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USA

Trump-Regierung startet Initiative zur Entkriminalisierung von Homosexualität

Unter Führung des schwulen Botschafters Richard Grenell will die US-Regierung weltweit die Verfolgung Homosexueller bekämpfen – LGBTI-Aktivisten sind skeptisch.


Richard Grenell ist seit Mai 2018 US-Botschafter in Berlin – er gilt als loyaler Anhänger von Präsident Donald Trump (Bild: richardgrenell / instagram)

Die Regierung von Präsident Donald Trump hat diese Woche eine Initiative zur Bekämpfung der Verfolgung Homosexueller in aller Welt gestartet. Das berichtet "NBC News" unter Berufung auf US-Beamte. "Es geht darum, dass im 21. Jahrhundert ungefähr 70 Länder immer noch Menschen mit LGBTI-Status oder -Verhalten kriminalisieren", so der namentlich nicht genannte Beamte.

Die Kampagne soll von Richard Grenell, dem amerikanischen Botschafter in Deutschland, geleitet werden. Der 52-Jährige ist der ranghöchste offen schwule Vertreter der Trump-Regierung. Laut Medienberichten sollte dazu am Dienstagabend ein erstes Treffen des Botschafters mit internationalen LGBTI-Aktivisten in Berlin stattfinden, wobei Details und Teilnehmer zunächst unklar blieben.

Twitter / LGLLithuania | Bislang hat nur eine litauische LGBTI-Organisation Botschafter Grenell für seinen Einsatz gedankt

Die Strategie für die Initiative werde noch erarbeitet, die Regierung werde aber wohl mit transnationalen Organisationen wie den Vereinten Nationen, der Europäischen Union oder der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) zusammenarbeiten, so NBC. Mehrere US-Behörden sollen ebenfalls beteiligt werden.

Die Kampagne soll sich konkret nur auf die Kriminalisierung von Homosexualität beziehen. Themen wie die Gleichbehandlung mit der Mehrheitsbevölkerung – etwa durch die rechtliche Anerkennung homosexueller Paare oder Antidiskriminierungsgesetze – seien ausdrücklich nicht Ziel der Initiative.

Zweifel an Intention der Trump-Regierung

Die führenden amerikanischen LGBTI-Organisationen zeigten sich skeptisch über die Initiative, von der sie erst aus den Medien erfuhren – laut "Washington Blade" wurden zu dem Treffen in Berlin weder ihre Vetreter eingeladen noch welche vom LSVD oder von ILGA Europe. "Wir würden glauben, dass die Trump-Regierung LGBTQ in aller Welt beschützen will, wenn sie nicht in den USA seit ihrem Amtsantritt LGBTQ mehr als 90 Mal attackiert hätte", erklärte die Organisation GLAAD auf Twitter. Als Beispiele für die queerfeindliche Politik nannte sie etwa die Wiedereinführung des Trans-Verbots im Militär und die Schwächung des Diskriminierungsschutzes.

Twitter / glaad

Auch die Human Rights Campaign, die größte LGBTI-Organisation der USA, zeigte sich unbeeindruckt: "Die Trump-Pence-Regierung hat vom ersten Tag an konsequent daran gearbeitet, die grundlegende Gleichbehandlung von LGBTQ und unseren Familien zu untergraben."

Twitter / HRC

Feindschaft zu Iran als wahrer Grund für Initiative?

In den US-Medien wird spekuliert, ob der wahre Grund für die Initiative die Spannungen zwischen den USA und dem Iran sind. Seitdem die Trump-Regierung das Iran-Atomabkommen gekündigt hatte, übt sie auf die europäischen Verbündeten Druck aus, ebenfalls aus dem Abkommen auszusteigen. Auch die neue Initiative wird mit der Verfolgung im Iran gerechtfertigt – in dem Land steht auf Homosexualität die Todesstrafe.

Botschafter Grenell hatte bereits vor zwei Wochen die angebliche Hinrichtung eines schwulen Mannes im Iran wegen dessen Homosexualität in einem Artikel in der "Bild"-Zeitung kritisiert und Konsequenzen gefordert (queer.de berichtete). Die Hintergründe der Hinrichtung sind allerdings weiter unklar (queer.de berichtete). US-Verbündete, die ebenfalls Homosexuelle verfolgen oder – wie Saudi-Arabien – sogar hinrichten lassen, wurden bislang von der Trump-Regierung nie wegen dieser Menschenrechtsverletzungen getadelt.

