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Klage in Lausanne

Südafrika kämpft für die Menschenwürde von Caster Semenya

Der Internationale Sportgerichtshof CAS verhandelt in der kommenden Woche über die Testosteron-Limits des Weltverbandes IAAF für intersexuelle Läuferinnen – für Südafrikas Sportministerin eine Diskriminierung.


Caster Semenya im Jahr 2017 (Bild: Chell Hill / wikipedia)

Südafrika hat eine neue Kampagne zur Unterstützung der 800-Meter-Olympiasiegerin Caster Semenya gestartet. Unter dem Motto "naturally superior" (etwa: von Natur aus besser) stellt sich die Regierung hinter die 28-jährige Leichtathletin, deren Fall nächste Woche vom Internationalen Sportgerichtshofs CAS in Lausanne verhandelt wird. Die dreimalige Weltmeisterin wehrt sich gegen eine Regel des Weltverbandes IAAF, die Testosteron-Limits für Mittelstreckenläuferinnen mit intersexuellen Anlagen vorsieht.

Die Regelung sei eine Verletzung von Semenyas Menschenwürde, Privatsphäre und ein Fall von Diskriminierung, sagte Südafrikas Sportministerin Tokozile Xasa am Freitag. Es sei inakzeptabel, dass gesunde Frauen sich einer Hormonbehandlung unterziehen sollten. Die Regierung werde Semenya juristisch beistehen, so die Ministerin.

Der Regelung zufolge sollen Frauen das Startrecht für bestimmte Rennen nur erhalten, wenn ein spezifischer Testosterongehalt im Blut (5 Nanomol pro Liter) nicht überschritten wird. Läuferinnen müssten künftig "innerhalb einer durchgehenden Periode von mindestens sechs Monaten – beispielsweise durch die Einnahme hormoneller Verhütungsmittel" – ihren erhöhten Wert dauerhaft reduzieren.

Erste Goldmedaille bei Leichtathletik-WM 2009

Caster Semenya gilt als bekanntester intergeschlechtlicher Mensch der Welt, auch wenn sich die lesbische Athletin selbst nicht zu dem Thema äußern will. In der Vergangenheit war der Mittelstreckenläuferin mehrfach "vorgeworfen" worden, in Wirklichkeit ein Mann zu sein – sie wurde deswegen auch von anderen Sportlerinnen beschimpft, die wegen ihrer angeblich hohen Testosteronwerte einen unfairen Vorteil beklagten (queer.de berichtete). "Für mich ist sie ein Mann", betonte etwa die italienische Sportlerin Elisa Cusma Piccione.

Nach ihrer ersten Goldmedaille im 800-Meter-Lauf bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2009 in Berlin musste sich Semenya umstrittenen Geschlechtstests unterziehen, deren Ergebnisse jedoch nicht veröffentlicht wurden. Der Generalsekretär des Leichtathletikverbands IAAF Pierre Weiss teilte damals lediglich der Presse mit: "Es ist klar, dass sie eine Frau ist, aber vielleicht nicht zu 100 Prozent." Die Mittelstreckenläuferin durfte damit ihre Medaillen behalten und nach einer mehrmonatigen Pause auch wieder bei den Frauen starten.

Bei den Olympischen Sommerspielen 2016 in Rio de Janeiro holte Caster Semenya mit persönlicher Bestleistung und nationalem Rekord von 1:55,28 Minuten erneut eine Goldmedaille im 800-Meter-Lauf (queer.de berichtete). Im Januar 2017 heiratete sie ihre Freundin Violet Raseboya (queer.de berichtete). (cw/dpa)



#1 ErfreulichAnonym
  • 16.02.2019, 18:53h
  • Es freut mich zu lesen, dass die Regierung sie unterstützt. Die Verhandlung ist allerdings traurig. Hoffentlich wird es wenigstens dazu führen, dass diese blöde Regel mit dem Testosteron-Limit aufgehoben wird.
    Menschen sind vielfältig - Punkt.
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#2 MazekosProfil
  • 16.02.2019, 21:14hDresden
  • Für mich persönliche eine sehr schwierige Frage.

