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Kinostart

Wenn die Eltern dich von deiner Homosexualität "heilen" wollen

Joel Edgertons schockierendes Ex-Gay-Drama "Der verlorene Sohn" mit Nicole Kidman und Lucas Hedges ist so regelrecht dokumentarisch, das einem fast schlecht werden kann.


Der 19-jährige Jared (Lucas Hedges) wird von seiner Mutter (Nicole Kidman) zu einer Homo-"Heiler"-Anstalt gebracht (Bild: Universal Pictures Germany)

In einigen Gegenden der USA ist die sogenannte Reparativtherapie bis heute weit verbreitet. Mit ihren Methoden versprechen selbst ernannte "Heiler" Lesben und Schwulen die Hoffnung darauf, ihre vermeintlich aus einer Sünde heraus entstandenen Neigungen in den Griff zu bekommen. In den meisten Fällen sind es allerdings gar nicht die Betroffenen selbst, die meinen, auf diesem Wege von einer Last befreit zu werden, sondern die Eltern.

Genau solche Eltern, für die eine Homosexualität ihres Sohnes eine furchtbare Vorstellung darstellte, waren auch die des Teenagers Garrard Conley, der über seine Erfahrungen ein Buch schrieb. In "Boy Erased" schildert er die wenigen Tage seines Aufenthalts in einer therapeutischen Einrichtung für Schwule und Lesben. Joel Edgerton, dessen Regiedebüt "The Gift" bereits begeisterte, hat daraus jetzt einen Film gemacht.

Sohn eines homophoben Baptistenpredigers


Poster zum Film: "Der verlorene Sohn" startet am 21. Februar 2019 regulär im Kino und läuft zuvor bereits in einigen Previews, u.a. im Rahmen der Queerfilmnacht

Teenager Jared Eamons (Lucas Hedges) ist wohlbehütet in der Obhut seiner Eltern Nancy (Nicole Kidman) und Marshall (Russell Crowe) aufgewachsen. Doch je älter er wird, desto mehr fühlt er sich sexuell zu Männern hingezogen – und das ist für seine Familie ein Problem. Denn als Baptistenprediger ist es für Marshall unmöglich, die das Schwulsein seines Sohnes zu akzeptieren. Über den Kopf seiner aufgeschlosseneren Ehefrau hinweg verdonnert er den Jungen zu einer religiösen "Reparativtherapie". Hier sollen homosexuelle Teenager mit kriminellen Methoden umerzogen werden.

Im "Therapie"-Zentrum angekommen nimmt ihn der selbst ernannte "Heiler" Victor Sykes (Joel Edgerton) sofort unter seine Fittiche. Fortan muss Jared lernen, seine Gefühle als krankhafte Schwäche anzusehen, die er zu bekämpfen hat. Doch anders als seine Mitpatienten beginnt Jared zu rebellieren – auch wenn die Flucht von diesem finsteren Ort weitaus schwerer ist als erwartet.

Auf Extreme und Überzeichnung verzichtet

Der erste Eindruck von "Der verlorene Sohn" ist trügerisch: Ganz so schlimm wie anhand der Inhaltsbeschreibung befürchtet, werden die zwei Stunden dann doch nicht. Tatsächlich verzichtet der auch für das Drehbuch verantwortliche Joel Edgerton bewusst auf Extreme. Sein Protagonist hat ja ohnehin nur wenige Tage in einer Einrichtung verbracht, in der es andere oftmals mehrere Monate oder sogar Jahre aushalten müssen. Außerdem hat er die besonders radikalen Ausprägungen nur am Rande mitbekommen, wurde also nie selbst das Opfer von Elektroschocks oder dem Beiwohnen der eigenen Beerdigung – eine Methode, die Edgerton hier anhand eines Mitinsassen aufgreift.

