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Nach Missbrauchsvorwürfen gegen Regisseur

LGBTI-Organisation zieht Nominierung für "Bohemian Rhapsody" zurück

Der Film über Queen-Frontmann Freddie Mercury erhält wegen der Vorwürfe gegen Regisseur Bryan Singer keine Nominierung für einen GLAAD Media Award.


Rami Malek wurde für seine Darstellung des 1991 verstorbenen Sängers Freddie Mercury hoch gelobt – und erhielt auch eine Oscar-Nominierung (Bild: 20th Century Fox)

Die amerikanische LGBTI-Organisation GLAAD hat am Donnerstagabend gegenüber dem Branchenblatt "Variety" bekannt gegeben, dass die Nominierung des Biopics "Bohemian Rhapsody" als bester Kinofilm zurückgezogen werde. Grund seien die neuerlichen Missbrauchsvorwürfe gegen den 53-jährigen offen bisexuellen Regisseur Bryan Singer im Magazin "The Atlantic", die dieser aber empört zurückgewiesen hat (queer.de berichtete).

"Im Lichte der neuesten Vorwürfe gegen Bryan Singer hat GLAAD die schwierige Entscheidung getroffen, 'Bohemian Rhapsody' vom Wettbewerb um einen GLAAD Media Award in der Kategorie 'Herausragender Film mit landesweitem Kinostart' zu entfernen", erklärte die Organisation. Die neuesten Enthüllungen von "The Atlantic" dokumentierten "unaussprechliches Leid, das junge Männer und Teenager erleiden mussten". Dies könne man nicht "ignorieren oder sogar stillschweigend belohnen".

Die GLAAD Media Awards werden bereits seit 1990 vergeben und erzeugen inzwischen große mediale Aufmerksamkeit, auch weil viele Hollywood-Stars an den Preisverleihungen teilnehmen. Mit dem Preis sollen faire und realitätsnahe Darstellungen von Lesben, Schwulen, Transpersonen und der queeren Community geehrt werden. Im vergangenen Jahr war "Call Me by Your Name" als bester Film ausgezeichnet worden. Die diesjährigen Nominierungen werden am späten Freitagnachmittag (deutscher Zeit) bekannt gegeben. Die Gewinner werden dann im Frühjahr bei Galaveranstaltungen in Los Angeles und New York prämiert.

Direktlink | Stars wie Ricky Martin und Britney Spears treten bei den GLAAD Media Awards auf

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Singer weist alle Anschuldigungen zurück

Singer war in den letzten Jahren mehrfach beschuldigt worden, gegen junge Männer sexuell übergriffig geworden zu sein. 2014 warfen zwei angebliche Opfer dem Regisseur erstmals sexuellen Missbrauch vor – eines der angeblichen Opfer gab aber später zu, gelogen zu haben, und entschuldigte sich bei Singer. Der andere Mann zog seine Klage ebenfalls zurück (queer.de berichtete).

Ende 2017 reichte ein Mann im Rahmen der MeToo-Debatte eine Klage ein, der den Starregisseur beschuldigte, ihn im Jahr 2003 vergewaltigt zu haben, als er erst 17 Jahre alt gewesen sei. Singer ließ damals über einen Sprecher alle Anschuldigungen dementieren und kündigte eine Gegenklage wegen falscher Anschuldigungen an (queer.de berichtete). Einen Gerichtstermin gibt es in diesem Fall bislang noch nicht. Die neuesten, von insgesamt vier Männern erhobenen Vorwürfe in "The Atlantic" wies der Regisseur ebenfalls empört zurück – und bezeichnete den Bericht als "homophoben Schmutzartikel".

Twitter / TIMESUPNOW | Die GLAAD verlinkte auf Twitter eine Stellungnahme von "Time's Up", in der gefordert wird, die Anschuldigungen gegen Bryan Singer ernst zu nehmen

Fünf Oscar-Nominierungen für "Bohemian Rhapsody"

"Bohmemian Rhapsody" wurde erst vor wenigen Tagen für fünf Oscars nominiert, darunter auch als bester Film (queer.de berichtete). Singer erhielt allerdings keine Nominierung als bester Regisseur.

Der Dreh mit Singer zum Film war äußerst chaotisch verlaufen. Der Amerikaner wurde zwei Wochen vor dem Ende der Produktion wegen unentschuldigter Abwesenheit und Streitigkeiten mit dem Team durch den englischen Regisseur Dexter Fletcher ("Eddie the Eagle – Alles ist möglich") ersetzt, wird aber im Abspann als einziger Regisseur genannt.

Hauptdarsteller Rami Malek hatte erst am Donnerstag im Interview mit der "Los Angeles Times" erklärt, dass er beim Dreh nichts von den Vorwürfen gegen Singer gewusst habe. "Soweit ich weiß, wurde ich in Betracht gezogen, bevor Bryan überhaupt ins Zwielicht geriet", sagte der 37-Jährige. "Also vertiefte ich mich in meine Rolle, um mich etwa ein Jahr im Voraus darauf vorzubereiten, und ich habe in der Zeit kaum etwas anderes mitbekommen." (dk)



#1 Gerlinde24Ehemaliges Profil
  • 25.01.2019, 12:51h
  • Guter Schritt, auch wenn es mir um den Film leid tut! Ich denke, dass da was dran ist, weil es viele Gerüchte diesbezüglich über ihn gab und gibt.
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#2 Ralph
  • 25.01.2019, 13:13h
  • Antwort auf #1 von Gerlinde24
  • Das ist ja das Schöne: Niemand braucht mehr einen Beweis, die Beschuldigung genügt, um jemanden fertigzumachen. Sogar dass frühere Anschuldigungen sich als Lügen herausgestellt haben, nützt da nichts.
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#3 AnanymAnonym
  • 25.01.2019, 13:29h
  • Super Sache
    Ein Vorwurf, kein Gerichtsurteil, keine vorangegangene Untersuchung ...
    Egal er hat bestimmt das Pferd gestohlen - Teert ihn, federt ihn und hängt ihn

    Schön, dass die alten unkomplizierten Zeiten wieder kommen.

