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Filmfestspiele
Teddy Award: Wir wollen mehr solche Filme sehen!
Die Begründung der Leser*innen-Jury zum Abschluss unseres Berlinale-Blogs: Darum erhält "Breve historia del planeta verde" den Teddy Readers' Award powered by queer.de.

- 8. Februar 2019, 16:14h
Am Donnerstag haben in Berlin die 69. Internationalen Filmfestspiele begonnen. Die Berlinale ist nicht nur das wichtigste deutsche Filmfestival, sondern mit dem offiziellen TEDDY Award auch das queerste der Welt. Der TEDDY Reader's Award wird in diesem erstmals von einer Leser*innenjury von queer.de vergeben.
In diesem Blog sammeln wir News, Eindrücke, Fotos und Tratsch vom diesjährigen Festival. (mize)
Live-Ticker (abgeschlossen, )
Aufzeichnung der Gala bei ALEX Berlin
Wir wollen mehr solche Filme sehen!

Trans Frau Tania in "Breve historia del planeta verde" (Foto: Berlinale)
Die Leser*innen-Jury von queer.de hat es sich nicht leicht gemacht, wirklich nicht. Stundenlang wurde in der Nacht zum Donnerstag diskutiert, welcher Film in diesem Jahr mit dem Teddy Readers‘ Award ausgezeichnet werden soll. Das Rennen machte schließlich "Breve historia del planeta verde". Bei der Teddy-Gala am Freitag waren wir alle überrascht, dass auch die "große" Teddy-Jury zum selben Ergebnis kam (queer.de berichtete).
Im Folgenden dokumentieren wir die Begründung unserer Leser*innen-Jury – und beenden das Berlinale-Blog. Vielen Dank an Amanda Halbrock, Gerlinde Kenkel, Oliver Maus, Katayun Pirdawari und Fabian Schäfer für ihren unermüdlichen Einsatz!
Als Tanias Großmutter stirbt, hat sie nur einen letzten Wunsch hinterlassen: Das lilafarbene Alien, um das sie sich zuletzt gekümmert hat, an den Ort zurückzubringen, wo es auf die Erde kam. Die trans Frau Tania wird von ihren Freund*innen auf diesem Weg durch das ländliche Argentinien zu diesem Ort begleitet – eine Reise in die eigene Vergangenheit und voller bewegender Begegnungen.
"Breve historia del planeta verde" ist junges, erfrischendes, kreatives Kino fernab von Genre- und Erzählkonventionen. Der Film verhandelt mit einer angenehmen Portion Humor Themen wie queere Freundschaft, Solidarität und Akzeptanz. Queerness wird völlig selbstverständlich gezeigt, statt – wie sonst immer noch sehr häufig – problematisiert zu werden. Das Alien als vielschichtiges und äußerst queeres Wesen hat eine große Symbolkraft weit über die ersten Lacher hinaus. "Ich weiß, dass sie existieren, aber ich habe noch nie eines gesehen", sagt eine Person zum Beispiel über das Alien – ein Satz, der sonst eher über queere Menschen gesagt wird. Damit ist "Breve historia del planeta verde" ein queerer Film von großer Bedeutung nicht nur für die Community, sondern für die gesamte Gesellschaft. Wir wollen mehr solche Filme sehen!

Queer.de bei der Teddy-Gala (v.l.n.r.): Amanda Halbrock, Fabian Schäfer, Katayun Pirdawari, Micha Schulze, Oliver Maus
Livestream vom TEDDY AWARD

Für alle, die heute nicht in Berlin sein können oder keine Karten mehr für die Volksbühne bekommen haben, überträgt der Community-Sender ALEX Berlin die TEDDY-AWARD-Gala ab 20 Uhr als Livestream. (mize)
Kinobetreiber fordern Ausschluss von lesbischem Film – weil er von Netflix kommt