Kurzum: Das direkt greifbare Leid fühlt sich aus der Sicht des jederzeit rational denkenden Jared nicht zu schlimm an wie aus der eines vollkommen hilflosen Opfers. Immer wieder hinterfragt der von "Manchester by the Sea"-Star Lucas Hedges aufopferungsvoll verkörperte Jared die Methoden, äußert sich kritisch gegenüber Betreuern und seinen Eltern. Andere haben nicht so viel Glück und unterziehen sich einer langsamen Gehirnwäsche. Darin zu sehen, wie diese Methoden funktionieren und die Homosexuellen ihre sexuelle Orientierung selbst immer abstoßender finden, steckt die eigentliche Brutalität des Films.

Warum die Überzeugungstäter so erfolgreich sind

Auch eine Vergewaltigungsszene in der ersten Hälfte des Films geht ordentlich an die Nieren, spielt für den weiteren Verlauf der Story allerdings nur eine marginale Rolle. Es ist der einzige Moment in "Der verlorene Sohn", in dem man den Eindruck gewinnt, Edgerton wolle eben doch auch mal mit einer gewissen Drastik aufrütteln. Sie wirkt dadurch fast ein wenig deplatziert innerhalb dieses sich ganz auf seine reale Vorlage besinnenden Films, in dem ansonsten ohne Überzeichnung gearbeitet wird.

Noch nicht einmal die Betreuer vor Ort lassen sich automatisch in die Rolle der klassischen Schurken drängen; dafür tragen sie ihr menschenfeindliches Anliegen mit einer solchen Ernsthaftigkeit vor, dass man sofort erkennt, weshalb Jahr für Jahr so viele US-Amerikaner auf diese Methoden setzen. Genau das macht "Der verlorene Sohn" so schockierend: Edgerton liefert einen Einblick, der regelrecht dokumentarisch ist. Da kann einem fast schlecht werden.

Direktlink | Offizieller deutscher Trailer

Infos zum Film

Der verlorene Sohn. Drama. USA 2019. Regie: Joel Edgerto. Darsteller: Nicole Kidman, Russell Crowe und Lucas Hedges. Laufzeit: ca. 115 Minuten. Sprache: deutsche Synchronfassung. Verleih: Universal Pictures. Filmstart: 21. Februar 2019 (zuvor Previews u.a. im Rahmen der Queerfilmnacht)
Galerie:
Der verlorene Sohn
30 Bilder


#1 Gerlinde24Profil
  • 14.02.2019, 09:50hBerlin
  • Die Szenen in dem Trailer kommen mir seltsam vertraut vor, habe ich in Idaho bei den Mormonen doch etwas Ähnliches erlebt, nur ohne körperliche Gewalt, dafür aber mit viel Druck.
    Religion sollte heilen, aber sie zerstört mehr!
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#2 YannickAnonym
  • 14.02.2019, 10:05h
  • Es ist ein Skandal, dass diese Gehirnwäsche-"Therapien", die nachweislich schwerste psychische Schäden verursachen und deshalb in immer mehr Staaten verboten werden, in Deutschland nach wie vor erlaubt sind und teilweise sogar mit staatlichen Geldern gefördert werden.

    Grüne und Linke wollten schon mehrfach ein Verbot, aber unsere Bundesregierung aus Union und SPD (und auch FDP und AfD) lehnen das ab.
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#3 Ex-KatholikAnonym
  • 14.02.2019, 10:13h
  • Bestimmt kommt von einem User der Einwand, dass der Junge sich für den Glauben entschieden hat und ganz einfach die Verantwortung für sein Tun nicht übernehmen will, weil er sich ja früher ganz einfach hätte dagegen entscheiden können. [/Sarkasmus off].
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#4 DominikAnonym
  • 14.02.2019, 11:31h
  • Auf den Film bin auch ich sehr gespannt.

