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Grand Prix in Tel Aviv

Frankreich schickt schwulen Teenager zum Eurovision Song Contest

Der 19-jährige Bilal Hassani setzte sich im Vorentscheid mit einer zweisprachigen und selbstbewussten Hymne durch – und erntete vorab viel Hass.


Dieser Auftritt von Bilal Hassini wird am 18. Mai beim ESC in Tel Aviv zu sehen sein – Frankreich zieht als eines der Big-5-Länder direkt ins Finale ein

Der Eurovision Song Contest wird immer offen queerer. Nachdem die Niederlande bereits angekündigt haben, mit Duncan Laurence einen bisexuellen Sänger zum diesjährigen Wettbewerb nach Tel Aviv zu schicken, setzte sich am Samstag beim Finale des französischen Vorentscheids ein junger und oft androgyn auftretender Schwuler vor allem beim Televoting durch.

Kein Wunder, denn Bilal Hassani ist ein gefragter Youtube-Star mit rund 790.000 Abonnenten und konnte viele seiner Fans von einem Anruf überzeugen: Er holte gut ein Drittel der Televoting-Stimmen und damit mit Abstand den ersten Platz. Bei den ebenfalls Punkte vergebenen internationalen Jurys schaffte er hingegen nur den fünften von acht Plätzen – was die Punktevergabe am Samstagabend spannend machte.

Direktlink | Die entscheidenden Sekunden der Punktevergabe

Sein Song "Roi" (König) fordert auf Englisch und Französisch selbstbewusst Akzeptanz ein: Er sei "nicht reich, aber strahlt hell", und wenn er träume, sei er ein König, singt Hassani. "Du wirst meine Krone nie entfernen können", so die Lyrics an anderer Stelle kämpferisch, auch wenn das Gegenüber ihn in eine Box stecken wolle mit dem Wunsch, dass er sich angleichen solle. Er sei er selbst und frei und so wie er sei seit der Kindheit: "Du kannst mich nicht ändern." Der Song klingt besser und lyrischer als die übersetzte Zusammenfassung.

Direktlink | Hassanis "Roi" im Finale der Show, komponiert von ihm selbst in Zusammenarbeit mit dem Duo Madame Monsieur, das das Land 2018 beim ESC vertrat

Queere Organisationen unterstützen Hassani – mit dem Staatsanwalt

Hassani, der aus einer Familie mit marokkanischen Wurzeln stammt, wurde 2015 durch seine Teilnahme bei "The Voice Kids" bekannt – bei den Auditions sang er "Rise Like a Phoenix" von ESC-Gewinnerin Conchita Wurst. Im Juni 2017 outete er sich als schwul, am Vorabend des Pariser CSD. Das Magazin "Tetu" listete ihn im letzten Jahr unter den "30 LGBT+, die Frankreich bewegen" und beschreibt ihn als "Ikone für die französische LGBT+-Jugend". Bei Instagram hat er 390.000 Anhänger.

Direktlink | Das offizielle Musikvideo zu "Roi"

Das Ende Dezember kurz vor Beginn der Vorentscheide veröffentlichte Musikvideo zu "Roi" erzielte binnen weniger Tage eine Million Views bei Youtube, inzwischen liegt es bei knapp unter sechs Millionen. Der Erfolg Hassanis hat allerdings Schattenseiten: In sozialen Netzwerken ergoss sich eine Menge Hass und Hetze über den jungen Sänger. Die Organisationen SOS Homophobie und Urgence Homophobie gaben am Donnerstag an, man habe allein bei Twitter über 1.500 Einträge mit Beleidigungen, diskriminierenden Äußerungen und Bedrohungen gezählt. Die Organisationen belassen es aber nicht bei einer Warnung vor Homofeindlichkeit: Bis jetzt habe man 213 Anzeigen gestellt und dazu Beweismaterial übergeben und werde weiter gegen Hassrede vorgehen. Hassani verdiene Respekt und keinen Hass.

Twitter / stop_homophobie | Nur ein Ausschnitt der gesammelten Wut, die Hassani entgegenschlägt

Frankreich hat den Contest das letzte Mal 1977 gewonnen, in den letzten beiden Jahren schaffte es im Finale das obere Mittelfeld (Plätze 12 und 13) und 2016 mit Amir Platz 6. Im Vorentscheids-Finale trat mit Emmanuel Moire ein weiterer schwuler Sänger an, er schaffte mit "La promesse" und halbnackten Tänzern den vierten Platz.

