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München

Nach Gabalier-Skandal: Grüne schlagen kommunalen Valentin-Preis vor

Die Auszeichnung des homophoben Sängers mit dem närrischen Karl-Valentin-Orden sorgt weiter für Wirbel. Derweil tritt Andreas Gabalier bereits am Freitag in der Semperoper und live im MDR auf.


Gabalier meinte 2015 unter anderem: "Man muss doch nicht jeden Tag schmusende Männlein in der Zeitung oder auf Plakaten drucken." Die Münchener Karnevalsgesellschaft Narrhalla hält das nicht für homophob (Bild: Harald Bischoff / wikipedia)

Im Zuge der Auseinandersetzung um die Vergabe des Karl-Valentin-Ordens durch die Münchener Faschingsgesellschaft Narrhalla an den umstrittenen österreichischen Schlagersänger Andreas Gabalier hat die Stadtratsfraktion Die Grünen-rosa liste am Freitag einen Antrag vorgestellt, wonach die Stadt einen eigenen Valentin-Karlstadt-Preis ins Leben rufen sollte.

Fraktionsvorsitzender Dr. Florian Roth und Stadtrat Thomas Niederbühl schlagen vor, die Stadt solle sich zu diesem Zweck mit der "Saubande" in Verbindung setzen – dem Valentin-Karlstadt-Förderverein, der bisher in losen Abständen den undotierten "Großen Karl-Valentin-Preis" vergibt. Damit könne man "das künstlerische Erbe Karl Valentins und Liesl Karlstadts einer noch größeren Öffentlichkeit zugänglich" machen und die Erinnerung "von Missverständnissen und Verzerrungen befreien, die durch die wiederholten Fehlgriffe der Narrhalla" bei der Verleihung ihres Ordens entstanden seien.

"Zusammen mit seiner kongenialen Partnerin Liesl Karlstadt bildete Karl Valentin ein weit über die Grenzen Münchens hinaus bekanntes Komiker-Duo, dessen Verwandtschaft zu absurden und dadaistischen Kunstformen Pioniercharakter hatte", so Roth. Mit der Übernahme des Valentin-Karlstadt-Musäums habe die Stadt die Bedeutung der beiden anerkannt und sich dazu verpflichtet, die Erinnerung an ihr Lebenswerk lebendig zu erhalten. "Die regelmäßige Verleihung eines Preises an Persönlichkeiten, die nachvollziehbar in Valentins und Karlstadts künstlerischer Tradition stehen, wäre eine sinnvolle Ergänzung dieser Aktivität."

Thomas Niederbühl beklagte, es sei "längst nicht mehr nachvollziehbar, was der Faschingsorden der Narrhalla mit Karl Valentin zu tun haben könnte." Die aktuelle Verleihung zeige ein "völlig verfehltes Verständnis von Karl Valentin": "Mit Andreas Gabalier wird hier ein Sänger geehrt, dessen unkritische Heimatseligkeit sowie häufig frauenfeindliches und homphobes Auftreten mit dem Valentinschen Hintersinn unvereinbar ist. Es kann der Stadt München nicht gleichgültig sein, wenn das Andenken an Karl Valentin und sein künstlerisches Erbe immer wieder durch solche gedankenlose Anbiederungen an irgendwelche Prominenten verfälscht wird."

Narrhalla sieht kein Problem in Gabalier

Die für Samstag im Rahmen eines Narrhalla-Balls im Deutschen Theater geplante Auszeichnung sorgt bereits seit Tagen für Debatten. Mehrere prominente Münchner wie der ehemalige Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) kritisierten die Faschingsgesellschaft ebenso wie Nachkommen Valentins und das Valentin-Karlstadt-Musäum (queer.de berichtete). Am Donnerstag reagierte die Münchner Szene: Mehrere Verbände und Vereine, die den jährlichen Schwulen Fasching zum Rosenmontag organisieren, luden die Narrhalla öffentlich aus (queer.de berichtete).


Auf der Narrhalla-Webseite präsentieren sich Mitglieder stolz mit Gabalier

Die Faschingsgesellschaft hatte am Dienstag in einer Stellungnahme betont, man mache sich "als gemeinnütziger Verein weder rechtspopulistische, homophobe sowie frauen- und fremdenfeindliche Texte zu eigen" und stehe "für eine bunte, tolerante und soziale Stadtgesellschaft". Gabalier werde "für seine künstlerische Leistung" ausgezeichnet. "Texte von Künstlern sind vielseitig auslegbar und werden offensichtlich von bestimmten Personen je nach Neigung unterschiedlich wahrgenommen. Deshalb können wir negative und oberflächliche Interpretationen weder nachvollziehen noch bestätigen."

