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#MeToo

Vergewaltigungsvorwürfe: Star-Countertenor festgenommen

David Daniels, einer der wenigen offen schwulen Opernsänger, und sein Mann werden von einem jüngeren Kollegen beschuldigt, ihn 2010 unter Drogen gesetzt und gemeinsam missbraucht zu haben.


Scott Walters (li.) und David Daniels nach der Festnahme. In den USA werden erkennungsdienstliche Fotos online veröffentlicht (Bild: Washtenaw County Jail)

  • 31. Januar 2019, 14:01h, noch kein Kommentar

Die Polizei von Ann Arbor im US-Bundesstaat Michigan hat am Dienstagabend den berühmten Countertenor David Daniels und seinen Mann, den Chordirigenten Scott Walters, wegen mutmaßlicher sexueller Übergriffe festgenommen. Der 52-Jährige, der viele Auftritte an der Bayerischen Staatsoper in München hatte, gehört zu den wenigen offen schwulen Opernsängern.

Das Paar, das 2014 von Supreme-Court-Richterin Ruth Bader Ginsburg verheiratet wurde, wird beschuldigt, im Jahr 2010 den damals 23-jährigen Bariton Samuel Schultz nach einer Vorstellung an der Houston Grand Opera in seinem Apartment mit K.o.-Tropfen betäubt und anschließend vergewaltigt zu haben (queer.de berichtete). Erst am nächsten Tag sei er dort nackt allein wieder aufgewacht und habe aus dem Anus geblutet. Als das Paar kurz darauf zurückkam, soll Daniels gemeint haben, er müsse sich über den Bareback-Sex keine Sorgen machen, er sei "total negativ".

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Im Oktober meldete sich ein zweites mutmaßliches Opfer


Mutmaßliches Opfer: Samuel Schultz sang u.a. an den Opernhäusern in Washington, Houston und Santa Fe (Bild: PR)

Schultz hatte den Fall im Juli erstmals auf seiner Homepage unter dem Titel "Ich wurde vergewaltigt" öffentlich gemacht, allerdings noch ohne Namen zu nennen. Gleichzeitig erstattete er Anzeige bei der Polizei. Dass es sich bei den mutmaßlichen Tätern um Daniels und Walters handelt, berichtete im August erstmals die "New York Daily News". Neben dem erlittenen Trauma habe die Vergewaltigung auch seiner beginnenden Karriere geschadet, da er den berühmten Countertenor seitdem meiden musste, erklärte Schultz damals.

Im Oktober ging zudem David Daniels ehemaliger Student Andrew Lipian mit Missbrauchsvorwürfen an die Öffentlichkeit. Der Countertenor habe ihn 2017 mit Drogen willenlos gemacht, um mit ihm Sex zu haben. Lipian reichte Zivilklage sowohl gegen den Sänger als auch die University of Michigan ein, wo Daniels als Professor unterrichtete. Bereits seit August ist er dort beurlaubt. Wegen der Ermittlungen verlor er auch sein Engagement an der San Francisco Opera.

Das schwule Paar, das nun in einer Zelle in Ann Arbor auf die Überführung nach Texas wartet, ließ die Vorwürfe erneut zurückweisen. "David und Scott sind unschuldig", heißt es in einer am Mittwoch von seiner Anwaltskanzlei veröffentlichten Erklärung. "Sam Schultz ist kein Opfer. Er hätte niemals so viel Aufmerksamkeit für seinen Gesang bekommen. Er weiß das und ärgert sich über diese Tatsache. Er hat acht Jahre gewartet, um sich über einvernehmlichen Sex unter Erwachsenen zu beschweren, nur um im Zuge der #MeToo-Kampagne einen unschuldigen Prominenten anzuklagen. Wir werden uns dagegen wehren." (cw)