https://queer.de/?33049
Unfairer Vorteil oder Diskriminierung?
CAS: Anhörung im Fall Caster Semenya beendet
Der Internationale Sportgerichtshof will bis zum 26. März entscheiden, ob Testosteronlimits für Mittelstreckenläuferinnen mit intergeschlechtlichen Anlagen rechtens sind.

Klagt vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne: Caster Semenya, hier 2018 bei einem Wettbewerb in Paris (Bild: Yann Caradec / flickr)
- 23. Februar 2019, 09:55h 2 Min.
Der Internationale Sportgerichtshof CAS will sein richtungsweisendes Urteil im Fall der zweimaligen 800-Meter-Olympiasiegerin Caster Semenya bis zum 26. März bekanntgeben. Bei der am Freitagnachmittag beendeten Anhörung hatte die 28 Jahre alte Südafrikanerin das Schlusswort, teilte der CAS in einem Statement (PDF) mit. Auch Sebastian Coe, Präsident des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF, wurde in Lausanne gehört.
Die dreimalige 800-Meter-Weltmeisterin wehrt sich vor dem CAS – der höchsten Instanz im internationalen Sport – gegen eine Regel der IAAF, die Testosteron-Limits für Mittelstreckenläuferinnen mit intersexuellen Anlagen vorsieht (queer.de berichtete). Demzufolge sollen Frauen das Startrecht für bestimmte Rennen nur erhalten, wenn ein spezifischer Testosterongehalt im Blut (5 Nanomol pro Liter) nicht überschritten wird. Läuferinnen müssten künftig "innerhalb einer durchgehenden Periode von mindestens sechs Monaten – beispielsweise durch die Einnahme hormoneller Verhütungsmittel" – ihren erhöhten Wert dauerhaft reduzieren.
Debatte über Semenya seit zehn Jahren
Caster Semenya gilt als bekanntester intergeschlechtlicher Mensch der Welt, auch wenn sich die lesbische Athletin selbst nicht zu dem Thema äußern will. In der Vergangenheit war der Mittelstreckenläuferin mehrfach "vorgeworfen" worden, in Wirklichkeit ein Mann zu sein – sie wurde deswegen auch von anderen Sportlerinnen beschimpft, die wegen ihrer angeblich hohen Testosteronwerte einen unfairen Vorteil beklagten (queer.de berichtete).
Nach ihrer ersten Goldmedaille im 800-Meter-Lauf bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2009 in Berlin musste sich Semenya umstrittenen Geschlechtstests unterziehen, deren Ergebnisse jedoch nicht veröffentlicht wurden. Der Generalsekretär des Leichtathletikverbands IAAF Pierre Weiss teilte damals lediglich der Presse mit: "Es ist klar, dass sie eine Frau ist, aber vielleicht nicht zu 100 Prozent." Die Mittelstreckenläuferin durfte damit ihre Medaillen behalten und nach einer mehrmonatigen Pause auch wieder bei den Frauen starten.
Bei den Olympischen Sommerspielen 2016 in Rio de Janeiro holte Caster Semenya mit persönlicher Bestleistung und nationalem Rekord von 1:55,28 Minuten erneut eine Goldmedaille im 800-Meter-Lauf (queer.de berichtete). Im Januar 2017 heiratete sie ihre Freundin Violet Raseboya (queer.de berichtete). (cw/dpa)















Es ist klar, dass die Autoren dieser Artikel hier auf queer.de auf der Seite von Caster Semenya stehen. Man sollte aber neutral sein.
Mir fehlt hier ein wenig Neutralität, da im Sinne der Fairness ja auch die anderen Läuferinnen zu berücksichtigen sind, die nicht intergeschlechtlich sind.
Mit einem stark erhöhten Testosteronlevel hat man im Frauensport Vorteile. Das ist ein objektiver und unbestreitbarer Befund. Ansonsten hätte es in der gesamten Sportvergangenheit nicht so starkes Testosteron-Doping im Frauensport gegeben.
Die Frage hier ist, ob es unfair ist, wenn intergeschlechtliche Menschen in einem binär nach zwei Geschlechtern getrennten Sportwettkampfsystem dem sportlich weniger leistungsstarken Geschlecht zugeordnet werden, also den Frauen.
