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Afrika

Angola schafft Bestrafung von Homosexualität ab

Das Parlament stimmte für eine umfassende Neufassung des Strafrechts, das nun statt einem Verbot homosexueller Handlungen Paragrafen gegen die Benachteiligung von Schwulen und Lesben enthält.


Mitglieder der ersten LGBTI-Organisation Angolas (Bild: Associação Íris Angola / facebook)

133 Jahre nach ihrer Einführung schafft Angola zwei Gesetze ab, mit denen homosexuelle Handlungen bestraft werden konnten. Am Mittwoch stimmte das Parlament mit Sitz in der Hauptstadt Luanda mit 155 Stimmen gegen eine bei sieben Enthaltungen für ein komplett überarbeitetes Strafrecht, das für hetero- und homosexuellen Geschlechtsverkehr ein Schutzalter von 14 Jahren vorsieht.

Die Reform ist die erste größere im Bereich des Strafrechts seit der Unabhängigkeit von Portugal im Jahr 1975 und wurde vom Parlament seit rund zwei Jahren debattiert, wobei beim Thema Homosexualität offenbar schnell Einigkeit herrschte. Das aus der Kolonialzeit stammende Strafgesetzbuch des Jahres 1886 hatte öffentliche "Unmoral" und Handlungen "gegen die Natur" verboten.

In dem Staat im Südwesten Afrikas mit rund 25,8 Millionen Einwohnern soll es in den letzten Jahrzehnten praktisch nicht mehr zur Verfolgung aufgrund der Paragrafen gekommen sein. Homosexualität galt dennoch lange als tabuisiert, auch unter dem Einfluss der christlichen Kirchen. Als wichtiger Schritt galt 2013 die Gründung und 2018 die rechtliche Anerkennung der ersten queeren Organisation des Landes, Associação Íris Angola.

Land verbietet auch Diskriminierung und Hassverbrechen

Bereits im Jahr 2015 verabschiedete das Parlament im Rahmen eines neuen Arbeitsgesetzes ein Verbot von Diskriminierung, das auch das Merkmal "sexuelle Orientierung" umfasst. Das nun nach Unterzeichnung durch den Präsidenten in Kraft tretende neue Strafrecht verbietet entsprechende Diskriminierungen zusätzlich beim Anbieten von Dienstleistungen.

Sind Straftaten aufgrund von Merkmalen wie "sexueller Orientierung" motiviert, wirkt sich das im neuen Strafrecht zudem in mehreren Paragrafen verschärfend aus, etwa bei Beleidigungen, Bedrohungen und Gewalttaten. Diese moderne Ansicht zu Hassverbrechen wird durch Artikel gegen Volksverhetzungen ergänzt.

Unklar ist, ob das in den entsprechenden Artikeln enthaltene Merkmal "Geschlecht" auch Transpersonen umfasst, wovon einige Medien und Organisationen ausgehen – möglicherweise wird dies erst die Praxis zeigen. Eine Änderung des rechtlichen Geschlechtes ist seit einer Reform des Standesamtswesens im Jahr 2015 ebenfalls möglicherweise, allerdings nicht ausdrücklich möglich.

Gesellschaft vergleichsweise offen

Eine der populärsten Sängerinnen und Rapperinnen des Landes, Titica, ist transsexuell und setzt sich öffentlich für LGBTI-Rechte ein. Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2017 meinten 72 Prozent, Transpersonen sollten vor Diskriminierung im Arbeitsleben geschützt werden, und 49 Prozent, ihnen sollte die Änderung des rechtlichen Geschlechts möglich sein.

In der gleichen Umfrage der ILGA meinten 61 Prozent der Angolaner, LGBTI sollten die gleichen Rechte haben, weitere 20 Prozent äußerten sich unentschlossen. 47 Prozent kannten Schwule oder Lesben persönlich. 27 Prozent meinten, homosexuelle Beziehungen sollten bestraft werden, 48 Prozent waren dagegen. Die Beziehungen werden rechtlich weiter nicht anerkannt.

Auf der ganzen Welt sind in noch rund 70 Ländern homosexuelle Handlungen verboten. Viele Paragrafen basieren auf Kolonialrecht und werden teilweise in der Praxis nicht angewandt, in einigen Ländern drohen hingegen noch lange Haft oder gar die Todesstrafe. Im letzten Jahr wurden Homosexualitäts-Verbote in Trinidad und Tobago und Indien durch Gerichte abgeschafft. (nb)



#1 tychiProfil
  • 24.01.2019, 11:24hIrgendwo im Nirgendwo
  • Solche Nachrichten tun der Seele einfach gut!

    Es bleibt zu hoffen, dass dies auch in anderen afrikanischen Ländern Schule macht.
    Je mehr afrikanische Länder solche Reformen anpacken und umsetzen, desto weniger Gewicht erhält das leidige und falsche Argument, Homosexualität sei unafrikanisch und deshalb abzulehnen.

    Ich freue mich für die Menschen in Angola!
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#2 Simon HAnonym
#3 goddamn liberalAnonym
  • 24.01.2019, 12:49h
  • "Vergleichsweise offen" ist gut.

    Angola ist nach dieser Befragung offener als manches europäische Land.

    Merke: 'Schwarz-Weiß-Malerei' ist gefährlicher Rassenquatsch.

