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Thunder and Lightning

Eurovision: Sergei Lasarew ist zurück

Beim ESC 2016 in Stockholm siegte der 35-Jährige im Televoting. Nun schickt ihn Russland mit dem gleichen Produktionsteam nach Tel Aviv.


Lasarew bei einem Konzert vor seinem internationalen ESC-Erfolg. Zuvor war er bereits in der gesamten russischsprachigen Welt ein bekannter Name

Gerüchte und Spekulationen hatte es schon seit Tagen gegeben, nun ist es offiziell: Der russische Sänger Sergei Lasarew wird sein Land beim diesjährigen Eurovision Song Contest in Tel Aviv vertreten. Der 35-Jährige hatte bereits 2016 an dem Wettbewerb in Stockholm teilgenommen und mit dem Song "You Are the Only One" Platz drei geholt – beim Televoting hatte er sogar den Sieg eingefahren.

Lasarews Rückkehr dürfte daher für einigen Wirbel bei den Wettbüros sorgen, zumal Russland mit dem bei Fans äußerst beliebten Sänger quasi ein kampfbereites Comeback plant: 2017 zog das Land seine Teilnahme zurück, nachdem Sängerin Julia Samoilowa die Einreise ins Austragungsland Ukraine verwehrt worden war (queer.de berichtete). Ein Jahr später scheiterte die gleiche Sängerin in Lissabon mit Platz 15 von 18 Plätzen im zweiten Halbfinale.

Direktlink | Fast 30 Millionen Aufrufe bei Youtube: Lasarews Beitrag im Finale in Stockholm

Erhebt sich nun Russland wie ein Phönix aus der Asche? Details zu Lasarews Teilnahme will der in diesem Jahr verantwortliche Sender Rossija 1 am Samstagnachmittag in einer Sendung bekannt geben. Offenbar hat der Sänger erneut den russischen Komponisten Filipp Kirkorow an der Seite und für die szenische Umsetzung den Griechen Fokas Evagelinos – gemeinsam waren alle drei für den bombastisch inszenierten Beitrag vor drei Jahren verantwortlich.

Klemmige Homo-Propaganda aus dem Land des Verbots

Lasarew war bereits damals ein ungewöhnlicher Beitrag für Russland: Zwar schnitten auch die Beiträge in den Vorjahren gut bis sehr gut ab, die jeweiligen Künstler waren aber vom (überwiegend schwulen) Saalpublikum aus aller Welt teilweise ausgebuht und negativ empfangen worden – die Krim-Krise und auch das Gesetz gegen Homo-"Propaganda" hatten ihre Spuren auch beim ESC hinterlassen.


Lasarew mit Kirkorow bei einer ESC-Pressekonferenz in Stockholm

Bei Lasarew reagierten Fans allerdings anders, und das nicht nur wegen seiner homo-kompatiblen Perfomances und Musikvideos: Der Sänger bezeichnete sich in Interviews als "gay-friendly" und war schon vor dem Songcontest auf einigen internationalen Pride-Festivals und in Russland in Homo-Clubs aufgetreten. Das tut er noch heute, im letzten Herbst war er etwa erneut im Moskauer Club "Central Station" zu sehen.

Lasarew hatte zudem das Gesetz gegen Homo-"Propaganda" zu seiner Entstehungszeit öffentlich kritisiert – bei einer Pressekonferenz zu den Eurovision-Proben in Stockholm allerdings die Staats-Homophobie in dem Land heruntergespielt (queer.de berichtete). In diesem Jahr, in dem die Verfolgung Homo- und Transsexueller in Tschetschenien erneut ausgebrochen ist, während russische Politik und Strafverfolgung trotz internationaler Aufforderung weiter wegschauen, dürfte der Themenkomplex für Sänger wie Fans erneut zum Thema werden.

Speziell für Lasarew dürfte eine Gratwanderung bevorstehen: Während kürzlich der bekannte schwule russische Musikjournalist und TV-Juror Sergei Sosedow ihn und weitere Sänger zu einem Coming-out aufforderte, sagt der 35-Jährige wenig zu seinem Privatleben. War er früher offiziell mit einigen Frauen zusammen, gibt es inzwischen stetige Gerüchte über eine langjährige Beziehung zu einem Manager. Die Instagram-Kanäle der beiden Männer zeigen gemeinsame Veranstaltungen und lassen auf gemeinsame Urlaube schließen, berichteten so manche Klatschblätter in den letzten Jahren – darunter sind auch Urlaube mit Lasarews Sohn.