    Zwischen Glaube und Fundamentalismus muss unterschieden werden. Der Film scheint das zu beherzigen. Menschen, die an Gott glauben und die Nächstenliebe ernst nehmen, sind in ihren Einstellungen meist sehr liberal und verstehen Toleranz als eine äußerst wichtige Tugend. Fundamentalisten sind das aber nie, so wie augenscheinlich auch der Vater in diesem Film nicht. Bin auch gespannt, wie die Geschichte ausgeht.
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#5 Simon HAnonym
  • 14.02.2019, 11:35h
  • "Tatsächlich verzichtet der auch für das Drehbuch verantwortliche Joel Edgerton bewusst auf Extreme."

    Und das ist ein Fehler: diese Maßnahmen sind nun mal extrem und diese Fanatiker wenden extreme Methoden an, dann sollte man das auch im Sinne einer echten Aufklärung darüber zeigen. Auch wenn der Autor selbst nur relativ kurz in so einer Einrichtung war und diese Dinge nicht am eigenen Leib erfahren hat. Dennoch sind diese Dinge bekannt und sollten dann auch gezeigt werden.

    Wieso werden z.B. nicht die Elektroschocks gezeigt, die in solchen Einrichtungen üblich sind?!

    Man kann nicht vor solchen Methoden warnen, wenn man nicht zeigt, wie drastisch sie sind oder gar verharmlost...
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#6 FSKlAnonym
  • 14.02.2019, 12:02h
  • Antwort auf #5 von Simon H
  • Ich nehme an, er wollte den Film nicht zu brutal (realistisch) machen, um - unter anderem - eine möglichst niedrige FSK-Freigabe zu bekommen und damit die Chance, dass mehr Leute den Film im Kino sehen (sehen dürfen).
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#7 s_k_yAnonym
  • 14.02.2019, 12:32h
  • Hallo,
    ich hätte mich bei dem Artikel darüber gefreut wenn es einen Hinweis gäbe wo der Film den überall zu sehen sein wird.

    Dafür daß der Artikel unter der Kategorie/Überschrift "Kinostart" veröffentlicht wurde, finde ich es schade das die Informationen wie Startdatum in einer kleinen Box am unteren Ende des Artikels, fast schon , Versteck sind.
    Zumindest in der mobilen Version von queer.de

    Grüße
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#8 Simon HAnonym
  • 14.02.2019, 13:54h
  • Antwort auf #6 von FSKl
  • Ja, das ist ja auch so ein typischer Film, wo Teenies gerne reinwollen...

    Der Film ist jetzt FSK12. Selbst mit FSK16 dürften Jugendliche zwischen 12 und 16 den sehen - mit Begleitung durch Eltern oder im Unterricht mit Lehrer. Und alleine werden sich wohl 12-16-jährige eher weniger für solche Filme interessieren.

    Und all das wäre besser gewesen, als nur eine weichgespülte Version dieser Gehirnwäsche zu zeigen.
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#9 daVinci6667
  • 14.02.2019, 14:14h
  • Antwort auf #1 von Gerlinde24
  • Religion sollte heilen?

    Ach du meine Güte! Religion soll gar nichts ausser do schnell als möglich von diesem Globzverschwinden bevor sie noch mehr und mehr und noch mehr unsägliches Unheil anrichtet!

    Heilen kann sich nur jeder selbst im Einklang mit sich und seinem Körper. Dazu brauchts meist zusätzlich noch einen guten Arzt und/oder Therapeuten, die richtige Dosis Medikamente oder Naturheilmittel und das nötige Kleingeld oder Versicherungsabdeckung. Ersteres ist aber das Wichtigste sonst wird keiner wirklich gesund.
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#10 SchleicheRAnonym
  • 14.02.2019, 19:20h
  • Antwort auf #9 von daVinci6667
  • Hehe ja *g*
    Meine ersten Zeilen in einem meiner Profile im Netz lauten:
    Religion killz
    Faith destroys
    it's a sickness

    Und so ist es auch, leider. Nichts gegen Jesus, der hatte sicher gute Absichten... Nur was daraus geworden ist, ist reine Perversion.
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