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Westfalen

Katholischer Priester outet sich als schwul

Inspiriert vom Essener Bischof Overbeck beendet der Hammer Pfarrer Bernd Mönkebüscher mit 53 Jahren das Versteckspiel. Sein Grund: Das Thema "homosexuelle Priester" brauche "Gesichter in der Kirche".


Coming-out nach jahrzehntelangem Leiden: Bernd Mönkebüscher wurde 1992 zum Priester geweiht. Seit 2007 ist er Pfarrer in Hamm und leitet den Pastoralverbund Hamm-Mitte-Ost. (Bild: privat)

Der katholische Priester Bernd Mönkebüscher aus Hamm hat sich öffentlich als schwul geoutet. "Ich habe mindestens 40 Jahre darunter gelitten, kaum darüber reden zu können", sagte der Pfarrer des Pastoralverbunds Hamm-Mitte-Osten im Erzbistum Paderborn in einem am Samstag veröffentlichten ganzseitigen Interview mit dem "Westfälischen Anzeiger" (Printausgabe).

Schuld seien vor allem die Moralvorstellungen der katholischen Kirche, so Mönkebüscher. Aus diesem Grund habe er beispielsweise mit seinen Eltern nie über das Thema sprechen können. In seiner Priesterausbildung während der Achtziger- und Neunzigerjahre seien Sexualität und Zölibat kaum Thema gewesen, "und niemand traute sich zuzugeben, wie er veranlagt ist". Das habe einerseits zu Denunziationen, andererseits zu "extremer Einsamkeit verbunden mit der Angst geführt, irgendwie in seiner Veranlagung, für die niemand etwas kann und die sich niemand aussucht, entdeckt und bloßgestellt zu werden".

"Leidensgeschichte" zuvor auf Facebook gepostet

Vor dem Interview hatte sich der Pfarrer bereits am 30. Januar in einem langen Facebook-Post geoutet. "Ich gehe durch diese Tür. Mit 53. Nicht stolz, eher hinkend", schrieb er in dem sozialen Netzwerk. "Ja, und es ist eine Leidensgeschichte. Vier Jahre Psychotherapie in den vergangenen Jahren haben dazu beigetragen, diese offene Tür zu durchschreiten. Ich kann nicht dafür, dass ich so bin, wie ich bin. Niemand hat es als Begabung bezeichnet, immer galt es als Makel, als etwas, das nicht normal ist, nicht von Gott gewollt."

Weil vieles nicht einfach auszuradieren ist: ENDLICH Endlich: einer der deutschen Bischöfe (Overbeck) bezeichnet es als…

Gepostet von Bernd Mönkebüscher am Mittwoch, 30. Januar 2019
Facebook / Bernd Mönkebüscher

Zum Coming-out ermutigt hätten ihn die Äußerungen des Essener Bischofs Franz-Josef Overbeck, erklärte Mönkebüscher. Dieser hatte sich Ende Januar in einem Gastkommentar für die "Herder Korrespondenz" für eine neue Haltung der Kirche gegenüber Homosexuellen und für eine Zulassung schwuler Priesterkandidaten ausgesprochen (queer.de berichtete). "Ich glaube, dass dieses Thema auch Gesichter in der Kirche braucht", so der schwule Pfarrer gegenüber dem "Westfälischen Anzeiger".

Auf die Interview-Frage, warum er Teil einer Institution bleibe, die ihm das Leben so schwer gemacht habe, räumte Mönkebüscher ein, es gebe Tage, an denen er sich sage: "Es reicht." Dennoch: "Ich bleibe, weil ich immer noch an die Erneuerung der Kirche glaube und dazu beitragen möchte. Ich bleibe, weil ich in ihr vieles finde, was ich anderswo nicht finde."

Er gehe auch davon aus, dass er trotz seines Coming-outs Priester bleiben dürfe, sagte Mönkenbüscher. Das Bistum habe vermutlich schon früher um die "Realität" gewusst. Zudem bediene sich die katholische Kirche bewusst homosexueller Menschen, "weil sie gut und glaubwürdig in der Seelsorge arbeiten können und spezielle Begabungen und Fähigkeiten mitbringen". (cw)



#1 schlankiAnonym
  • 09.02.2019, 19:57h
  • ich kenne ihn ganz gut, komme auch aus hamm aus der gemeinde quasi und freue mich sehr darüber, und finde ihn sehr mutig und toll,danke. vielleicht werde ich doch irgendwann priester...bin selber schwul...
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#2 lindener1966Profil
#3 FredericAnonym
#4 Sven100Anonym
  • 09.02.2019, 21:36h
  • Wenn er -als offen schwuler Mann- zölibatär lebt, wird es keine Probleme geben. Wenn er aber sexuelle Kontakte hat -und dazu steht- , wird das nicht geduldet werden.
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#5 MoreLoveLessReligionAnonym
  • 09.02.2019, 23:14h
  • Daran wird für mich deutlich wie stark Religion einwirkt. Vor allem Katholizismus ist so extrem mit Leid verbunden, dass ich mich frage, ob das eine Art Sucht für Katholiken ist.
    Für mich ist es ein Mangel an Selbstliebe.

