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Diplomat schreibt in "Bild"

Wegen Hinrichtung Homosexueller: US-Botschafter Grenell vergleicht Iran mit IS

Der schwule US-Botschafter verschärft in der "Bild"-Zeitung den Ton gegen den Iran – mit Verweis auf die Homo-Verfolgung in der Islamischen Republik.


Richard Grenell gilt als loyaler Anhänger von US-Präsident Donald Trump (Bild: richardgrenell / instagram)

Der offen schwule US-Botschafter in Berlin, Richard Grenell, hat die gegen Homosexuelle gerichtete Politik des Iran mit Gräueltaten der Terrormiliz "Islamischer Staat" gleichgesetzt. "Im Iran, wo selbst neunjährige Kinder zum Tode verurteilt werden können, werden schwule Teenager öffentlich gehängt, um andere so zu verängstigen und einzuschüchtern, dass sie es nicht wagen, sich zu outen", erklärte der 52-Jährige in einem in der "Bild"-Zeitung veröffentlichten Gastkommentar. "Irans abscheuliche Maßnahmen stehen der Brutalität und Grausamkeit der ISIS-Terrormiliz in nichts nach. In acht Ländern steht auf Homosexualität die Todesstrafe, in 70 weiteren ist sie illegal."

Der Diplomat kritisierte "barbarische öffentliche Hinrichtungen" und die Kriminalisierung von Homosexualität im Iran, die "jeden Befürworter der grundlegenden Menschenrechte" wachrütteln sollten. "Man kann unterschiedlicher Ansicht über Homosexualität sein, aber niemand sollte jemals strafrechtlich verfolgt werden, weil er homosexuell ist", so Grenell, in dessen eigenem Land Homosexualität in großen Teilen bis 2003 strafbar war. "Mir wurde beigebracht, dass 'alle Wahrheit Gottes Wahrheit ist, unabhängig davon, wo man sie findet'. Meine Wahrheit ist die, dass ich homosexuell geboren wurde."

Grenell bezog sich in seinem Artikel auf eine angebliche Hinrichtung eines Mannes wegen Homosexualität im Iran im Januar, über die mehrere Medien unter Verweis auf eine iranische Nachrichtenagentur berichtet hatten. Der US-Diplomat hatte die Tat bereits damals via Twitter verurteilt und diplomatische Reaktionen von den Europäern gefordert – die Quellenlage zu der Hinrichtung und ihrer Motivation bleibt allerdings bis heute vage (queer.de berichtete).

Twitter / RichardGrenell | Terrorismus, Todesdrohungen, Raketenprogramme und die Hinrichtung von Schwulen seien keine europäischen Werte, mahnt Richard Grenell

US-Linie gegen Iran verschärft sich

Das plötzliche Interesse Grenells an Menschenrechten im Nahen Osten könnte mit einer veränderten Politik der USA zusammenhängen: Letztes Jahr kündigte die Trump-Regierung das erst wenige Jahre zuvor vereinbarte Atomabkommen auf, an dem Deutschland und die europäischen Verbündeten gerne festhalten würden. Seit der Kündigung drohen US-Politiker und Diplomaten wie Grenell europäischen Ländern, dass sie ökonomisch bestraft werden könnten, wenn sie nicht die harte amerikanische Linie mittragen. Dies wird oft als heuchlerisch kritisiert, weil die Trump-Regierung zeitgleich die militärische Zusammenarbeit mit Saudi-Arabien intensivierte – obwohl auch dort Homosexuelle öffentlich hingerichtet werden.

Grenell war im Sommer 2017 von Präsident Trump für den Botschafterposten in Berlin nominiert worden (queer.de berichtete). Erst ein Jahr später bestätigte ihn der US-Senat (queer.de berichtete). Die meisten Mitglieder der demokratischen Oppositionsfraktion stimmten gegen den langjährigen Trump-Anhänger und begründeten das unter anderem mit sexistischen Tweets gegen politische Gegner wie Hillary Clinton oder die lesbische Journalistin Rachel Maddow.

Der US-Botschafter in Berlin hat eine lange politische und diplomatische Karriere hinter sich: Nach seinem Studium an einer von der evangelikalen Pfingstbewegung betriebenen Privat-Hochschule sowie an der Universität Harvard arbeitete er für mehrere republikanische Politiker, darunter den New Yorker Gouverneur George Pataki, für US-Senator John McCain und den Kongressabgeordneten Dave Camp. Grenells diplomatische Laufbahn begann im Jahr 2001, als er vom damaligen Präsidenten George W. Bush zum US-Sprecher bei den Vereinten Nationen ernannt wurde. Diese Rolle hatte er bis 2008 inne, länger als jeder andere. Danach gründete er ein Beratungsunternehmen für Medien und war als republikanischer Kommentator in US-Nachrichtensendern, insbesondere im konservativen Haussender Fox News Channel, tätig.