Twitter / RichardGrenell | Auf Twitter versucht Grenell unter Berufung auf Menschenrechte, eine Allianz gegen den Iran zu schmieden – bei Saudi-Arabien hat er diese Menschenrechtsbedenken allerdings nicht

Ein "New York Times"-Reporter äußerte am Dienstag in der CNN-Sendung "Amanpour" die Vermutung, dass Trump vor den Präsidentschaftswahlen im November 2020 möglicherweise einen Krieg gegen den Iran provozieren möchte, um dann mit der Kriegsbegeisterung der Bevölkerung seine Wiederwahl zu sichern. 2004 hatte diese Strategie bereits mit dem Irak-Krieg funktioniert, als George W. Bush mit deutlicher Mehrheit wiedergewählt wurde. (dk)



#1 Gerlinde24Profil
  • 20.02.2019, 11:48hBerlin
  • In aller Welt, ja, aber die einzige Ausnahme werden die USA sein, dafür werden die christlich-fundamentalistischen Trump-Anhänger schon sorgen. Und Trump wird mitspielen, weil er ihre Stimmen für eine Wiederwahl dringend braucht.
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#2 Sukram712Anonym
#3 Ketzer
  • 20.02.2019, 11:54h
  • ""Wir würden glauben, dass die Trump-Regierung LGBTQ in aller Welt beschützen will, wenn sie nicht in den USA seit ihrem Amtsantritt LGBTQ mehr als 90 Mal attackiert hätte"".

    Ich schließe mich dem an und traue Trump und seiner Administration keinen Inch weit. Ganz abgesehen davon, was ich generell vom Geisteszustand dieses Mannes halte.
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#4 goddamn liberalAnonym
  • 20.02.2019, 12:02h
  • Antwort auf #2 von Sukram712
  • Leider möglich.

    Aber bedeutet das nach dieser Logik auch einen Krieg gegen das genauso mörderisch homophobe feudalistisch-reaktionäre Saudi-Arabien?

    Bedeutet das, dass die US-Regierung ihre transphobe Politik im eigenen Militär revidiert?
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#5 Sukram712Anonym
  • 20.02.2019, 13:14h
  • Antwort auf #4 von goddamn liberal
  • "Aber bedeutet das nach dieser Logik auch einen Krieg gegen das genauso mörderisch homophobe feudalistisch-reaktionäre Saudi-Arabien?
    Bedeutet das, dass die US-Regierung ihre transphobe Politik im eigenen Militär revidiert?"

    Das bedeutet, die USA werfen zusammen mit Israel so lange Bomben auf den Iran, bis es im Iran keine jungen schwulen Männer (bzw dann Soldaten) mehr gibt, die kriminalisiert werden könnten...
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#6 SarkastikerAnonym
#7 MinelleAnonym
#8 qwertzuiopüAnonym
  • 20.02.2019, 14:42h
  • Es muss nichts mit dem Iran zu tun haben. Es ist durchaus möglich, dass es eine PR-Aktion ist. Widersprüchliche Aktionen, um die eigenen Gegner zu demobilisieren, sind zur Zeit durchaus in Mode, nicht nur bei Trump. Angela Merkel hat es ja exakt genauso gemacht bei der Eheöffnung, nur wesentlich geschickter als Trump.
    Dazu kommt, dass die Anhänger Trumps, die im großen und ganzen eigentlich sowieso gar nicht so kriegsbegeistert sind, sicher nicht für Homosexuelle Krieg mit Iran wollen.

    Andererseits ist es natürlich von all dem abgesehen trotzdem gut möglich, dass Trump für seine Wiederwahl einen Krieg ansteuert, und wir können nur hoffen, dass es nicht so kommt. In dem Fall sollte die EU zwischen Iran und USA vermitteln.
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#9 goddamn liberalAnonym
#10 goddamn liberalAnonym
  • 20.02.2019, 15:23h
  • Antwort auf #8 von qwertzuiopü
  • "Dazu kommt, dass die Anhänger Trumps, die im großen und ganzen eigentlich sowieso gar nicht so kriegsbegeistert sind"

    Das stimmt, aber seine Anhängerschaft bröckelt sowieso. Z. B. demographisch. Es gibt z. B. in den USA heute weniger Evangelikale als noch zur Zeit von Bush jun., der übrigens die Abschaffung der Haftstrafen über unsereiner durch den Supreme Court im Jahr 2003 (Vergleich Frankreich 1791!) noch bedauerte. Da könnte ein Krieg der letzte Ausweg und Irrweg für den Irren sein.
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