Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?32929

Beitrag zur Stigmatisierung?

Hirschfeld-Stiftung und DAH kritisieren "diskriminierende Kampagne"

In einer Anzeige wirbt eine Pharmafirma mit nackter Haut und dem Slogan "Schöner ohne HIV und Hepatitis C" für Prävention. Nicht jeder ist begeistert.


Diese Werbeanzeigen erschienen in Printmagazinen wie der Berliner "Siegessäule"

Die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld und die Deutsche Aids-Hilfe (DAH) haben eine deutsche Werbeanzeige des amerikanischen Pharmakonzerns Merck Sharp & Dohme (MSD) beanstandet, weil sie Menschen mit HIV diskriminiere. Die Anzeige, die bereits seit mindestens 2017 in LGBTI-Printpublikationen geschaltet wird, zeigt ein sich umarmendes nacktes schwules Paar und trägt die Aufschrift: "Schöner ohne HIV und Hepatitis C. Informieren Sie sich, wie Sie sich vor einer Infektion schützen können". Dabei wird auf die Informationsseite MSD-Gesundheit verwiesen.

"Was für eine diskriminierende Kampagne!", schrieb dazu die Hirschfeld-Stiftung am Mittwoch auf ihrer Facebook-Seite. Die Deutsche Aids-Hilfe schloss sich der Kritik mit den Worten an: "Wir finden auch: Diese Anzeige kann so verstanden werden, dass Sex weniger schön sei, wenn man HIV-positiv ist oder wenn ein Sexpartner HIV-positiv ist oder sogar, dass Menschen ohne HIV schöner sind." Das laufe dem Ziel der Aidshilfen zuwider, Berührungsängste abzubauen und deutlich zu machen: "Ein erfülltes Leben mit HIV ist in jeder Hinsicht möglich – Sex inklusive!" Ziel der Anzeigen sei es wohl, zum Schutz zu motivieren, sie trügen aber "ungewollt zur Stigmatisierung bei". Die Organisation kündigte an, diese Problematik gegenüber Merck zu thematisieren.

Twitter / mhstiftung

Auf der Facebook-Seite der Hirschfeld-Stiftung sind sich die Nutzer uneins, ob die Kritik angebracht ist. Ein Leser schreibt etwa: "Ich verstehe nicht ganz, was da diskriminierend ist. Ich glaube, dass dies eher ein Aufruf zu Prävention ist." Eine anderer: "Die Folgen einer vermeidbaren Infektion herunterzuspielen, ist auch nicht besser." Eine Nutzerin widersprach mit den Worten: "Herzlichen Glückwunsch. Der Makel von Krankheiten wurde perfekt inszeniert. Kranke Menschen sind nicht schön – so funktioniert die perfekte Stigmatisierung. Ich fühle mich gerade 35 Jahre zurück versetzt." Ein weiterer Leser fragte: "Sind nur gesunde Menschen schöne Menschen?" (dk)

@MSD: Was für eine diskriminierende Kampagne!

Gepostet von Bundesstiftung Magnus Hirschfeld am Mittwoch, 6. Februar 2019
Facebook / Bundesstiftung Magnus Hirschfeld

Umfrage zum Artikel

» Findest du die Kampagne "Schöner ohne HIV und Hepatitis C" diskriminierend?
    Ergebnis der Umfrage vom 07.02.2019 bis 14.02.2019


#1 niccinicciAnonym
  • 07.02.2019, 10:48h
  • die aussage trifft einfach auch nicht zu, das gesunde menschen schöner sind, dazu kommt, das alle meine positiven freunde gesund sind. hier wird wieder versucht, sogenannte gesunde gegen kranke auszuspielen und angst zu erzeugen. so 80ies. die verantwortlichen dieser kampagne leben nicht in der heutigen zeit!
  • Antworten » | Direktlink »
#2 KetzerEhemaliges Profil
  • 07.02.2019, 11:16h
  • Herzlichen Glückwunsch. Der Makel von Krankheiten wurde perfekt inszeniert. Kranke Menschen sind nicht schön - so funktioniert die perfekte Stigmatisierung. Ich fühle mich gerade 35 Jahre zurück versetzt.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 TheDadProfil
  • 07.02.2019, 11:29hHannover
  • Antwort auf #1 von niccinicci
  • ""die aussage trifft einfach auch nicht zu, das gesunde menschen schöner sind,""..

    Das missverständliche an der Aktion ist es, das nicht klar wird WAS eigentlich "schöner" sein soll..

