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Niedersachsen

Bericht: Islam-Beirat lehnt sexuelle Vielfalt ab

Sexuelle Vielfalt ist im islamischen Religionsunterricht in Niedersachsen offenbar nicht erwünscht.


Die Verantwortlichen für islamischen Religionsunterricht wollen offenbar nicht Homo- und Transsexualität thematisieren müssen (Bild: Rudy Herman / flickr)

Das Thema "sexuelle Vielfalt" sorgt weiter für Widerstand von homophoben Akteuren an niedersächsischen Schulen: Laut der "Neuen Osnabrücker Zeitung" prüft das niedersächsische Kultusministerium deshalb, ob der Beirat für den islamischen Religionsunterricht überhaupt für den Lehrplan zuständig ist.

Dem Zeitungsbericht zufolge hatte der Beirat einen überarbeiteten Lehrplan für die Grundschulen bereits im April 2017 abgelehnt "aufgrund von Bedenken gegen einzelne Formulierungen, darunter auch wegen des Hinweises auf die Berücksichtigung sexueller Vielfalt". Bis heute gibt es offenbar keine Lösung. Das Ministerium wolle nun prüfen, ob es sich bei den kritisierten Punkten überhaupt um theologische Grundsätze handelt, ob der Beirat also überhaupt gefragt werden muss.

In dem Beirat sitzt neben der Dachorganisation Schura Niedersachsen der deutsch-türkische Verband Ditib, der laut Beobachtern eine Marionette der autoritären Regierung in Ankara ist. Die Türkei hat in den letzten Jahren immer homophobere Politik betrieben – so wurden mehrfach CSDs wie der in Istanbul verboten und wer dennoch demonstrierte, wurde von der Polizei mit Gewalt verfolgt (queer.de berichtete). Öffentlich wollten sich der Beirat und die beiden Organisationen zu dem Thema nicht äußern.

In einem Kommentar wird in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" das Ende der Zusammenarbeit mit homophoben Verbänden gefordert: "Hessen hat die Zusammenarbeit mit Ditib beim Reliunterricht gerade beendet. Auch in NRW steht das zur Debatte. Wenn sich die Verbände weiterhin lieber bedeckt halten, könnte ihnen in Niedersachsen ein ähnliches Schicksal drohen."

Katholische Kirche akzeptiert sexuelle Vielfalt an Schulen

Andere nicht gerade homofreundliche Glaubensgemeinschaften haben die Behandlung des Themas sexuelle Vielfalt akzeptiert: Die katholische Kirche habe laut der "Neuen Osnabrücker Zeitung" etwa erklärt, dass der Lehrplan für Gymnasien bereits geändert worden sei.

Die Grünen kritisieren das Vorgehen der Islamverbände: "Es muss möglich sein, auch kontroverse Themen im islamischen Religionsunterricht darzustellen", sagte der innenpolitische Sprecher der Landtagsfraktion, Belit Onay der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Auch der Islam habe immer wieder Berührung mit Themen wie sexueller Vielfalt und Homophobie. Schüler müssten lernen, das einzuordnen. "Es kann doch nicht sein, dass die Verantwortlichen nun bei den ersten Schwierigkeiten die Segel streichen und sich verweigern", kritisierte Onay. "Dass weder Kultusministerium noch Islamverbände bislang offen über diese Probleme gesprochen haben, zeugt von mangelndem Problembewusstsein."

Sexueller Vielfalt seit 2014 in niedersächsischen Schulen

Das Land Niedersachsen hatte 2014 mit den Stimmen von SPD, Grünen und FDP gegen heftigen Widerstand der Christdemokraten einen Antrag zum besseren Umgang mit der Vielfalt sexueller und geschlechtlicher Identitäten in den Schulen beschlossen (queer.de berichtete). Die Debatte führte damals zu vielen homophoben Reaktionen: CDU-Schulexpertin Karin Bertholdes-Sandrock warnte sogar davor, "dass beispielsweise Schwule und Lesben in den Klassen allein gegenüber den Kindern auftreten" (queer.de berichtete). Die Schüler-Union behauptete, Schulaufklärung über Homosexualität führe zu "Übersexualisierung und Perversion" (queer.de berichtete). Außerdem wurde eine "Demo für alle" gegen die Thematisierung von sexueller Vielfalt an Schulen abgehalten (queer.de berichtete).

Ganz rund läuft die Umsetzung des Bildungsplanes nicht: Die Grünen haben erst vor wenigen Tagen die inzwischen rot-schwarze Landesregierung kritisiert, weil sie zu wenig für sexuelle Vielfalt an Schulen tue: "Es ist eine Schande, dass Jugendliche auch heute noch Angst vor einem Outing haben müssen. Die Landesregierung nimmt dieses Problem nicht ernst, im Gegenteil: Der Beschluss des Landtages, dieser Diskriminierung durch gezielte Maßnahmen zu begegnen, scheint für die GroKo nur anstrengende Pflichtlektüre zu sein", erklärte Julia Willie Hamburg, die schulpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion. Sie reagierte damit auf Antworten (PDF) des SPD-geführten Kultusministeriums zur Umsetzung des Bildungsplans. (ots/cw)



#1 qwertzuiopüAnonym
  • 01.02.2019, 16:48h
  • Was sich mir aus dem Artikel leider nicht erschließt, ist, ob der Beirat sexuelle Vielfalt ablehnt oder die Behandlung von sexueller Vielfalt als Unterrichtsthema. (also ich nehme mal an, letztendlich beides, aber im konkreten Fall macht das schon einen Unterschied)
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#2 PiepmatzAnonym
  • 01.02.2019, 17:55h
  • Das Grundproblem ist doch nicht, dass diese und andere Spinner davon überzeugt werden müssen, dass queere Menschen nicht auf dem Acker des Teufels wachsen.

