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"Frühsexualisierung" auf katholisch

"Grandios" daneben: Bistum Regensburg erklärt Jugendlichen Homo- und Transsexualität

Homosexualität geht auf vorgeburtlichen Stress zurück und Transsexuelle dürfen in 40 Kilometern entfernten Städten in Frauenkleidern rumlaufen, klären erzkatholische Aktivisten den Nachwuchs in einem pseudo-hippen Magazin auf.


Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer und das neue Jugendmagazin seines Bistums, das es als Druck- und Online-Ausgabe gibt. Bilder: Bistum Regensburg

Vor wenigen Tagen erhielt queer.de eine Zuschrift von ernsthaft besorgten Eltern: Man sei entsetzt über das neue Magazin des Bistums Regensburg, "Grandios", das vorwiegend auf eine junge Zielgruppe ausgerichtet sei. "Cover und Layout sind modern, das Magazin unter dem Titel 'Identität' (Nr. 3, 2018) hat es allerdings in sich". So sei auf Seite 19 zu lesen:

Bei der Homosexualität gibt es wissenschaftliche Hinweise darauf, dass vorgeburtlicher Stress das Gleichgewicht der Sexualhormone stört und die Gehirnentwicklung in eine weitere Richtung steuert (…) Die Lobby der Homosexuellen hat sich aber vehement gegen diese Befunde gesperrt.

Eine Freundin habe berichtet, dass das Magazin "ausgerechnet an Weihnachten vor der Kirche an Jugendliche verteilt wurde", so Sebastian M. an queer.de. "Meine Familie und ich waren absolut fassungslos darüber, dass Jugendliche einer derartig abwertenden Propaganda (und dann auch noch ausgerechnet an Weihnachten) ausgesetzt werden, die unter dem Deckmantel vermeintlich moderner und offener Aufklärung daherkommt".

Laut einer Meldung des Bistums vom 18. Dezember 2018 soll das Magazin als "Türöffner" dienen, um "mit Menschen über unseren Glauben ins Gespräch zu kommen". Die Ausgabe zum Schwerpunkt "Identität" stelle Personen vor, die "vielfältig und bunt wie das Leben" seien, und werde mit ihren 130 Seiten in einer Auflage von 90.000 Exemplaren vor allem in den katholischen Pfarreien im Bistum Regensburg verteilt. Das Blog des Magazins hält fest, wie eine frühere Ausgabe von jungen Menschen an ebenfalls junge Leute vor einer Kirche verteilt wird oder in den katholischen Schulen in Regensburg im Unterricht zum Einsatz kommt. Die Schülerinnen werden gar bei der zwangsbeglückten "Magazinanalyse" für ein Video auf der Webseite gefilmt.


Das Magazin wird von der Kirche auch im Unterricht eingesetzt

Die bisherigen drei Ausgaben sind auch in einer Online-Fassung verfügbar. Die Webseite kommt modern daher und manche Texte sind angemessen jugendlich und religionsfrei, andere betonen katholischen Glauben und seine "Werte" direkt oder indirekt. Mancher vermeintlich coole Text lässt auf in Wirklichkeit nicht mehr ganz so junge Autoren schließen, etwa wenn behauptet wird, dass "YouTube auch 'Güllegrube des Internets' genannt wird". Schön ist auch ein Text, in dem ein Pfarrer "Amoi seg' ma uns wieda" von Andreas Gabalier anhand von Bibelstellen analysiert.

"Ratten-Dörner" statt "Lobby der Homosexuellen"

Mit Homo- und Transsexualität befassen sich ganze drei Artikel. Das kritisierte Einstiegszitat findet sich in einem langen Text zu "vorgeburtlicher Psychologie", für das Autor Jürgen Liminski mit dem Psychotherapeuten Ludwig Janus gesprochen hat und in dem es überwiegend um durch die Mutter ausgelöste Glücksgefühle vor und nach der Geburt geht. Völlig unvermittelt findet sich mitten im Text die folgende Passage:

