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Katholische Kirche

Große Mehrheit hält Zölibat für Ursache von sexuellem Missbrauch

Während die homophobsten Teile der katholischen Kirche pauschal Schwule für den sexuellen Missbrauch in der Kirche verantwortlich machen, hat die deutsche Bevölkerung eine ganz andere Erklärung.


Eine große Mehrheit der Deutschen versteht nicht, warum Priester ihr Leben alleine verbringen müssen (Bild: Mario Micklisch / flickr)

Eine große Mehrheit von 72 Prozent der Deutschen hält die vorgeschriebene Ehelosigkeit katholischer Priester einer Umfrage zufolge für eine Ursache von sexuellem Missbrauch. 14 Prozent glauben das nicht, und 13 Prozent machten keine Angaben. Mehr als vier Fünftel (82 Prozent) sind dafür, den Zölibat abzuschaffen, so dass katholische Priester selbst entscheiden dürfen, ob sie heiraten oder nicht. Das ergab eine am Dienstag veröffentlichte repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur. Insgesamt waren zwischen dem 15. und 18. Februar 2.054 Menschen befragt worden.

Am Donnerstag kommen im Vatikan die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen aus aller Welt zu einem bislang beispiellosen Spitzentreffen zum Thema Missbrauch zusammen. In den vergangenen Jahren ist in mehreren Ländern ein erschreckendes Ausmaß von sexuellem Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch katholische Priester ans Licht gekommen.

Kulturkampf um Schuldfrage

In der katholischen Kirche herrscht derzeit ein Kulturkampf darum, wer die Schuld am lange durch die Obrigkeit geduldeten Missbrauch trägt. Viele der katholischen Würdenträger wollen dafür ausschließlich Homosexuelle verantwortlich machen und Schwulen eine pauschale Schuld zusprechen. Unterstützer dieser Theorie sind konservative Hardliner wie Raymond Leo Kardinal Burke, Weihbischof Marian Eleganti, Walter Kardinal Brandmüller oder Gerhard Ludwig Kardinal Müller. Das fundamentalistische Magazin "katholisches.info" sprach unlängst abfällig von "Homosex-Tätern", die schuld am Missbrauchsskandal seien.

Papst Franziskus verteidigte in den letzten Jahren das generelle Homo-Verbot im Priesteramt – selbst für jene Männer, die sich an den Zölibat halten wollen (queer.de berichtete). Inzwischen wackelt dieses homophobe Relikt jedoch: Mehrere deutsche Diözesen stellen den Bann derzeit offen in Frage (queer.de berichtete).

Zwei Drittel wollen, dass Kirche Homosexuelle gleichbehandelt

Weitere Ergebnisse der YouGov-Befragung: Auf die Frage, ob die Kirche ihre kritische Haltung gegenüber Homosexualität ändern und eine homosexuelle Orientierung als gleichwertig betrachten sollte, antworteten 64 Prozent der Befragten mit Ja, 21 Prozent mit Nein und 15 Prozent machten keine Angaben.

72 Prozent sind dafür, dass in der Kirche auch Frauen Priester werden können. Nur 13 Prozent sind dagegen, 15 Prozent machten keine Angaben. Nur wenige rechnen allerdings damit, dass sich die katholische Kirche in der Frauenfrage bewegen wird. Auf die Frage, ob sie glaubten, dass die Kirche Frauen in den nächsten 20 Jahren zum Priesteramt zulassen werde, antwortete mehr als die Hälfte der Befragten (54 Prozent) mit Nein. Ein Viertel (24 Prozent) geht hingegen durchaus davon aus, und 22 Prozent sind unschlüssig. (dpa/dk)



#1 Bonifatius49Anonym
  • 19.02.2019, 17:05h
  • Lobenswert, das Papst Franziskus mehrmals öffentlich homosexuelle Priester verteidigte und die Worte sagte, "Wer bin ich mir darüber ein Urteil anzumaßen".