Niederlande schicken Duncan Laurence

Vor wenigen Tagen gaben die Niederlande bekannt, den Sänger Duncan Laurence als ihren Vertreter für Tel Aviv ausgewählt zu haben – sein Song wird erst am 7. März veröffentlicht. Der 24-Jährige wurde 2014 durch eine Teilnahme bei "The Voice" bekannt. Auf Instagram schrieb er im letzten Oktober, er habe sich vor einigen Jahren als bisexuell geoutet. "Nicht weil ich mit sowohl Jungen als auch Mädchen rummachen will oder weil ich mich nicht entscheiden kann – Ganz im Gegenteil: Meine Wahl ist klar. Ich verliebe mich in eine Person." Er sei glücklich, vor einigen Monaten eine Person gefunden zu haben.

Die Vorentscheidsaison hat gerade erst begonnen und könnte noch so manche queere Überraschung bringen – in Australien tritt beim ersten Vorentscheid des Landes etwa mit Courtney Act eine Drag Queen an (queer.de berichtete). Insgesamt sind 42 Länder beim ESC 2019 in Tel Aviv vertreten, bei den Semis am 14. und 16. sowie dem Finale am 18. Mai. Der deutsche Beitrag wird am 22. Februar aus sieben Kandidatinnen und Kandidaten bestimmt. Der Vorentscheid Unser Lied für Israel wird live im Ersten übertragen. (nb)



#1 wtgsgasdgsgaAnonym
#2 TomDarkProfil
  • 27.01.2019, 15:07hHamburg
  • Ich finde, er ist sympathisch und talentiert.

    Er erinnert mich etwas an Daniel Küblbock, den ich sehr geschätzt habe.

    Aber als ich den Song gehört habe, wusste ich wieder, warum ich mir diesen Contest nie ansehe.
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#3 AmurPrideProfil
  • 27.01.2019, 15:58hKöln
  • Antwort auf #1 von wtgsgasdgsga
  • ""..Der Song ist einfach nur schlecht..""

    Okay, jeder hat das Recht auf seine eigene Meinung und über Kunst, also auch über Musik und Gesang, zu streiten ist eh ziemlich sinnfrei...
    Und wenn Du so etwas geschrieben hättest wie "Ich finde er kann nicht gut singen.." oder "Mir gefällt die Melodie nicht..", DANN hätte ich auch nichts gesagt!

    ABER erkläre mir bitte, wie ein Song, der FÜR unsere Belange kämpft, SCHLECHT sein kann?!?

    Ich bewundere seinen Mut, so öffentlich zu sich selbst stehen zu können! Wie viele von uns können dies noch immer nicht! :-(
    Ich bewundere seine Kraft, sich diesem gewaltigen social hate jeden Tag auf's Neue zu stellen und nicht daran zu zerbrechen!

    Seine Wirkung auf andere LGBTIQ-Jugendliche, gerade auch auf jene aus dem arabisch/muslimischen Kulturraum, ist in der heutigen Zeit eine nicht zu unterschätzende große Hilfe! Somit ist er in meinen Augen ein Vorbild und Botschafter für unsere Sache und unseren Kampf. Das er für all jene unter uns, die längst aufgehört haben für unsere Sache zu kämpfen, eine mehr als unerwünschte Erinnerung an den Sieg ihrer eigenen Angst ist, kann ich gut verstehen.

    Angesichts der ganzen vor Gewalt nur so strotzenden Hasskommentare und seiner gegenwärtigen öffentlichen Präsenz mache ich mir allerdings ernsthafte Sorgen um seine Sicherheit. Möge Gott und fähige Mitmenschen erfolgreich für seine Sicherheit sorgen!
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#4 wtgsgasdgsgaAnonym
  • 27.01.2019, 16:20h
  • Antwort auf #3 von AmurPride
  • Der Song ist musikalisch einfach nur grottenschlecht. Da bluten meine Ohren.

    Die Message mag ja gut sein, aber wenn sie in einen musikalisch grottenschlechten Song verpackt ist, ist das nicht so toll, wie wenn sie in einen musikalisch guten Song verpackt wäre.