    Der da ist schwul, ab ins KZ.
    Die da ist lesbisch, peitscht sie aus.
    Seitdem die in unserem Dorf sind haben wir schlechte Ernten, verbrennt sie.
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#4 Sabelmann
  • 25.01.2019, 13:37h
  • Das nenne ich mal Vorverurteilung! Wenn man Jemandem eins auswischen will braucht man nur was behaupten und zack! Warum wartet man nicht eventuelle Beweise,Ermittlungen...ab? Aberkennen kann man immer noch!
    Für mich werden mit diesem Rückzug ALLE Beteiligten herabgewürdigt!
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#5 MannsbildAnonym
  • 25.01.2019, 14:20h
  • Ja was kann denn der arme Film dafür? Die Schauspieler, die sich mit soviel Herzblut und Liebe auf diese Rollen eingelassen haben? Die sind jetzt diejenigen, die gestraft sind. Gibt's denn nur noch ideologische Besessenheit auf dieser Welt? Furchtbar.
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#6 Andreas VAnonym
#7 kaymahuProfil
  • 25.01.2019, 15:37hFrankfurt
  • Ich dachte eigentlich immer, sie zeichnen einen Film aus und nicht, wie hier offensichtlich geschehen, die reale Lebensweise eines Teammitglieds. Die fatale Message: Der Film wäre preiswürdiger, wenn der Regisseur sich privat anders verhalten hätte. (noch Verdacht, oder doch schon erwiesen?) Was zum Teufel ändert das an der eigentlichen Vergabe-Idee: "Es sollen faire und realitätsnahe Darstellungen von Lesben, Schwulen, Transpersonen und der queeren Community geehrt werden." Jemanden für sein Handeln zu bestrafen ist das eine. Eine komplette Crew mit all seinen motivierten Künstlern, Kameraleuten, Technikern, MakeUp und Kostümbildnern bis hin zu den vielen freiwilligen Helfern, die aufopferungsvoll aus purer Leidenschaft an der Sache mitgemacht haben komplett aus dem verdienten Rampenlicht zu nehmen, ist eher ein Armutszeugnis für die, die einen Preis vergeben wollen. Eine miese Haltung, denn dann spielt das geschaffene Werk nicht die Hauptrolle, sondern das Verhalten der Mitarbeiter.

    Eine souveräne Jury kann damit umgehen. Kann durchaus das Werk mit viel Pathos feieren und sich dennoch demonstrativ von einem Täter distanzieren (- so er denn einer ist -) Im Gegenteil: Die Öffentliche Auseinandersetzung dürfte mehr bewirken, als das kollektive Kaltstellen eines fabelhaften Teams.
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#8 vulkansturmAnonym
  • 26.01.2019, 01:31h
  • Medialer Pranger statt rechtstaatliche Verfahren und Sanktionierung ohne Urteil. So zerstört man unseren Rechtsstaat. Noch absurder, wenn dann auch noch die Kunstwerke davon betroffen sind. Müssen wir jetzt alle Gemälde von Caravaggio aus den Museen entfernen, weil Caravaggio einen Menschen umgebracht hat?
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#9 Ith__Ehemaliges Profil
  • 26.01.2019, 02:41h
  • Urgs, gilt die Unschuldsvermutung, also die Vermutung, dass jemand vielleicht nicht lügt, neuerdings auch für Leute, die nicht nur den Ruf einer Person aufs Spiel setzen, die ihnen mutmaßlich körperlichen und seelisch-psychischen Schaden zugefügt hat, sondern auch den eigenen?

    In anderen Worten, geht man neuerdings davon aus, dass jemand sich dem unweigerlichen Shitstorm, aus persönlichen Interessen zu lügen, aussetzt, weil vielleicht an den Vorwürfen irgendwas dran sein könnte, und der Schaden so schwer wiegt, dass man den lebenslangen Hass der Fans solcher Berühmtheiten in Kauf nimmt?

    Krasse Entwicklung.
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#10 SarahEhemaliges Profil
  • 26.01.2019, 03:32h
  • Wieso glaubt man eigentlich jedem Opfer bei jeder anderen Straftat? Kommt irgendjemand auf die Idee, den vermeintlichen Täter in Schutz zu nehmen, wenn es um einen Raubüberfall geht? Oder wenn jemand sagt, bei mir wurde eingebrochen? Werden dann die Aussagen der Opfer in frage gestellt?

    Es gibt nur ein Delikt, bei dem die Aussage des Opfers schon immer in frage gestellt wurde und vorab victim-blaming betrieben wurde. Sexualdelikte.

    Es ist patriarchale Strategie, das Opfer vorab zu diskreditieren und unglaubwürdig zu machen.

    siehe Weinstein,
    siehe Christiano Ronaldo vs. Kathryn Mayorga,
    siehe Brett Kavanaugh vs Christine Blasey Ford,
    siehe...etc.

    Warum? (rhetorische Frage)

    medium.com/wordsthatmatter/why-trust-is-the-word-of-the-year
    -6a2b8495a938


    "Trust women."

    Das gilt in gleichem Maße für Männer, wenn sie Opfer einer Sexualstraftat wurden.

    Trust victims.
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