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Nach Missbrauchsvorwürfen gegen Regisseur
LGBTI-Organisation zieht Nominierung für "Bohemian Rhapsody" zurück
Der Film über Queen-Frontmann Freddie Mercury erhält wegen der Vorwürfe gegen Regisseur Bryan Singer keine Nominierung für einen GLAAD Media Award.

Rami Malek wurde für seine Darstellung des 1991 verstorbenen Sängers Freddie Mercury hoch gelobt – und erhielt auch eine Oscar-Nominierung (Bild: 20th Century Fox)
- 25. Januar 2019, 11:22h 3 Min.
Die amerikanische LGBTI-Organisation GLAAD hat am Donnerstagabend gegenüber dem Branchenblatt "Variety" bekannt gegeben, dass die Nominierung des Biopics "Bohemian Rhapsody" als bester Kinofilm zurückgezogen werde. Grund seien die neuerlichen Missbrauchsvorwürfe gegen den 53-jährigen offen bisexuellen Regisseur Bryan Singer im Magazin "The Atlantic", die dieser aber empört zurückgewiesen hat (queer.de berichtete).
"Im Lichte der neuesten Vorwürfe gegen Bryan Singer hat GLAAD die schwierige Entscheidung getroffen, 'Bohemian Rhapsody' vom Wettbewerb um einen GLAAD Media Award in der Kategorie 'Herausragender Film mit landesweitem Kinostart' zu entfernen", erklärte die Organisation. Die neuesten Enthüllungen von "The Atlantic" dokumentierten "unaussprechliches Leid, das junge Männer und Teenager erleiden mussten". Dies könne man nicht "ignorieren oder sogar stillschweigend belohnen".
Die GLAAD Media Awards werden bereits seit 1990 vergeben und erzeugen inzwischen große mediale Aufmerksamkeit, auch weil viele Hollywood-Stars an den Preisverleihungen teilnehmen. Mit dem Preis sollen faire und realitätsnahe Darstellungen von Lesben, Schwulen, Transpersonen und der queeren Community geehrt werden. Im vergangenen Jahr war "Call Me by Your Name" als bester Film ausgezeichnet worden. Die diesjährigen Nominierungen werden am späten Freitagnachmittag (deutscher Zeit) bekannt gegeben. Die Gewinner werden dann im Frühjahr bei Galaveranstaltungen in Los Angeles und New York prämiert.
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Singer weist alle Anschuldigungen zurück
Singer war in den letzten Jahren mehrfach beschuldigt worden, gegen junge Männer sexuell übergriffig geworden zu sein. 2014 warfen zwei angebliche Opfer dem Regisseur erstmals sexuellen Missbrauch vor – eines der angeblichen Opfer gab aber später zu, gelogen zu haben, und entschuldigte sich bei Singer. Der andere Mann zog seine Klage ebenfalls zurück (queer.de berichtete).
Ende 2017 reichte ein Mann im Rahmen der MeToo-Debatte eine Klage ein, der den Starregisseur beschuldigte, ihn im Jahr 2003 vergewaltigt zu haben, als er erst 17 Jahre alt gewesen sei. Singer ließ damals über einen Sprecher alle Anschuldigungen dementieren und kündigte eine Gegenklage wegen falscher Anschuldigungen an (queer.de berichtete). Einen Gerichtstermin gibt es in diesem Fall bislang noch nicht. Die neuesten, von insgesamt vier Männern erhobenen Vorwürfe in "The Atlantic" wies der Regisseur ebenfalls empört zurück – und bezeichnete den Bericht als "homophoben Schmutzartikel".
/ TIMESUPNOW | Die GLAAD verlinkte auf Twitter eine Stellungnahme von "Time's Up", in der gefordert wird, die Anschuldigungen gegen Bryan Singer ernst zu nehmenThe recent allegations regarding Bryan Singers behavior are horrifying and MUST be taken seriously and investigated. pic.twitter.com/twqwbO2TJp
TIME'S UP (@TIMESUPNOW) January 24, 2019
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Fünf Oscar-Nominierungen für "Bohemian Rhapsody"
"Bohmemian Rhapsody" wurde erst vor wenigen Tagen für fünf Oscars nominiert, darunter auch als bester Film (queer.de berichtete). Singer erhielt allerdings keine Nominierung als bester Regisseur.
Der Dreh mit Singer zum Film war äußerst chaotisch verlaufen. Der Amerikaner wurde zwei Wochen vor dem Ende der Produktion wegen unentschuldigter Abwesenheit und Streitigkeiten mit dem Team durch den englischen Regisseur Dexter Fletcher ("Eddie the Eagle – Alles ist möglich") ersetzt, wird aber im Abspann als einziger Regisseur genannt.
Hauptdarsteller Rami Malek hatte erst am Donnerstag im Interview mit der "Los Angeles Times" erklärt, dass er beim Dreh nichts von den Vorwürfen gegen Singer gewusst habe. "Soweit ich weiß, wurde ich in Betracht gezogen, bevor Bryan überhaupt ins Zwielicht geriet", sagte der 37-Jährige. "Also vertiefte ich mich in meine Rolle, um mich etwa ein Jahr im Voraus darauf vorzubereiten, und ich habe in der Zeit kaum etwas anderes mitbekommen." (dk)