    Ich habe mich immer so akzeptiert wie ich war und wie ich heute bin. Mit Religion kann ich eh nicht viel anfangen. Das ist viel zu weit weg von mir.

    Und ich frage mich wie glücklich er sein kann, wenn er sein Liebesleben kennt und es nicht ausleben kann/möchte aufgrund des Zölibats seiner Religion? Für mich ist das rückständig.
    Und es nährt nur die Ansicht derer, die entweder homophob oder extrem konservativ sind. Für die LSBTTIQ Community ist er jedenfalls kein Vorbild.
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#6 Patroklos
#7 Bonifatius49Anonym
  • 10.02.2019, 01:29h
  • Antwort auf #5 von MoreLoveLessReligion
  • Ich kenne auch drei schwule katholische Priester im Bistum Osnabrück und im Bistum Münster. Da ich aber im Unterschied zu Praunheim nichts von Zwangsouting halte, überlasse ich es ihnen selbst, ob sie sich öffentlich outen oder nicht. Einer der drei hat seit vielen Jahren auch einen festen Freund, da wäre ein Outing wohl auch wegen des Zölibates schwierig....

    Jedenfalls auch wenn ich seit vielen Jahren bereits landeskirchlicher Protestant bin (erinnert sei an das EKD Grundsatzpapier "Verantwortung und Verlässlichkeit stärken"), bin ich katholisch getauft, und knnte immer noch den Rosenkranz runterbeten, was ich als Protestant "nicht mehr brauche".

    Gut finde ich es, das endlich die Tabuisierungspolitik bei den katholischen Bistumsleitungen gegenüber ihren Priestern aufhört, denn das hat mich immer schon an der Katholischen Kirche gestört und ich bin froh, daß ich mich damals nicht mit 18 Jahren für ein Theologiestudium entschieden habe, sondern ein anderes Studium aufgenommen habe und einen anderen Beruf ergriffen habe.
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#8 QueerblickAnonym
  • 10.02.2019, 06:55h
  • An Sonntagen kommt mir immer wieder dieser Gedanke: " Wieviele Heilige Messen ( Eucharistiefeier ) würden ausfallen, gäbe es heute einen Streik aller Schwuler, kath. Priester.?" Ich habe es schon einmal geschrieben: Katholisch heißt All(e)umfassend. ALLE , auch GLBTIQ, gehören dazu; auch schwule Priester. Räume, auch religiös, geben um authentisch leben zu können. Ich bin .... und das ich gut so! Ihren Reichtum an Talenten, Fähigkeiten in die Pfarrei, in die Welt einbringen können. Es ist Diskriminierung wenn die kath. Kirche Menschen , die schwul sind, Ihre Homosexualität in ihrer Persönlichkeit integriert haben, nicht Priester werden dürfen. Das ist sich nicht im Sinne Jesu, auf den sie sich berufen. Ich wünsche, hoffe dass dieses Zeugnis die Herzen der Verantwortlichen erreicht und nicht die vorgegebenen ( menschlichen - als göttlich ausgelegt ) Gesetze wieder gewinnen.
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#9 Bonifatius 49Anonym
  • 10.02.2019, 09:37h
  • Antwort auf #8 von Queerblick
  • @Queerblick
    Das ändert sich erfreulicherweise gerade in der Katholischen Kirche, wie dieses Outing des schwulen Priesters in Hamm beweist. Er wird nicht als Priester in Hamm entlassen oder in eine andere Kirchengemeinde strafversetzt. Ganz im Gegenteil der Regens des Priesterseminars im Erzbistum Paderborn hat öffentlich erklärt, daß homosexuelle Priester genauso willkommen sind wie heterosexuelle Priester. Gleiches hat der Regens im Bistum Münster geäußert.

    Aber inwieweit Segnungsgottesdienste für verheiratete homosexuelle Ehepaare erlaubt werden, wie sie Bischof Bode, das Zentralkomitee der deutschen Katholiken oder die BDKJ Leitung fördern, bleibt abzuwarten. Und von kirchlichen Trauungen für verheiratete homosexuelle Ehepaare wie sie mittlerweile beispielsweise von 7 lutherischen, unierten und reformierten EKD-Landeskirchen oder der Metropolitan Community Church erlaubt wurden, ist die Katholische Kirche noch weit entfernt.
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#10 Aramis
  • 10.02.2019, 10:03h
  • Lieber Bernd,

    ich wünsche Dir viele Menschen, die Dich unterstützen und Dir beistehen, wenn die Vollpfosten Dich attackieren.
    Und Dir alles alles Gute...
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