Im Präsidentschaftswahlkampf 2012 war Grenell der außenpolitische Sprecher des republikanischen Kandidaten Mitt Romney. In der aufgeheizten politischen Atmosphäre wurde er aber wegen seiner Homosexualität von konservativen Republikanern attackiert und musste schließlich das Amt aufgeben (queer.de berichtete). 2016 warb er bereits früh für den zunächst als aussichtslos geltenden Kandidaten Donald Trump und verteidigte ihn auch nach seinem Amtsantritt gegen jegliche Kritik. Damit verdiente er sich offenbar den Botschafterposten, da der US-Präsident bedingungslose Loyalität schätzt. Für LGBTI-Rechte in seinem eigenen Land hat sich Grenell bislang nicht offen eingesetzt. (dk)



#1 tchantchesProfil
#2 ElfolfProfil
  • 04.02.2019, 12:47hHamburg
  • Dieser Mann ist sich für nichts zu schade, wenn es darum geht, die Politik des orangesten Präsidenten aller Zeiten durchzusetzen. Nach den offenen Drohungen gegen deutsche Unternehmen im Streit um die Gaspipeline wird hier nun eine Hinrichtung instrumentalisiert um die Stimmung gegen den Iran aufzuheizen. Dabei bin ich mir sicher, das Leben von anderen Homosexuellen außer ihm selbst, ist ihm mehr als egal, sonst würde er sich nicht dermaßen den Rechten andienen.
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#3 FredericAnonym
  • 04.02.2019, 13:22h
  • Antwort auf #1 von tchantches
  • Ich wüsste nicht, dass es in den USA strafbar ist schwul zu sein. Wieso müssen seine richtigen Ansichten schlecht geredet werden? Es ist richtig, dass die USA keine Geschäfte mit dem Iran macht. Die EU lässt sich wie immer vom Iran an der Nase herumführen - ihr sind Menschenrechte vollkommen egal. Dass die USA natürlich auch geopolitische Interessen verfolgt ist logisch, aber lieber Trump USA statt Mullah-Iran.
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#4 Alexander_FAnonym
  • 04.02.2019, 13:50h
  • Solange Trump keine Taten sehen lässt, brauchen wir uns um dieses scheinheilige Getöse nicht weiter zu kümmern.
    Wenn er das aber tatsächlich einmal täte und das Mullah-Regime wegfegen würde, hätte er aber ausnahmsweise mal eine einzige Sache richtig gemacht.
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#5 AEMR 1948Anonym
  • 04.02.2019, 13:56h
  • Die USA haben doch den UN-Menschenrechtsrat verlassen und setzen sich nicht mehr für Menschenrechte ein und auch nicht für Homosexuellenrechte weltweit. Daher ist der Vortsoß von Herrn Grenell nur verlogen! Oder kritisiert er auch Saudi-Arabien? Wohl kaum, das sind ja im Weltbild von Trump die Guten. Wenn da auf Homosexulität auch immer noch die Todesstrafe steht, ist dies irrelevant.
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#6 AFD-WatchAnonym
  • 04.02.2019, 14:06h
  • Antwort auf #3 von Frederic
  • " Es ist richtig, dass die USA keine Geschäfte mit dem Iran macht. Die EU lässt sich wie immer vom Iran an der Nase herumführen - ihr sind Menschenrechte vollkommen egal."

    Und deshalb macht die USA Geschäfte mit Saudi-Arabien, behaart auf eine Mauer und ist aus dem Menschenrechtsrat ausgestiegen, weil ihr Menschenrechte nicht egal sind, nach dem Motto "Human Rights first"?
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#7 FredericAnonym
#8 qwertzuiopüAnonym
  • 04.02.2019, 15:00h
  • Bei der Bewertung des Kurses, den die USA gegen den Iran fahren, darf man nicht vergessen, dass es im Iran auch eine liberalere Mittelschicht gibt, die von der Revolutionsgarde unterdrückt werden.
    Die "islamische" Revolution gegen den Schah war eine gesamtgesellschaftliche, Chomeini hat die liberalen Stimmen weggedrängt und eine Diktatur installiert. Wie das halt so passiert bei Revolutionen.
    Die liberalen Stimmen müssen gestärkt werden, nicht der gesamte Iran mit dem IS gleichgesetzt werden.
    Wenn wir direkt etwas für Homosexuelle im Iran tun wollen, sollten wir es für sie einfacher machen, Asyl zu bekommen. Der Kurs der USA ist doch machtpolitische Kriegstreiberei.
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#9 mmkkkAnonym
  • 04.02.2019, 15:41h
  • Die USA richten doch selber hin, die sind nämlich auch nicht besser als der Iran..

    Jede Hinrichtung ist ein vebrechen,
    weil Hinrichtungen staatlich
    geplante auftragsmorde sind...

    auf www.ihfl.de
    geht es z.b um einen fall in den usa..
    Und zwar um Lancelot Armstrong, der mittlerweile soweit ich weis seit ca. 2 jahren ohne gultiges todesurteil immer noch im todestrakt in der todeszelle in einzel-isolationshaft gefoltert wird...

    Es gibt auch ein langes video dort,
    das in Münster bei Amnesty International
    Gedreht wurde...

    In Kurzform, Lance Todesurteil war verfassungswidrig, da sein Todesurteil von 9zu3 nicht einstimmig war..

    Nun muss es zu einer neuen Strafzumessung kommen vor Gericht.. Dabei muss die Jury einstimmig entscheiden ob erneut Todesstrafe oder Lebenslänglich..

    Die USA messen die welt echt nach doppeltem Maß...

    Schlimm das Menschen nur aufgrund ihrer Hautfarbe, Sexualität oder wegen Geldmangel hingerichtet werden, denn arme sind häufiger im todestrakt als wohlhabende...
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#10 S ZachariasAnonym
  • 04.02.2019, 17:08h
  • In Sachen staatlicher homophober Gewalt gibt es keinen Unterschied zwischen dem Iran und Saudi-Arabien. Wer nur eines der beiden Länder kritisiert, über das andere aber schweigt, macht deutlich, dass es nicht um Menschenrechte geht, sondern Menschenrechte für machtpolitische Spielchen missbraucht werden. Ich hoffe, dass darauf nicht viele Leute reinfallen.
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