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Konversionstherapien vor dem Aus?

Jens Spahn: Vorschlag für Verbot der Homo-"Heilung" bis Sommer möglich

Bewegt sich bei Konversionstherapien etwas? Der Gesundheitsminister stellt ein Verbot in Aussicht und glaubt, seine bislang skeptische Fraktion hinter sich zu haben.


Schafft es Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, das Verbot der Homo-"Heilung" durchzusetzen? (Bild: Deutscher Bundestag / Achim Melde)

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat in einem am Freitag veröffentlichten "taz"-Interview bekräftigt, dass er "Konversionstherapien" zur "Heilung" von Homosexualität verbieten möchte. Noch in diesem Jahr könne man sich auf einen Vorschlag einigen.

"Wir wollen dazu eine Schnellstudie bei der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld in Auftrag geben", so der schwule Christdemokrat. Dabei solle zusammengetragen werden, wie die Problematik in anderen Ländern behandelt werde. "Auf dieser Grundlage werden wir dann entscheiden, was wir in Deutschland umsetzen können. Dazu müssen wir aber noch Kollegen der anderen Ressorts überzeugen." Weiter erklärte der Minister, er fände es gut, "wenn wir uns bis zum Sommer auf einen Regelungsvorschlag geeinigt haben".

Bereits im letzten August hatte Spahn die Homo-"Heilung" als "Körperverletzung" bezeichnet und ein Verbot in Aussicht gestellt, aber gleichzeitig vor juristischen Problemen gewarnt (queer.de berichtete). Auch im "taz"-Interview bekräftigte der Minister seine Einstellung, dass Homo-"Heilung" in Deutschland nichts zu suchen habe: "Homosexualität ist keine Krankheit und deswegen ist sie auch nicht therapiebedürftig. Deswegen bin ich für ein Verbot der Konversionstherapie." Er halte nichts von diesen Therapien, "schon wegen meines eigenen Schwulseins".

Er wolle daher das Gespräch mit Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) suchen. Die Sozialdemokraten hatten bereits vergangenes Jahr Zustimmung für ein Verbot ausgesprochen. Johannes Kahrs, Sprecher für die Belange von Lesben und Schwulen der SPD-Bundestagsfraktion, sagte damals, es gebe den Rückhalt seiner Fraktion für eine derartige Regelung.

Malta als deutschen Vorbild?

Spahn schlägt vor, dass es berufsrechtliche Folgen für Ärzte haben solle, wenn sie versuchten, Homosexuelle zu "heilen". Er erklärte einen grünen Gesetzentwurf aus dem Jahr 2013 für nicht ausreichend, als die Homo-"Heilung" von Jugendlichen zur Ordnungswidrigkeit erklärt und mit einer Geldstrafe in Höhe von mindestens 500 Euro belegt werden sollte. Damals lehnte seine Unionsfraktion allerdings selbst diesen Minivorschlag kategorisch ab (queer.de berichtete).

Der Gesundheitsminister sagte, er wolle das Gesetz "möglichst weit fassen" – also nicht nur die "Heilung" Jugendlicher verbieten, sondern auch von Erwachsenen. Innerhalb der Europäischen Union hat bislang nur Malta ein derartiges Gesetz beschlossen (queer.de berichtete).

Der Druck auf die Bundesregierung in dieser Frage ist zuletzt gestiegen: Kurz vor Weihnachten kündigte das schwarz-grüne Hessen ein, eine derartige Initiative im Bundesrat starten zu wollen (queer.de berichtete). Auch das Land Bremen forderte in einer einstimmigen Parlamentsentscheidung, etwas gegen "pseudowissenschaftliche Konversionstherapien" zu unternehmen (queer.de berichtete). Außerdem hat die grüne Bundestagsfraktion für nächste Woche ebenfalls einen Gesetzentwurf zum Verbot der Homo-"Heilung" angekündigt.

Deutsche Evangelikale leisten Widerstand

Psychologenverbände warnen bereits seit Jahren davor, dass die "Heilung" Homosexueller nicht möglich sei und Lesben und Schwule mit Konversionstherapien in den Selbstmord getrieben werden könnten. Der Weltärztebund verabschiedete 2013 eine Stellungnahme, nach der derartige Behandlungen "die Menschenrechte verletzen und nicht zu rechtfertigen" seien (queer.de berichtete). Trotzdem sind in Deutschland Homo-"Heiler" aktiv, etwa der Verein Leo e.V. in Sachsen-Anhalt (queer.de berichtete). Auch freie evangelische Gemeinden beharren auf das Recht, Homosexuelle "heilen" zu dürfen (queer.de berichtete).

