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Mehr Gewalt gegen LGBTI

Schwuler Abgeordneter flüchtet nach Todesdrohungen aus Brasilien

Jean Wyllys von der Linkspartei PSOL will sein Parlamentsmandat abgeben. Seine Begründung: "Leben zu bewahren ist auch eine Strategie, um für bessere Zeiten zu kämpfen."


Jean Wyllys ist seit 2011 als Abgeordneter für den Bundesstaat Rio de Janeiro Mitglied im brasilianischen Nationalkongress (Bild: Ministério da Cultura / wikipedia)

Wegen Todesdrohungen hat der schwule brasilianische Abgeordnete Jean Wyllys das Land verlassen und will sein Mandat niederlegen. "Leben zu bewahren ist auch eine Strategie, um für bessere Zeiten zu kämpfen", schrieb der 44-jährige Politiker der Linkspartei PSOL am Donnerstag im Kurzbotschaftendienst Twitter.

Der Tageszeitung "Folha de S. Paulo" sagte Wyllys, es sei nicht die Wahl des ultrarechten Jair Bolsonaro zum brasilianischen Präsidenten als solche, die ihn zu seinem Schritt veranlasst habe. Vielmehr habe nach Bolsonaros Wahlsieg im Oktober die Gewalt gegen Mitglieder der LGBTI-Community zugenommen.

Wo sich Wyllys aufhält, ist nicht bekannt

Die Pressestelle des Parlaments erklärte, Wyllys habe sein Mandat noch nicht formell abgegeben. Sein Büro sagte der Nachrichtenagentur AFP aber, er werde dies tun und eine Zeit außerhalb des Landes verbringen. Angaben zum Aufenthaltsort des Abgeordneten machte das Büro nicht.

Der frühere Armeeoffizier Bolsonaro, der immer wieder mit homofeindlichen Äußerungen aufgefallen ist, hatte das Präsidentenamt zu Jahresanfang angetreten (queer.de berichtete). In seiner Zeit als Abgeordneter waren er und Wyllys immer wieder aneinandergeraten. Als Bolsonaro 2016 seine Stimme für eine Absetzung der damaligen Präsidentin Dilma Rousseff einem Folterer aus der Zeit der brasilianischen Militärdiktatur widmete, spuckte Wyllys ihm ins Gesicht.

Wyllys wurde 2005 als erster offen schwuler Teilnehmer an "Big Brother" landesweit bekannt und gewann die fünfte Staffel. Er nutzte die Popularität, um sich für LGBTI-Themen einzusetzen, und wurde von Medien gar als "Harvey Milk Brasiliens" bezeichnet. Er war eng mit Marielle Franco befreundet; die lesbische Stadträtin Rios, ebenfalls PSOL, war im letzten Jahr zusammen mit ihrer Fahrerin in einem offensichtlichen Attentat erschossen worden. Brasilien hat eine der höchsten Mordraten an LGBTI weltweit – der Gruppe Gay de Bahia wurden 2017 insgesamt 387 Morde mit homo- oder transphoben Hintergrund bekannt, ergänzt durch 58 Selbstmorde. Für 2018 wurde mit einer Zunahme gerechnet.

Schwuler Politiker soll auf Wyllys folgen

Laut Medienberichten soll der Journalist und Politiker David Miranda den Sitz von Wyllys übernehmen. Der 35-Jährige wurde weltweit bekannt als Ehepartner des amerikanischen Journalisten Glenn Greenwald, der im britischen "Guardian" die von Edward Snowden geleakten Dokumente zu britischen und amerikanischen Überwachungsprogrammen veröffentlicht hatte. Miranda und Greenwald leben seit 2005 zusammen, 2017 adoptierten sie zwei damals acht- und zehnjährige Brüder.


Miranda (l.) mit Greenwald und den Adoptivsöhnen (Bild: David Miranda / twitter)

Für die PSOL war Miranda 2016 in den Stadtrat von Rio gewählt worden, zusammen mit seiner Freundin Franco als die ersten offen homosexuellen Politiker in dem Gremium. 2018 wurde er auf den Nachfolge-Sitz von Wyllys gewählt. Man werde "mit allem" in die Hauptstadt Brasilia ziehen, schrieb Miranda kämpferisch auf Twitter. "Unsere Flaggen werden wie immer mit Liebe und Engagement verteidigt. Mein Traum ist eine gerechtere und tolerantere Gesellschaft. Keine Regierung wird unsere Stimmen verstummen können."

Bolsonaro hatte am Mittwoch auf Twitter mit einem Daumen-nach-oben-Emoji und dem Spruch "Guter Tag für Brasilien" offenbar auf den Rückzug Wyllys' reagiert. Miranda antwortete in dem sozialen Netzwerk, der Präsident solle sich nicht zu früh freuen. (cw/AFP, aktualisiert)



#1 swimniAnonym
  • 25.01.2019, 07:53h
  • Brasilien: der rechtsextreme Terror hat begonnen

    mit Schuld sind die Evangelikalen
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#2 myysteryAnonym
#3 Patroklos
#4 Gerlinde24Profil
  • 25.01.2019, 12:49hBerlin
  • Kann ihn gut verstehen! Würde auch da nicht bleiben wollen, wo ich nicht willkommen bin, und man mich lieber tot als lebend sieht.
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#5 Alice
  • 26.01.2019, 23:59h
  • ... und es ändert sich die Regierung ... und sie müssen/sollten fliehen.
    Das kann uns allen mal passieren, in der EU sieht es derzeit nicht danach aus, doch einige Staaten rücken nach rechts und dort wohnt auch die Abneigung gegen uns.
    Es ist so wichtig, wenn man schon locker Sichere Drittstaaten benennt, spezielle für LSBT+ angepasste Regelungen zu treffen.
    Die evangelikalen Gruppen versuchen auch hier in der EU Raum zu gewinnen.
    Vor kurzem etwa [Nashville-Erklärung]{
    www.queer.de/detail.php?article_id=32700
    }.
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#6 Interessen-WatchAnonym