    Denn unvollständige Sätze machen dann auch keinen wirklichen Sinn..

    Hier wird weder klar ob Menschen ohne Infektion/Erkrankung "schöner" sein sollen, oder nur der Sexuelle Kontakt ohne die Möglichkeit einer Infektions-Übertragung "schöner" wäre..

    Damit ist dies ein weiteres Beispiel aus dem Bereich
    "gut gemeint, aber sau-doof erledigt"..
  • Antworten » | Direktlink »
#4 Ralph
  • 07.02.2019, 11:40h
  • Ich kann verstehen, dass manche, erst recht wenn sie HIV-positiv sind oder Hepatitis haben, sich angegriffen, gekränkt, vielleicht beleidigt fühlen. Trotzdem: Ich fasse die Aussage so auf, dass Sex ohne HIV und ohne Hepatitis schöner ist. Und das stimmt ja auch. Soll doch keiner glauben, HIV und Hepatitis seien trotz Vorsichtsmaßnahmen und selbst bei stabiler Liebesbeziehung keine Belastung. Ich halte diese Kampagne für gut und richtig, gerade in einer Zeit, da sich zu Unrecht gewisse Sorglosigkeit breitmacht.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 GinduldineAnonym
  • 07.02.2019, 11:56h
  • Antwort auf #3 von TheDad
  • Die Meisten haben durch ihre Lebenserfahrung eine angemessene Autovervollständigung entwickeln können. Scheinbar hat es diese Menschen nicht groß gestört, diese Anzeige seit 2017 wahrzunehmen. Ich autovervollständige, dass DAS LEBEN schöner ist ohne HIV etc. Und? Ja, das ist es. Ein Leben ohne HIV ist kein Glücksgarant. Aber zumindest erspare ich mir viele Medikamente, Kontrollen und Beschwerden, die eine Infektion so mit sich bringt. Ich habe HIV und ich weiß verdammt gut, wovon ich rede. Die ständig unter den Tisch gekehrten Nebenwirkungen, die der Medikamentencocktail mit sich bringt... Das Leben ist auch ohne HIV schöner, weil ich keine HIV-Diskriminierungserfahrungen machen würde. Die Menschen im täglichen Leben diskriminieren 100x mehr als diese Werbekampagne.

    Nun scheint die Anzeige Anfang 2019 jemandem über den Weg gelaufen zu sein, der erstens Haare spalten und dies zweitens erfolgreich kommunizieren und multiplizieren kann.

    Prima.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 gastAnonym
  • 07.02.2019, 12:21h
  • Wer will, kann natürlich überall "Diskriminierung" finden.
    Ich finde hier keinerlei Diskriminierendes.

    Natürlich ist das mal wieder den "Finger auf die Wunde" der Community gelegt. Deswegen, so meine Vermutung, schreien viele "Diskriminierung !
  • Antworten » | Direktlink »
#7 KetzerEhemaliges Profil
  • 07.02.2019, 12:42h
  • Antwort auf #6 von gast
  • "Natürlich ist das mal wieder den "Finger auf die Wunde" der Community gelegt. Deswegen, so meine Vermutung, schreien viele "Diskriminierung!"

    Aha. So weit reicht also die Erkenntnis. Und wenn man der Community den Finger in die nach wie vor offene Wunde steckt, darf sie nicht "Aua!" rufen, weil...?

    "Wer will, kann natürlich überall "Diskriminierung" finden."

    Übliches nichtssagendes Totschlagargument. Finde ein besseres, weshalb die Stigmatisierung infizierter Menschen als "weniger schön" keine Diskriminierung sein soll.

    Seit Jahrzehnten kämpfen NGOs gegen die soziale Stigmatisierung Infizierter und Kranker. Und dann kommt mal eben so ein Pharmakonzern daher und stellt sich fundamental gegen die Community und ihre erkämpften Werte.

    Und nein, die erkämpften Werte sind NICHT, nur Akzeptanz zu finden, wenn wir monogam, verheiratet, brav und "gesund" sind. WAHRE Akzeptanz, übrigens gegenüber ALLEN Menschen, ist, sie GERADE DANN als vollwertige und ebenso "schöne" Menschen anzunehmen, wenn sie NICHT monogam, verheiratet, brav und "gesund" sind. Sogar, wenn sie nicht "schön" sind.