Narrhalla-Vize Günter Malescha hatte zuvor gegenüber dem BR betont, dass man Gabalier keine Homophobie vorwerfen könne, und gegenüber der "tz" gemeint: "Oberflächlich betrachtet entsteht für den ein oder anderen der Eindruck, Gabalier sei der rechten Ecke zugeneigt. Schaut man genau hin, ist das nicht haltbar. Auch dass er frauenfeindlich sein soll, ist Unsinn. 80.000 Mädels in einem Stadion irren sicher nicht!"

Gabalier bereits am Freitag in Dresden und im TV

Gabalier hatte sich in der Vergangenheit mehrfach nachweislich homophob geäußert. So beklagte er sich etwa 2015, dass er als Heterosexueller diskriminiert werde ("Man hat's nicht leicht auf dieser Welt, wenn man als Manderl noch auf ein Weiberl steht"). Außerdem forderte er Homosexuelle auf, sich "aus Respekt vor Kindern" in der Öffentlichkeit zurückzuhalten. In einem Interview machte er außerdem die Sichtbarkeit von Schwulen und Lesben dafür verantwortlich, dass sexuelle Minderheiten von Heterosexuellen gehasst werden: "Man muss doch nicht jeden Tag schmusende Männlein in der Zeitung oder auf Plakaten drucken. Das löst das Gegenteil aus. Abwehr, Überdruss, Antipathie, selbst bei Leuten, die es doch eigentlich tolerieren."

Der 34-Jährige, der in den letzten Tagen von einigen FPÖ- und AfD-Politikern wie Heinz-Christian Strache und Martin Hohmann in sozialen Netzwerken verteidigt wurde, hatte gegenüber der "Bild" betont, dass ihm die aktuelle Kritik egal sei: "Wenn sich ein paar Einzelne aufregen, die mich persönlich überhaupt nicht kennen, dann juckt mich das nicht." Er lasse sich seine "Erfolgsgeschichte" nicht "von ein paar Neidern (…) kaputt reden" (queer.de berichtete).

Die "Erfolgsgeschichte" scheint derweil unvermindert weiter zu gehen: Bereits am Freitag tritt Gabalier beim 14. "SemperOpernball" in Dresden auf. Beim nach Angaben des Hauses "größten Klassik-Entertainment-Event im deutschsprachigen Raum" übernimmt er das traditionelle Mitternachtskonzert – es wird vom MDR live übertragen. (nb)



#1 alter schwedeAnonym
  • 02.02.2019, 08:21h
  • Im schwäbischen sagt man in solchen Situationen gerne: A Gschmäckle bleibt emmer. Da muß die Stadt München aber sehr sehr schnell handeln wenn man die Namen von Valentin und Karstadt reinhalten will. Durch die Narhalla-Provokation pappt da jetzt schon ein dicker Batzen braune Soße dran.

    Bezeichnend finde ich auch die Farbgebung der Einladung. Die Herren des Vorstandes (Ich geh mal davon aus, daß das auf dem Foto der Vorstand sein soll, - im ersten Moment dachte ich nämlich die Arbeitskleidung des Münchner Bierkessel-TÜVs ist aber schick) tragen ja durchweg Rot, Schwarz, Weiß.

    Genau! Wer im Geschichtsunterricht aufgepaßt hat, ist darüber im Bild, daß die Fahnen vom Hitlers Adolf in der dreißiger Jahren die Farben Rot, Schwarz, Weiß hatten. Das ist fast noch augenzwinkender und hintersinniger wie das CD-Cover vom Rätschen-Andi. (Mei wor des immer festlich im Bürgerbräukeller)

    Also liebe Narhalla. Das Ambiente stimmt. Auf der Bühne der Vorstand in Rot, Schwarz, Weiß, das CD-Cover vom Andi auf den Bühnenhintergrund projeziert, Licht dimmen und ein paar Fackeln anzünden und dann alle im Saal aufstehen und den rechten Arm hoch.

    Und als Höhepunkt singen der Dieter Krause und der Andi Ich hatt einen Kameraden. Da werden dann aber schon ein paar versteckte Tränerl aus manchen Augen im Publikum rollen.

    Valentin-Orden. - Ach so, Ah ja ist nicht so wichtig war nur für die Bild-Zeitung als Aufhänger damit net nur die vielen jungen Madeln zur Soiree kommen. In ein paar Jahren gibts dann sowieso den Onkel-Adi-Orden und für die gang ganz lustigen Künstler den Björn-Höcke-Orden am blauen Band.
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#2 Ralph
#3 alter schwedeAnonym
  • 02.02.2019, 11:50h
  • Ohh, habs erst gar nicht gesehen. Beim Semper-Opernball in Dresden war der Andi auch.

