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Bayern

Die CSU kann auch anders(rum)!

Augsburgs christsozialer Oberbürgermeister Kurt Gribl fordert sexuelle Vielfalt in städtischen Broschüren – Parteifreund und Finanzminister Albert Füracker empfiehlt in Stellenausschreibungen den Zusatz "(m/w/d)".


Setzt sich für die Darstellung einer vielfältigen Stadtgesellschaft ein: Kurt Gribl (CSU) ist seit dem 1. Mai 2008 Oberbürgermeister von Augsburg (Bild: Boombyx / wikipedia)

In ihrem im November 2016 verabschiedeten Grundsatzprogramm wendet sich die CSU noch gegen "Frühsexualisierung", "Gender-Ideologie" und "jegliche Relativierungsversuche" der Ehe zwischen Mann und Frau – die praktische Politik der Partei im Freistaat Bayern sieht jedoch durchaus LGBTI-freundlicher aus.

So will die Augsburger Stadtverwaltung von Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU) ab Februar in amtlichen Veröffentlichungen u.a. auf geschlechtersensible Sprache und sexuelle Vielfalt achten. "Vermeiden Sie Bilder, die Klischees und Stereotype verstärken", empfiehlt eine interne Arbeitshilfe, die der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vorliegt. Um die vielschichtige Stadtgesellschaft in Publikationen und Broschüren realitätsnah dazustellen, sollten Menschen mit und ohne Behinderung und verschiedene Altersgruppen genauso berücksichtigt werden wie Bewohner mit unterschiedlicher Herkunft, sexueller Orientierung und Identität.

Augsburg bekenne sich zur Gleichberechtigung und Gleichstellung von Frauen und Männern, schreibt Gribl in der Arbeitshilfe. "Ein Mittel dazu ist – neben vielen anderen – ein geschlechtersensibler Sprachgebrauch, der Frauen und Männer gleichermaßen benennt", so der Rathauschef an seine Mitarbeiter*innen.

Dritte Option in allen Stellenausschreibungen


Bayerns Finanzminister Albert Füracker (CSU) will nichtbinäre Menschen nicht diskriminieren (Bild: StMFLH)

Eine gendergerechte Sprache sei unverzichtbar, erklärte auch das bayerische Sozialministerium von Kerstin Schreyer (CSU) auf dpa-Anfrage zur Sprachregelung in den Ministerien und Behörden des Freistaats. Bereits seit 2001 gelte eine Richtlinie, nach der zum Beispiel grundsätzlich Paarformen oder geschlechtsneutrale Ausdrücke gebraucht werden sollen.

Zur Vermeidung sprachlicher Diskriminierungen von Menschen, die weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zugeordnet werden können oder wollen, habe das Finanzministerium von Albert Füracker (CSU) zudem aktuell allen Ressorts empfohlen, dass "künftig in Stellenausschreibungen die Ansprache der Bewerberinnen und Bewerber um den Zusatz (m/w/d) erweitert werden soll".

Bereits vor einer Woche hatte der neue CSU-Vorsitzende Markus Söder angekündigt, seine Partei breiter aufstellen und sie für Lesben und Schwule attraktiver machen zu wollen (queer.de berichtete). Auf die Frage des Bayerischen Fernsehens, ob gleichgeschlechtliche Partnerschaften zum Familienleitbild der CSU gehörten, erklärte der Ministerpräsident: "Wir sind offen für jede neue Familienform." Die CSU schließe niemanden aus.

Kehrtwende nach LGBTI-feindlichem Wahlkampf

Im jüngsten Landtagswahlkampf hatte die CSU noch offen auf Homophobie gesetzt: In einer Werbebroschüre wurden gleichgeschlechtliche Paare beispielsweise indirekt als nicht normal dargestellt. Sich für diese Paare politisch einzusetzen, wurde als Schwächung von heterosexuellen Familien eingeordnet. Außerdem setzten sich die Christsozialen gegen LGBTI-Aufklärungsarbeit an Schulen ein – und diffamierten entsprechende Pläne der Opposition mit dem AfD-Kampfbegriff "Frühsexualisierung" (queer.de berichtete).