Auf der einen Seite stehen die Rechte von Caster Semenya, auf der anderen Seite die Rechte der anderen Läuferinnen.
Die Frage, was man mit einem intergeschlechtlichen Sportler machen soll, der annähernd das Testosteronlevel von Männern aufweist, aber behauptet sich als Frau zu identifizieren, ist schwierig zu beantworten. In jedem Fall würde ein biologischer Mann, der nicht intergeschlechtlich ist und keine geschlechtsangleichenden Maßnahmen hat an sich vornehmen lassen (Hormone, geschlechtsangleichende OP, etc.), aber behauptet eine Frau zu sein, mit Sicherheit nicht zu Frauenwettkämpfen zugelassen werden. Insofern ist hier also die Intergeschlechtlichkeit von Bedeutung, d. h. dass Caster Semenya biologisch weder eindeutig männlich noch eindeutig weiblich ist. Es kann also nicht von Belang sein, dass sie sich als Frau identifiziert. Entscheidend müssen hier also die biologischen Merkmale sein. Ansonsten könnte jeder Mann sich als Frau ausgeben und bei Frauenwettkämpfen alle biologischen Frauen besiegen.
Wenn ein genetischer Test ergibt, dass sie genetisch eher ein Mann ist und sie innenliegende Hoden aufweist, die für einen höheren Testosteronspiegel sorgen, dann sehe ich hier schon eher einen unfairen Vorteil in Frauenwettkämpfen gegeben.
Wenn sie sich als Frau identifiziert und in Frauenwettkämpfen teilnehmen will, aber innenliegende Hoden hat, dann müsste sie sich in meinen Augen diese innenliegenden Hoden entfernen lassen, bevor sie zu Frauenwettkämpfen zugelassen werden kann. Es kann jedoch nicht sein, dass sie einerseits behauptet eine Frau zu sein und daher an Frauenwettkämpfen teilnehmen will, andererseits aber dann nicht bereit ist das entfernen zu lassen, was ihr einen unfairen Vorteil verschafft, nämlich die innenliegenden Hoden.
Theoretisch ist es ja möglich, dass sie sich insgeheim doch als Mann identifiziert und nur nach außen vorgibt sich als Frau zu fühlen, um einen Vorteil in Wettkämpfen zu erhalten und um Preisgeld einzunehmen. Es könnte ja wirklich sein, dass sie innenliegende Hoden hat und diese ihr einen unfairen Vorteil gegenüber biologischen Frauen geben und sie dies als ihr Kapital ansieht und ausnutzt. Genau das werfen ihr ihre Kolleginnen in Wettkämpfen ja vor.
Die Tatsache, dass sie mit einer Frau verheiratet ist, kann jedoch nicht als Argument gegen Caster Semenya verwendet werden, da es ja wirklich sein kann, dass sie eine weibliche Geschlechtsidentität hat und gleichzeitig lesbisch ist. Und es gibt ja auch biologische Frauen, die lesbisch und mit einer Frau verheiratet sind.
Wirklich schwierig der Fall.
Ich glaube das Vertrackte dabei ist, dass der Sport in einem starren binären Geschlechtersystem geordnet ist, in dem nur zwei Geschlechter vorgesehen sind, obwohl es in der Realität auch etwas dazwischen gibt.
Kann es eine Lösung sein Wettkämpfe für Intergeschlechtliche anzubieten? Hier ist zu berücksichtigen, dass es nur sehr wenige intergeschlechtliche Menschen gibt und es schwierig ist überhaupt genügend Sportler*innen für halbwegs interessante Intersex-Wettkämpfe zusammenzubekommen. Zudem gibt es auch unter den intergeschlechtlichen Menschen große Unterschiede, was das Testosteronlevel und somit die sportliche Leistungsfähigkeit betrifft.
Kann es sinnvoll sein Testosteronklassen für Wettkämpfe einzuführen? Das erscheint mir aber sehr weit hergeholt.
Wenn es bei einem binären Geschlechtersystem im Wettkampfsport bleibt, dann müssen intergeschlechtliceh Menschen einem Geschlecht zugeordnet werden. Denn komplett von Wettkämpfen ausschließen kann man sie ja nicht. Die Schwierigkeit besteht also darin zu entscheiden, welche Kritierien für die Zuordnung herangezogen werden sollen.