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Sprachexpert*innen sind sich einig

"Gendersternchen" ist Anglizismus des Jahres

Das Gendersternchen ist derzeit in aller Munde – und löst dieses Jahr "Influencer" als interessantestes deutsches Wort englischen Ursprungs ab.


Diese Anglizismen haben sich in den letzten Monaten besonders erfolgreich in die deutsche Sprache geschlichen

Das Wort "Gendersternchen" ist von einer sechsköpfigen Expert*innenjury zum Anglizismus des Jahres 2018 gekürt worden. Der Begriff beschreibt laut dem Wörterbuch DWDS ein "typografisches Zeichen (*), das bei Personenbezeichnungen zwischen der männlichen und der zusätzlich angefügten weiblichen Endung gesetzt wird, um neben Männern und Frauen auch Menschen mit anderer geschlechtlicher Identität miteinzubeziehen und sichtbar zu machen".

In Deutschland wird der "Anglizismus des Jahres" seit 2010 verliehen. Damit soll den Initiatoren zufolge ein "positiver Beitrag des Englischen zur Entwicklung des deutschen Wortschatzes" gewürdigt werden. In den letzten Jahren habe sich die Nutzung von "Gendersternchen" laut der Jury rasant verbreitet.

Im allgemeinen Sprachgebrauch finde sich ab 2013 zunächst die Form "Gender Star". Obwohl das Wort aus englischen Wortbestandteilen zusammengesetzt sei und die für das Englische typische Getrenntschreibung aufweise, handle es sich dabei um eine genuin deutsche Wortschöpfung – einen sogenannten "Scheinanglizismus". Schon im Folgejahr sei der "Star" durch die englisch-deutsche Mischform "Genderstern" mit deutschem Zweitglied und in der für das Deutsche obligatorischen Zusammenschreibung abgelöst worden. Ab 2016 habe sich dann zunehmend die Verkleinerungsform "Gendersternchen" durchgesetzt. "Im allgemeinen Sprachgebrauch spielt es zu diesem Zeitpunkt keine nennenswerte Rolle", so die Jury. Erst 2018, beflügelt durch hitzige Diskussionen um eine mögliche Aufnahme des Gendersternchens in die amtliche Rechtschreibung, nehme seine Häufigkeit nach Angaben der Jury um mehr als das Zehnfache zu: von unter 0,25 auf 2,5 Vorkommen pro zehn Millionen Wörter.

Der Begriff "Gendersternchen" hat die Jury überzeugt, weil er neben der schnellen Verbreitung eine zentrale Bedeutung in der öffentlichen Auseinandersetzung "mit dem schwierigen und heftig umstrittenen Thema der sprachlichen Gleichbehandlung aller Geschlechter eingenommen hat". Die Jury erklärte: "Das Wort stellt eine klare Bereicherung des deutschen Wortschatzes dar, denn ob man den eingeschobenen Asterisk und die Absichten dahinter gutheißt oder nicht, darüber reden muss die Sprachgemeinschaft – und das Wort 'Gendersternchen' stellt einen gut verständlichen Ausdruck dafür bereit."

Hitzig diskutiert, jetzt als positiver Beitrag zur deutschen Sprache gewürdigt: Das "Gendersternchen" ist Anglizismus des Jahres. https://ly.zdf.de/haol/

Gepostet von ZDF heute am Dienstag, 29. Januar 2019
Facebook / ZDF heute

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Jury lobt das Verb "gendern"

Die Jury würdigte mit der Wahl außerdem ausdrücklich die Rolle des Wortstamms "Gender" und speziell des daraus abgeleiteten Verbs "gendern", dessen Häufigkeit in den vergangenen Jahren stetig zugenommen habe. Der Wortstamm "Gender" bezeichne eine Perspektive auf das Geschlecht "als kulturell hergestellte und damit veränderbare Kategorie" und ergänze damit das deutsche Wort "Geschlecht", das eine rein biologischer Perspektive einnehme. Nicht erwähnt wird von der Jury, dass der Begriff inzwischen zu einem Kampfwort von christlich-fundamentalistischen und rechten Aktivisten entwickelt hat, die sich gegen die Gleichbehandlung von Frauen oder LGBTI aussprechen – sie sprechen dabei von einer vermeintlichen "Ideologie" und benutzen Begriffe wie "Gender-Wahnsinn" oder "Gender-Gaga".

Hinter "Gendersternchen" landete das Wort "Framing" auf dem zweiten Rang. Dieser Begriff bezeichnet die gezielte Einbettung eines Themas in ein Deutungsraster. Platz drei nimmt "nice" ein. Dabei handelt es sich ursprünglich um ein eher jugendsprachliches Synonym für "gut" oder "toll", das sich seit einigen Jahren im Sprachgebrauch auch junger Erwachsener findet.

In den vergangenen Jahren wurden "leaken" (2010), "Shitstorm" (2011), "Crowdfunding" (2012), die Nachsilbe "-gate" (2013), "Blackfacing" (2014), "Refugees Welcome" (2015), "Fake News" (2016) und "Influencer" (2017) ausgezeichnet. Gründer der Initiative "Anglizismus des Jahres" und Vorsitzender der Jury ist Prof. Dr. Anatol Stefanowitsch, Sprachwissenschaftler an der Freien Universität Berlin. (pm/dk)



#1 Patroklos
  • 29.01.2019, 11:11h
  • Ich halte vom "Gendersternchen" gar nichts! Darum benutze ich auch weiterhin beide Formen, wie z. B. "Die diesjährigen Teilnehmer und Teilnehmerinnen am ESC in Tel Aviv-Jaffa".
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#2 feli491Anonym
#3 AnonymAnonym
  • 29.01.2019, 16:56h
  • Antwort auf #1 von Patroklos
  • Und ich benutze nur die "sachliche" Form, also Teilnehmer. Reicht doch. Lässt sich sogar einfach aussprechen als Teilnehmer*innen und jeder weiß, was gemeint ist - keine männliche teilnehmende Person, sondern schlicht eine teilnehmende Person egal welchen Geschlechts oder welcher sexuellen Identität.
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#4 FckAfdAnonym
  • 29.01.2019, 18:23h
  • Antwort auf #3 von Anonym
  • Es ist schön, dass du unter "die Teilnehmer" nicht ausschließlich Männer verstehst. Viele andere Leute denken da leider anders:

    So schreiben die Kolleginnen Gabriele Diewald und Anja Steinhauer in der Dudenbroschüre Richtig Gendern (Berlin 2017), man solle das Maskulinum vermeiden. Es mache Frauen unsichtbar und sei nicht der Grammatik eingeschrieben, sondern lediglich eine Gebrauchsgewohnheit, die man ändern könne. Dem Leser wird geraten, einmal jemanden zu fragen: Wer ist dein Lieblingsschauspieler? Als Antwort würden ihm fast ausschließlich Männer genannt werden.
    (Tagesspiegel 8.8.2018)
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#5 de SprachwandlereAnonym
  • 30.01.2019, 00:26h
  • Es gibt einen neuen Vorschlag dazu, leicht aussprechbare geschlechtsneutrale Wörter in die deutsche Sprache zu integrieren:
    delesystem.wordpress.com/

    Vielleicht findet ja de eine oder andere queer.de-Lesere Gefallen an diesem Vorschlag.
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#6 Ralph
#7 BakaNekoAnonym
#8 feli491Anonym
#9 NickAnonym
  • 31.01.2019, 12:05h
  • Interessant auch, dass das Schwule Museum Berlin gerade das Gendersternchen aus dem Namen verbannt hat. Was sagt uns das? Echt Schade....
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