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BVT*-Studie

Größte deutsche Online-Umfrage zur Dritten Option bestätigt Geschlechtervielfalt

Der Zugang zur Geschlechtsangabe "divers" sollte laut einer neuen Studie massiv ausgeweitet werden.


Im letzten Jahr demonstrierten Aktivisten mehrfach für einen selbstbestimmten Geschlechtseintrag, der allen Menschen offen steht (Bild: AktionStandesamt2018 / twitter)

  • 31. Januar 2019, 16:03h, noch kein Kommentar

Die Ergebnisse eine Online-Umfrage unter 1.544 transgeschlechtlichen und nicht-binären Menschen verweisen auf ein breites Spektrum an Geschlechtsidentitäten. Die Bundesvereinigung Trans* e.V. (BVT*), die die Befragung "Dritte Option beim Geschlechtseintrag für alle?" im Herbst 2018 durchgeführt hatte, stellte die Ergebnisse am Donnerstag vor (PDF). Es handelt sich dabei um die bislang größte Befragung zum Thema in Deutschland.

Ausgangspunkt für die Studie war die Einführung des dritten Geschlechts. 2017 hatte das Bundesverfassungsgericht einen solchen Schritt angeordnet (queer.de berichtete). Ein Jahr später beschloss der Bundestag ein Gesetz, das allerdings nur einer kleinen Gruppe von Intersexuellen die Eintragung als "divers" erlaubt (queer.de berichtete).

"Mit unserer Umfrage wollten wir untersuchen, wer alles noch einen dritten positiven Geschlechtseintrag braucht", so beschrieb Dr. Josch Hoenes von der Uni Oldenburg die Intention der Studie, die er gemeinsam mit Dr. Arn Sauer und Dr. Tamás Jules Fütty verfasst hatte. "Zudem sollte ein erster Überblick über Diskriminierungserfahrungen in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen und im Zusammenhang mit rechtlichen Verfahren zur Vornamens- und Personenstandsänderung, insbesondere dem Transsexuellengesetz, geschaffen werden."

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30 Prozent identifizieren sich als "jenseits bzw. zwischen männlich und weiblich"

Insgesamt hätten an der Studie besonders jüngere Personen teilgenommen, knapp die Hälfte waren unter 30 Jahre alt. Es gebe "ein breites Spektrum" an Geschlechtsidentitäten und Sexualitäten, heißt es in der Zusammenfassung der Ergebnisse. Das Geschlechtsempfinden lasse sich grob in drei Gruppen aufteilen: 36 Prozent definierten sich als "vollkommen oder überwiegend weiblich", 30 Prozent als "jenseits bzw. zwischen männlich und weiblich" und 28 Prozent als "vollkommen oder überwiegend männlich". Den dritten Personenstand "divers" würden 41 Prozent der Befragten für sich selbst wählen – etwa zehn Prozent aller Befragten in jedem Fall, ein weiteres Drittel würde ihn wählen, wenn hierfür kein medizinisches Attest und keine Begutachtung notwendig wären.

Die Befragten, die bereits eine Personenstandsänderung durchlaufen haben, bewerten diese als überwiegend positiv: Knapp 70 Prozent gaben an, ihr Leben sei dadurch leichter geworden. Der überwiegende Teil dieser Gruppe habe für die Personenstandsänderung das im völlig veralteten Transsexuellengesetz vorgeschriebene Verfahren genutzt. Dieses wurde als eher negativ bewertet. So gaben rund drei Viertel an, Dinge gegen ihren Willen in Kauf genommen zu haben, weil sie im Verfahren erforderlich waren.

40 Prozent aller Befragten gaben an, wegen ihrer Geschlechtsidentität Diskriminierungserfahrungen gemacht zu haben. Als wichtigste Orte und Bereiche, in denen Diskriminierung erfahren wurde, werden Toiletten und Umkleiden, Behörden, das Gesundheitswesen, Beruf und Arbeitsmarkt genannt.

Aus den Ergebnissen schlussfolgern die Aktivisten der BVT*, dass aufgrund der existierenden Geschlechtervielfalt die Bezeichnung "divers" für den dritten Personenstand als Sammelkategorie sinnvoll erscheint, nicht aber die Zugang­beschränkungen. Die häufigen negativen Erfahrungen mit dem bestehenden im Transsexuellengesetz festgelegten Verfahren zeigten die Notwendigkeit auf, dieses Gesetz abzuschaffen und durch schnelle, transparente, inklusive und hürdenlose Verfahren zu ersetzen. Die Bundesregierung hat aber erst vor wenigen Monaten erklärt, dass sie mit einer Reform noch weiter warten wolle (queer.de berichtete)

Für die Anerkennung geschlechtlicher Vielfalt seien laut BVT* weitere Anti-Diskriminierungsmaßnahmen notwendig. Insbesondere in Bezug auf geschlechtsgetrennte Räume seien diese bedeutsam für eine gute Lebensqualität von Transpersonen. (dk)