    Einerseits: Der Testosteronspiegel kann durchaus Muskelaufbau und auch körperliche Leistungsfähigkeit beeinflussen, sowohl bei Frauen, als auch bei Männern.
    Siehe dazu:
    www.porst-hamburg.de/spezielle-andrologie/testosteron.html

    Bei Frauen liegt der Testosteron verständlicherweise deutlich niedriger als bei Männern, genaue Statistik dazu gibt es hier:

    www.netdoktor.de/Diagnostik+Behandlungen/Laborwerte/Testoste
    ron-1522.html


    Dort wird beschrieben, dass der Testosteronwert bei erwachsenen Frauen bei etwa 0,15-0,55 Mikrogramm pro Liter Blut liegt. Daraus lässt sich der Wert in Nanomol pro Liter errechnen, auf den auch im Text Bezug genommen wird.
    Molare Masse von Testosteron: 288,42g/mol, Quelle:
    de.wikipedia.org/wiki/Testosteron

    In einem Liter befinden sich bei Frauen bis zu 0,55 Mikrogramm pro Liter, also: 5,5*10^-7 g/L / 288,42 g/mol = 1,9069*10^-9 mol/L
    Umgerechnet sind das 1,9069 Nanomol pro Liter, ein Wert der also deutlich unter dem Grenzwert von 5 Nanomol pro Liter liegt.
    Dementsprechend halte ich es durchaus für berechtigt über solche Grenzwerte zu diskutieren, vor allem wenn es um einen Wert geht, den eine Frau auf natürliche Weise nie zu erreichen in der Lage ist.
    Aufgrund der Leistungssteigernden Wirkung ist es also nicht unwahrscheinlich das hier eine Problematik vorliegt und sich andere Frauen abgehängt fühlen könnten (im wahrsten Sinne des Wortes).

    Auf der Anderen Seite: Es ist nunmal so, dass der Körper nichts mit den Befindlichkeiten des Gehirns zu tun hat, sprich: Auch wenn ein Mann, der sich als Frau fühlt eine entsprechende Behandlung bekommt, wird der Körper sich eben nicht vollständig ändern. Genetische Veränderungen sind nicht/nur begrenzt möglich, aus biologischer Sicht ist es also nicht möglich als Mann zu einer 100-%igen Frau zu werden. Auch wenn das vielleicht als Argument für den Grenzwert gesehen werden könnte, ist es dennoch so, dass die Testosteronwerte (und damit auch die Grenzwerte) für Frauen, nicht automatisch auch auf Transfrauen angewandt werden können. Hier müsste also geprüft werden, ob besagte Sportlerin durch die "erhöhten" Testosteronwerte tatsächlich einen Vorteil gegenüber anderen Sportlerinnen hat. Außerdem sollte auch in einem Wettbewerb niemand vom Sport ausgeschlossen werden, Transsexuelle verdienen ihren Patz in der Gesellschaft, und da eben auch im Sport.

    Eine (meiner Meinung nach) durchaus schwierige Frage also...
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#3 ErfreulichAnonym
  • 16.02.2019, 21:41h
  • Antwort auf #2 von Mazekos
  • Du weißt aber schon, dass die Natur nicht so perfekt ausgerechnete Testosteronspiegelwerte in einen Menschen pflanzen kann wie du es ausrechnest.

    Woher willst du bitte wissen, ob Frau Semenya Trans oder einfach cis-lesbisch ist?

    Du möchtest einer gesunden Person also Hormonpräparate zumuten, damit sie den gewünschten Testosteronspiegel erhält, den sich alle wünschen?? Wie nennt man diese Forderung? Ist das nicht Diskriminierung?

    Es gibt durchaus Sportler/innen, die von Natur aus bestimmte Vorteile in ihrer Sportart mitbringen.
    Insofern muss man nicht an Frau Semenya herumdoktern, sondern vielleicht muss sich eher die Mentalität gegenüber Vielfalt weiterentwickeln? Beziehungsweise sich die Regelungen im Sport der Gegenwart anpassen?

    Es gibt durchaus Frauen mit einem höheren Testosteronspiegel als "normal." Außer Hetero-Frauen gibt es eben auch noch andere Frauen. Damit muss die Gesellschaft endlich mal klar kommen, anstatt den vermeintlichen "Makel" oder "Vorteil" bei dieser Frau zu suchen.
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#4 AlexandriaAnonym
  • 16.02.2019, 22:00h
  • Antwort auf #2 von Mazekos
  • "Auch wenn ein Mann, der sich als Frau fühlt eine entsprechende Behandlung bekommt (...) Genetische Veränderungen sind nicht/nur begrenzt möglich, aus biologischer Sicht ist es also nicht möglich als Mann zu einer 100-%igen Frau zu werden."

    Caster Semenya war nie ein Mann.