Die größten Anhänger der Homo-"Heilung" tummeln sich in Deutschland unter Evangelikalen, die Homosexuelle pauschal für Sünder halten und mit dieser Meinung auch einen großen Einfluss auf die Unionsparteien haben. Spahn glaubt jedoch, dass er das Verbot auch gegen innerparteilichen Widerstand durchsetzen kann: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass es in der Unionsfraktion im Bundestag einen Anhänger von Konversionstherapien gibt", so der Minister. (dk)

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    Ergebnis der Umfrage vom 18.02.2019 bis 25.02.2019


#1 TimonAnonym
  • 15.02.2019, 12:27h
  • Wäre längst überfällig.

    Er muss aber nicht nur seine Fraktion überzeugen, sondern auch die SPD, die das bisher immer als unzulässigen Eingriff in persönliche Wahlfreiheit abgelehnt hat.

    Obwohl selbst die Weltgesundheitsorganisation eindringlich vor dieser Gehirnwäsche warnt.
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#2 Ketzer
  • 15.02.2019, 13:02h
  • Es ist immer dasselbe:

    "Der Weltärztebund verabschiedete 2013 eine Stellungnahme, nach der derartige Behandlungen "die Menschenrechte verletzen und nicht zu rechtfertigen" seien".

    Gerade mal sechs Jahre später muss dann erstmal eine Studie in Auftrag gegeben werden. Könnte ja doch sein, dass da was völlig anderes herauskommt?

    Letzten August hat Spahn ja im wesentlichen gesagt, er wisse nicht, wie er diese Therapien verbieten könne. Schon peinlich, wenn einem politischen Selbstdarsteller allererster Güte das einfachste Handwerkszeug zu fehlen scheint bzw. er das auch noch selbst zugibt. Malta hatte immerhin zwei Jahre zuvor vorgemacht, wie es geht.

    Nun aber erst wieder eine Studie... könnte einem da irgendwie der Gedanke an eine künstliche bzw. absichtliche Verschleppung kommen?

    Naja, mit Studien - wie auch der neu avisierten Studie zur Abtreibung - kann er zumindest so tun, als täte er was.

    Ich hingegen wünsche mir politisches und menschliches Rückgrat. Herr Spahn, setzen Sie um, was Sie großspurig ankündigen! Auch auf die PrEP als Kassenleistung warten viele Menschen, die in Armut leben müssen, immer noch.

    Nicht an Ihren großspurigen Worten - an Ihren Taten werden wir Sie messen, Herr Spahn.
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#3 SoSoAnonym
  • 15.02.2019, 13:27h
  • Antwort auf #1 von Timon
  • Magst Du so nett sein, mir einen Hinweis zu geben, wo die SPD sich gegen ein Verbot der Homo-Heilung aus eigenem Antrieb ( Nicht aus Koalitionsdisziplin ) ausgesprochen hat.
    Davon habe , vielleicht aus Unwissenheit, noch nichts gehört.
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#4 Patrick SAnonym
  • 15.02.2019, 13:29h
  • Die eigentliche Tragik liegt darin, dass man das überhaupt noch diskutieren muss, bzw. Politiker aller Parteien überzeugt werden müssen, dass man einen Menschen nicht heilen kann, der nicht krank ist. Armes Deutschland. Zeigt wiedermal, wie rückständig (wir) in 2019 immer noch sind und denken. Die Technische Evolution ist der geistigen um Lichtjahre voraus.
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#5 Homonklin44Profil
  • 15.02.2019, 13:48hTauroa Point
  • Da wäre dann nochmal dran zu erinnern, dass diverse "Therapiekonzepte" über die entsprechend frisierten Diagnosen auch von Krankenkassen zuweilen nicht hinterfragt werden, und besonders über Begriffe wie "Ich-dystone Sexualorientierung" (ICD-10 F66.1,) kann sich das dem Konzept hinzu passend zurecht gebogen werden.

    Es müsste zudem geprüft werden - unter Einbezug unabhängig Professioneller - wenn eine solche Tour versucht wird. Hintertürchen sind hier zu schließen!

    Gut wäre es ja auch gerade den Hintergrund zu beleuchten, da diese Versuche gewöhnlich aus einem religiösen Motiv oder Hintergrund mit religiösem oder ideologischem Bearbeiten, Einschüchtern, psychomanipulatorischen Methoden erfolgen.

