Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?32859

"Entpathologisierung" von Homosexualität gefordert

Priesteramt: Das katholische Schwulenverbot wackelt

Die katholische Kirche verbietet derzeit offiziell schwulen Männern, Priester zu werden. Bistümer in Nordrhein-Westfalen stellen diesen Bann nun in Frage. Paderborn kündigt bereits an, Schwule zuzulassen.


Vor knapp neun Jahren hielt Bischof Franz-Josef Overbeck Homosexuelle noch pauschal für unnatürlich, heute schlägt er andere Töne an (Bild: Bistum Essen)

Das generelle Verbot schwuler Priester in der katholischen Kirche findet in Deutschland immer weniger Akzeptanz. Das Erzbistum Paderborn hat am Montag mitgeteilt, dass man ab sofort entsprechende Vorgaben nicht mehr anwende: "Wenn sie den Zölibat einhalten, werden auch homosexuelle Priesteramtskandidaten akzeptiert", erklärte der Leiter des Priesterseminars, Michael Menke-Peitzmeyer, gegenüber dem Westdeutschen Rundfunk. "Wir müssen unterscheiden zwischen einer homosexuellen Orientierung eines Menschen und homosexueller Praxis", so der Geistliche.

Männern, die sexuell aktiv sind, sei das Priesteramt weiterhin untersagt – dies gelte aber sowohl für Hetero- als auch für Homosexuelle, so Menke-Peitzmeyer. "Wenn homosexuelle Praxis bei einer Person üblich ist, finde ich, ist das ein Ausschlusskriterium mit Blick auf den priesterlichen Dienst." Inzwischen gebe es regelmäßige Gespräche mit den Bewerbern über persönliche Einstellungen und die sexuelle Orientierung.

Damit wendet sich das Erzbistum direkt gegen Papst Franziskus, der erst vor wenigen Wochen das generelle Homo-Verbot im Priesteramt noch verteidigte (queer.de berichtete). Laut den offiziellen Richtlinien des Vatikans ist es allen Männern, "die Homosexualität praktizieren, homosexuelle Tendenzen haben oder eine sogenannte 'homosexuelle Kultur' unterstützen", untersagt, Priester zu werden. Die Begründung: Diese Menschen könnten "keine korrekte[n] Beziehungen zu Männern und Frauen" aufbauen (queer.de berichtete).

Ruhrbischof wirbt für Ende der Diskriminierung

Auch der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck setzt sich für eine neue Haltung der Kirche gegenüber Homosexuellen und für eine Zulassung schwuler Priesterkandidaten ein. Der 54-Jährige schrieb in einem Beitrag für die "Herder Korrespondenz" (Beitrag hinter Bezahlschranke) unter der Überschrift "Vorurteile überwinden!": "Jeder Mensch kann äußerst respekt- und liebevolle zwischenmenschliche Beziehungen eingehen." Gruppen von Menschen auszuschließen sei "Ausdruck eines Vorurteils, das für Betroffene schwer zu ertragen ist und letztlich zu ihrer Diskriminierung oder gar Kriminalisierung beiträgt", so der Bischof.

Konkret verteidigte Overbeck schwule Männer gegen den pauschalen Vorwurf aus seinen Reihen, für den Missbrauchsskandal innerhalb der katholischen Kirche verantwortlich zu sein: "Weder die hetero- noch die homosexuelle Orientierung eines Menschen als solche kann und darf als Ursache für sexuellen Missbrauch betrachtet werden." Es bestehe kein "innerer Zusammenhang" zwischen Pädophilie und Homosexualität. Daher sei es "geradezu abwegig" zu behaupten, das Problem sexuellen Missbrauchs ließe sich etwa dadurch lösen, den Zugang zum Priestertum nur auf heterosexuelle Männer zu beschränken. "Würde damit nicht genau jene Haltung fortgesetzt und sogar verstärkt, so frage ich mich, die zu problematischen innerkirchlichen Verdrängungen geführt hat?", so Overbeck.

Hochrangige Vertreter der katholischen Kirche hatten wiederholt Homosexuelle beschuldigt, schuld am am innerkirchlichen Kindesmissbrauch zu sein, darunter etwa Raymond Leo Kardinal Burke, Weihbischof Marian Eleganti, Walter Kardinal Brandmüller oder Gerhard Ludwig Kardinal Müller. Das fundamentalistische Magazin "katholisches.info" sprach abfällig von "Homosex-Tätern", die schuld am Missbrauchsskandal seien.

Overbeck: Kirche soll auch mal auf Wissenschaftler hören

Dagegen warb jetzt Overbeck dafür, dass die Theologie bei Fragen der Sexualmoral und insbesondere der Homosexualität "die kulturell zeitbedingten Vorstellungen, die in biblischen Aussagen über gleichgeschlechtliche Sexualität auch transportiert werden", auch im Licht anderer Disziplinen reflektiert – etwa der Humanwissenschaften. Die kirchliche Lehre dürfe sich "nicht gegenüber der Geschichtlichkeit der menschlichen Existenz und ihrer vertieften Erkenntnis abschotten".

