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Heimkino

Wenn schwule Berliner Sexträume eskalieren

Der junge Kanadier Matthew begegnet Matthias, es entsteht eine Leidenschaft, die zur obsessiven Gier wird: "M/M" von Drew Lint ist ein bemerkenswerter, experimenteller Thriller, der fast ohne Worte auskommt.


Matthias lebt in Berlin. Matthias liebt Techno. Matthew steht auf Matthias. Matthew will Matthias. Matthew will Matthias sein! (Bild: Pro-Fun Media)
  • 26. Januar 2019, 00:03h 10 3 Min.

Wie so viele kommt auch Matthew nach Berlin, um neu anzufangen. Um das offene, queere Berlin zu erleben, wo Männerschweiß von der Decke tropft, wo einfach alles möglich zu sein scheint. Doch der junge Kanadier träumt schlecht, er wirkt einsam. Bis er in seinem Job als Bademeister Matthias kennenlernt.

Es kommt zu einer schüchternen Annäherung, in der Matthew schnell zum Voyeur wird. Die Grenzen zwischen Traum und Realität verschwimmen immer mehr, selbst Matthew weiß manchmal nicht mehr, ob er wach ist, noch träumt – oder beides zugleich.

Mit dabei: ein Resident-DJ der berüchtigten Berliner "Herrensauna"


Pro-Fun hat "M/M" auf DVD, zum Download und als Stream veröffentlicht

So ist "M/M" (Amazon-Affiliate-Link ) zunächst eine Charakterstudie, die ganz ohne Worte auskommt. Geredet wird in Drew Lints erstem Film in Spielfilmlänge fast gar nicht. Dennoch lernen wir Matthew kennen. Seine Einsamkeit, der Sog in diese Stadt, das dominierende, kalte, sterile Weiß. Bis Matthew die Chance ergreift, Matthias zu werden.

Die beiden haben Sex, oder sie träumen von Sex, oder sie verwirklichen ihre Sexträume. Matthias, der Künstler, der mit kaltem Beton arbeitet und 3D-Modelle entwirft. Diese Werke verschmelzen mit dem Film, machen ihn so zu einem intermedialen Werk. Manche Bilder, sogar ganze Szenen, sind dabei wohlkomponiert wie urbane Stillleben. Regisseur Drew Lint entwirft eine ganz eigene Ästhetik, fernab von Sehgewohnheiten, und sprengt in "M/M" damit nicht nur die Grenzen von Traum und Wirklichkeit, sondern auch von Narration und Kunst.

Dazu kommt die Musik, Techno auf Berliner Partys, und treibende Kraft des Films. Kein Wunder, dass Nicolas Maxim Endlicher, der Matthias spielt, als Resident-DJ in der berüchtigten Berliner "Herrensauna" auflegt, und Antoine Lahaie (Matthew) ebenso als DJ tätig ist.

Keine leichte Kost

Beide passen zueinander, obwohl sie kaum ein Wort wechseln. Zwischen ihnen herrscht nur eine unaussprechliche Leidenschaft, die für Matthew bald zur Gier wird. Als Matthias einen Unfall hat, wird Matthew zu Matthias. Er lebt wie er, er liebt wie er. Ein Identitätstausch, der bald zum Identitätsrausch wird, aus dem Matthew keinen Ausweg mehr findet, als Matthias zurückkehrt. Die Gier eskaliert.

Damit reiht sich "M/M" ein in eine wachsende Zahl an Filmen, die den queeren Berliner Underground erkunden, ihm fast zu Füßen liegen und ihn doch am Ende nicht unkritisch hinterfragen. Anders jedoch als etwa "Lose Your Head" oder "Desire Will Set You Free" ist Drew Lints Film kodierter, vielschichtiger, visuell kraftvoller – und weniger bekömmlich.

In seiner Eigenartigkeit ist dieser experimentelle Thriller ungemein intim und beeindruckend. Keine leichte Kost, nicht unbedingt ein Samstagabendfilm, und genau deshalb so bemerkenswert.

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Infos zum Film

M/M. Experimentalfilm, Thriller. Deutschland, Kanada 2018. Regie: Drew Lint. Darsteller: Maxim Endlicher, Antoine Lahaie, Nina Kettiger, Vika Kirchenbauer, Lynn Lahaie, Ahmad Larnes. Laufzeit: 81 Minuten. Sprachen: Englisch, Französisch, Deutsch. Untertitel: Deutsch (optional). FSK 16. Pro-Fun Media

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Galerie:
M/M
10 Bilder
-w-

#1 marcocharlottenburgAnonym
  • 26.01.2019, 18:20h
  • Oder anders ausgedrückt, der Film ist langweilig. Künstlerisch mag er gelungen sein, aber die Story hat mich nicht vom Hocker/ der Couch gehauen.
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#2 UnwissenderAnonym
  • 27.01.2019, 09:49h
  • Hallo! Was mich interessieren würde: Es erscheinen sehr viele interessante Filme die hier vorgestellt werden. Wenn ich jeden gerne sehe würde und die DVD kaufen müsste, wäre ich arm. Wo schaut ihr den die Filme immer an? Bei den Streaming Anbietern wie Amazon Video, Netflix und co. finden sich diese Filme nur sehr vereinzelt. Zu Pro Fun Media Filmen habe ich kein Streamingangebot gefunden. Weiß jemand eine (legale!) Lösung? :-(
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#3 bicurseEhemaliges Profil
  • 27.01.2019, 10:00h
  • Das ist eben ein Experimentalfilm. Den kann man so wie er ist stehen lassen, wie ein Gemälde, nur eben mit bewegten Bildern.

    Es geht bei solchen Filmen nicht darum eine kohärente Handlung herzustellen (aus A folgt B -> C) sondern eine Wolke aus Assoziationen auszulösen (A + B + C), und Emotionen zu provozieren. Das gelingt dem Film aber auch nicht besonders gut.

    Wir kennen das doch: man trifft den schönen Unbekannten, man verknallt sich. Man will mit ihm sein, man will sein wie er, man will "er" sein. Darin ist eine Spur von Neid und Narzissmus, Gier. Aber der Film bringt das Ganze irgendwie nicht zum kochen, die Emotionen bleiben flach. Daher, eher empfehlenswert für Leute, die auf solche Art von Film stehen.
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