Leihmutterschaft: Ein völlig unverantwortliches Abenteuer

Weniger behutsam ist der Wissenschaftler Ludwig Janus beim Stichwort Leihmutterschaft. Er bezeichnet sie als "wissenschaftliches Abenteuer", das heute zwar möglich sei aber "in keiner Weise zu verantworten ist". Denn das Kind "entwickelt sich und seine Identität ja von Anfang an im Gefühlsmilieu der Mutter". Auch bei der aktuellen Diskussion um das dritte Geschlecht, das seit dem Spruch des Bundesverfassungsgerichtes juristisch existiert, gibt Janus zu bedenken: "Das ist eine sehr schwierige und komplexe Frage. Hier spielen mit Sicherheit psychologische und biologische Gegebenheiten zusammen. Bei der Homosexualität gibt es wissenschaftliche Hinweise darauf, dass vorgeburtlicher Stress das Gleichgewicht der Sexualhormone stört und die Gehirnentwicklung in eine weitere Richtung steuert, Klaus Döner hat dazu in seinem Buch, 'Die Begegnung mit dem Ungeborenen', geschrieben. Die Lobby der Homosexuellen hat sich aber vehement gegen diese Befunde gesperrt." Embryo und Säugling würden indes durchaus weiblich oder männlich empfinden, "vieles spricht dafür, dass das geschlechtstypische Empfinden schon vor der Geburt beginnt".

Der Abschnitt wirkt so, als wollte Liminski schnell seinen Widerstand zu ungefähr allen denkbaren LGBTI-Fragen unterbringen, auch wenn der genaue Sinn und Zusammenhang teilweise nur erratbar ist. Das Opus-Dei-Mitglied ist kein Unbekannter: Mehrfach engagierte sich der ehemalige "Deutschlandfunk"-Moderator bei der homo- und transfeindlichen "Demo für alle" oder beim erzreaktionären "Forum Deutscher Katholiken" gegen die Rechte Homo- und Transsexueller, das von ihm betriebene "Institut für Demographie, Allgemeinwohl und Familie" bietet auf seiner Webseite entsprechende Texte.


Jürgen Liminski 2014 auf einer "Demo für alle" in Hannover, bei der er meinte, dass Schulaufklärung über LGBTI die "Verunsicherung der Kinder" und das "Niederreißen ihrer Schamgrenzen" zum Ziel habe, was "vor allem Pädophilen" nütze. (Bild: nb)

Liminskis Gesprächspartner Janus befasste sich bereits in seinem Werk "Die Wirkungen von kriegsbedingtem Stress während der Schwangerschaft auf das Kind" (2007) nebensächlich wie absurd mit Homosexualität: "Eine sehr spezifische Folge von kriegsbedingtem Stress wurde von dem Berliner Endokrinologen Günther Dörner erforscht. Er beobachtete ca. 20 Jahre nach dem Krieg einen Anstieg der Homosexualität und nach einiger Zeit wieder einen Rückgang. Er konnte dies ursächlich auf kriegsbedingten Stress in der zweiten Schwangerschaftshälfte zurückführen. Stress führt zu einem relativen Testosteronmangel, was sich negativ auf die geschlechtspezifische Hirnentwicklung bei männlichen Föten auswirkt und zu einer homosexuellen Disposition führt".

Es ist wahrscheinlich, dass Janus sich auch im "Grandios"-Artikel auf jenen in seinem Buch erwähnten Günter Dörner bezieht (ein relevanter Wissenschaftler namens Klaus Döner scheint ebenso wie der angegebene Buchtitel nicht zu existieren). Dörner starb im letzten Jahr und konnte so noch miterleben, wie sich nach Jahrzehnten des Friedens in Westeuropa so viele Homosexuelle in der Öffentlichkeit zeigen wie noch nie. Er ging unter dem Namen "Ratten-Dörner" in die schwule Geschichtsschreibung ein: An der Humboldt-Universität forschte er in Tierversuchen nach vermeintlichen Ursachen für Homosexualität – um diese zu verhindern.

Es gebe eine Aussicht auf eine "hormonale Prophylaxe der angeborenen Homosexualität", betonte er etwa 1969 zu Zwischenergebnissen im "Spiegel", und das Magazin ergänzte, Dörner halte es für "denkbar, dass künftig auch erwachsene Homosexuelle noch therapeutisch beeinflusst werden könnten. Bei seinen Tierversuchen ist es dem Forscher gelungen, hormonell bedingte Homosexualität in gegengeschlechtliches Verhalten umzuwandeln – durch chirurgische Eingriffe und Hormon-Injektionen in die Steuer-Zentren des Zwischenhirns."