Die katholische Kirche könne "im Grunde nur froh sein, wenn aufgrund vertiefter Erkenntnisse über die menschliche Sexualität Vorurteile vergangener Zeiten, die bis heute fatal nachwirken, überwunden werden", so Overbeck. Diese "Entpathologisierung" der Homosexualität bedeute für die Betroffenen "eine überfällige Befreiung aus teilweise immensen Leidensgeschichten in Vergangenheit und Gegenwart". Nun sei es Zeit, "die kirchliche Debatte über die Wahrnehmung und Bewertung von Homosexualität so zu führen, dass die kaum vernarbten Wunden vergangener Verletzungen nicht erneut aufgerissen werden".

In der Vergangenheit hatte Overbeck mit homophoben Äußerungen für Empörung gesorgt, seine Rhetorik aber in den letzten Jahren zurückgefahren. 2010 behauptete der Bischof etwa noch in einer Talkshow, dass Homosexualität der Natur widerspreche (queer.de berichtete). Sein Bistum sorgte im selben Jahr für Schlagzeilen, weil es eine lesbische Putzfrau (!) an einem katholischen Kindergarten wegen ihrer sexuellen Orientierung entließ (queer.de berichtete).

In den letzten Jahren zeigte sich Overbeck weniger homofeindlich. 2014 sprach er sich etwa gegen Diskriminierung von Regenbogenfamilien in Kirchen aus (queer.de berichtete). Er traf sich außerdem mit LGBTI-Aktivisten zu einem "kritisch-konstruktiven Dialog" (queer.de berichtete). (dk)



#1 AFD-WatchAnonym
  • 29.01.2019, 13:27h
  • Bei kath.xxx ist gerade der Server explodiert und ein gewisser Gerd L. tritt gerade (wieder) in die RKK ein. ;-)
    Aber abwarten und Tee trinken, ehe wir dies (wieder) verfrüht als epochales Ereignis des Jahrtausends bejubeln und vorwerfen, dass andere dies nicht begreifen würden.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 Bonifatius49Anonym
  • 29.01.2019, 13:51h
  • Antwort auf #1 von AFD-Watch
  • Als erstmal bin ich diesen Sommer bei einer kirchlichen Trauung eines verheirateten homosexuellen Ehepaares in der EKD-Landeskirche Oldenburg eingeladen. Und bisher bin ich seit vielen Jahren mit meiner Kirchen mitgliedschaft in einer der 20 Landeskirchen der EKD sehr zufrieden. Bei uns gibt es auch eine Frau als Pastorin in unserer evangelischen Kirchengemeinde.

    Wenn die ersten von 27 römisch-kathilischenBistümer wie Paderborn, Essen oder Osnabrück homosexuelle Priester offiziell zulassen wollen, kann ich dazu nur sagen, gut das sie die unter Ratzinger verschärfte Priesterausbildungsanforderung nicht länger anwenden wollen. Aber eines ist auch klar, seit Jahrhunderten gibt es bereits jede Menge von schwulen Priestern, das würde nur öffentlich nie zugegeben und veröffentlicht.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 tychiProfil
  • 29.01.2019, 13:58hIrgendwo im Nirgendwo
  • Man soll zwar den Tag nie vor dem Abend loben, doch zeigt der Schluss des Artikels, wie wichtig das beständige, geduldige, aber auch beharrende Gespräch ist.

    "Er traf sich außerdem mit LGBTI-Aktivisten zu einem 'kritisch-konstruktiven Dialog'"

    Vielleicht sind es gerade solche positiven Begegnungen, die Herrn Overbeck, Bischof der röm.-kath. Religionsgemeinschaft, zu einem Umdenken oder Andersdenken gegenüber LGBT bewogen haben.
    Wo Menschen sich begegnen, da funktionieren Schubladen und Vorurteile einfach nicht mehr.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 Gerlinde24Profil
  • 29.01.2019, 14:22hBerlin
  • Tja, der Priestermangel in der RKK zwingt manche zum Umdenken, andere bleiben lieber verbohrt!
  • Antworten » | Direktlink »
#5 Bonifatius49Anonym
  • 29.01.2019, 17:59h
  • Antwort auf #4 von Gerlinde24
  • @Gerlinde24

    Es ist gut, wenn Papst Franziskus hier eine andere Haltung als sein Vorgänger Ratzinger hat. Papst Franzikus hat schwule Priester mit den Worten verteidigt, "Wer bin ich mir darüber ein Urteil anzumaßen".