    Da konnte er ja schon mal für heute Abend üben und lustige Anekdoten über Schwule und Tunten bei den Pegida-Leuten lernen.. (Vielleicht nicht Anekdoten. Die Pegidas denken dabei bestimmt, daß das Winterrüben fürs Leipziger Allerlei sind)

    Schade, daß der Polunin nicht dabei war. Der hätt den Leuten von der Pegida was schönes vortanzen können zur Musik vom Andi. Der untergehende Schwan oder war das der sterbende Schwan. Egal - Ergebnis ist das selbe. Auch die Pegida-Leut mögen das hintersinnige.

    Und der MDR hats auch noch gesendet. OK - das ist dann nicht so dramatisch weil eh immer nur drei, vier Leut zugucken, aber vielleicht wird dann doch noch mal ein richtiger Kultursender draus - wie ARTE oder so. Dann müsste halt ein richtiger Kunstkenner wie der Herr Strache aus Österreich Intendant werden. Na ja, mal sehn.

    Ja ja. Da wächst dann doch zusammen was zusammen gehört. Mal gucken, dann gibts bestimmt auch bald wieder so schöne Filmklassiker wie Jud Süß vom Veit Harlan oder Triumph des Willens von der Leni Riefenstahl in den Dresdner und Münchner Kinos.

    Zum Glück bin ich schon etwas älter, das moderne Zeug von heute verstehe ich irgendwie gar nicht. Da muß ich einfach mal in der Immowelt nachsehen, obs noch schöne Alterswohnungen in Tunesien oder Marokko gibt.
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#4 alter schwedeAnonym
#5 qwertzuiopüAnonym
  • 02.02.2019, 14:08h
  • "Bereits am Freitag tritt Gabalier beim 14. "SemperOpernball" in Dresden auf."

    Passt wie die Faust aufs Auge.
    Als zugezogener Dresdner muss ich sagen, obwohl ich Sachsen und die Menschen im Allgemeinen hier sehr mag, es gibt hier einen ganz seltsamen Sachsenpatriotismus.
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#6 TheDadProfil
  • 02.02.2019, 16:45hHannover
  • Antwort auf #1 von alter schwede
  • ""Im schwäbischen sagt man in solchen Situationen gerne: A Gschmäckle bleibt emmer. Da muß die Stadt München aber sehr sehr schnell handeln wenn man die Namen von Valentin und Karstadt reinhalten will.""..

    Was ich immer noch nicht verstehe :
    Wieso entziehen die ebenfalls kritisierenden Erben Karl Valentins der "Narhalla" nicht einfach die Nutzung des Namens per einstweiliger Verfügung ?

    Das hätte man schon bei der Vergabe an andere Illustre Träger dieses "Faschings-Ordens" wie dem unseligem FJS tun können..
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#7 akter schwedeAnonym
  • 02.02.2019, 17:56h
  • Antwort auf #6 von TheDad
  • Das frage ich mich ehrlich gesagt auch schon die gesamte Zeit, vermute aber, daß man den Namen eher aus Zurückhaltung schonen will.

    Valentin war im Gegensatz zum anderen Münchner Hauskomiker Weiss Ferdl kein Freund der Nazis. Er trat nie in die Partei ein und machte auch keinen Hehl aus seiner starken Abneigung gegen Hitler. (Herrlicher Spruch: Gut, dass Hitler nicht Kräuter heißt, sonst müsste man ihn mit 'Heil Kräuter' grüßen") Er biederte sich auch nicht den Nazis an. Er entzog sich allerdings auch immer wieder der Vereinnahmung politisch eher links stehender Kräfte. Er war einer der wenigen, denen man nach dem Krieg kein Mitläufertum nachsagen konnte. Hut ab.

    Sein zum Teil stark absurder Humor war für die Nazis zu kompliziert. Deshalb liesen sie ihn auch weitgehend in Ruhe. (Infos hab ich aus BR online)

    Ich selbst schätze ihn als stark introvertierten Menschen ein. Er hats nicht so mit den Leuten gehabt. Welche Verletzungen dahinter stehen weiß ich nicht.

    Aus diesem Grund müßen wir, so denke ich aktzeptieren, daß die Erben hier den Namen und vor allem die Person rauslassen und schützen wollen.

    Dafür, daß sie ihm gewisse Leute heute Abend aber in den Arsch treten, sollten wir den lustigen Leuten von der Narhalla und ihrem Barden weiter die diversen Zerrspiegel, wenn es sein muß auch die sehr stark toxischen, vorhalten. Zuvörderst denen die darauf hoffen, daß diese unwürdige Vereinnahmung morgen vergessen ist und ganz schnell Gras darüber wächst.

    Ich glaube, daß sind wir dem Karl und auch seiner Liesl schuldig
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