    Wie gesagt, ich denke der Song passt musikalisch sehr gut zum ESC, denn das musikalische Niveau beim ESC ist in der Regel mit der überwältigenden Mehrheit der Songs sehr niedrig.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 MariposaAnonym
  • 27.01.2019, 16:30h
  • Nichts gegen Bilal persönlich - aber der Auftritt ist Kitsch pur und muß dieser künstliche Sprachenmix echt sein ? Sorry, meine Favoritin wäre ganz klar Seemone gewesen.
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#6 lucdfProfil
  • 27.01.2019, 17:10hköln
  • Was soll diese Mischung auf Englisch und Französisch? Französisch allein würde ausreichen. Der Text ist gut gemeint aber für eine gute Platzierung wird das ganz bestimmt nicht ausreichen. Nein, es ist einfach schlecht.
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#7 ReineAnonym
#8 InternetAnonym
  • 27.01.2019, 17:49h
  • Eigentlich ist es schon ziemlich verrückt, was einerseits an Technik angeboten wird und andererseits gleichzeitig als schädlich bezeichnet wird. Vielleicht sollten sich einige nochmal darüber Gedanken machen, ob diese sozialen Netzwerke, die so gar nicht sozial sind, wieder rückgängig zu machen.
    Beispiel: der Oberboss von Facebook möchte aktuell WhatsApp, Facebook und Instagram zusammenfügen. Sorry, aber das ist doch einseitiger Nutzen. Von den üblen Kommentaren, denen viele bei Twitter und Co. ausgesetzt sind, ohne dass die Anbieter konsequent vorgehen, ganz zu schweigen.
    Umgekehrt gilt aber dasselbe:
    diejenigen, die anderen etwas unterstellen und somit im Internet regelrecht Rufmord umsetzen, das ist ebenfalls problematisch.

    #meetoo, #timesup, etc. alles klar, ich kann verstehen, worum es geht und es ist wichtig. Aber es gibt immer mehr Leute im Internet, die meinen, sie seien Richter. Es ist reichlich bedenklich, wenn ottonormal-Bürger eine Aufgabe auf sich nimmt, für die er/sie gar nicht ausgebildet oder berechtigt ist. Diese Gerüchteküche scheint in sozialen Netzwerken extrem hoch zu sein und ich vermisse die Konsequenz der Anbieter.
    Wenn sogar bekannte Personen, die in der Öffentlichkeit stehen, über das Internet Gerüchte in sozialen Netzwerken verbreiten, und gleichzeitig aber öffentlich für Toleranz und Respekt werben, dann dürfen sich diejenigen fragen, die nicht in sozialen Netzwerken sind, was eigentlich aus den Gleisen gekommen ist.
    Früher gab es zwar auch schon die bestimmte Presse, die gerne Geschichten erzählen, aber mit den sozialen Netzwerken ist es leider nicht besser geworden, sondern schlechter.

    Offensichtlich gibt es viele, die meinen, im Internet könnten sie alles rausposaunen, was sie im realen Leben anscheinend verstecken müssen.
    Ich bin mir fast sicher, dass fast die Hälfte von denen, die Homophobie im Internet gegen den Sänger üben, es sich nicht trauen würden, im realen Leben dasselbe dem Sänger vis-a-vis ins Gesicht zu sagen. Manche wohl schon, aber nicht alle, die das im Internet umsetzen.

    Ob das Lied nun gemocht oder nicht gemocht wird, finde ich gar nicht mehr wichtig.
    Es ist eher ein Problem, was da so im Internet los ist. Es wäre gut, darüber einen extra Artikel zu schreiben, denn es scheint mittlerweile viele zu betreffen. Ich erinnere mich an Dunja Hayali, die auch mit solchen Beleidigungen und teilweise Hetze konfrontiert ist.

    Dann hoffe ich jetzt einfach mal, dass dieser Sänger hier gewinnt - das wäre zumindest ausgleichende Gerechtigkeit :-)
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#9 ReineAnonym
#10 Patroklos
  • 27.01.2019, 18:46h
  • Ich habe mir gestern Abend das große Finale beim französischen ESC-Vorentscheid angesehen und bin mit dem Siegertitel gar nicht zufrieden! Auch wenn er von den Vorjahresgewinnern Madame Monsieur geschrieben wurde, ist er musikalisch gesehen eine Enttäuschung!

    Auch der Beitrag vom offen schwulen Teilnehmer Emmanuel Moire hat mich sehr enttäuscht. Hier war die Inszenierung von "La Promesse" deutlich besser als der Song selbst, der autobiographische Züge hat, wenn man sich den Text durchliest.

    Stimmlich am stärksten fand ich The Divaz und Chimène Badi.
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