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Staatliche Diskriminierung
Supreme Court erlaubt Trans-Verbot im US-Militär
Großer Erfolg für Donald Trump: Der oberste Gerichtshof der USA hat das generelle Verbot von Transsexuellen in den amerikanischen Streitkräften vorläufig erlaubt.

Der amerikanische Supreme Court ist weniger ein Gericht als vielmehr ein Parlament, in dem derzeit die republikanische Richtermehrheit die demokratischen Richterinnen und Richter niederstimmt. Die "Justices" von links oben nach rechts unten: Neil M. Gorsuch (Republikaner), Sonia Sotomayor (Demokratin), Elena Kagan (Demokratin), Brett M. Kavanaugh (Republikaner), Stephen G. Breyer (Demokrat), Clarence Thomas (Republikaner), John G. Roberts, Jr. (Republikaner), Ruth Bader Ginsburg (Demokratin) und Samuel A. Alito (Republikaner) (Bild: Supreme Court of the United States)
- 22. Januar 2019, 16:04h 4 Min.
Der amerikanische Supreme Court hat am Dienstag mit fünf gegen vier Stimmen einstweilige Verfügungen mehrerer Gerichte gegen das Trans-Verbot im US-Militär aufgehoben. Die Höchstrichter sind damit einer Bitte des Justizministeriums gefolgt. Alle Richter, die dem Trans-Verbot zustimmten, wurden von republikanischen Präsidenten ernannt, alle, die dagegen stimmten, von demokratischen Präsidenten.
Inhaltlich geht der Streit damit an den jeweiligen Gerichten weiter, das Verbot kann nun aber erstmals und einstweilig in Kraft treten. Laut "New York Times" gilt es in der jetzigen Form für alle Transpersonen, mit Ausnahme einiger hundert Soldaten, die bereits jetzt in Army, Navy, Marine Corps, Air Force und Coast Guard dienen. Außerdem würden Transpersonen akzeptiert, die bereit seien, "in ihrem biologischen Geschlecht" den Dienst an der Waffe zu tun.
Das Trans-Verbot in den Streitkräften war von Präsident Barack Obama 2016 aufgehoben worden, sein Nachfolger Donald Trump führte es im Juli 2017 aber erneut ein (queer.de berichtete). Der Republikaner begründete das auf Twitter "mit enormen medizinischen Kosten und Störungen, die Transgender im Militär mit sich" brächten – die Führung des Militärs soll von der Ankündigung überrascht worden sein.
Daraufhin klagten mehrere Trans-Soldaten gegen den Schritt, größtenteils mit Erfolg. Mehrere Gerichte hielten das Verbot – auch in einer "nachgebesserten" Fassung, für eine verfassungswidrige Diskriminierung. Zuletzt urteilte allerdings ein Berufungsgericht in der Hauptstadt kurz nach dem Jahreswechsel in einem von mehreren parallelen Verfahren erstmals, dass das Verbot rechtens sei (queer.de berichtete).
Großer Sieg für Trump
Die Entscheidung des Supreme Court ist ein Sieg für den Präsidenten, der nach zwei Jahren im Amt bereits für die Entsendung von zwei der neun lebenslang ernannten Höchstrichter verantwortlich ist. Zuletzt setzte er den erzkonservativen Richter Brett Kavanaugh trotz Vergewaltigungsvorwürfen durch (queer.de berichtete). Beide von ihm ernannte Richter, neben Kavaugh auch Hardliner Neil Gorsuch, stimmten für die Einführung des Verbotes.
Das letzte Wort in der Sache ist noch nicht gesprochen, da noch mehrere Gerichtsverfahren anhängig sind. Am Ende wird wohl wieder der Supreme Court darüber entscheiden und sich dann auch inhaltlich näher mit den aufgeworfenen Rechtsfragen befassen. Wegen ihrer Mehrheit könnten die konservativen Richter aber erneut das Trans-Verbot mit fünf gegen vier Stimmen durchwinken – die Aufhebung der einstweiligen Verfügung wird von vielen als Vorentscheidung gewertet.
In einer ersten Reaktion auf Twitter kündigte Chad Griffin, der Chef von Amerikas größter LGBTI-Organisation Human Rights Campaign, Widerstand gegen das Trans-Verbot an. Dieses schade nicht nur Trans-Soldatinnen und -Soldaten, sondern auch der nationalen Sicherheit. LGBTI-Aktivisten und Bürgerrechtler hatten stets argumentiert, dass die Trump-Regierung keine Beweise vorgelegt habe, dass Transpersonen dem Militär Schaden zufügen würden, seitdem ihnen vor zweieinhalb Jahren erlaubt wurde, offen zu dienen.
/ ChadHGriffinAllowing Trump & Pences trans military ban to go into effect harms active duty transgender troops and our national security. We will fight this harmful and discriminatory ban until it is fully defeated. https://t.co/dIE24ARwEn
Chad Griffin (@ChadHGriffin) January 22, 2019
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Auch das National Center für Transgender Equality kritisierte die Entscheidung des Gerichts scharf. Diese sei ein "Angriff auf Transpersonen im ganzen Land".
/ TransEqualityTHREAD: In a 5-4 decision, #SCOTUS granted a request from the Trump Administration to let them begin implementing their #TransMilitaryBan while the case proceeds through the courts. Put simply: Transgender service members are under grave threat. pic.twitter.com/khPFv21PfL
National Center for Transgender Equality (@TransEquality) January 22, 2019
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ACLU: Trans-Verbot nicht augesetzt
Nun ist der Streit um die Deutungshoheit der Entscheidung entbrannt: Die Bürgerrechtsorganisation ACLU argumentiert, dass Trumps Verbot nach wie vor landesweit ausgesetzt sei. Die ACLU begründete das damit, dass sich der Oberste Gerichtshof nicht mit einem Verfahren befasst habe, bei dem ein Gericht im Bundesstaat Maryland das Verbot landesweit ausgesetzt habe. Aus Sicht der ACLU hat dieses Urteil damit bis zu einem Urteil einer Berufungsinstanz weiter Bestand.
/ ACLUIt's deeply upsetting that the Supreme Court lifted blocks on the trans military ban that were secured by two lawsuits while federal courts continue to review.
ACLU (@ACLU) January 22, 2019
It did NOT lift the nationwide block secured in our case, Stone v. Trump, which is before a court in Maryland.
Unter vielen US-Verbündeten gibt es weniger Sorgen um Trans-Soldaten: So wurde im September 2016 bekannt, dass das britische Militär mit Chloe Allen erstmals eine Trans-Frau an der Front einsetzt (queer.de berichtete). Auch in der Bundeswehr ist Transsexualität kein Ausschlussgrund: Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen stellte vor zwei Jahren bei einem LGBTI-Workshop fest, dass Vielfalt die Streitkräfte stark mache. "Deswegen werben wir ja mehr denn je um Talente. Und ob sie nun schwul, lesbisch, transsexuell oder heterosexuell sind, sie sind uns mit ihrem Können willkommen", so die christdemokratische Politikerin aus Niedersachsen (queer.de berichtete). (dk)















Können sich in den USA jetzt schonmal viele warm anziehen.
Wir hier übrigens auch. Und dazu hat's in Deutschland nichtmal nen Trump gebraucht.