Die Forschung hat Dörners wissenschaftlich und moralisch höchst umstrittene Arbeit nicht weiterverfolgt. Trotz erheblicher Kritik erhielt er 2002 das Bundesverdienstkreuz und taucht nun mit seinen Thesen noch 2019 in einem "Jugendmagazin" auf.

"Mann oder Frau? Alles fließt und keiner weiß wohin"

Eine weitere Koryphäe anti-homosexueller "Wissenschaft" ist die sogenannte "Philosophin" und erzkatholische Aktivistin Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz, die mit "Sex wird komplex" für "Grandios" einen eigenen Text beisteuert. Darin beklagt sie in anklagendem Tonfall, dass in den heutigen vermeintlich modernen Zeiten alles "änderbar und austauschbar" sei.

"Fließende Identität" ist das Motto der androgyn-multiplen Körperlichkeit der Techno-, Pop- und Cyber-Kultur. In einem transsexuell-synthetischen Idol wie Michael Jackson ist sie längst im Alltag angekommen. Utopien im Sinne des totalen Selbstentwurfes setzen sich zunehmend durch.

Man sollte kurz die Gelegenheit nutzen, um das noch einmal zu lesen und laut über diesen zum Himmel – und tatsächlich dorthin – schreienden Unsinn auf vielen Ebenen zu lachen – das Lachen vergeht einem erst bei folgenden Sätzen so richtig. Der Text wirft Homo- und Transsexualität unter dem Kampfschlagwort "Gender" derart chaotisch durcheinander und mit Fragen von Identität und Zeitgeist über einen Haufen, dass man ihn kaum zitieren, geschweige denn beantworten kann. So führt einer der Gedankenwege von Leihmutterschaft und "Drittem Geschlecht" zu Cyborgs. Judith Butler und Co. müsse man laut Gerl-Falkovitz entgegenhalten:

Die Natur arbeitet grundsätzlich mit dem Schloss-Schlüssel-Prinzip: der gegenseitigen Ergänzung zweier genau abgestimmter Geschlechter.

Auf diese Formulierung scheint Gerl-Falkovitz stolz zu sein – bei einem "wissenschaftlichen" Kongress der "Demo für alle" 2016 in Stuttgart hatte sie ihn schon einmal gebracht und ein "ideologisch unterfüttertes Ausweichen vor dem anderen Geschlecht" beklagt: "Männer flüchten sich zu Männern, Frauen zu Frauen. Homoerotik vermeidet jeweils die Zwei-Einheit aus Gegensatz, sie wünscht Zwei-Einheit aus Gleichem." Damit verweigere sich die Moderne der "Genesis-Vision", obwohl das "Einlassen auf das fremde Geschlecht eine göttliche Spannung" und "die Lebendigkeit des Andersseins" ausdrücke.


Ausschnitt aus dem Magazinartikel von Gerl-Falkovitz, in dem sie Homo- und Transsexuelle als "Abweichungen" und praktisch unbedeutend bewertet

Gerl-Falkovitz, die nach etlichen religösen Lehrstühlen in Deutschland inzwischen an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI. in Heiligenkreuz bei Wien tätig ist, sitzt im "wissenschaftlichen Beirat" des "Deutschen Instituts für Jugend und Gesellschaft" (DIJG), der führenden deutschen Adresse zur "wissenschaftlichen" und gesellschaftlichen Durchsetzung von Homo-"Heilungs"-Versuchen.

Ausgerechnet sie wirft in einem Artikel, der Jugendliche in ihrer Sexualität und letztlich ihrem selbstbestimmten Leben im Sinne des Glaubens beeinflussen soll, schulischer Sexual- und Akzeptanzaufklärung im besten Kampagnen-Stil von AfD und "Demo für alle" vor, Jugendliche zu schädigen, und bringt diese gar mit Pädophilie in Verbindung:

Ein Ausschöpfen aller sexuellen Möglichkeiten soll laut Gender von der bisherigen "Zwangsheterosexualität" freisetzen. Das zielt auf eine neue Normierung: Sexualität soll individuell und variabel pädagogisch erprobt werden, und zwar quer durch alle Bildungsgänge von der Kita bis zum Abitur. Aber: Sofern dies über die natürliche Neugierde des Kindes hinausgeht, ist die geschlechtliche Animation durch Lehrpersonal wenig von Pädophilie zu unterscheiden. Geschlechtsidentität muss psychologisch gestärkt, nicht geschwächt werden. Mehrfachidentität ist gefährlich; Schizophrenie ist ja nicht das Ziel.