    Das Grundproblem ist, dass "Geisterglaube und Magie" allen Ernstes immer noch ein offiziell anerkanntes und staatlich gefördertes Schulfach ist. Dieses Problem sollten wir endlich angehen und lösen, statt uns wieder und wieder mit diesen intoleranten Deppen herumzuplagen.
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#3 swimniAnonym
  • 01.02.2019, 19:05h
  • Religion tut den menschen generell nicht gut.

    viele islamverbände sind nicht an einem konstruktiven Dialog interessiert. sie wollen ohne Kompromisse ihr ding durchziehen.

    man siehts ja auch in der arabischen welt. Kompromisse? Fehlanzeige, daher sind dien arabischen länder auch weltpolitisch so schwach.
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#4 qwertzuiopüAnonym
  • 01.02.2019, 20:56h
  • Religionsunterricht hat sehr wohl einen Sinn, nämlich den, Wissen über die jeweilige Religion und Theologie zu vermitteln, und die Schüler in die Lage zu versetzen, diese auch kritisch zu hinterfragen.

    Einfach so zu tun, als gäbe es keine Religion, ist kein Weg, Probleme zu lösen. Ein Gläubiger, der gelernt hat, seinen Glauben und Glaubensinhalte differenziert zu betrachten, wird mit wesentlich geringerer Wahrscheinlichkeit annehmen, dass extremes Handeln etwas gutes bewirken kann.
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#5 FaktencheckAnonym
  • 01.02.2019, 21:25h
  • Antwort auf #4 von qwertzuiopü
  • "Religionsunterricht hat sehr wohl einen Sinn, nämlich den, Wissen über die jeweilige Religion und Theologie zu vermitteln, und die Schüler in die Lage zu versetzen, diese auch kritisch zu hinterfragen."

    Das kann nur ein Ethik-Unterricht zuverlässig leisten, der alle Weltanschauungen abdeckt, der Religion aus religionsWISSENSCHAFTLICHER Sicht betrachtet statt aus religiös-dogmatischer Sicht und der gemeinsam von allen Schüler_innen besucht wird. Ein konfessioneller, nach Religionen getrennter Unterricht wird das, was du forderst, höchstens in glücklichen Ausnahmefällen leisten.
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#6 ahmadAnonym
  • 01.02.2019, 21:43h
  • Antwort auf #3 von swimni
  • so ein Schwachsinn

    das gleiche könnte man auch von Deutschland sagen
    wir haben hier AfD und Hedwig von beverfoerdes und andere gefährliche Leute

    wie kannst du bitte eine religion mit 1 Milliarde menschen pauschalisieren ?
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#7 ahmadAnonym
  • 01.02.2019, 21:45h
  • islam ist eine religion mit mehr als 1 Milliarde Menschen oder Anhängern

    das ist immer bitter wenn irgendwelche Beiräte dinge ablehnen. Die sprechen gewiss nicht für alle von den Muslimen

    das gleiche haben wir auch mit der katholischen Kirche usw.
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#8 ElfolfProfil
  • 02.02.2019, 06:12hHamburg
  • Als Christ werfe ich da keinen Stein. Meine Religion verbietet mir ja auch, außerhalb der Ehe Sex mit einer Frau zu haben. Und Gott weiß, ich habe mich mein Leben lang daran gehalten. Ich bin so christlich, ich liebe jeden Mann wie mich selbst, auch körperlich, denn sein Stecken und Stab trösten mich. Sagt der Herr. Und der muss es ja wissen. Reichen wir also unseren muslimischen Brüdern die Hand, wo sie dazu bereit sind. Ihre Familien können wir auch nicht schneller überzeugen als unsere Katholiken oder Fussball Hooligans. Die praktizieren ihre Gleichgeschlechtlichkeit weiter im Dunkeln oder im Knast, hauptsache, man spricht nicht drüber. Und zwei, drei Bier entschuldigen alles.
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#9 Gerlinde24Ehemaliges Profil
  • 02.02.2019, 06:36h
  • Wenn ein Beirat sich so verhält, sollte man sich die Frage stellen, ob man hier den richtigen Ansprechpartner hat, und nicht eine Erdowahn-Marionette? Und daraus Konsequenzen ziehen! Auch Moslems müssen begreifen, dass wir nicht mehr im 7. Jahrhundert leben!
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#10 Alice
  • 02.02.2019, 13:46h
  • Kann mir jemand helfen?

    Ich habe immer mehr Schwierigkeiten den Unterschied zwischen katholischen, evangelischen, islamischen und orthodoxen Vorstellungen zu erkennen - man sagt aber immer die wären so verschieden, so verscheiden, dass man sogar Kriege deswegen führt(e).

    Gut, dass wir da helfen können!
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