Der Instagram-Kanal von Sergey Lazarev, wie er auf Englisch heißt, hat 3,4 Millionen Abonnenten. Dieser Eintrag mit Sohn zur Fußball-Weltmeisterschaft in Russland im letzten Jahr sorgte für besonders viele homophobe Kommentare

Im Dezember 2016 hatte der Sänger den damals Zweijährigen Nikita erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt, nachdem er mit ihm bei einem Kirchenbesuch abgebildet wurde; er machte keine Angaben zur Mutter und bat um Achtung seiner Privatsphäre. In sozialen Netzwerken hatten viele Menschen auf die ersten Bilder empört reagiert und ihm unter anderem vorgehalten, das sei nicht sein Sohn und alles ein PR-Gag. Inzwischen ist der Sohn regelmäßig in Instagram-Einträgen zu sehen und der Sänger erhält dafür sehr viele homofeindliche Kommentare, etwa, dass Kinder Vater und Mütter bräuchten.

2017 hatte Lasarew ein Musikvideo veröffentlicht, in dem sich mehrere Paare küssen, darunter auch ein lesbisches. Auf die Frage, warum ein schwules Paar fehle, hatte er später geantwortet, man habe eines gesucht aber keines gefunden, das sich das öffentlich traue.

Direktlink | Das Musikvideo zu "So beautiful"

Im Laufe von Jahrzehnten mehrfach zu einem Coming-out aufgefordert wurde auch Lasarews Komponist Filipp Kirkorow; er ist ein ESC-Teilnehmer aus dem Jahr 1995 sowie ein Familienvater und hat sich als Unterstützer von Donald Trump und Wladimir Putin einen Namen gemacht. Von Putin wurde er kürzlich mit einer Ehrenmedaille ausgezeichnet. Die "prominenteste Tunte Osteuropas" (Elmar Kraushaar 2008 in der "taz") hatte sich in den letzten Jahren zumindest gegen das Gesetz gegen Homo-"Propaganda" ausgesprochen oder nach dem ESC 2014 Conchita Wurst im russischen Fernsehen verteidigt. Im letzten Jahr hatte er den Beitrag Moldawiens komponiert (queer.de berichtete).


Kirkorow, eine lebende Realsatire

Bunte Vorentscheids-Saison

Nach dem Sieg von Netta im letzten Jahr wird der Eurovision Song Contest 2019 in Tel Aviv abgehalten – 42 Länder nehmen an den Halbfinals am 14. und 16. sowie dem Finale am 18. Mai teil. Die Show soll spektakulär werden – und wenn Gerüchte stimmen und entsprechende Verträge unterzeichnet werden, sogar einen Auftritt von Superstar Madonna bieten (queer.de berichtete).

Die Show könnte auch ansonsten recht queer werden: Während die Vorentscheid-Saison gerade erst begonnen hat, schicken die Niederlande einen bisexuellen Sänger nach Tel Aviv und Frankreich entschied sich nach mehreren Vorentscheidungs-Shows für einen jungen Schwulen mit marokkanischen Familien-Wurzeln und einer Akzeptanzhymne (queer.de berichtete). Beim ersten Vorentscheid in der ESC-Geschichte Australiens tritt an diesem Samstag zudem die bekannte Dragqueen Courtney Act an (queer.de berichtete).

Direktlink | Courtney Act – Fight for Love

Der deutsche Beitrag wird am 22. Februar aus sieben Kandidatinnen und Kandidaten bestimmt. Der Vorentscheid Unser Lied für Israel wird live im Ersten übertragen.



#1 Patroklos
  • 08.02.2019, 18:02h
  • Ich bin richtig verzückt, daß Sergey Lazarew wieder am ESC teilnimmt! Ich bin bereits auch wahnsinnig gespannt, wie sich der Wettberwerbsbeitrag, mit dem er in Tel Aviv-Jaffa auftritt, anhört und ob er in Englisch oder Russisch (oder ach beides) gesungen wird.
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#2 LotiAnonym
#3 Patroklos
  • 10.02.2019, 21:08h
  • Antwort auf #2 von Loti
  • Beim diesjährigen Gewinner des weltberühmten San-Remo-Festivals, Mahmood, gibt es auch schon Spekulationen über seine sexuelle Ausrichtung:

    www.gay.it/musica/news/mahmood-amore-musica-gay-egitto

    Er hat den Wettbewerb verdient gewonnen und ich bin auf seinen Auftritt in Tel Aviv-Jaffa gespannt. Es ist allerdings noch nicht sicher, ob er überhaupt zum ESC fährt. Erst wurde es bestätigt, dann leider wieder zurückgenommen, da man sich mit seinem Management noch einigen muß.
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