    "Auch wenn das vielleicht als Argument für den Grenzwert gesehen werden könnte, ist es dennoch so, dass die Testosteronwerte (und damit auch die Grenzwerte) für Frauen, nicht automatisch auch auf Transfrauen angewandt werden können."

    Transfrauen haben keine höheren Testosteronwerte als Cisfrauen. Transfrauen haben exakt den gleichen Hormonspiegel wie Cisfrauen.

    "Außerdem sollte auch in einem Wettbewerb niemand vom Sport ausgeschlossen werden, Transsexuelle verdienen ihren Patz in der Gesellschaft, und da eben auch im Sport."

    Caster Semenya hatte nie eine männlichen Physiologie und sie ist auch keine Transfrau. Caster Semenya ist intersexuell.
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#5 ErfreulichAnonym
  • 16.02.2019, 22:00h
  • Antwort auf #3 von Erfreulich
  • P.S.:
    Carl Lewis hatte den Vorteil, dass er schnell rennen konnte und viele Rennen mit großem Abstand zu anderen gewann.
    Hättest du ihm etwa Östrogen gegeben, damit andere auch mal ein Rennen gewinnen?

    Michael Jordan hatte den Vorteil, hoch springen zu können und sprang so ziemlich allen über den Kopf hinweg und konnte viele Körbe im Basketball erzielen.
    Hättest du ihm Gerichtsverfahren an den Hals gehängt, damit er künftig nicht mehr so hoch springt?

    Verstehst du die Absurdität, die hinter der Gerichtsverhandlung mit dieser Frau steht?
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#6 AltoAnonym
  • 17.02.2019, 07:47h
  • Antwort auf #3 von Erfreulich
  • Es gibt Sportlerinnen, die sich Testosteron spritzen.
    Das ist eine Form von Doping und verboten.

    Ob Caster Semenya von Natur aus einen hohen Tesosteronwert hat, als er noch ein Mann war, oder ob er sich das künstlich gespritzt als Doping Mittel, muss natürlich geklärt werden
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#7 feli491Anonym
  • 17.02.2019, 09:03h
  • Antwort auf #6 von Alto
  • Sie war nie ein Mann! Sie ist nicht trans*, sondern höchstens inter.

    Und in jedem Fall ist misgendern (männliche Pronomen, während sie sich eindeutig als Frau sieht) ein totales No-Go, ganz egal, was irgendein Arzt mal gesagt haben könnte...
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#8 Ketzer
  • 17.02.2019, 09:04h
  • Antwort auf #2 von Mazekos
  • "Es ist nunmal so, dass der Körper nichts mit den Befindlichkeiten des Gehirns zu tun hat"

    Dir ist hoffentlich klar, dass das keinesfalls ein Faktum ist? Das Gehirn ist zum einen Bestandteil des Körpers, und zwar sogar lenkender Bestandteil, und zum anderen ist es genau deshalb aufs Engste mit allen anderen Vorgängen in Körper und Psyche verbunden.

    Eine künstliche Trennung zwischen Körper einerseits und Gehirn (und Psyche) andererseits ist also schlichtweg ein untaugliches Argument - ganz egal, in welche Richtung man argumentieren möchte.
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#9 seb1983
  • 17.02.2019, 09:29h
  • Antwort auf #4 von Alexandria
  • Meines Wissens nach gibt es aber nur die beiden Geschlechtschromosomen X und Y.

    Nun habe ich schon einiges an Sport gemacht. Selbst Frauen die naja solider gebaut sind als der Durchschnitt kommen da nicht mit wo einfach Kraft gefordert ist.
    Ein Trainingskollege hat mit Ankündigung eine weile Testo gespritzt, er wollte es einfach mal ausprobieren. Ich kann nur sagen: Heftig! Innerhalb kurzer Zeit ist der mir beim Training davongeschossen was Kraft und auch Ausdauer anging und die Freundin war auch schwer angetan.
    Schade dass es so gefährlich ist....

    Ich will gar nicht zu tief in dieses Minenfeld trans inter etc. eintauchen, aber wenn Caster Semenya genetisch XY veranlagt ist, dann hat sie meiner Meinung nach tatsächlich einen erheblichen Vorteil gegenüber Personen die XX Chromosomen haben.
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#10 ErfreulichAnonym
  • 17.02.2019, 09:32h
  • Antwort auf #6 von Alto
  • Da sie sich gar nicht gespritzt oder gedopt hat, und auch nie ein Mann war, geht es hierbei um Diskriminierung, und ist die Gerichtsverhandlung eine unwürdige Behandlung, weswegen die REGIERUNG sie unterstützt(!)
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