    Lobenswert das nunmehr die ersten katholischen Priester wie Bernd Mönkebüscher im Erzbistum Paderborn oder Gregory Greiten in Milwaukee, Wiscons, sich öffentlich als schwul outen, und sie hierbei nicht arbeitsrechtlich gekündigt oder in eine andere Kirchengemeinde strafversetzt werden.

    www.nytimes.com/2019/02/17/us/it-is-not-a-closet-it-is-a-cag
    e-gay-catholic-priests-speak-out.html


    Das nunmehr sowohl der Regens Niehues vom Priesterseminar Münster oder auch der Regens vom Priesterseminar Paderborn oder auch Erzbischof Beckers vom Erzbistum Paderborn, Bischof Overbeck im Bistum Essen oder Bischof Bode im Bistum Osnabrück sich befürwortend hinter homosexuelle Priester gestellt haben, ist ebenso zu begrüßen.

    Homosexuelle katholische Priester können sich also nunmehr in Deutschland outen, das mag Kardinal Müller und Kardinal Brandmüller sehr verärgern, aber sie bilden eine Minderheit unter den Bischöfen/Kardinälen aus Deutschland, die dies so sehen.
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#2 Simon HAnonym
  • 19.02.2019, 17:42h
  • Ich bin mir nicht ganz sicher, ob es wirklich so ist, dass die durch das Zölibat so werden oder ob nicht die Kirche von vornherein bestimmte Leute anzieht.

    Aber es wäre sicherlich ratsam, dieses Zölibat-Dings endlich abzuschaffen. Dann bräuchten auch nicht mehr die Pfarrer, die heimlich in Beziehungen leben, diese zu vertuschen. Und die ganzen Kinder aus diesen Beziehungen würden endlich auch akzeptiert werden und die Kirche würde auch viel Geld sparen.

    Ich sehe keinen Grund, warum ein verheirateter Priester schlechter sein sollte als ein unverheirateter. Andere Religionen zeigen das ja auch. Und dann kann man in einem auch das Priester-Amt für Frauen öffnen. Die haben ja eh Nachwuchssorgen.
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#3 kuesschen11Profil
  • 19.02.2019, 18:17hFrankfurt/Main
  • "Eine große Mehrheit von 72 Prozent der Deutschen hält die vorgeschriebene Ehelosigkeit katholischer Priester einer Umfrage zufolge für eine Ursache von sexuellem Missbrauch."

    Ich denke es ist nicht allein die vorgeschriebene Ehelosigkeit, sondern generell die auferlegte, massive Unterdrückung der Sexualität von katholischen Priestern.

    Das Zölibat sollte abgeschafft werden, dann wird die patriarchale Macht schon bröckeln und es wird zu weniger Missbrauchsfällen kommen. Die katholische Kirche hat die ganzen Jahrhunderte über ein gestörtes Verhältnis (Keuschheit, Bestrafung etc.) zur Sexualität unter Erwachsenen aufgebaut und jetzt kommt sie aus den strengen Dogmen nicht mehr heraus.

    Interessant wäre auch mal eine Studie über Missbrauchsfälle in der evangelischen Kirche. Da wird gar nicht erst von Missbrauchsfällen berichtet und ich denke, die kommen dort, wo es kein Zölibat gibt, viel weniger vor. In den evangelischen Kirchen gibt es genügend schwule Pfarrer und lesbische Pfarrerinnen, die mit Missbrauchsfällen nichts am Hut haben.
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#4 JadugharProfil
  • 19.02.2019, 20:59hHamburg
  • Antwort auf #3 von kuesschen11
  • Wenn wir mal alle christlichen Glaubensrichtungen als Sekten auffassen, so gibt es neben der katholischen Sekte ein ähnliches Mißbrauchproblem bei den Zeugen Jehovas. Sie soll sogar die höchste Mißbrauchsrate haben, welche sogar die katholische Kirche übertrifft! Es existiert zwar bei den Zeugen Jehovas kein Zölibat, jedoch sehen sie sich als die einzig wahre Sekte an, wo sie durch deren Mitgliedschaft in das Himmelreich kommen oder nach dem Jüngsten Tag ihnen ein ewiges Leben beschert wird. Sie umgeben sich mit den Nimbus einer Heiligkeit. Auch hier wird das Alte Testament herangezogen, wenn es ihnen gerecht ist. Wird eine Frau vergewaltigt und schreit sie nicht nach Hilfe, dann ist sie selbst schuld, weil das Alte Testament es so beschreibt. Erhebt sie Anklage, dann wird sie aus der Gemeinschaft verstoßen. Das System ist streng patriarchalisch, wo Frauen wenig oder kaum Rechte besitzen, weil sie sich dem Mann unter zu ordnen hat. Ähnlich ergeht es den Kindern, denen gleich wie den Frauen kaum Rechte zugestanden werden. Kinder müssen also gezüchtigt werden. Genau wie die katholische Kirche schützen der Ältesten-Rat der ZJ die Täter, da sie nach außen heilig erscheinen wollen und alles vertuschen, was nicht sein darf! Beides gemein ist die Scheinheiligkeit!
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#5 TheDadProfil
  • 19.02.2019, 22:24hHannover
  • Antwort auf #1 von Bonifatius49
  • ""Lobenswert, das Papst Franziskus mehrmals öffentlich homosexuelle Priester verteidigte und die Worte sagte, "Wer bin ich mir darüber ein Urteil anzumaßen".""..