    Rollback, langsam überrollst du alles. Und dann finden das Menschen hier auch noch gut. Mir ist übel. SO übel.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 Ehrliche HautAnonym
  • 07.02.2019, 12:45h
  • Neben der äußerst ungeschickten Wortwahl in dieser Kampagne, die eben tatsächlich den Eindruck vermittelt, Schönheit UND Lebensglück wären bei einer HIV Infektion stark beeinträchtigt, würde mich auch mal interessieren, welche Präventionvorschläge denn von dieser Pharmafirma !! gemacht werden.
    Die Intention dürfte sich doch bestimmt auf die Vermarktung von PrEP und Hepatitis C Behandlungsprodukten richten.
    M.E. durchaus legitim, da tatsächlich dem Schutz ( und natürlich auch dem Verdienst des UUnternehmens ) dienlich, aber die Kampagne hätte sehr viel feinfühliger stattfinden müssen.
    Man hätte beispielsweise einfach von Gesundheit und Sicherheit sprechen können.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 AmurPrideProfil
  • 07.02.2019, 13:19hKöln
  • Ich denke The Dad hat es in Kommentar #3 sehr gut auf den Punkt gebracht:
    ""..Das missverständliche an der Aktion ist es, das nicht klar wird WAS eigentlich "schöner" sein soll..""

    Soll damit zum Ausdruck gebracht werden, das Menschen ohne HIV und Hepatitis C "schöner" im ästhetischen, optischen, erotischen Sinne sind? - Was ja völliger Nonsens ist!

    Soll dann damit gemeint sein, das Menschen ohne HIV und Hepatitis C "schöneren" Sex haben? - Auch das ist völliger Nonsens!

    Dann kann damit ja eigentlich nur noch gemeint sein, das Menschen ohne HIV und Hepatitis C ein "schöneres Leben" haben? - Dazu möchte aus Kommentar #5 von Ginduline zitieren:
    "".. Ja, das ist es. Ein Leben ohne HIV ist kein Glücksgarant. Aber zumindest erspare ich mir viele Medikamente, Kontrollen und Beschwerden, die eine Infektion so mit sich bringt. Ich habe HIV und ich weiß verdammt gut, wovon ich rede. Die ständig unter den Tisch gekehrten Nebenwirkungen, die der Medikamentencocktail mit sich bringt...
    Das Leben ist auch ohne HIV schöner, weil ich keine HIV-Diskriminierungserfahrungen [mehr] machen würde. Die Menschen im täglichen Leben diskriminieren 100x mehr als diese Werbekampagne..""

    Mit "etwas" nachdenken sollte also eigentlich jeder Leser der Werbung darauf kommen können WAS schöner sein soll.. zumindest, wenn man den Machern dieser Werbung nichts Böses unterstellen will.

    Das trotzdem Betroffene das WAS im Sinne von Ästhetik oder Sex auffassen, zeigt zumindest, das es in diesem Kontext immer noch einen gehörigen Aufklärungsberdarf gibt.

    Ist die Werbung in ihrer "Missverständlichkeit" also in Wirklichkeit etwa besonders genial? Weil sie gleichzeitig Aufklärungslücken aufzeigt und zum Schutz vor HIV und Hepatitis C auffordert?
    Vielleicht...
    Aber für mich persönlich gilt: Der Schutz vor Diskriminierung wiegt weit schwerer als werbetechnische Genialität! Deshalb möchte ich mit den so treffenden Worten von The Dad aus #3 schließen:
    ""..[vielleicht] gut gemeint, aber sau-doof erledigt..""
  • Antworten » | Direktlink »
#10 SexWissAnonym
  • 07.02.2019, 13:45h
  • Antwort auf #4 von Ralph
  • Ich kenne genug Leute, die positiv sind und gewiss den besseren/schöneren Sex haben, als Leute ohne HIV.
    Auch wenn einige Zeitgenossen das gerne so hätten: HIV muss das Liebesleben in keinster Weise beeinträchtigen.

    Deine "neue Sorglosigkeit" ist eine sexuelle Moralpanik. Zahlreiche Studien belegen das genaue Gegenteil: Das Schutzverhalten ist insgesamt immer noch auf einem sehr hohen Niveau. Daran hat sich in all den Jahren nichts geändert.

    Warum es für einige Leute so wichtig ist, eine Sorglosigkeit herbeizureden und warum sie eine Erwartungshaltung bilden, dass es Menschen mit HIV in jedem Fall schlecht(er) gehen muss, ist Gegenstand einer anderen Diskussion. Es gibt dazu aber erhellende sexualwissenschaftliche Beiträge von Dr. Dr. Stefan Nagel.
  • Antworten » | Direktlink »