Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?33004

Katholische Kirche

Kardinal Müller: Niemand wird "gottgewollt als Homosexueller geboren"

Im neuen "Spiegel" teilt der einflussreiche deutsche Erzbischof gegen einen vermeintlich zu liberalen Vatikan aus und macht Schwule für den Missbrauchsskandal der Kirche verantwortlich.


Müller bei einer Messe 2012 (Bild: Jolanta Dyr / wikipedia)

Der ehemalige Präfekt der Glaubenskongregation im Vatikan, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, hat die Kirchenführung von Papst Franziskus scharf kritisiert. In einem Interview im aktuellen "Spiegel" meinte der 71-Jährige, Papst Franziskus dürfe nicht der Versuchung erliegen, "jene Gruppe, die sich mit ihrem Progressismus brüstet, gegen den Rest der Kirche auszuspielen".

Offizieller Anlass des Interviews ist eine in der nächsten Woche bevorstehende Konferenz im Vatikan zu den Missbrauchsskandalen der Kirche. Müller betonte dazu zu Beginn des Interviews, hier seien "schwere Sünden begangen" worden, man müsse in der Nachbereitung "aber den Nagel auf den Kopf treffen". So habe der Missbrauch mit dem "verdorbenen Charakter der Täter", aber nichts mit Klerikalismus und dem Amt zu tun.

Vom "Spiegel" auf frühere Aussagen angesprochen, Müller sehe allerdings einen "Zusammenhang zwischen Missbrauch und Homosexualität", betonte der frühere Regensburger Bischof: "In der Glaubenskongregation hatten wir statistisch den perfekten Überblick. Weit über 80 Prozent der Opfer sexuellen Missbrauchs Jugendlicher bis zu 18 Jahren waren junge Männer im pubertären und nachpubertären Alter." Diese Daten sollten bei dem Gipfel "unvernünftiger Weise" keine Rolle spielen, beklagte er.

Wer sich "nicht beherrschen" könne, sei für das Priesteramt nicht geeignet, so Müller weiter. "Schönreden nützt da nichts. Übrigens bin ich der Meinung, dass kein Mensch gottgewollt als Homosexueller geboren wird, wir werden geboren als Mann oder Frau." Das von "Spiegel"-Redakteur Walter Mayr geführte Interview lässt diese Aussagen unwidersprochen im Raum stehen.

Kardinal: Papst von "Hofschranzen" umgeben

Müller saß mehrere Jahre der Glaubenskongregation vor, bevor Papst Franziskus seine Amtszeit im Juli 2017 überraschend nicht verlängerte. Vor wenigen Tagen hatte er ein Manifest veröffentlicht, in dem er angesichts einer "sich ausbreitenden Verwirrung in der Lehre des Glaubens" eine Rückbesinnung auf die "Wahrheit der Offenbarung" fordert, unter anderem im "sittlichen Gesetz".

Im "Spiegel" kritisierte Müller, Papst Franziskus sei "umgeben von Leuten, die wenig von Theologie und der kirchlichen Soziallehre verstehen, sondern die jahrhundertealte Höflingsmentalität nicht ablegen wollen". Diesen "Hofschranzen" gelte heute "jedes Wort, jede beiläufige Bemerkung von Franziskus, und sei es in einem Interview, als sakrosankt. Als hätte Gott selbst gesprochen." Dabei hätten Äußerungen des Papstes als Privatmann "mit Unfehlbarkeit in Glaubensfragen nicht das Geringste zu tun". Interviews seien für Franziskus vermintes Gelände, so Müller: "In weltlichen Fragen wäre Zurückhaltung wünschenswert."

"Homosexuelle Netzwerke" in Kirche beklagt

Immer wieder hatte Müller mit LGBTI-feindlichen Äußerungen für Aufregung gesorgt. So bewertete er 2014 ausgelebte Homosexualität als "nicht akzeptabel" (queer.de berichtete), die Ehe für alle stellte er als eine "Diskriminierung des Ehebundes von Mann und Frau" dar (queer.de berichtete). Im letzten Herbst beklagte er, dass eine "LGBT-Ideologie", die "atheistisch" sei, sich in Kirchendokumenten verbreite: Was vor Gott eine Sünde sei, werde als Segen dargestellt (queer.de berichtete).

Damals verband er auch er den Missbrauchsskandal mit Homosexualität. In Bezug auf den ehemaligen US-Erzbischof Theodore Edgar McCarrick, der wegen sexuellen Übergriffen auf Seminaristen von Papst Franziskus entlassen worden war, meinte er: "Diesem McCarrick war es möglich, zusammen mit seinem Clan und einem homosexuellen Netzwerk in mafiaartiger Weise in der Kirche Verwüstungen anzurichten." Dazu habe auch beigetragen, dass die "moralische Verwerflichkeit von homosexuellen Akten unter Erwachsenen" in der Kirche unterschätzt worden sei (queer.de berichtete).

Wenige Wochen später hatte er homosexuelle Aktivitäten katholischer Priester als "schweren Verstoß" gegen das priesterliche Ethos bezeichnet und liberale Ansichten des Frankfurter Hochschulrektors Ansgar Wucherpfennig als "häretisch" eingestuft (queer.de berichtete). (nb/dpa)



#1 MinelleAnonym
  • 16.02.2019, 15:38h
  • Er hätte bestimmt auch gerne wieder die Folterkammern und Scheiterhaufen der Inquisition wieder zurück, oder?
  • Antworten » | Direktlink »
#2 goddamn liberalAnonym
  • 16.02.2019, 15:38h
  • Die wiederholten Äußerungen von Müller, der in seinem Bistum Regensburg Missbrauch übrigens keineswegs verhinderte, sondern eher ermöglichte, sind ein Musterbeispiel für Homophobie als psychologisches Phänomen.