Bild: Berlinale
Das spanische Drama "Elisa y Marcela" gilt als heißer Kandidat für den Goldenen Bären und einen TEDDY AWARD – doch 160 unabhängige Kinobetreiber in Deutschland fordern in einem offenen Brief (PDF) einen Ausschluss des Films aus dem Wettbewerb.
Der Protest richtet sich nicht gegen den Film an sich, sondern allein gegen den Produzenten Netflix. "Die Berlinale steht für die große Leinwand, Netflix für den kleinen Schirm", heißt es in dem Offenen Brief. "Wir möchten, dass dies auch künftig so bleibt und das größte Publikumsfestival der Welt mit über 300.000 Kinobesuchern nicht zum Fernsehfestival wird! Nur das gemeinschaftliche Erleben vor der großen Leinwand erzielt die Relevanz, die Filmkunst auch verdient." Es bestehe die "große Gefahr, dass sich Netflix Festivals und Filmpreise zu Nutze macht, um die Kinos und alle anderen nachfolgenden Auswertungsmedien an den Rand zu drängen und die eigene Marktmacht auszubauen".
"Elisa y Marcela" erzählt die auf wahren Ereignissen basierende Geschichte von Elisa Sánchez Loriga und Marcela Gracia Ibeas, die sich 1901 in der Kirche San Jorge im spanischen A Coruña das Jawort gaben – eine der beiden verliebten Lehrerinnen verkleidete sich dabei als Mann. Regie führte die Berlinale-erfahrene Filmemacherin Isabel Coixet. (cw)
Die Leser*innen-Jury hat gesprochen

In der Nacht zu Donnerstag gegen ein Uhr fiel die Entscheidung: Die erstmals von queer.de ausgewählte Leser*innen-Jury (auf dem Foto v.l.n.r.: Fabian Schäfer, Amanda Halbrock, Katayun Pirdawari und Oliver Maus, Gerline Kenkel fehlt) hat entschieden, welcher Film in diesem Jahr mit dem TEDDY Reader’s Award ausgezeichnet wird.
Vergeben werden die TEDDYS am Freitag, den 15. Februar ab 21 Uhr bei einer Gala in der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. Bis dahin bleibt die Entscheidung strenggeheim! (mize)
Queer Academy Summit

Bild: TEDDY AWARD
In der Berliner Freiheit hat Wieland Speck am Mittwoch den Queer Academy Summit eröffnet. Die jährliche Tagung soll nicht nur queere Filmemacher*innen und Festivalorganisator*innen auf der Berlinale zusammenbringen, sondert sieht sich selbst als "Institut des queeren kulturellen Gedächtnisses".
In einem ersten Panel der Academy standen in diesem Jahr LGBTI-People of Color im Mittelpunkt. In einer zweiten Diskussionsrunde wurde auf 40 Jahre queere Filmfestivalgeschichte zurückgeblickt. (cw)
Erika Lust spricht über Ethik in Pornos

Bild: Berlinale
Mit einem Talk über "Reinventing Porn" hat am Mittwoch auch der Porno seinen Platz auf dem 69. Filmfestival gefunden. Eigens nach Berlin gekommen ist dafür die Regisseurin Erika Lust, die im Hebbel am Ufer mit dem Filmnachwuchs über Fragen zu Ethik, Arbeitsweisen und Macht am Set sprach. In ihren feministischen Kurz-Pornos "XConfessions" zeigt die Schwedin Sex abseits von Klischees und traditionellen Geschlechterrollen. (dpa)
Weltpremiere von "Queer Lives Matter"

