Verbesonderung und Medikalisierung) - es könnten sonst ja eigene Identitäten ins Schwimmen geraten. Das gilt leider auch für sehr viele schwule Männer (als solcher verorte ich mich übrigens selbst). Dabei müssten gerade Schwule verdammt gut wissen, was unreflektierte Klischees anrichten und wie verletzend sie sein können. Hier ist Solidarität gefragt!"

    Dankeschön! Auch an @Hyenadyke.

    Ein ausgezeichneter Artikel, der die Deutschen Medien zum Blick in den Spiegel zwingt. Freiwillig werden sie das nie tun. Sarkasmus ist dafür angesichts der üblichen Berichterstattung das einzige Mittel, das noch bleibt

    Dringend notwendig, da Deutsche Medien längst die Tendenz zeigen, die nicht länger existierende Binarität von Geschlecht aufrecht zu erhalten und Inter* weiterhin zu ignorieren.

    Die Berichterstattung seit der gesetzlichen Einführung bediente sich immer nur des Leidens-Narrativs, der Sensationalisierung oder des pathologisierenden Medizin-Narrativs. I.d.R. war es ein Cocktail aus allen drei Zutaten. Ich habe nicht einen einzigen Deutschen Bericht gelesen, der das nicht tat.

    Das hat zur Folge, dass der Eindruck vermittelt wird, dass es sich nur um einen "formellen Eintrag" handelt, die Menschen mit einer "Störung" gewährt wird. Die tatsächliche Anerkennung einer rechtlichen Drei-Geschlechtlichkeit in Deutschland mit notwendigerweise tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen wird - wie bei trans auch - von der binär-geschlechtlichen und heterosexuellen Mehrheit erwartungsgemäß ignoriert.

    Allerdings darf das niemanden verwundern - das ist ja schließlich genau die Intention eines pathologisierenden "Anerkennungsverfahrens". Das hat ja schließlich nichts mit einem gleichberechtigten Dritten Geschlecht zu tun.

    Es ist sehr wichtig, diesen Druck auf die Medien aufrecht zu erhalten - oder besser - noch zu verstärken. Eine binär-geschlechtliche Mehrheit wird ein Umdenken niemals von sich aus tun. Es ist die Aufgabe von Medien, nicht verzerrend und ignorant über Themen zu berichten, sondern die Fakten und Wahrheiten zu benennen. Nur so kommt es zu gesellschaftlicher Veränderung.

    Dass "gutes Zureden" oder "Appelle" ignoriert werden, zeigt die Berichterstattung über trans und selbst nach Jahrzehnten noch oft genug zu LGB.

    Druck ist hier notwendig. Insbesondere in einem Land, dass bekannt für seine staatlich gleich geschalteten Medien und ihre einheitlich glattgebügelte, stets verzerrende Berichterstattung ist.
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#9 AluhutAnonym
  • 19.01.2019, 17:58h
  • Antwort auf #8 von Sarah
  • "Insbesondere in einem Land, dass (sic) bekannt für seine staatlich gleich geschalteten Medien und ihre einheitlich glattgebügelte, stets verzerrende Berichterstattung ist"

    Na klar.
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#10 Ith__Ehemaliges Profil
  • 19.01.2019, 18:39h
  • Hm, ob da wohl jemand den Zaunfink liest? *g

    Würde ergänzen wollen um:

    >> Wenn Sie inter* sind: Versäumen Sie keine Zeit dabei, sich von trans*, queers, Kopf-Enbys und sonstigen schrägen Vögeln zu distanzieren, die im Wesentlichen Aufmerksamkeit wollen. Mit Ihrem Körper geht ein automatischer und selbstverständlicher Anspruch sowie das Recht einher, sich innerhalb oder außerhalb der binären Geschlechter frei verorten zu dürfen; etwaige Missachtung dessen ist offensichtlich übergriffig und unzulässig. Selbst wenn Sie selbst gern betonen, dass gar nicht abschließend medizinisch geklärt ist, worin genau inter* ab von den populärsten Diagnosen noch all bestehen kann, sollten Sie unbedingt sicherstellen, nicht mit Leuten verwechselt zu werden, die einfach einen an der Waffel haben und meinen, sich entgegen ihrer körperlichen Gegebenheiten nonbinär oder nach Wunsch einordnen zu wollen. Die sind psychisch gestört, Sie dagegen sind, wie Sie sind. So viel Differenzierung muss sein. <<

    ;-)

    Noe, mal weniger ironisch, danke für den Gastkommentar. Bin gerade etwas geschafft von RL-Ressourcenkämpfen und körperlich und emotional nicht so richtig auf der Höhe für spitze Worte, aber fand's dennoch unterhaltsam. Was weniger marginalisierte Leute manchmal nur schwer begreifen, ist, dass Sarkasmus zuweilen der letzte Rest an Humor ist, der vom Idealismus übrigbleibt. Weicher zu sein kann man sich schwerlich leisten, weil's wehtut, den Humor ganz zu verlieren wäre aber wohl noch weniger gesund.

    Die PC-Gegner am besten einfach ignorieren - getroffene Hunde bellen, und eigentlich ist es ja ein gutes Zeichen, wenn sie's tun. Machen halt eine laute Mehrheit derjengen aus, die das Privileg, als erste gedacht und gefühlt zu werden, nicht verlieren wollen. Auch Schwule sind in den allermeisten Fällen exter-binär und cis.
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