    Die religiöse Erziehung Jugendlicher sollte Möglichkeiten eines Drangsalierens und Nötigens bis hin zu solchen "Heilversuchen" ausschließen. Auch Jugendliche haben ein Recht zu sein, wer sie sind!
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#6 Bonifatius49Anonym
  • 15.02.2019, 13:50h
  • Antwort auf #2 von Ketzer
  • Es ist sehr erfreulich, das der Gesundheitsminister diese Gesetzesreform anstrebt. Sehr lobenswert, Herr Spahn !!!

    Die Unterstützung von FDP, Grünen/Bündnis 90 und Linkspartei haben Sie dafür.
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#7 LorenProfil
  • 15.02.2019, 14:04hGreifswald
  • Antwort auf #6 von Bonifatius49
  • Ob und von wem Herr Spahn Unterstützung erhält, wird vom Inhalt und der Qualität der Gesetzesvorlage abhängen, die in seinem Hause (ggf. in Kooperation mit dem Bundesjustizministerium) angefertigt wird. Sollte es zu faulen Kompromissen kommen oder "gummiartige" Formulierungen gewählt werden, wird die Zustimmungsbereitschaft ggf. abnehmen.
    Wie sagte Kohl einst: "Entscheidend ist, was hinten rauskommt."
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#8 TimonAnonym
  • 15.02.2019, 14:25h
  • Antwort auf #3 von SoSo
  • Es gibt keine Koalitionsdisziplin. Laut Art. 38 GG ist jeder Abgeordnete nur seinem eigenen Gewissen verpflichtet und nicht an Weisungen anderer gebunden.

    Entweder handelt die SPD aus Überzeugung homophob oder sie verhält sich grundgesetzwidrig, um aus reinem Opportunismus Homophobie zur Mehrheit zu verhelfen.
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#9 ImmerDasselbeAnonym
  • 15.02.2019, 14:31h
  • Antwort auf #2 von Ketzer
  • Es ist auch immer dasselbe mit dir, offensichtlich.
    Immer schön austeilen, aber wenn du selbst gefordert wirst, dann heißt es: "Suche dir eine andere Projektionsfläche."

    Ist es dir möglich dich daran zu erinnern, seit wann Spahn als Gesundheitsminister arbeitet? Na? Und weißt du zufällig auch, wer zuvor seinen Job machte? Na?
    Aha, wer nachdenkt, erhält eine Antwort.
    Dann weißt du ja nun, weshalb es noch 6 Jahre dauern musste, bis das mit der Homo-Heilung endgültig beendet wird.

    Und dass er die Bürger nach der Umsetzung zum Homo-Heilungsverbot fragte, ist millionenfach besser als alles, was Merkel so verdeckt umsetzte, ohne das Volk zu berücksichtigen(!)

    Übrigens lässt sich solch ein Verbot nicht einfach vom Himmel runter holen. Da muss die Gesetzlage geprüft werden und so angepasst werden, dass es nicht mit den Rechten der Ärzte in Konflikt gerät. Vielleicht ist es dir ja auch mal möglich etwas weiter zu denken. Stell dir vor, das Homo-Heilungsverbot tritt in Kraft - meinst du etwa nicht, dass ein konservativer Arzt eventuell dagegen klagen könnte??
    Bevor also einfach das Homo-Heilungsverbot ohne weitere Absicherung verabschiedet wird, ist es besser, eine Grundlage zu haben: eine rechtliche Grundlage, die es einem konservativen Arzt unmöglich macht, eine Klage zu gewinnen, und eine Grundlage mit der aktuellen Studie, die die Folgen der Homo-Heilung bestätigt - eventuell sogar mit Nachweise der Betroffenen.

    Bevor du also jemanden kritisierst, der gerade den richtigen Weg geht, einfach mal dich selbst reflektieren, was du hier so von dir gibst - vor allem in welchem "Ton."
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#10 Ketzer
  • 15.02.2019, 15:20h
  • Antwort auf #9 von ImmerDasselbe
  • "Immer schön austeilen, aber wenn du selbst gefordert wirst, dann heißt es: "Suche dir eine andere Projektionsfläche.""

    Und hier bin ich dann schon ausgestiegen.
    Spahn ist öffentlich tätiger Politiker.

    Ich nicht.

    Er ist dazu verpflichtet, für eine üppige Bezahlung seinen Job vernünftig zu machen.

    Zahle mir dasselbe, dann lasse ich mit mir darüber reden. Ansonsten verbitte ich mir eine Gleichstellung, ich müsse als Privatperson Ähnliches erreichen wie ein Bundesminister.

    Langsam wird es wirklich lächerlich.
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