    Und wenn nun die Bischöfe vom Erzbistum Paderborn, vom Bistum Magedburg.. vom Bistum Essen oder Bistum Osnabrück diese Vorgabe des aktuellen Papstes Franziskus umsetzen und sich nicht mehr an die Haltung von Ratzinger halten, ist das gut so.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 stephan
  • 29.01.2019, 18:21h
  • Wenn die RKK den Weg nun fortsetzt und eine von Tag zu Tag offener Haltung gegenüber LGBTIs annimmt, dann irgendwann auch gleichgeschlechtliche Paare traut etc., ja dann können LGBTIs in circa 200 Jahren auch einmal darüber nachdenken, die - dann verfestigte - Haltung der RKK anzunehmen und darauf positiv zu reagieren. Vorher nicht!
  • Antworten » | Direktlink »
#7 AndreasKAProfil
  • 29.01.2019, 19:10hKarlsruhe
  • Glaubt hier eigentlich irgendeine(r) ... außer Bonifatius und seine Brüder im Geiste ..., dass irgendetwas in der RKK in Bezug auf nicht heterosexuelle Menschen wackelt, wie die Überschrift des Beitrages suggeriert?

    Da wackelt nix! Die Frisur wird halten wie bei Maggie Thatcher!

    Solche Äußerungen einzelner wird nichts bewegen - die Lehrmeinung ist in anderen Händen. Es ist lediglich der Versuch, vielleicht sogar ein ehrlicher, einzelner Seelsorger die Ausgrenzung zu durchweichen. Von Wackeln kann keine Rede sein.

    Die Glaubenskongregation hat noch tonnenweise Haarspray im Schrank.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 kuesschen11Profil
  • 29.01.2019, 20:23hFrankfurt/Main
  • "Wenn sie den Zölibat einhalten, werden auch homosexuelle Priesteramtskandidaten akzeptiert",

    Also mit anderen Worten: Wer nach außen leugnet, dass er - noch dazu als junger Mensch Sex hat, lügt sich selbst in die eigene Tasche. Dieses katholische Priesteramt durchzuhalten bedeutet für viele Flucht in die sexuelle Isolation und Einsamkeit durch die Unterwerfung ins mittelalterliche Korsett des Zölibates. Das nennen die auch noch akzeptieren. Das Resultat der massiven Unterdrückung der Sexualität ist dann die psychische Störung.

    "Wir müssen unterscheiden zwischen einer homosexuellen Orientierung eines Menschen und homosexueller Praxis",

    Was ist das nur für ein Widerspruch? Unterscheiden die auch zwischen heterosexueller Orientierung und heterosexueller Praxis? Beide Orientierungen sind Grundlage für die sexuelle Ausrichtung, also Orientierung und Praxis fließen meistens in eine Richtung, außerdem gibt es neben der sexuellen Vielfalt auch die Bisexualität.

    Die katholische Moral will Diskriminierung unterschiedlich bewerten, also nur die Praxis wird verurteilt.

    Aber wir sehen ja, was hinter vorgehaltenem Vorhang so alles durch das Zölibat ans Licht getreten ist.

    Die werden noch mehr Priestermangel bekommen oder wieder mehr "Gestörte".
  • Antworten » | Direktlink »
#9 TheDadProfil
  • 29.01.2019, 23:02hHannover
  • Antwort auf #3 von tychi
  • "" "Er traf sich außerdem mit LGBTI-Aktivisten zu einem 'kritisch-konstruktiven Dialog'" ""..

    Am Ende eines solchen "Dialoges" steht der Kompromiss..

    Welche Zugeständnisse könnte man denn bezüglich seiner Sexuellen Identität machen ?

    Lebenslanges Zölibat ?
    Täglich mehrfache Stoßgebete ?

    Dialog mit solchen Unterdrückern führt zu NICHTS !
  • Antworten » | Direktlink »
#10 Homonklin44Profil
  • 30.01.2019, 01:13hTauroa Point
  • ""Gruppen von Menschen auszuschließen sei "Ausdruck eines Vorurteils, das für Betroffene schwer zu ertragen ist und letztlich zu ihrer Diskriminierung oder gar Kriminalisierung beiträgt""

    Dafür gibt es sogar einen kürzeren Ausruck, das nennt sich faschistische Handlung.

    Entweder hat da einer ganz viel Kreide gefressen und die Taktik seiner Rhethorik freundselig eingerichtet, oder die leiden in letzter Zeit so an Novizenmangel, dass ihnen der Nachwuchs ausgeht. Da nehmen sie dann auch die Menschen dritter Klasse rein, solange die im Schatten wichsen.
    Und siehe da, unterlassen in der taktischen Rhetorik sogar mal den Pädophilenvergleich! Fast wie ein Nati, der auf die Thora schwört...

    Irgendwie ja schon eigentümlich.
    Ich nehm's ihm nicht ab...
  • Antworten » | Direktlink »