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Instagram-Einträge waren "Absicht"
Polunin: Ich habe nichts gegen Schwule, aber Männer sollten Männer bleiben
Bei einer Konferenz in München wiederholte der Ballett-Star viele seiner menschenfeindlichen Äußerungen. Sein Instagram-Account ist derzeit nicht erreichbar.

Gefällt sich in der Rolle des "Bad Boy" und hält sich dafür für einen Guten: Sergei Polunin am Montag in München (Bild: Screenshot Youtube)
- 22. Januar 2019, 08:57h 4 Min.
Nach einem Wochenende mit zwei Auftritten mit dem Bayerischen Staatsballett hat sich der in internationale Medienkritik und Shitstorms geratene Sergei Polunin am Montag bei der Konferenz "Digital-Life-Design" in München größtenteils uneinsichtig gezeigt.
Im Gespräch mit der Journalistin Tanit Koch (Youtube, gesperrt bei deutscher IP-Adresse) verteidigte er etwa sein Putin-Tattoo: Er habe selbst erlebt, wie "die Presse" etwas Gutes als Böses darstelle, und all die negativen Berichte hätten in ihm das Gefühl geweckt, Putin "schützen" zu müssen. Auf den Einwand Kochs, er schütze einen der repressivsten Staatsmänner, betonte der 29-Jährige, im Westen sehe er "teuflische Organisationen", die sich auch an ihm abarbeiteten, in Putin hingegen "etwas Gutes, ich sehe Licht".
Zu dem später gelöschten Instagram-Eintrag, man sollte "fette Menschen schlagen", meinte Polunin, manchmal müsse man "Menschen provozieren", damit sie die Botschaft erreiche. Das sei bezüglich dem Schlag nicht "völlig ernst gemeint" gewesen. "Aber wenn ein tatsächlicher Schlag die Menschen aufweckt, wäre das toll. Es ändert ihr Leben." Könne das nicht dazu führen, dass seine Follower das ernst nehmen und Menschen schlagen oder schikanieren? Erst selbst habe als Jugendlicher Menschen schikaniert und die Schikanierten verteidigt und aufgebaut: "Du musst ihnen das beibringen. Ansonsten bleiben die Menschen schwach. Du darfst nicht schwach sein, du musst stark sein."
Romeo und Julia statt Julia und Julia
Man dürfe auch "nicht tolerant allem gegenüber sein", weil sich sonst alles angleiche, so Polunin in weiterer freier Rede. Das erinnerte an seinen zweisprachigen Instagram-Wut-Ausbruch Ende Dezember, als er männlichen Balletttänzern vorwarf, nicht männlich genug, "schwach" und "peinlich" zu sein (wofür auch sie einen Schlag verdienten). Männer sollten Wölfe, Kämpfer und Anführer der Familie sein. Stattdessen würden Frauen nun Männerrollen übernehmen, weil die Männer sie nicht fickten.
Zum Vorwurf der Homophobie meinte Polunin nun in München: "Das hatte nichts mit Schwulen zu tun, oder Lesben. Es ging um männliche und weibliche Energie. Ich persönlich möchte auf der Bühne keine Männer sehen, die keine Männer sind. Egal, ob du schwul oder hetero bist. Es gibt etwa Romeo und Julia: Ich möchte keine zwei Julias rumrennen sehen." Das müssten Männer und Frauen sein.

Zwei Einträge aus Polunins Instagram-Kanal: Jener zu männlichen Balletttänzern und einer mit seinem Putin- und dem älteren Kolovrat-Tattoo, auf das das Gespräch in München nicht einging
In der Ballett-Welt denke jeder so wie er, aber kaum jemand traue sich, das öffentlich zu sagen, so Polunin weiter. Er vermisse männliche Stärke. "Freddie Mercury hatte Stärke. Elton John hat sie. Es geht nicht um schwul oder nicht, sondern um Stärke." Wenn die Welt flach, Männer und Frauen das gleiche werden, "dann sind wir verloren". Nur Frauen zeigten etwa eine natürliche Sorge um Kinder.
Zu der Meinung eines Twitter-Nutzers, Polunins Karriere sei nun vorbei, betonte dieser, dass er immer neue Gelegenheiten finden werde, "die Welt ist groß" und es gebe etwa noch Indien oder China. Das wichtigste sei, an seinen Überzeugungen festzuhalten. Er könnte sich vorstellen, demnächst mit Menschen zu arbeiten, die ihm helfen, seine Botschaften klarer zu verfassen, er werde oft missverstanden. Aber: "Habe ich sie [die Instagram-Einträge] absichtlich gemacht? Ja. Wusste ich um die Konsequenzen? Ja." Manchmal müsse man etwas tun, um Aufmerksamkeit zu erlangen.
Und nun?
Vor einer Woche hatte die Pariser Oper bekanntgegeben, Auftritte Polunins im Februar abzusagen – seine Botschaften seien nicht mit den Werten des Hauses vereinbar (queer.de berichtete). Damit nahm der Druck auf die Münchner Staatsoper zu, die Auftritte an diesem Wochenende abzusagen – zumal die ukrainische Community in München laut SZ verlauten ließ, er sei "nicht willkommen". Der gebürtige Ukrainer hat im letzten Jahr die russische Staatsbürgerschaft angenommen und unter anderem Russland-Sanktionen aufgrund der Ukraine-Krise kritisiert.
Die zunehmend unter Druck geratene Oper veröffentlichte im Laufe der Woche zwei Stellungnahmen. In der ersten betonte das Haus, der Ballett-Star sei ein "herausragender Künstler" und dürfe nicht allein "auf Grundlage widersprüchlicher und unüberlegter Äußerungen" beurteilt werden. Nikolaus Bachler, Intendant der Bayerischen Staatsoper, und Igor Zelensky, Direktor des Bayerischen Staatsballetts und Polunin-Förderer, betonten später, man distanziere sich deutlich "von allen Inhalten diskriminierenden Charakters", wolle den Künstler aber nicht "voreilig stigmatisieren" und erst mit ihm persönlich ins Gespräch kommen. Die Auftritte fänden daher statt, danach schaue man weiter (queer.de berichtete).

Eine "Antifa Aktionsgruppe Ballettfascho" verteilte am Sonntag vor der Staatsoper Flyer (PDF) und forderte Besucher auf, Polunin "in guter alter Theatertradition mit Tomaten und Eiern" zu bewerfen und auszubuhen und von Verantwortlichen eine Unterbindung des Auftritts zu fordern. Entsprechendes wurde aus dem Innern nicht berichtet. Bereits am Samstag gab es eine kleine Kundgebung (Facebook-Galerie) von "Bayern gegen Fremdenhass" vor dem Operngebäude
Fast zeitgleich zur Opern-Stellungnahme veröffentlichte Polunin auf Instagram neue Einträge, in denen er Putin lobte oder ein geteiltes Bild mit Stinkefinger gen Kritiker zeigte. Dann verschwand der Instagram-Kanal pünktlich zum Auftrittswochenende, was der Oper sehr gelegen gekommen sein dürfte. Bei der Konferenz in München meinte Polunin, sein Account in dem sozialen Netzwerk sei gehackt worden und werde bald wiederhergestellt. Das nächste Mal soll er in München laut Spielplan am 25. März zu sehen sein – als Spartacus. (nb)