    Warum lügst Du dir hier was zusammen ?

    Der zitierte Satz stammt aus einem Interview in einem Flugzeug, und damit waren KEINE "Priester" gemeint !

    Das ist nachlesbar !

    ""Lobenswert das nunmehr die ersten katholischen Priester wie Bernd Mönkebüscher im Erzbistum Paderborn oder Gregory Greiten in Milwaukee, Wiscons, sich öffentlich als schwul outen, und sie hierbei nicht arbeitsrechtlich gekündigt oder in eine andere Kirchengemeinde strafversetzt werden.""..

    Wer noch nicht gekündigt oder strafversetzt wurde, kann es ja noch werden..
    Der Arm der Kirche ist so lang wie ihre Geduld in "Zeitlichen Dimensionen"..

    Und nun zur Frage aller Fragen :

    WAS hat Dein Kommentar eigentlich GENAU mit dem Inhalt des Artikels zu tun ?

    Und wieso ist diese Möglichkeit sich als "Priester" jetzt plötzlich outen zu können
    (vor allem weil das schon immer möglich war, nur gibt es Anzeichen dafür, daß sich die Konsequenzen verändern !)
    jetzt eigentlich keine
    "epochale Veränderung in der RKK" ?
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#6 TheDadProfil
  • 19.02.2019, 22:34hHannover
  • Antwort auf #3 von kuesschen11
  • ""Ich denke es ist nicht allein die vorgeschriebene Ehelosigkeit, sondern generell die auferlegte, massive Unterdrückung der Sexualität von katholischen Priestern.""..

    Ich möchte an dieser Stelle hinzufügen :
    Ich halte es für hochwahrscheinlich daß der Umgang der RKK mit der Sexualität, und deren massive Unterdrückung nicht nur bei Priestern den "Missbrauch" von Kindern und Jugendlichen "fördert", sondern auch in den Familien, und hier insbesondere in den "Katholischen Familien" auslöst..
    Leider gibt es dazu keine Statistiken, denn selbst das KFN (Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen), welches dazu die meisten Studien erstellt hat, erfasst in diesen Studien die "Religion" der Täter*innen NICHT..

