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- 17. August 2005 2 Min.
Köln Anlässlich des Weltjugendtags in Köln ist der Streit um die Sexualmoral der katholischen Kirche erneut entfacht. "Die Kirche muss bei der Aids-Prävention und der Sexuallehre umdenken", forderte etwa der Grünenpolitiker Volker Beck. Angesichts von Millionen Neuinfektionen sei die Ablehnung von Kondomen bei der Aids-Prävention unbarmherzig und unverantwortlich. Der katholischen Sexuallehre gelinge es nicht, Sexualität als gute Gabe Gottes anzunehmen. "Vielmehr wird alles verteufelt, was an Sexualität nicht auf Fortpflanzung ausgerichtet ist und außerhalb der Ehe stattfindet", so Beck. Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle rief die katholische Kirche zur Liberalisierung ihrer Haltung bei Verhütung und Aids-Bekämpfung auf, sagte aber nichts über Homosexualität. Auch der katholische Kardinal Karl Lehmann äußerte vorsichtige Kritik. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz sagte, die Kirche drohe aufgrund der Sexuallehre ins Abseits zu geraten. Es sei nötig, die Begründung für die Verbote plausibler zu machen. Währenddessen warf die Jugend der katholischen Reformbewegung "Wir sind Kirche" Papst Benedikt XVI. vor, die Lebenswirklichkeit von Jugendlichen zu ignorieren. "Der Papst ist weit weg von uns", sagte der Sprecher der Jugendorganisation von "Wir sind Kirche", Tobias Raschke, am Mittwoch während des Weltjugendtages in Köln. Der Vatikan müsse vor allem sein striktes Kondom-Verbot und seine ablehnende Haltung zur Homosexualität überdenken. Es sei "beschämend", wie Joseph Ratzinger als Kardinal die Ausgrenzung homosexueller Menschen in der römisch-katholischen Kirche vorangetrieben habe. "Die katholische Gemeinschaft muss alle Menschen einschließen, auch Schwule und Lesben", so die Bewegung, die nach eigenen Angaben nicht am WJT teilnehmen darf. Der Papst wird am Donnerstag in Köln erwartet - Lesben und Schwule wollen dagegen friedlich demonstrieren (s.a. Bericht vom Vortag). Der Kölner Lesben- und Schwulentag e.V. (KLuST), die Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche e.V. (HuK), der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland e.V. (LSVD), das Europäische Forum der Christlichen Lesben- und Schwulengruppen und die International Lesbian and Gay Association (ILGA) forderten in einem Schreiben "seine Heiligkeit" unironisch zu einem Umdenken auf. "Unser Ziel ist es, dass Menschen mit ihrer von Gott geschenkten sexuellen Orientierung durch die katholische Kirche moralisch unterstützt werden und als gleichgeschlechtlich liebende Christen selbstbewusst leben und unbeschwert lieben können", so die Resolution. "Wir bitten Seine Heiligkeit, katholische Lesben und Schwule in aller Welt bei der Erreichung dieses Zieles zu unterstützen und mit ihnen auf der Grundlage der neuesten Erkenntnisse der Humanwissenschaften und der katholischen Lehre einen offenen Dialog zu den Fragen der gleichgeschlechtlichen Liebe mit all ihren Facetten aufzunehmen." (nb)
Links zum Thema:
» Resolution zum Weltjugendtag
» Wir zeigen's dem Papst
» LSVD-NRW mit Postern










