Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?32996

Konversionstherapien vor dem Aus?

Jens Spahn: Vorschlag für Verbot der Homo-"Heilung" bis Sommer möglich

Bewegt sich bei Konversionstherapien etwas? Der Gesundheitsminister stellt ein Verbot in Aussicht und glaubt, seine bislang skeptische Fraktion hinter sich zu haben.


Schafft es Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, das Verbot der Homo-"Heilung" durchzusetzen? (Bild: Deutscher Bundestag / Achim Melde)

  • 15. Februar 2019, 11:10h 66 3 Min.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat in einem am Freitag veröffentlichten "taz"-Interview bekräftigt, dass er "Konversionstherapien" zur "Heilung" von Homosexualität verbieten möchte. Noch in diesem Jahr könne man sich auf einen Vorschlag einigen.

"Wir wollen dazu eine Schnellstudie bei der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld in Auftrag geben", so der schwule Christdemokrat. Dabei solle zusammengetragen werden, wie die Problematik in anderen Ländern behandelt werde. "Auf dieser Grundlage werden wir dann entscheiden, was wir in Deutschland umsetzen können. Dazu müssen wir aber noch Kollegen der anderen Ressorts überzeugen." Weiter erklärte der Minister, er fände es gut, "wenn wir uns bis zum Sommer auf einen Regelungsvorschlag geeinigt haben".

Bereits im letzten August hatte Spahn die Homo-"Heilung" als "Körperverletzung" bezeichnet und ein Verbot in Aussicht gestellt, aber gleichzeitig vor juristischen Problemen gewarnt (queer.de berichtete). Auch im "taz"-Interview bekräftigte der Minister seine Einstellung, dass Homo-"Heilung" in Deutschland nichts zu suchen habe: "Homosexualität ist keine Krankheit und deswegen ist sie auch nicht therapiebedürftig. Deswegen bin ich für ein Verbot der Konversionstherapie." Er halte nichts von diesen Therapien, "schon wegen meines eigenen Schwulseins".

Er wolle daher das Gespräch mit Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) suchen. Die Sozialdemokraten hatten bereits vergangenes Jahr Zustimmung für ein Verbot ausgesprochen. Johannes Kahrs, Sprecher für die Belange von Lesben und Schwulen der SPD-Bundestagsfraktion, sagte damals, es gebe den Rückhalt seiner Fraktion für eine derartige Regelung.

Malta als deutschen Vorbild?

Spahn schlägt vor, dass es berufsrechtliche Folgen für Ärzte haben solle, wenn sie versuchten, Homosexuelle zu "heilen". Er erklärte einen grünen Gesetzentwurf aus dem Jahr 2013 für nicht ausreichend, als die Homo-"Heilung" von Jugendlichen zur Ordnungswidrigkeit erklärt und mit einer Geldstrafe in Höhe von mindestens 500 Euro belegt werden sollte. Damals lehnte seine Unionsfraktion allerdings selbst diesen Minivorschlag kategorisch ab (queer.de berichtete).

Der Gesundheitsminister sagte, er wolle das Gesetz "möglichst weit fassen" – also nicht nur die "Heilung" Jugendlicher verbieten, sondern auch von Erwachsenen. Innerhalb der Europäischen Union hat bislang nur Malta ein derartiges Gesetz beschlossen (queer.de berichtete).

Der Druck auf die Bundesregierung in dieser Frage ist zuletzt gestiegen: Kurz vor Weihnachten kündigte das schwarz-grüne Hessen ein, eine derartige Initiative im Bundesrat starten zu wollen (queer.de berichtete). Auch das Land Bremen forderte in einer einstimmigen Parlamentsentscheidung, etwas gegen "pseudowissenschaftliche Konversionstherapien" zu unternehmen (queer.de berichtete). Außerdem hat die grüne Bundestagsfraktion für nächste Woche ebenfalls einen Gesetzentwurf zum Verbot der Homo-"Heilung" angekündigt.