Wie an vielen Stellen ihres Textes ist nicht ganz klar, was Gerl-Falkovitz hier in Kopfkino-trifft-Bauchgefühl-trifft-christlichen-Fundamentalismus-Mentalität mit "Mehrfachidentät" meint. Geschlechterrollen? Transsexualität? Intersexualität? Klar scheint aber: Hier werden Menschen abgewertet. Bewusst.

Wenn Transsexuelle ihre Kinder irritieren

Vermeintlich gut meint es vorgeblich hingegen der Theologe und Vatikan-Berater Dr. Manfred Lütz, der als Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Neurologie am Alexianer-Krankenhaus Köln noch heute auf Patienten losgelassen wird, in einem Artikel unter der Überschrift "Transgender – Kann man sein eigenes Geschlecht mehr oder weniger frei bestimmen?".

Entsprechendes propagierten "Gender-Ideologen", die von "im Grunde ganz vielen Geschlechtern" ausgingen. Das sei ebenso eine falsche "Extremposition" wie der Gedanke, damit komme der "Untergang des christlichen Abendlands". Lütz meint, Geschlechterrollen unterlägen gesellschaftlichen Einflüssen, aber es gebe "biologische Bedingungen, die man nicht durch freie Wahl beliebig ändern kann". Es ist unklar, ob hier der Mediziner oder der Katholik Lütz spricht, der das Thema wirr von allen Seiten her beleuchtet – obwohl er zugibt, "mit entsprechenden Patienten noch kaum zu tun gehabt" zu haben.


Zur Bebilderung des Transgender-Artikels wählte "Grandios" ein Bild der Agentur Getty ("Young and lovely gender blend woman, enjoying a cup of coffee at the cafe"). Es ist das einzige Motiv aus einer Reihe von Bildern mit der dargestellten Person, das mit dem Schlagwort "sour taste" (bitterer Geschmack) auch eine negative Konnotation ermöglicht

So klärt sich Lütz erstmal selbst auf, dass Transsexualität nichts mit "Sexualität im Sinne sexueller Erregung" zu habe, anders als "Transvestitismus". Und ihm sei "aus der psychiatrischen Literatur bekannt", dass sich Transsexuelle "im falschen Körper fühlen, also unter ihrer biologischen Geschlechterrolle mitunter extrem leiden und dann buchstäblich alles dafür tun, ihr Geschlecht zu wechseln, bis hin zu komplizierten Änderungsoperationen."

Unter Verweis auf einen im Text bereits zuvor erwähnten, unbekannten Moraltheologen schreibt der Arzt weiter:

Im Gespräch mit dem Moraltheologen wurde schnell klar, dass dann, wenn jemand so sehr unter seinen Körperformen leidet, dass er sogar suizidgefährdet ist, unter Umständen eine entsprechende Operation vertretbar ist. Sie ist dann genauso zu bewerten wie die Operation zum Beispiel einer extrem krummen Nase, unter der jemand im sozialen Kontakt schwer leidet. Dabei muss natürlich dennoch abgewogen werden, ob mit der Operation nicht Hoffnungen verbunden werden, die gar nicht zu erfüllen sind. Es gab auch sehr üble Verläufe nach Operationen, bis hin zum Wunsch zur Rückoperation.

Dass Lütz Geschlechtsanpassungen mit Schönheitsoperationen vergleicht, ist bereits, freundlich ausgedrückt, unangemessen. Dass er von Risiken berichtet und von Rückoperationen, klingt weniger nach einer fachlichen Darstellung und Bewertung, als nach einem Trend aus der "christlichen" Homo-"Heiler"-Bewegung, transsexuelle Menschen nach ihren Wünschen zu formen und von Geschlechtsanpassungen abzuhalten.