Bild: Russ Smith
In das Berlinale-Programm hat es die halbstündige Doku "Queer Lives Matter" von Markus Kowalski leider nicht geschafft, doch zumindest die Weltpremiere gelang parallel zu den Filmfestspielen – und zwar am Montagabend im Kino Babylon beim Berlin Independent Film Festival (BIFF).
Kowalski, freier Autor u.a. für queer.de und derzeit Praktikant bei der "taz", nimmt die Zuschauenden mit auf eine emotionale Reise zu jungen LGBTI-Aktivist*innen in der halben Welt. Bunten und schönen Bildern vom Berliner CSD folgen Aufnahmen u.a. von einem Wasserwerfer, der queere Demonstranten in der türkischen Metropole Istanbul wegspritzt, ein Gespräch mit der ersten offen lesbischen Frau in Marokko und ein trauriger Besuch am Grab einer ermordeten Lesbe in Südafrika. Man sieht den schwitzenden Regisseur im Gespräch mit einer trans Frau in Indien und freut sich mit dem schwulen Flüchtling aus Syrien, der in der griechischen Hauptstadt Athen eine neue Heimat gefunden hat und vor der Kamera Hackfleischbällchen brutzelt.
Auch wenn Kowalskis Debütfilm noch einige kleine technische Schwächen aufweist, hängt man den Aktivist*innen an den Lippen, fühlt mit ihnen mit. Eine gelungene Würdigung nicht nur der mutigen Gesprächspartner*innen, die teilweise unter Einsatz ihres Lebens für LGBTI-Rechte kämpfen, sondern der vielen unbekannten Community-Held*innen überall auf der Welt. Und eine wichtige Botschaft der Solidarität, die gerade zum 50. Jubiläum des Stonewall-Aufstands in vielen Städten gezeigt werden sollte.
Zwei Jahre lang hat Markus Kowalski an der Low-Budget-Produktion mit einem Budget von nur rund 10.000 Euro gearbeitet. Dank einer Crowdfunding-Kampagne, an der sich auch Leser*innen von queer.de beteiligten, konnte er im vergangenen Jahr über 2.800 Euro einsammeln und damit den Schnitt bezahlen. Finanziell unterstützt wurde das Projekt außerdem von der Hirschfeld-Eddy-Stiftung und dem Berliner Förderverein elledorado.
Das nächste Screening von "Queer Lives Matter" findet am Montag, den 8. April um 20 Uhr in der Berliner "taz"-Kantine statt (Event auf Facebook), anschließend diskutiert Kowaslski mit "taz"-Redakteur Jan Feddersen. (mize)
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Die neue Generation queer

Bild: Syndicado
Eva – 25, Vagabundin, Model, Dichterin, Sex-Arbeiterin, Feministin, Musikerin, Sternzeichen Jungfrau – gab sich mit 14 Jahren den Namen selbst, erklärte Privatsphäre zu einem überholten Konzept und veröffentlichte ihren ersten Tagebucheintrag online. Seither teilt sie ihr Leben bis ins intimste Detail mit Kids aus aller Welt.
Pia Hellenthals Doku "Searching Eva", die am Montag Welltpremiere feierte, ist die faszinierende Geschichte einer jungen Frau, die im Internet erwachsen wurde und aus ihrer Selbstsuche ein öffentliches Spektakel macht, das die Frage aufwirft, was "eine Frau denn genau zu sein hat".
Ein gelungenes wie provokatives Porträt: Durch Evas viele wechselnden Personas offenbart sich eine neue queere Generation, für die das Konzept einer fixen Identität ausgedient hat. (cw)
Sex in der U-Bahn

Kürzlich berichteten wir auf queer.de über einen schwulen Pornodreh in der Londoner U-Bahn, der vor Gericht landete. Schon 1990 drehte die deutsche Regisseurin Eva C. Heldmann eine Art lesbische Variante in der "Tube". Ihr Kurzfilm "Compartment" läuft am Dienstag und Mittwoch in der Sektion Retrospektive.
Heldmann unterlegt ihre Filmaufnahmen während der Fahrt in einem menschenleeren Waggon mit einem pornografischen Text, der detaillierte Masturbationsanweisungen für einen weiblichen Fahrgast enthält. Eingerahmt ist die mit metallenem Schlagwerk musikalisch vorangetriebene Lustfahrt von Aufnahmen einer Selbstgeißelung, die eine schwarz bandagierte Frau mit einer Lederpeitsche an sich vollzieht. (cw)
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Die amerikanischen Südstaaten-Evangelikalen haben Guatemala zu ihrem Hauptmissionsgebiet gemacht. Die frühere katholische Leichtigkeit verschwindet hinter grimmigen "Born-Again-Christians", die von den USA finanziert werden.
Es ist gut, dass dieser Film den traurigen Zustand dieses Landes in das Bewusstsein der aufgeklärten Amerikaner und Europäer bringt.