Deutsche Evangelikale leisten Widerstand

Psychologenverbände warnen bereits seit Jahren davor, dass die "Heilung" Homosexueller nicht möglich sei und Lesben und Schwule mit Konversionstherapien in den Selbstmord getrieben werden könnten. Der Weltärztebund verabschiedete 2013 eine Stellungnahme, nach der derartige Behandlungen "die Menschenrechte verletzen und nicht zu rechtfertigen" seien (queer.de berichtete). Trotzdem sind in Deutschland Homo-"Heiler" aktiv, etwa der Verein Leo e.V. in Sachsen-Anhalt (queer.de berichtete). Auch freie evangelische Gemeinden beharren auf das Recht, Homosexuelle "heilen" zu dürfen (queer.de berichtete).

Die größten Anhänger der Homo-"Heilung" tummeln sich in Deutschland unter Evangelikalen, die Homosexuelle pauschal für Sünder halten und mit dieser Meinung auch einen großen Einfluss auf die Unionsparteien haben. Spahn glaubt jedoch, dass er das Verbot auch gegen innerparteilichen Widerstand durchsetzen kann: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass es in der Unionsfraktion im Bundestag einen Anhänger von Konversionstherapien gibt", so der Minister. (dk)

Wöchentliche Umfrage

» Hattest du schon einmal ernsthaft darüber nachgedacht, deine Homo- oder Transsexualität "heilen" zu lassen?
    Ergebnis der Umfrage vom 18.02.2019 bis 25.02.2019
-w-

#1 TimonAnonym
  • 15.02.2019, 12:27h
  • Wäre längst überfällig.

    Er muss aber nicht nur seine Fraktion überzeugen, sondern auch die SPD, die das bisher immer als unzulässigen Eingriff in persönliche Wahlfreiheit abgelehnt hat.

    Obwohl selbst die Weltgesundheitsorganisation eindringlich vor dieser Gehirnwäsche warnt.
  • Direktlink »
#2 KetzerEhemaliges Profil
  • 15.02.2019, 13:02h
  • Es ist immer dasselbe:

    "Der Weltärztebund verabschiedete 2013 eine Stellungnahme, nach der derartige Behandlungen "die Menschenrechte verletzen und nicht zu rechtfertigen" seien".

    Gerade mal sechs Jahre später muss dann erstmal eine Studie in Auftrag gegeben werden. Könnte ja doch sein, dass da was völlig anderes herauskommt?

    Letzten August hat Spahn ja im wesentlichen gesagt, er wisse nicht, wie er diese Therapien verbieten könne. Schon peinlich, wenn einem politischen Selbstdarsteller allererster Güte das einfachste Handwerkszeug zu fehlen scheint bzw. er das auch noch selbst zugibt. Malta hatte immerhin zwei Jahre zuvor vorgemacht, wie es geht.

    Nun aber erst wieder eine Studie... könnte einem da irgendwie der Gedanke an eine künstliche bzw. absichtliche Verschleppung kommen?

    Naja, mit Studien - wie auch der neu avisierten Studie zur Abtreibung - kann er zumindest so tun, als täte er was.

    Ich hingegen wünsche mir politisches und menschliches Rückgrat. Herr Spahn, setzen Sie um, was Sie großspurig ankündigen! Auch auf die PrEP als Kassenleistung warten viele Menschen, die in Armut leben müssen, immer noch.

    Nicht an Ihren großspurigen Worten - an Ihren Taten werden wir Sie messen, Herr Spahn.
  • Direktlink »
#3 SoSoAnonym
  • 15.02.2019, 13:27h
  • Antwort auf #1 von Timon
  • Magst Du so nett sein, mir einen Hinweis zu geben, wo die SPD sich gegen ein Verbot der Homo-Heilung aus eigenem Antrieb ( Nicht aus Koalitionsdisziplin ) ausgesprochen hat.
    Davon habe , vielleicht aus Unwissenheit, noch nichts gehört.
  • Direktlink »