Wie eine christliche Begleitung stattdessen aussehen kann, machte er im "Grandios"-Text anhand seines einzigen Praxisbeispiels deutlich:

Wenig später schickte mir ein Beichtvater einen Patienten, der praktizierend katholisch war, verheiratet, drei Kinder – und der deutlich depressiv war, weil er unter seinem männlichen Körper litt. Er war ein höchst differenzierter Mann, ein liebevoller Ehemann und treusorgender Vater. Er hatte einen guten Job, alles war ganz normal. Bis auf seinen unüberwindbaren Drang, sich als Frau zu zeigen, unter dem er aber glaubhaft schwer litt. Er hatte seiner Frau diese Tendenzen nur angedeutet, wollte jedenfalls seine Ehe fortsetzen und vor allem die Kinder nicht irritieren. Wir fanden schließlich einen Weg, dass er ab und zu am Wochenende allein in eine etwa 40 Kilometer weit entfernte Stadt fuhr und dort in Frauenkleidern herumlief.

Damit endet die Beschreibung des Falles.

Es gebe "heute Tendenzen, nicht nur den missverständlichen Begriff Transsexualität abzuschaffen, sondern solche Menschen auch nicht zu pathologisieren", berichtet Lütz zum Abschluss, auffällig ohne eigene Kommentierung. Aber immerhin: "Papst Franziskus hat unlängst einen Transsexuellen empfangen und erklärt, Transsexuelle dürften nicht ausgegrenzt und müssten in christliche Gemeinden integriert werden."

Der aktuelle Papst hat zu Trans- wie Homosexualität viel Widersprüchliches – und viel Abwertendes – erzählt. Sucht man nach der von Lütz zitierten Aussage, findet man eine Schilderung der "Washington Post", der Papst habe Journalisten direkt danach gebeten: "Schreibt bitte nicht: 'Der Papst gibt Trans seinen Segen.' Bitte nicht."

Bischof: "Kritik" an Homosexualität "keine Diskriminierung"


Mit Bildern wie diesem preist das Bistum Voderholzer auf seiner Webseite als volksnah. Eine andere Galerie zeigt ihn beim "Marsch für das Leben" in Berlin

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer, von Papst Franziskus im Mai 2014 zum Mitglied der Glaubenskongregation ernannt, wird nicht zum Thema zitiert. 2016 unterstütze er als erster von später mehreren Bischöfen ein europaweites, in Deutschland von Hedwig von Beverfoerde von der "Demo für alle" organisiertes Bürgerbegehren, mit der Ehe und Familie rein heterosexuell definiert werden sollten (queer.de berichtete).

Ein Jahr zuvor hatte er für Schlagzeilen gesorgt, als er sich über einen moderaten Leitfaden der Bischofskonferenz zum "Gender Mainstreaming" empörte (queer.de berichtete). So störte er sich daran, dass der Flyer in einem Nebensatz von der "Wertschätzung eines jeden Menschen unabhängig von der sexuellen Orientierung" als Ziel der Kirche spricht.

"Das Diskriminierungsverbot, das auch gegenüber Homosexuellen gilt, beinhaltet keine Wertschätzung einer homosexuellen Orientierung", kommentierte der Bischof. "Homosexualität darf also kritisiert werden und die Kritik ist noch keine Diskriminierung." Beim "Gender Mainstreaming" gehe es "um die soziale und politische Akzeptanz der Homosexualität und darüber hinaus um die Durchsetzung des Diversity-Mainstreaming, in dem alle sexuellen Orientierungen als gleichrangig gelten", empörte er sich weiter, und letztlich "um die Infragestellung der Heterosexualität als das Normale und Schöpfungsgemäße".

Hinter bunten Bildern versteckt liegt das Jugendmagazin seines Bistums voll auf seiner Welle.



#1 Bonifatius49Anonym
  • 23.01.2019, 21:32h
  • Ja gut das Ihr dies so ausführlich darstellt, was im Bistum Regensburg "abgeht".

    Bischof Voderholzer und sein Vorgänger Kardinal Müller aus dem Bistum Regensburg gehören zum "harten Kern" der Reformgegner in der deutschen römisch-katholischen Kirchenleitungsebene, die mit allen Mitteln versuchen, Reformen im Katechismus und der römisch-katholischen Sexualmorallehre zu verhindern. Dazu gehören auch Bischof Oster im Bistum Passau, Bischof Ipolt im Bistum Görlitz, Bischof Zdsara im Bistum Augsburg sowie Bischof Hanke im Bistum Eichstätt.