    Was den heterosexuellen Missbrauch in der kath. Kirche betrifft (etwa Nonnen durch Priester), so steht die Diskussion ja erst am Anfang.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 PeerAnonym
  • 16.02.2019, 15:40h
  • Immer wieder nur die Schuld für die Verbrechen der Kirche auf andere schieben...

    Immer sind es andere Schuld, nur nie man selbst....

    Diese totalitäre Sekte wird es niemals kapieren. Da hilft nur Kirchenaustritt:

    www.kirchenaustritt.de/

    Anders ist dieser machtgeile Konzern nicht zu stoppen.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 Bonifatius49Anonym
  • 16.02.2019, 15:41h
  • Unter Papst Benedikt verurteilte er jede Form von Papstkritik und dudete keine Kritik an dessen Person und kanzelte progressive Stimmen ab und maßregelte katholische Theologen wie August Jilek, Sabine Demel, Burkard Porzelt und Heinz-Günther Schöttler.

    Jetzt wo ein Reformpapst in Rom auf den Papststuhl gelangt ist, der Reformen in Rom umsetzt, wird Müller zum größten Papstkritiker und Schismatiker in der Katholischen Kirche. Das Papst Franziskus ihn entmachtet hat, hat Müller "nicht verkraftet". Aber alle progressiven Theologen und Reformbefürworter freut es, das Müller durch Papst Franziskus aufs "Abstellgleis" geschickt wurde.

    Das Müllers Einstellung und Sprüche zu Homosexualität pure Hetze sind, ist sowieso vollkommen klar.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 goddamn liberalAnonym
  • 16.02.2019, 15:57h
  • Antwort auf #4 von Bonifatius49
  • "wird Müller zum größten Papstkritiker und Schismatiker in der Katholischen Kirche."

    Richtig, auch weltliche Klerikal-Reaktionäre wie der manisch homophobe Cicero-Redakteur Alexander Kissler sind mittlerweile nicht mehr katholisch, sondern eifrige Papstkritiker und haben gegenüber dem 'Stellvertreter Christi auf Herden' der laut kath. Lehre kraft des 'Heiligen Geistes' auf dem 'Stuhle Petri' sitzt einen geradezu beleidigenden Tonfall.

    Nach dem Motto: Nur solange meine eigene reaktionäre politische Gesinnung von Rom beweihräuchert wird, bin ich ein 'treuer Sohn der Kirche'.

    www.cicero.de/kultur/franziskus-im-interview-ein-relativ-kat
    holischer-papst/60925


    Hinter der frommen Tarnkappe grinst es dunkeldeutsch.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 Reto77
  • 16.02.2019, 16:10h
  • Ich bin der Meinung, man sollte im Grundgesetz auf eine Privilegierung der Kirchen und auf die explizite Erwähnung der Religionsfreiheit verzichten. Auch für Gruppen, die an Gott glauben, müsste die Meinungs-, Gewissens-, Versammlungs- und Vereinsfreiheit vollauf genügen. Für alle anderen müssen die genannten Rechte ja auch genügen. Die Religionsfreiheit wird in der Praxis ja vor allem dazu missbraucht, um gegen uns zu hetzen (siehe Kardinal Müller) und um LGBTI-Personal zu feuern ( siehe Gymnasium Mariengarden).
  • Antworten » | Direktlink »
#7 Patrick SAnonym
  • 16.02.2019, 16:11h
  • Das eigentliche Problem ist doch, dass die Kirche außerhalb des Gesetzes steht und jeder machen kann, was er will und straffrei bleibt.
    Andersherum, wäre ganz schnell Schluss mit den ganzen Hassreden, den Aufrufen zur Gewalt und Ausgrenzung, der Anwendung von psychischer und physischer Gewalt gegen Schutzbefohlene und letztenendes Kindesmissbrauch. Danach noch die staatliche Förderung von Hass, also die Kirchensteuer komplett abschaffen und wir sprechen uns in ein bis zwei Jahren nochmal.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 TomDarkProfil
  • 16.02.2019, 16:11hHamburg
  • "Übrigens bin ich der Meinung, dass kein Mensch gottgewollt als Homosexueller geboren wird, wir werden geboren als Mann oder Frau."

    Demnach hat sein Schöpfer also nur das geschaffen, was er persönlich für richtig hält...

    Erstaunlich, wie sehr sich ein Gläubiger in solch einer Position verirren und seinen eigenen Gott anzweifeln kann!

    Damit begeht er in selbst die größten aller Sünden: Hochmut, Eitelkeit und Ignoranz!
  • Antworten » | Direktlink »
#9 AlkiberndAnonym
  • 16.02.2019, 16:12h
  • Aber auch niemand wird gottgewollt als Blödmannsgehilfe geboren, das hat er schon selber zu verantworten.,
  • Antworten » | Direktlink »
#10 remixbeb
  • 16.02.2019, 16:35h
  • Ich verstehe es nicht so ganz. Kaum ein tag vergeht ohne eine Meldung, was ein alter Sack der Kirche raus gelassen hat. Warum ignoriert man diesen Haufen nicht endlich mal? Sollen sie nur weiter an ihrer mittelalterlichen Einstellung fest halten. Umso schneller erübrigt sich zum Glück der Umgang damit. Die Austrittszahlen sprechen eine deutliche Sprache. Vielmehr sollten wir uns für die anständige Trennung von Religion und Staat in Deutschland einsetzen.
  • Antworten » | Direktlink »