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Katholische Kirche
Große Mehrheit hält Zölibat für Ursache von sexuellem Missbrauch
Während die homophobsten Teile der katholischen Kirche pauschal Schwule für den sexuellen Missbrauch in der Kirche verantwortlich machen, hat die deutsche Bevölkerung eine ganz andere Erklärung.

Eine große Mehrheit der Deutschen versteht nicht, warum Priester ihr Leben alleine verbringen müssen (Bild: Mario Micklisch / flickr)
- 19. Februar 2019, 11:38h 2 Min.
Eine große Mehrheit von 72 Prozent der Deutschen hält die vorgeschriebene Ehelosigkeit katholischer Priester einer Umfrage zufolge für eine Ursache von sexuellem Missbrauch. 14 Prozent glauben das nicht, und 13 Prozent machten keine Angaben. Mehr als vier Fünftel (82 Prozent) sind dafür, den Zölibat abzuschaffen, so dass katholische Priester selbst entscheiden dürfen, ob sie heiraten oder nicht. Das ergab eine am Dienstag veröffentlichte repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur. Insgesamt waren zwischen dem 15. und 18. Februar 2.054 Menschen befragt worden.
Am Donnerstag kommen im Vatikan die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen aus aller Welt zu einem bislang beispiellosen Spitzentreffen zum Thema Missbrauch zusammen. In den vergangenen Jahren ist in mehreren Ländern ein erschreckendes Ausmaß von sexuellem Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch katholische Priester ans Licht gekommen.
Kulturkampf um Schuldfrage
In der katholischen Kirche herrscht derzeit ein Kulturkampf darum, wer die Schuld am lange durch die Obrigkeit geduldeten Missbrauch trägt. Viele der katholischen Würdenträger wollen dafür ausschließlich Homosexuelle verantwortlich machen und Schwulen eine pauschale Schuld zusprechen. Unterstützer dieser Theorie sind konservative Hardliner wie Raymond Leo Kardinal Burke, Weihbischof Marian Eleganti, Walter Kardinal Brandmüller oder Gerhard Ludwig Kardinal Müller. Das fundamentalistische Magazin "katholisches.info" sprach unlängst abfällig von "Homosex-Tätern", die schuld am Missbrauchsskandal seien.
Papst Franziskus verteidigte in den letzten Jahren das generelle Homo-Verbot im Priesteramt – selbst für jene Männer, die sich an den Zölibat halten wollen (queer.de berichtete). Inzwischen wackelt dieses homophobe Relikt jedoch: Mehrere deutsche Diözesen stellen den Bann derzeit offen in Frage (queer.de berichtete).
Zwei Drittel wollen, dass Kirche Homosexuelle gleichbehandelt
Weitere Ergebnisse der YouGov-Befragung: Auf die Frage, ob die Kirche ihre kritische Haltung gegenüber Homosexualität ändern und eine homosexuelle Orientierung als gleichwertig betrachten sollte, antworteten 64 Prozent der Befragten mit Ja, 21 Prozent mit Nein und 15 Prozent machten keine Angaben.
72 Prozent sind dafür, dass in der Kirche auch Frauen Priester werden können. Nur 13 Prozent sind dagegen, 15 Prozent machten keine Angaben. Nur wenige rechnen allerdings damit, dass sich die katholische Kirche in der Frauenfrage bewegen wird. Auf die Frage, ob sie glaubten, dass die Kirche Frauen in den nächsten 20 Jahren zum Priesteramt zulassen werde, antwortete mehr als die Hälfte der Befragten (54 Prozent) mit Nein. Ein Viertel (24 Prozent) geht hingegen durchaus davon aus, und 22 Prozent sind unschlüssig. (dpa/dk)















Lobenswert das nunmehr die ersten katholischen Priester wie Bernd Mönkebüscher im Erzbistum Paderborn oder Gregory Greiten in Milwaukee, Wiscons, sich öffentlich als schwul outen, und sie hierbei nicht arbeitsrechtlich gekündigt oder in eine andere Kirchengemeinde strafversetzt werden.
www.nytimes.com/2019/02/17/us/it-is-not-a-closet-it-is-a-cag
e-gay-catholic-priests-speak-out.html
Das nunmehr sowohl der Regens Niehues vom Priesterseminar Münster oder auch der Regens vom Priesterseminar Paderborn oder auch Erzbischof Beckers vom Erzbistum Paderborn, Bischof Overbeck im Bistum Essen oder Bischof Bode im Bistum Osnabrück sich befürwortend hinter homosexuelle Priester gestellt haben, ist ebenso zu begrüßen.
Homosexuelle katholische Priester können sich also nunmehr in Deutschland outen, das mag Kardinal Müller und Kardinal Brandmüller sehr verärgern, aber sie bilden eine Minderheit unter den Bischöfen/Kardinälen aus Deutschland, die dies so sehen.