    Auf der Gegenseite befinden sich im Reformlager Bischöfe wie Bischof Bode im Bistum Osnabrück, Bischof Feige im Bistum Magdeburg, Bischof Ackermann im Bistum Trier, Bischof Wilmer im Bistum Hildesheim , Bischof Neymeyr im Bistum Erfurt, Bischof Kohlgraf im Bistum Mainz oder Bischof Heße im Bistum Hamburg.

    -------
    Kernbistum der Reformgegner gegen Papst Franziskus (siehe seine Reformen zur Eucharistie von evangelischen Ehepartnern von Katholiken oder von wiederverheirateten Katholiken nach Scheidung zu den Sakramenten) und Kerngegner jeder Reform der Sexualmorallehre ist aber das Bistum Regensburg in Deutschland, wo das Netzwerk um Voderholzer, Müller, Brandmüller, Benedikt XVI. oder Frau von Thurn und Taxis sich "tummelt" und "zusammenläuft".
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#2 goddamn liberalAnonym
  • 23.01.2019, 22:05h
  • Das Bistum Regensburg ist durch systematischen Missbrauch über Jahrzehnte hinweg schwer belastet. Nur unter dem Schutzschirm der CSU-Dauerherrschaft hatten diese kriminellen Strukturen keine juristischen Konsequenzen.

    Der Autor Liminski ist so alt, dass er noch zur Zeit des klerikalfaschistischen Hitler-Verbündeten Franco an einer Opus-Dei-Uni studieren konnte. Das prägt fürs Leben.

    Lütz wiederum ist besonders gefährlich, weil er seine reaktionär-inhumane Gesinnung sehr gut hinter einer Maske rheinischer Humorigkeit verbergen kann und als Beststeller-Autor nicht ohne Bedeutung ist.

    Insgesamt kann man sagen, dass sich mit solchen Veröffentlichungen der altdeutsche Auslöschungswahn gegen nicht-heterosexuelle Menschen ein frommes Mützchen aufsetzt.

    Das stößt allerdings im Jahre 2019 sogar im Kirchenvolk manchen bitter auf.

    Nicht nur zu Weihnachten.
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#3 JosephMartinProfil
  • 23.01.2019, 23:20hBraunschweig
  • Die Theorie von pränatalem Stress als einem (!!!) von mehreren möglichen und sinnvollen Auslösern für eine epigenetisch beeinflusste homosexuelle Orientierung wird auch von Kritikern der katholischen Kirche und erwogen. Ihre Argumentation: Homosexualität ist, wenn man das Überleben einer Großfamilie / Sippe als Maßstab nimmt, in bestimmten Situationen extrem wichtig:

    www.youtube.com/watch?v=4Khn_z9FPmU
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#4 Gerlinde24Profil
  • 24.01.2019, 05:58hBerlin
  • Aufklärung auf katholisch: Glaubt nur, was wir Euch zu glauben vorgeben. Glaubt nicht der Wissenschaft, glaubt nicht den Homosexuellen, glaubt nur uns!
    Wer so argumentiert, hat einen an der Waffel!
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#5 QueerblickAnonym
  • 24.01.2019, 06:14h
  • Zum Bericht fällt mir folgendes ein. Es geht nicht um Identität, sondern um Authentizität. Das braucht die Welt! Menschen wo man diese Echtheit spürt, die im Ein-klang mit sich selbst sind. Dem Regensburger Bischof rufe ich zu: Katholisch heißt Allumfassend. ALLE sind umfasst und willkommen, eingeladen. Alle GLBTIQ- Menschen. Das ist Urchristentum. Die Lebendigkeit, Verschiedenheit der Menschen, mit all den Begabungen, ist der Reichtum in der Kirche.
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#6 LillyComptonAnonym
  • 24.01.2019, 06:33h
  • Ich konnte den Artikel ehrlich gesagt nicht zu ende lesen. Das Erinnert mich an die bekloppten Tiraden auf dem Zeugen Jehovas Internet Sender.

    Es ist doch so wurst warum wieso und weshalb es LGBTIQ* usw. gibt. Uns gibt es eben und ob man die Wissenschaft oder Religion bevorzugt oder einen Mittelweg, die Natur hat uns hervorgebracht, Gott hat uns geschaffen oder irgendwas ist in die Luft geflogen und hat uns gleich mit erschaffen.

    Es gehört einfach dazu. Dafür brauch ich auch nicht dieses scheiß pseudo-ally argument das wir bloß zum erhalt der heten da sind.