Im Landtagswahlkampf 2018 setzte die CSU-Führung LGBTI-feindliche "Argukarten" ein

In dem Anfang November unterzeichneten Koalitionsvertrag von CSU und Freien Wählern werden sexuelle und geschlechtliche Minderheiten nicht erwähnt (queer.de berichtete). In den vergangenen Jahren hatten LGBTI-Aktivisten immer wieder mehr Engagement von der bayerischen Staatsregierung gefordert, etwa die Einführung eines Aktionsplans gegen Homo- und Transphobie – sie verwiesen dabei auf entsprechende Initiativen in anderen Bundesländern. 2015 hatte die damalige CSU-Alleinregierung allerdings erklärt, dass es "keine Pläne" und "keine Notwendigkeit" für die Einführung eines derartigen Plans gebe (queer.de berichtete). Im Frühjahr letzten Jahres lehnte die CSU auch einen Queer-Beauftragten ab (queer.de berichtete).

Monatelang hatte die bayerische Staatsregierung zudem damit kokettiert, gegen die vom Bundestag beschlossene Ehe-Öffnung für gleichgeschlechtliche Paare vor dem Bundesverfassungsgericht zu klagen. Erst nach Einholung zweier Rechtsgutachten, die einer Klage keine Chance gaben, wurden die Pläne im März 2018 zu den Akten gelegt (queer.de berichtete). (cw/dpa)

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#1 qwerrtzzuuiopüAnonym
  • 27.01.2019, 14:22h
  • Wer ein rückständiges Weltbild hat, wählt in Bayern AfD, nicht CSU, damit muss die CSU weiter Richtung liberales Weltbild gehen, damit sie wenigstens diese bisherigen Wähler behalten kann, und nicht auch noch an die Grünen verliert. Keine große Sache, die CSU steht einfach nur für Kapital und Mitte.
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#2 FinnAnonym
  • 27.01.2019, 14:53h
  • Nur schade, dass das immer nur Einzelfälle sind und dass das noch nicht bei der Mehrheit der CSU angekommen ist.
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#3 Patroklos
#4 Homonklin44Profil
  • 27.01.2019, 20:06hTauroa Point
  • Bevor man denen einen cm übern Weg trauen kann, müssten die erst mal das C überwinden. Sonst ist das so, wie der Wolf, der beim Heucheln Kreide frisst.
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#5 Ralph
  • 28.01.2019, 12:07h
  • Es kommt auf die einzelnen Amtsträger an. Ich war dabei, als 2016 Josef Schmid, damals 2. Bürgermeister von München und heute MdL für die CSU, auf dem Marienplatz seine Partei aufforderte, für die Eheöffnung zu stimmen. Je mehr einzelne Politiker sich zur Akzeptanz durchringen, desto eher werden menschenfeindliche Positionen dieser Partei ins Wanken geraten. Auch dürften in absehbarer Zeit immer mehr CSU-Wahlkämpfer die Lust verlieren, mit AfD-Parolen Propaganda zu machen. Das hat sogar Markus Söder schon erkannt.
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#6 Bonifatius49Anonym
  • 28.01.2019, 15:49h
  • Antwort auf #1 von qwerrtzzuuiopü
  • Sehr lobenswert, das sich die Zeiten in der bayerischen CSU nunmehr zum Positiven wenden.

    Lobenswert auch die öffentliche Aussage von Söder, das die CSU auch für moderne Familienkonstellationen offen ist.

    Lobenswert auch, das die CSU ihren Kampf gegen die Gleichgeschlechtliche Ehe aufgegeben und beendet hat.

    Lobenswert, das die CSU sich auch nicht an der Forderung der AfD nach Rückgängigmachung der Ehe für alle beteiligt.

    Die CSU wird sich nunmehr in den Kreis der LSBTI-freundlchen Parteien mit FDP, Grüne, Linkspartei, Piratenpartei, Freie Wähler, SPD und CDU einreihen.

    Der Feind von 2019 und der kommenden Jahre für die LSBTI-Bewegung ist die AfD !!!
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#7 Ralph
#8 MuciAnonym
  • 28.01.2019, 19:07h
  • das "d" müssen die in den Stellenanzeigen reinschreiben, sonst hagelt es Abmahnungen!
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#9 TheDadProfil