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Sexualmoral

Prominente Katholiken fordern "verständige und gerechte Bewertung von Homosexualität"

In einem offenen Brief an Kardinal Marx haben acht bekannte Katholiken die Deutsche Bischofskonferenz zu einem Neuanfang aufgerufen, darunter Angar Wucherpfennig und Klaus Mertes.


Reinhard Kardinal Marx ist seit 2007 Erzbischof von München und Freising sowie seit 2014 Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (Bild: Botulph / wikipedia)
  • 3. Februar 2019, 09:28h 23 2 Min.

Acht prominente Katholiken haben die Deutsche Bischofskonferenz zu einem Neuanfang in der Kirche aufgerufen. Die katholische Kirche solle ihre geistlichen Ämter für Frauen öffnen, Priestern die Wahl ihrer Lebensform freistellen und der Homosexualität mit Verständnis begegnen, heißt es in einem offenen Brief an den Vorsitzenden der Bischofskonferenz, den Münchener Kardinal Reinhard Marx, der am Sonntag in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" veröffentlicht wurde.

"Wenn Sie sich an die Spitze der Reformbewegung setzen, haben Sie uns entschlossen hinter sich", steht in dem Appell, der sich auch an alle anderen Bischöfe richtet. "Schlagen Sie eine neue Seite auf, schreiben Sie "2019" darüber, und fangen Sie an." Über die Akzeptanz von Lesben und Schwulen heißt es im offenen Brief: "Hören Sie auf das Zeugnis der Bibel und auf die Erfahrungen von Gläubigen, und machen Sie einen Neustart mit der Sexualmoral – eine verständige und gerechte Bewertung von Homosexualität inklusive."

Anlass des Briefes ist Marx' Reise zu einer Vatikan-Konferenz

Fünf der acht Unterzeichner kommen aus Hessen, unter ihnen der der Rektor der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt, Ansgar Wucherpfennig, dem der Vatikan im November vergangenen Jahres erst nach öffentlichen Appellen von Theologen die Zustimmung zu einer dritten Amtszeit gewährt hatte. Auch der Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz und die Frankfurter Caritas-Direktorin Gaby Hagmans schlossen sich dem Appell an, ebenso wie der Jesuitenpater Klaus Mertes, der 2010 Missbrauchsfälle in der Kirche öffentlich gemacht hatte und nun das Kolleg Sankt Blasien im Südschwarzwald leitet.

Die Verfasser beziehen sich auf eine bevorstehende Reise von Kardinal Marx zu einer Konferenz im Vatikan über die Missbrauchsskandale der vergangenen Jahre. Sie sprechen auch von einer bedrückten Stimmung in den Pfarrgemeinden: "Die Sonne der Gerechtigkeit kommt nicht mehr durch. Unter einem bleiernen Himmel verkümmert die Freude am Glauben." (cw/dpa)

-w-

#1 queergay
  • 03.02.2019, 11:03h
  • Einen ähnlichen offenen Brief an den Zentralrat der Muslime in Deutschland e.V. - von acht bekannten oder prominenten Muslimen oder Moslems unterzeichnet - mit Forderung einer "verständigen und gerechten Bewertung von Homosexualität" wünsche ich mir ebenfalls.

    Dieser öffentliche Aufruf sollte dann auch an den Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland e.V., die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V. und an den Verband der Islamischen Kulturzentren e.V. gerichtet werden.

    Bei uns gibt es an Universitäten auch Lehrstühle für Islamisches Recht. Vielleicht könnte man auch dort vorstellig werden und mit einem wohlwollenden Brief um eine "verständige und gerechte Bewertung von Homosexualität" bitten.
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#2 kuesschen11
  • 03.02.2019, 11:10hFrankfurt
  • "Hören Sie auf das Zeugnis der Bibel und auf die Erfahrungen von Gläubigen, und machen Sie einen Neustart mit der Sexualmoral eine verständige und gerechte Bewertung von Homosexualität inklusive."

    Wie soll das bitte verstanden werden? Seit langer Zeit wird Homosexualität von der katholischen Kirche bewertet. Das Zeugnis der Bibel im Alten Testament ruft unter Levitikus sogar zum Morden gegenüber gleichgeschlechtlich Liebenden aus, zumindest was die sexuelle Praxis angeht.

    Im Neuen Testament haben die Theologen erkannt, dass das Wort in der Bibel sich selbst in Sünde verstrickt hat. Was aber heute noch davon übrig bleibt, ist die Diskriminierung und in fundamental christlichen Kreisen die Hass-Sprache.

    Wie soll der Neuanfang also aussehen? Wahrscheinlich werden kleine Kompromisse geschlossen ohne Anerkennung der sexuellen Identität.
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#3 Taemin
  • 03.02.2019, 12:13h
  • Meiner Meinung nach ist die Zeit, in der noch Diskussions- und Überzeugungsversuche zu machen waren, vorbei. Die Einstellung der kath. Kirche zu Schwulen und Lesben ist ihr internes Problem. Sowohl Schwule und Lesben als auch die Gesamtgesellschaft sind aufgerufen, mit aller Kraft darauf hinzuwirken, dass diese Kirche ihres politischen Einflusses und ihrer Bereichung durch Steuergelder, die überwiegend von Nichtmitgliedern stammen, entkleidet wird. Anders als z.B. der LSVD halte ich fortdauernde Anbiederung und Bettelei um Toleranz für verfehlt, nicht zielführend und vor allem unwürdig. Es gibt keinen Grund, mit der kath. Kirche anders umzugehen als mit anderen Organisationen, die sich außerhalb unserer freiheitlichen Staatsordnung und unserer vielfältigen Gesellschaft stellen, z.B. AfD. Extremismus ist immer Extremismus, egal ob originär politisch oder religiös motiviert. Ungeachtet ihrer heuchlerischen Abgrenzungen vom ganz rechten politischen Spektrum vertritt die kath. Kirche Schwulen und Lesben gegenüber genau die selben menschenfeindlichen Positionen wie AfD, NPD usw. und übertrifft diese sogar manchmal noch durch die Gehässigkeit ihrer Sprache.
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