    Als liberale und religiöse lesbische jüdin kann ich nur sagen das sie erstmal auf ihre eigenen fehler schauen sollen, früher oder später werden sie sich verantworten müssen. Wenn nicht hier auf Erden dann vor ihrem Gott.

    Ich geh dann mal ins Bett und sündige so richtig Ordentlich :-P
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#7 Homonklin44Profil
  • 24.01.2019, 08:19hTauroa Point
  • Manchmal sind Tippfehler aufgrund ihrer Passform zur momentanen Überlegung irre komisch :

    ""(ein relevanter Wissenschaftler namens Klaus Döner scheint ebenso wie der angegebene Buchtitel nicht zu existieren)""

    In Regensburg gibt's bestimmt nen Döner-Laden, einfach mal nachhaken ;o) Genau so, wie beim Döner herstellen, ging dieser Wissenschaftler wohl in etwa vor. Mit Hormonen kann man ja viel beeinflussen, auch etwa männliche Jungratten dazu bekommen, sich weiblich auszuprägen, und Verschiedenes andere. Damit hat man noch keine "hormonell bedingte" Homosexualität entdeckt. Der unauffindbare Wissenschaftler (wozu pflegen Universitäten eigentlich Archive?) hätte wohl besser den Ratten-Döner erfunden, dann müssten in an Ratten reichen Ländern nicht so viele Arme vegetarisch leben.

    Durch den Artikel ziehen sich dann Hinweise drauf, dass die Verwandtschaft des Katholischen mit dem Faschistischen nicht von ungefähr kommt.

    Der Stress vom Krieg oder von anderen einschneidenden Erfahrungen im Leben ( zum Beispiel Kindesmissbrauch durch Geistliche) hat sicher irgendwelche Auswirkungen auf die fötale Entwicklung. Ob es aber genau die sind, welche die Religioten dafür auserkoren haben, und durch religiot vorkonditionierte "Forscher" ausstaffieren lassen? Gute Frage. Vielleicht sorgt das ja auch für die Anfälligkeit, sich als Glaubenssklave vereinnahmen zu lassen, oder trägt zur Ausformung komischer Gesichter bei, wer weiß.

    Irgendwie wird man den Eindruck ja nicht los, als täten diese emsig bemühten Leute alles dafür, die unbeliebten Varianten ihres Gottes Werks, soweit sie das doch glauben, in aller Vehemenz bewerten, sezieren und kritisieren zu wollen. Und dann schmähen oder verhindern, was ihr Gott da alles an Vielfalt so schafft. Das ist sehr menschlich, sehr arrogant, aber auch sehr eigentümlich.

    Aus der Sicht von Menschen, die keines Glaubens bedürfen, um sich voll und ganz valide zu erkennen, erscheint dieses Mühen fast krankhaft zu sein. Wie schon der gesamte Glaubensgrundsatz, der diese ZeitgenossInnen so sehr vernagelt hat, dass sie ihren Katholizismus zwanghaft verkehrt verstehen.
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#8 FinnAnonym
  • 24.01.2019, 09:27h
  • Wieder mal saugt die Kirche sich irgendwelche kruden Thesen aus den Fingern, ohne das irgendwie begründen oder gar belegen zu können.

    Und immer noch lassen sich Menschen für dumm verkaufen...
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#9 Gerlinde24Profil
  • 24.01.2019, 09:53hBerlin
  • Antwort auf #6 von LillyCompton
  • Viel Spaß beim sündigen! Ich wette, Du hast mehr Spaß, als die vom Bistum Regensburg, die sich entweder selbst wedeln müssen, oder Jungs vergewaltigen. Komisch, die Pfaffen verurteilen diese Sünden nicht!
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#10 JadugharProfil
  • 24.01.2019, 09:57hHamburg
  • Man darf jetzt die zölibatäre Sexualität katholischer Geistlicher kritisieren. Das ist keine Diskriminierung! Wo ist bei den Geistlichen das Schloß- und Schlüsselprinzip? Wir sollten uns massiv in das Leben katholischer Geistlichen einmischen, so wie sie selbst uns gegenüber ständig tun. Wenn sie nicht spuren, sollten sie gesellschaftlich geächtet werden!
    Man kann ihnen dann Mietverhältnisse kündigen und Geldzuwendungen ersatzlos streichen!
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