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Offener Brief an Veranstalter

Sven Lehmann warnt: Es könnte Proteste gegen Summerjam-Festival geben

Der Kölner Bundestagsabgeordnete fordert in einem offenen Brief die Veranstalter des Reggae-Festivals auf, den Homo-Hasser Buju Banton auszuladen – ansonsten könne es zu Protesten kommen.


Sven Lehmann war von 2010 bis 2018 Landeschef der Grünen NRW, seit 2017 ist er Bundestagsabgeordneter und grüner Fraktionssprecher für Queerpolitik (Bild: Deutscher Bundestag / Achim Melde)

Das Summerjam-Festival hält trotz Kritik am Auftritt des jamaikanischen Sängers Buju Banton fest. Der 45-Jährige war von den Veranstaltern als Headliner für das Kölner Open-Air-Event gebucht worden (queer.de berichtete). Das führte zu scharfer Kritik, unter anderem von den Organisatoren des Cologne Pride, der traditionell zeitgleich mit dem Summerjam-Festival Anfang Juli stattfindet (queer.de berichtete).

Die Einladung führte zu erregten Debatten in sozialen Netzwerken. Queer.de erhielt mehrere Botschaften von Banton-Fans, in denen sie sich jegliche Kritik an dem Sänger verbaten ("Wacht mal auf, dann nennt euch keiner 'Zicken' oder 'Missgeburten'"). Unterdessen berichteten queer-de-Leser, dass jegliche Kritik an der Homophobie des Sängers auf der Facebook-Seite des Veranstalters blockiert werde.


Buju Banton sorgte immer wieder mit homophoben Aussagen für Aufregung. In seinem Neunzigerjahre-Lied "Boom Bye Bye", von dem er sich nie distanziert hat, ruft er dazu auf, Schwule durch Kopfschuss, Säure- oder Brandanschläge zu töten

Am Montag schrieb der Kölner Bundestagsabgeordnete Sven Lehmann (Grüne) einen Offenen Brief an die Veranstalter, in dem er sie bat, den Auftritt des Hasssängers abzusagen. Ansonsten drohten Proteste gegen das traditionsreiche Festival, zu dem jedes Jahr etwa 30.000 Fans pilgern. Wir dokumentieren den Brief:

Offener Brief von Sven Lehmann

Liebes Team des Summerjam-Festivals,

Das Summerjam-Festival ist ein wichtiges Event – weit über Köln hinaus. Jedes Jahr pilgern Tausende an den Fühlinger See in Erwartung eines Wochenendes mit friedliebenden, gechillten Menschen, die zu Klängen von Reggae, HipHop und Dancehall entspannt Musik und das Leben genießen wollen. Ich selber bin bereits mehrfach in den Genuss dieser besonderen Atmosphäre gekommen.

Dass das Festival auch in diesem Jahr wieder zeitgleich zum Wochenende des Colognepride und der großen CSD-Parade stattfindet, ist eine gute Fügung. Denn auch beim CSD erwartet Köln wieder eine Million Menschen auf der Suche nach Lebensfreude, Toleranz, Liebe, Offenheit und einem Umfeld ohne Diskriminierung, Hass und Abwertung.

Dazu passt nicht, dass auf Einladung von Summerjam ein bekannter und expliziter Homo-Hasser auf dem Festival performen soll. In seinem Song "Boom Bye Bye" singt Buju Banton davon, Schwule durch Kopfschuss, Säure- oder Brandanschläge zu töten. Immer wieder zeigte er in Interviews seine Abneigung gegenüber Homosexuellen.

Kurz vor seiner Verhaftung hatte er im Herbst 2009 noch abfällig erklärt, es gebe "kein Ende im Krieg zwischen mir und Schwuchteln". Damals sagte er auch, dass er wegen seiner "Kultur und Erziehung" Homosexualität "nicht in tausend Jahren" gutheißen könne (Quelle: www.queer.de).

Ihren öffentlichen Äußerungen vom Wochenende entnehme ich, dass vertraglich gesichert sei, dass Buju Banton bei seinem Auftritt keine homofeindlichen Äußerungen tätigen werde. Das ist gut – ändert aber nichts an der Tatsache, dass Songs wie "Boom Bye Bye" bis heute von ihm ohne Distanzierung performt werden.

Homofeindlichkeit ist keine Petitesse. Sie ist auch kein Ausdruck künstlerischer Freiheit. Sie ist schlichtweg menschenfeindlich. Und Menschenfeindlichkeit darf in Köln keine Bühne bekommen – weder am CSD-Wochenende noch im Alltag.

Ich bitte Sie und Euch daher sehr darum, Buju Banton nicht auftreten zu lassen. Andernfalls wird es sicherlich zu Protesten gegen das Summerjam-Festival kommen, die weder in Ihrem Interesse noch in dem des Festivals und seines guten Rufs sein können.

Sven Lehmann, MdB


#1 JKHHAnonym
  • 04.02.2019, 15:30h
  • Wow, das Summerjam löscht immer noch kritische Kommentare. Gerade in meinem Fall geschehen. Nach 20 Minuten war mein Hinweis weg. Das ist mehr als peinlich...
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#2 Patroklos
#3 SarkastikerAnonym
#4 Patroklos
#5 YannickAnonym
  • 05.02.2019, 10:59h
  • Sollte wirklich einem Hass-Sänger, der sich nach wie vor nicht von seinen Mordaufrufen distanziert (und vielleicht sogar außerhalb Europas weiter verbreitet) ein Forum gegeben werden, "kann" es nicht nur Proteste geben, sondern dann MUSS es Proteste geben.

    Bei sowas darf man als Demokrat nicht wegsehen.

    Und da beim CSD genug Menschen in der Stadt sind, die es betrifft, können die Veranstalter sich schon mal auf entsprechende Proteste gefasst machen, wenn sie diesen Hetzer nicht ausladen.
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#6 didiAnonym
  • 06.02.2019, 01:48h
  • In meiner Lebenswelt äußern Kinder am Rande einer Kundgebung zur Einführung der Ehe für alle ihre Abscheu von Homosexuellen, erklärt bei einer Nikolausfeier ein Rentner Homosexualität für widernatürlich, sagt ein Kind bei einem Fußballturnier: "Schwuchtel. Hurensohn. Ich fick dich" zu anderen Kindern. Und mein ältester Freund meint bei alldem noch seit Jahren, es gäbe keine Diskriminierung. Es geht nicht darum, sich als Randgruppe ständig in den Vordergrund zu stellen, aber eben auch nicht ständig an den Rand geschoben zu werden. Im meinem Bücherregal steht die Studie "Einsamkeit und soziale Isolation homosexueller Männer". Hört das denn niemals auf?
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#7 KennethAnonym
  • 07.02.2019, 12:25h
  • Interessant fände ich es, wie andere Artists ihren Auftritt in diesem Kontext sehen. Zum Beispiel Nura, die ja immerhin das Gesicht des CSD Berlin war. Habe höflich an ihren Instagram Account geschrieben, bekam aber keine Antwort, sondern wurde direkt geblockt. Komischer Umgang mit einer höflichen Nachfrage, die überhaupt nichts beleidigendes hatte....
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