    Angola zeigt, dass das ganze kulturalistische und identitäre Gefasel zwischen 'westlicher Zivilisation', 'russischer Seele' und 'afrikanischer Identität' ideologischer Unsinn im Sinne der Herrschenden (Politiker, Religionsführer etc.) ist und Menschenrechte universell sind.
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#4 MänneAnonym
  • 24.01.2019, 12:58h
  • Theoretisch ja ganz super, aber was hilft es schon, wenn Dich die eigenen Nachbarn lynchen. Hilft es noch was, daß es illegal war, daß der Mann, den du liebst, ermordet wurde? Mir nicht. Tot ist tot.
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#5 Sven100Anonym
  • 24.01.2019, 13:18h
  • Die Gesetzgebung in Angola war Folge des faschistischen Regimes (u.a. General Spinola) im Mutterland Portugal. Nachdem in Portugal die Demokratie wieder eingeführt worden war, orientierte sich Angola zwischen Portugal, das heute eine vorbildliche Gesetzgebung für Schwule und Lesben hat, Brasilien, Mozambik sowie anderen lusophonen Staaten. Es war deshalb nur eine Frage der Zeit, dass auch Angola liberaler wurde.
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#6 Blabla-WatchAnonym
  • 24.01.2019, 14:05h
  • Antwort auf #5 von Sven100
  • Mit Lusophonie hat das nichts zu tun. Aktuelles Gegenbeispiel ist leider Brasilien, wo der Führer Schwulen mit Prügel und Tod droht, auf Portugiesisch.

    In Angola hat diese gute Nachricht jedoch viel damit zu tun, dass in dem Land Christen und andere Religioten sich nicht in weltliche Angelegenheiten einmischen dürfen. So gute Entwicklungen kann es also geben, wenn Religioten an kurzer Kette gehalten werden. Sollte Deutschland auch mal erwägen.
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#7 Sven100Anonym
  • 24.01.2019, 14:40h
  • Antwort auf #6 von Blabla-Watch
  • Die bedauernswerte Situation für LGBTI-Leute in Brasilien ist eine Entwicklung unter dem neuen Präsidenten Bolsonaro, der ein lateinamerikanischer Trump werden möchte, also eine Entwicklung aus allerletzter Zeit.
    Jahrzehntelang war Brasilien das Traumziel für europäische und us-amerikanische Schwule. Als in Deutschland Homosexualität noch streng verboten war, vergnügten sich Tausende von brasilianischen Schwulen beim Karneval in Rio. Das hatte natürlich auch Einfluss auf die Situation in Angola.
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#8 Bonifatius49Anonym
  • 24.01.2019, 15:17h
  • Antwort auf #7 von Sven100
  • Das ist doch eine erfreuliche Nachricht.

    Damit haben nunmehr alle afrikanischen Staaten, die portugiesische Kolonialgebiete gewesen sind, ihre Strafgesetze gegen homosexuelle Handlungen abgeschafft.

    * Mosambik (2015)
    * Guinea-Bissau (1993)
    * Sao Tome und Principe (2012)
    * Äquatorialguinea
    * KapVerdische Inseln (2004)

    -----
    Erfreulich ist ebenso, das in den afrikanischen Staaten mit französischer Kolonialzeit, die nicht islamisch geprägt sind, ebenso keine Strafgesetze bestehen.

    * Gabun
    * Demokratische Republik Kongo
    * Volkrepublik Kongo
    * Madagaskar
    * Zentralafrikanische Republik
    * Benin
    * Elfenbeinküste
    * Seychellen
    sowie auch in den vier islamisch gepägten Staaten BurkinaFaso, Mali, Niger und Dschibuti.

    ------

    Es sind also nur noch in Afrika Staaten mit britischer Kolonialzeit (bzw. ehemals deutsche Kolkonialgebiete, die nach 1918 britisch wurden), wo Strafgesetze bestehen sowie in fast allen islamisch domininerten Staaten (Ausnahme: Burkina Faso, Mali, Niger und Dschibuti).

    ----

    Mich würde einmal in bezug auf das südliche Afrika interessieren, was denn aus den verfassungsgerichtlichen Klagen von LSBTI-Aktivisten in Namibia und in Botswana an den dortigen beiden Verfassungsgerichten geworden ist. Die Klagen müßten doch in Namibia und in Botswana mittlerweile "entscheidungsreif" sein.
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#9 blahblahblahAnonym
  • 24.01.2019, 20:10h
  • Antwort auf #8 von Bonifatius49
  • Du weißt - wie immer - nicht, wovon du sprichst.

    1. Äquatorialguinea war spanische Kolonie - nicht portugiesisch.

    2. Äquatorialguinea hat seine Strafgesetze nicht abgeschafft.

    3. Die Demokratische Republik Kongo war belgische Kolonie - nicht französisch.

    4. Eine Volksrepublik Kongo gibt es überhaupt nicht.

    5. Seychellen war britische Kolonie - nicht französisch.

    6. Äthiopien

    7. Burundi

    8. Kamerun

    9. Liberia

    sind ebenfalls weder 'Staaten mit britischer Kolonialzeit noch 'islamisch domininerten Staaten - (Ich bediene mich einfach mal deiner Sprache) - und haben dennoch entsprechende Strafgesetze.

    usw. usw. usw.

    ___

    Du hast doch ganz offensichtlich Zugang zum Internet. Was hält dich davon ab, es zu nutzen, um dich zu bilden ?
    Du musst keine Angst vor Bildung haben. Bildung tut gar nicht weh.

    Mit nur wenigen Klicks fändest du auch Antworten auf deine Fragen Botswana und Namibia betreffend.
  • Antworten » | Direktlink »
#10 Ralph
  • 24.01.2019, 20:44h
  • Ein Beweis dafür, dass Hetrosexismus nicht zur afrikanischen Kultur gehört, sondern nur Ausfluss religiösen Wahns ist, der auch in Afrika überwunden werden kann.
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