    Ich bin mir sicher, würde man die "Religion" der Täter*innen erfassen, würde sich ein grausames Bild von den Verteilungs-Strukturen dieser Familien offenbaren, und die "Katholischen Familien" mit sehr großem Abstand die absolute Spitze der Tatorte bilden..
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#7 Gerlinde24Ehemaliges Profil
  • 20.02.2019, 04:51h
  • Ich würde nicht sagen, dass der Zölibat die Ursache allen Übels ist, aber bestimmt verstärkt der Zölibat, den Missbrauch. Das größere Problem sehe ich nicht im Missbrauch pädosexueller Priester, sondern in der Vertuschung der Taten. Denn Missbrauch gibt es überall. Wie damit umgegangen wird, das ist die entscheidende Frage!
    Man kann es leugnen, verharmlosen oder vertuschen, wie die RKK es Jahrzehntelang getan hat; oder man kann im eigenen Saustall ausmisten, die Täter entfernen, indem man die Opfer und ihre Familien ermutigt, diese reißenden Bestien anzuzeigen, oder sie, wenn das Beichtgeheimnis nicht betroffen ist, am besten selbst der Justiz ausliefert.
    Das würde Vertrauen in die Institution Kirche schaffen!
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#8 Gerlinde24Ehemaliges Profil
  • 20.02.2019, 04:58h
  • Antwort auf #4 von Jadughar
  • Bei den ZJ gibt es die "zwei-Zeugen-Regel", wonach ein Missbrauch nur stattgefunden hat, wenn es zwei Zeugen der Tat gibt. Nur, bei Missbrauch gibt es meist nur Täter und Opfer, und, schweigt der Täter, gilt er, trotz juristisch verwertbarer Beweise, bei den ZJ als unschuldig. Mir ist ein Fall bekannt, wo hier in Deutschland ein Vater seine beiden Töchter über Jahre missbrauchte. Als die ältere Tochter erwachsen war, zeigte sie den Vater an. Sie wurde wegen Rauchens ausgeschlossen, denn bei denen ist das verboten. Der Vater, obwohl juristisch verurteilt, gilt bei den ZJ immer noch als Mitglied.
    Merke: Rauchen ist verboten, bei Kindesmissbrauch wird weggesehen. Übrigens, bei Rauchen braucht nur einer das bezeugen.
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#9 kuesschen11Profil
  • 20.02.2019, 10:43hFrankfurt/Main
  • Antwort auf #6 von TheDad
  • Ich bin mir sicher, würde man die "Religion" der Täter*innen erfassen, würde sich ein grausames Bild von den Verteilungs-Strukturen dieser Familien offenbaren, und die "Katholischen Familien" mit sehr großem Abstand die absolute Spitze der Tatorte bilden

    Ja, da ist wohl was Wahres dran.

    Wie du schreibst, wird in den kriminologischen Forschungen die Religion der Täter*innen nicht erfasst. Ich denke, das wird sich die RKK verbieten und bisher verboten haben, sonst würde ja die ewige Vertuschung nicht mehr funktionieren.
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#10 zundermxeAnonym
  • 20.02.2019, 12:02h
  • Naja, möchte mich mittlerweile in einem demokratischen Staat, in dem Staat und Kirche immer voneinander getrennt sein müssen, eigentlich nicht mehr mit diesen Themen in diesem Kontext beschäftigen müssen.

    Kein Recht einer Religion - egal welcher - darf über dem Recht des Staates stehen. Hier ist die lange Zeit , zumindest zu oft praktisch, angewandte Auslegung der Religionsfreiheit absolut fehl am Platz.
    Dies ergibt sich schon aus dem Umstand, dass diese Art der Auslegung der Religionsfreiheit dem demokratischen Prinzip der Gleichbehandlung fundamental widerspricht.
    Missbrauch ist Missbrauch - völlig egal ob es sich dabei um einen leiblichen Vater oder einem geistlichen Vater als Täter handelt.
    Wo bleibt hier überdies die rechtliche Klärung der Strafvereitelung im Amt?
    Mord und Gewalt innerhalb der Familie ist nicht milder zu bestrafen ob nun bsp. aus Habgier und Sardismus oder aus Kultur, Tradition und Ehre begangen.
    Träume von der Utopie, dass dies vom Staat, den Gerichten und den Religionen endlich umgesetzt werden würde. Das wäre der Schutz des Individuums innerhalb einer freiheitlichen Demokratie vor den moralischen Normen und Dogmen religiöser Gruppen.
    Die Gleichstellung von Mann, Frau und Diverser, von Frau und Frau sowie Mann und Mann wird immer eine offene Baustelle bleiben, solange Religionen im Rahmen der Religionsfreiheit vom Staat ein abweichendes Sonderrecht zugestanden wird.
    Würde bsp. ein Verein in seiner Satzung dem GG nicht entsprechen, würde idR zumindest die Gemeinnützigkeit und somit die Spendenfähigkeit entzogen werden. Jegliche Förderung von staatlicher Seite könnte und würde idR nicht stattfinden.
    Wer möchte also bitte noch behaupten, dass wir in einem Staat leben, in dem Religion und Staat voneinander getrennt sind?!
    Aber genau dies wäre die unabdingbare Basis für Gleichberechtigung in jeder Form.
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